Ziel der Arbeit ist es, Merkmale und Kennzeichen einer Banlieue hervorzuheben, insbesondere in Verbindung zu marginalisierenden Prozessen. Im Laufe der Arbeit wird auf die Genese der Banlieues eingegangen. Die Begriffskonnotation sowie ihre Entstehung werden erläutert. Es wird versucht, aktuelle Kennzeichen der Banlieue darzustellen, mit kurzem Ausblick auf Kriminalität und Kollektivierung sowie einer Gegenüberstellung mit dem amerikanischen Getto. Im anschließenden Kapitel werden Marginalisierungsprozesse näher erläutert und zur Erklärung der Lebenssituation in der Banlieue herangezogen. Das vierte Kapitel geht näher auf einer der Problemzonen, die Banlieue La Courneuve, ein, da sie oft als Sinnbild der Misere französischer Großstädte gilt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Banlieue – was ist das?
2.1 Begriffsbedeutung
2.2 Historische Entwicklung der Banlieue
2.3 Banlieue heute
2.4 Kriminalität
2.5 Phänomen Kollektiv
2.6 Amerikanisierung der Banlieue?
3 Marginalisierung
3.1 Segregation
3.2 Soziale Exklusion und Reaktionen
3.3 Territoriale Stigmatisierung
3.4 Fortgeschrittene Marginalität
4 Die Cité: Les Quatre mille
5 Politique de la Ville
6 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Ziel dieser Arbeit ist es, die spezifischen Merkmale und Kennzeichen der Pariser Banlieues in Bezug auf marginalisierende Prozesse zu untersuchen. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich die Lebenssituation in diesen urbanen Räumen darstellt, inwieweit eine Stigmatisierung vorliegt und ob die oft diskutierte "Amerikanisierung" bzw. Gettoisierung der Banlieues wissenschaftlich haltbar ist.
- Historische Genese und Begriffsentwicklung der Banlieue
- Analyse von Marginalisierungsprozessen wie Segregation und Exklusion
- Kritische Auseinandersetzung mit dem Vergleich zwischen Banlieue und amerikanischem Getto
- Fallbeispielanalyse der Banlieue "La Courneuve"
- Evaluation staatlicher Integrationsmaßnahmen (Politique de la Ville)
Auszug aus dem Buch
2.1 Begriffsbedeutung
Der Begriff Banlieue [bã'ljø] entstand im Mittelalter und bezeichnete sowie begrenzte das umliegende Areal eines Ortes. Dieses Gebiet unterlag de facto und später auch de jure (19. Jahrhundert) der Stadt, welche auf das Areal in allen Angelegenheiten ihren Einfluss ausüben konnte. Die Banlieue erstreckte sich eine bis mehreren Meilen um eine Stadt. Innerhalb dieser Bannmeile war es Fremden nicht erlaubt, ohne Genehmigung Handel bzw. Gewerbe zu betreiben.
Der räumliche Begriff Banlieue hat sich erst später heraus gebildet, als die Industrieanlagen des 19. Jahrhunderts anfingen, sich aufgrund der attraktiven Grundstückspreise in Vororten von Paris und anderen Großstädten zu konzentrieren. Die Banlieue „[…] est synonyme de zone urbaine ou périurbaine.“, schrieb George, Pierre 1950.
Heute hat der Begriff Banlieue eine eher unerfreuliche Konnotation eingenommen. Bis zur Schwelle der 1990er blieb die vom Soziologen Stanley Cohen so genannte „moralische Panik“ in Frankreich noch aus. Jedoch innerhalb weniger Jahre wurden die Banlieues, die nun wegen verschiedener Vorfälle immer öfter Thema von Medien und Politikern waren, zu einem „Volksteufel“ stigmatisiert. Früh fing man damit an, von einer Amerikanisierung der Banlieues, von einer Gettoisierung, zu sprechen: „Lang lebe das Getto“ titelte 1990 die Wochenzeitung Politis, der Architekt und Mitbegründer der Mission Banlieue 89, Roland Castro, schätzte 1990 in einem Interview „600 Ghettos“ in ganz Frankreich. Der Soziologe Alain Touraine sprach 1990 gar vom „Amerikanischen Syndrom“, das sich auf europäische Städte ausbreite.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Pariser Banlieues unter Berücksichtigung ihrer medialen Wahrnehmung und Darlegung der Zielsetzung der Arbeit.
2 Banlieue – was ist das?: Definition des Begriffs, historische Entwicklung der Pariser Vororte und aktuelle Kennzeichen wie Kriminalität und soziale Kollektivierung im Vergleich zu US-amerikanischen Gettos.
3 Marginalisierung: Untersuchung von Prozessen der sozialen Ausgrenzung, räumlichen Trennung und der Stigmatisierung der Bewohner sowie die Einordnung in den Kontext fortgeschrittener Marginalität.
4 Die Cité: Les Quatre mille: Detaillierte Betrachtung der Großwohnsiedlung La Courneuve als Sinnbild für die Probleme französischer Großstädte.
5 Politique de la Ville: Analyse der staatlichen Bemühungen und Integrationsprogramme zur Bekämpfung von Armut und sozialer Exklusion.
6 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der bisherigen Lösungsansätze und Notwendigkeit für weitergehende Dezentralisierung und Partizipation.
Schlüsselwörter
Banlieue, Paris, Marginalisierung, Segregation, Soziale Exklusion, Stigmatisierung, La Courneuve, Politique de la Ville, Gettoisierung, Großwohnsiedlungen, Stadtplanung, Integration, Frankreich, Cité, Prekariat
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit befasst sich mit der soziogeographischen Situation der Pariser Banlieues, insbesondere mit den Prozessen der Marginalisierung und den sozialen Herausforderungen in diesen urbanen Räumen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die historische Entwicklung der Vororte, die Prozesse der Segregation und Exklusion, das Phänomen der territorialen Stigmatisierung sowie die staatliche Stadtpolitik (Politique de la Ville).
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Kennzeichen einer Banlieue im Kontext marginalisierender Prozesse zu identifizieren und zu analysieren, ob die häufig medial genutzte Analogie zum US-amerikanischen Getto wissenschaftlich haltbar ist.
Welche methodische Herangehensweise wird gewählt?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die aktuelle soziologische und geographische Forschungsergebnisse, Statistiken und stadtplanerische Konzepte kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine begriffliche und historische Einordnung, eine tiefgehende Analyse von Marginalisierungsprozessen und die Untersuchung des Fallbeispiels der Cité "Les Quatre mille" in La Courneuve.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Marginalisierung, Segregation, soziale Exklusion, territoriale Stigmatisierung und das französische Modell der Politique de la Ville charakterisiert.
Warum wird die Cité "Les Quatre mille" als Fallbeispiel angeführt?
Sie gilt oft als Sinnbild für die soziale Misere französischer Großstädte und verdeutlicht exemplarisch die Folgen von Deindustrialisierung, Arbeitslosigkeit und städtebaulicher Vernachlässigung.
Wie unterscheidet sich laut der Arbeit die Banlieue vom US-amerikanischen Getto?
Die Arbeit arbeitet heraus, dass im Gegensatz zum ethnisch segregierten US-Getto in der Banlieue die soziale Segmentierung überwiegt und eine stärkere ethnische Heterogenität sowie staatliche Regulierungsbemühungen existieren.
Können staatliche Integrationsmaßnahmen als erfolgreich bezeichnet werden?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass bisher keine durchgreifenden, marginalisierungshemmenden Erfolge erzielt wurden und viele Maßnahmen eher in Probephasen stecken oder nur begrenzten Einfluss auf die strukturellen Probleme haben.
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- Anonym (Author), 2009, Banlieues - Die Vorstädte von Paris, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142020