Eroberung und Plünderung Konstantinopels

(griechische Quellen)


Studienarbeit, 2003

15 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Niketas Choniates, wichtigste Lebensdaten und Werk

3. Die Eroberung und Plünderung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer
3.1. Der Angriff auf die Stadt und der Brand vom 17 / 18 Juli 1203
3.2. Die Ereignisse nach der Flucht Alexios III und der zweite Brand vom 18 / 19. August 1203
3.3. Die Eroberung Konstantinopels und der dritte Brand vom 12 / 13. April 1204

4. Die Beute der Kreuzfahrer

5. Fazit

6. Literatur

1. Einleitung

Am 05. Juli 1203 landete das Heer der Kreuzfahrer vor Konstantinopel, eroberte den Turm von Galata und zerstörte die Kette, welche die Hafeneinfahrt zum Goldenen Horn schützte.

Am 17. Juli 1203 griffen die Kreuzfahrer die Stadt an um Alexios IV., Sohn des durch Alexios III. entmachteten Isaak II., als neuen Kaiser einzusetzen. Im Laufe der Kämpfe legten die Kreuzfahrer Feuer in der Stadt, welches sich durch starke Winde rasch großflächig ausbreitete und zum ersten Brand im Laufe der Kämpfe um Konstantinopel führte.[1]

Am 19. August 1203 erfolgte ein erneuter Angriff auf Konstantinopel der jedoch zurückgeschlagen werden konnte. Um ihren Rückzug zu sichern legten die zurückweichenden Kreuzfahrer an einigen Stellen Feuer in der Stadt. Durch einen sehr starken Nordwind ent- fachten sich die einzelnen Brände zu einem großen Inferno. Dieser zweite Brand dehnte sich im Osten der Stadt, dem schönsten und auch am dichtesten besiedelten Teil aus.

Konstantinopel wurde schließlich am 12. April 1204 von einem kleinen, schlecht ausgerüsteten Kreuzfahrerheer erobert und anschließend drei Tage lang geplündert. Erneut zündeten die Kreuzfahrer die Stadt an, doch dieser dritte Brand zerstörte nur einen im Verhältnis zu den vorherigen Bränden kleinen Teil der Stadt. Nach Madden wurden durch die Brände 243 ha der Fläche innerhalb der Stadtmauern zerstört.[2]

Offenbar war man in Konstantinopel sehr schlecht auf eine Belagerung vorbereitet. Dies

ist daran erkennbar, dass nach Niketas Choniates[3] Kaiser Alexios III.[4] erst dann mit der Instandsetzung der Flotte und der Besichtigung der Stadtmauer begann, als er hörte, dass die Kreuzfahrer bereits bei Epidamnos lagerten und die Bewohner dieser Stadt seinen Neffen Alexios IV[5] zum Kaiser der Rhomäer ausgerufen hatten.

Niketas Choniates schreibt über den Zustand des Byzantinischen Reiches vor der Eroberung durch die Kreuzfahrer:„Als sie aber die Festung schwer einnehmbar fanden, entfalteten sie die Segel, um ohne Aufenthalt nach Konstantinopel zu fahren, denn die Männer aus dem Westen wussten auch aus weiter Ferne, dass das Reich der Rhomäer zu nichts anderem als zu einem torkelnden Säufer geworden war und das Byzanz dem berüchtigten Sybaris an Schwelgerei nicht nachstand“[6]

Die Ereignisse die zu Eroberung und Plünderung Konstantinopels führten werden anhand des Berichtes des Niketas Choniates dargestellt, auf dessen Leben und Werk ebenso eingegangen wird. Des weiteren soll das Ausmaß der Zerstörungen durch die Brände sowie die Höhe der Beute der Kreuzfahrer aufgeführt werden, um schließlich ein umfassendes Bild von den Geschehnissen geben zu können.

2. Niketas Choniates, wichtigste Lebensdaten und Werk

Niketas Choniates wurde um 1155 in Chonai in Phrygia Pacatiana geboren. Sein Geburtsort ist nach van Dieten durch die Überschriften seiner Werke bezeugt, in welchen er sich Niketas Choniates nennt. Auch in seinen Werken selbst spricht er öfter über seine Herkunft.[7]

Seine Eltern sind fast völlig unbekannt, gehörten wahrscheinlich jedoch dem besser gestellten, wenn auch niederen Adel Chonais an. Immerhin war die Familie vermögend und ehrgeizig genug um Niketas und seinen älteren Bruder Michael[8] eine angemessene Ausbildung in Konstantinopel zu ermöglichen.[9]

Als hilfreichste Quellen über das Leben des Niketas Choniates gelten außer seinen eigenen Werken auch die Briefe seines Bruders Michael und eine Monodie, die Michael zum Tode seines Bruders Niketas verfasste.[10]

In Konstantinopel erhielt er eine sorgfältige Ausbildung und begann unter Kaiser Alexios II. Komnenos[11] seine Laufbahn als untergeordneter Steuerbeamter im Staatsdienst. Zunächst

war er in der Provinz Paphlagonien in dieser Funktion tätig, kehrte dann aber in die Hauptstadt Konstantinopel zurück und bekleidete dort die Stelle eines kaiserlichen Sekretärs. Seine Laufbahn wurde kurz durch die Machtergreifung des Andronikos unterbrochen, dem Niketas Choniates als Tyrannenhasser nicht dienen wollte.[12]

Um diese Zeit heiratete Niketas die Schwester des Joannes Belissariotes. Unter Kaiser Isaak II. Angelos trat Niketas Choniates wieder in den Staatsdienst ein und wurde hoher Beamter der Finanzverwaltung. 1189 war er Statthalter von Philippupolis, gegen Ende des Jahres kehrte er dann nach Konstantinopel zurück. Hier bekleidete er bis kurz vor der Eroberung Konstantinopels 1204 hohe Ämter wie Richter des höchsten Gerichtes, Oberaufseher des gesamten Steuer – und Finanzwesens, sowie Großlogothet im höchsten Amt der byzan- tinischen Verwaltung.[13] In diesem Amt war er auf dem Höhepunkt seiner Karriere.

Wie stark sein Einfluss auf die Regierung des Reiches gewesen ist bleibt unklar, da er selbst darüber nichts berichtet. Nach van Dieten könnte hier der Grund darin liegen, dass Niketas Choniates sich von der verhängnisvollen Regierung der Angeloi distanzieren wollte, oder aber wirklich keinen Einfluss ausüben konnte, da die eigentliche Macht zu diesem Zeitpunkt bei Günstlingen des Kaisers lag.[14] Bei der Machtergreifung des Alexios V Murtzuphlos[15] zu Beginn des Jahres 1204 musste er sein Amt an einen Günstling des Murtzuphlos abtreten.

Bei der Plünderung Konstantinopels durch das Heer der Kreuzfahrer verlor Niketas Choniates sein Heim und sein gesamtes Vermögen. Er konnte aber mit Hilfe venezianischer Freunde mit seiner Familie nach Selymbria fliehen. Nach einem erneuten kurzen Aufenthalt in Konstantinopel siedelte er sich endgültig Ende 1206 oder Anfang 1207 in Nikaia an. Hier widmete er sich fast ausschließlich seiner schriftstellerischen Tätigkeit und starb im Alter von etwa 60 Jahren 1216 oder 1217.[16]

Niketas Choniates Hauptwerk ist eine chronologisch aufgebaute, aber mit einigen Abweichungen und Ergänzungen versehene Kaisergeschichte (Chronike Diegesis), geschrieben in 21 Büchern. Sie behandelt die Zeit von 1118 – 1206.[17] Als Augenzeuge gilt er als guter Kenner der Geschehnisse in Konstantinopel für die Zeit von 1180 – 1206. In seinem Werk schreibt Choniates objektiv, abgesehen von seiner Darstellung der ihm außerordentlich verhassten Lateiner. Diese Objektivität zeigt sich aber auch in einer sehr scharfen Kritik an byzantinischen Kaisern und Würdenträgern. In deren Schwäche sieht er die Ursache für den Untergang des Reiches.[18] Um Aussagen mehr Nachdruck zu verleihen benutzt er häufig Zitate aus der Bibel.

Weitere erhaltene Werke sind: Reden und Briefe, ein Gedicht zur Vermählung des byzantinischen Kaisers Isaak Angelos mit der Tochter des ungarischen Königs Bela III. entstanden um 1185 und sein zwischen 1204 und 1210 entstandenes theologisches Werk (Thesauros Orthodoxias).

[...]


[1]. H. E. Mayer, Geschichte der Kreuzzüge. Stuttgart, Berlin, Köln 2000, 172-188

[2]. Th. F. Madden, The Fires of the Fourth Crusade in Constantinopel, 1203 – 1204: A Damage Assesment. Byzantinische Zeitschrift 84/85, 1992, 72-93

[3]. The Oxford Dictionary of Byzantium, hrsg. von A. Kazhdan &al.. 3 Bde., New York, Oxford 1991, 428

[4]. Oxford Dictionary of Byzantium, Kashdan (s. Anm. 3), 64, Alexios III Angelos, Kaiser 1195 – 1203, geb. ca. 1153, gest. ca. 1211/12 in Nikaia

[5]. Oxford Dictionary of Byzantium, Kazhdan (s. Anm. 3), 65, Alexios IV Angelos, Kaiser 1203/04 geb. ca. 1182/ 83, gest. 08.02.1204

[6]. Niketas Choniates: dt. Übers.: F. Grabler, Die Kreuzfahrer erobern Konstantinopel (Byzantinische Geschichtsschreiber 9). Graz 1971, 116

[7]. J. - L. van Dieten, Niketas Choniates Erläuterungen zu den Reden und Briefen nebst einer Biographie. Supplementa Byzantina Bd. 2, Berlin, New York, 1971, 15

[8]. Oxford Dictionary of Byzantium, Kazhdan (s. Anm. 3), 428, Bischof von Athen 1182 – 1204, geb. ca. 1138, gest. ca. 1222

[9]. van Dieten, Niketas Choniates Erläuterungen zu den Reden und Briefen nebst einer Biographie (s. Anm. 7), 9

[10]. van Dieten, Niketas Choniates Erläuterungen zu den Reden und Briefen nebst einer Biographie (s. Anm. 7), 1

[11]. Oxford Dictionary of Byzantium, Kazhdan (s. Anm. 3), 64, Alexios II Komnenos, Kaiser 1180 – 83, geb. am 14.09.1169, gest. ca. Sept. 1183

[12]. van Dieten, Niketas Choniates Erläuterungen zu den Reden und Briefen nebst einer Biographie (s. Anm. 7), 24

[13]. Lexikon des Mittelalters, hrsg. von R. – H. Bautier &al. 10 Bde., München 1980–1999, 1876

[14]. van Dieten, Niketas Choniates Erläuterungen zu den Reden und Briefen nebst einer Biographie (s. Anm. 7), 38

[15]. Lexikon des Mittelalters, Bautier (s. Anm. 13), 387, Alexios V Dukas Murtzuphlos, Kaiser 05.02.1204 – 11.04.1204, gest. Dez. 1204

[16]. Lexikon des Mittelalters, Bautier (s. Anm. 13), 1876 und van Dieten, Niketas Choniates Erläuterungsn zu den Reden und Briefen nebst einer Biographie (s. Anm. 7), 19

[17]. Lexikon des Mittelalters, Bautier (s. Anm. 13), 1876

[18]. Lexikon des Mittelalters, Bautier (s. Anm. 13), 1877

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Eroberung und Plünderung Konstantinopels
Untertitel
(griechische Quellen)
Hochschule
Universität zu Köln  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Anno Domini 1204 – Die Kreuzfahrer in Konstantinopel
Note
2,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
15
Katalognummer
V142033
ISBN (eBook)
9783640498864
ISBN (Buch)
9783640499038
Dateigröße
402 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kreuzfahrerheer, 4. Kreuzzug, Konstantinopel
Arbeit zitieren
Andreas Plug (Autor), 2003, Eroberung und Plünderung Konstantinopels, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142033

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