Ein Sesterz des Marc Aurel


Hausarbeit, 2009

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Benennung und Beschreibung der Münze
1.1. Avers
1.2. Revers

2. Datierung der Münze
2.1. Datierung anhand der Legende
2.2. Datierung anhand der Bildnistypen des Marc Aurel
2.3. Der historische Kontext

3. Victoria und ihre Ikonographie in der griechisch-römischen Antike
3.1. Allgemeines
3.2. Victoria mit dem Schild
3.3. Die Darstellung der Victoria auf der hier besprochenen Münze

4. Anhang
4.1. Abbildungskatalog mit Abbildungsverzeichnis
4.2. Literaturverzeichnis

1. Benennung und Beschreibung der Münze

Sesterz des Marc Aurel

BMC: 1423

RIC: 1029

Datierung: 171/2

1.1. Avers (Abb. 1)

Die Vorderseite der Münze zeigt das Porträt eines Mannes im Profil. Abgebildet sind Kopf und Hals. Der Mann blickt nach rechts und trägt einen Lorbeerkranz, der mit zwei Bändern am unteren Ende zusammengeknotet ist, auf seinen dichten Locken, dabei hängt eins von den zwei Bändern über seinen Hals nach vorn. Direkt an den Schläfen setzt der Bart an, welcher am Kinn in langen Korkenzieherlocken ausläuft, die Oberlippe des vollen Mundes ist von dem Bart bedeckt. Die spitze Nase weist einen kleinen Höcker auf. Die Augen treten ein wenig aus den Höhlen hervor.

Die Legende ist kreisförmig angeordnet und im Urzeigersinn zu lesen. Sie beginnt unten links halb unterhalb des Abbildes und endet unten rechts, wobei der letzte Buchstabe das Bild ein wenig überdeckt. Oben wird die Legende durch den Lorbeerkranz in zwei Abschnitte geteilt, wie der obere Abschluss des Lorbeerkranzes generell den von der Legende gegebenen Bildrahmen sprengt. Auf der linken Seite der Münze ist M ANTONINUS zu sehen und auf der rechten AUG TRP XXVI.

Sowohl der stilistische Vergleich mit den Porträts der römischen Kaiser als auch die Legende auf der Münze selbst verraten dem Betrachter, dass es sich bei dem hier abgebildeten Mann um Marc Aurel handelt.

Die Münze weist fünf Einkerbungen am Rand entlang auf, davon sind drei sehr deutlich zu erkennen. Die Legende ist teilweise stark abgegriffen und dadurch auf den ersten Blick nur schwer lesbar.

1.2. Revers (Abb. 2)

Auf der Rückseite ist eine geflügelte weibliche Figur im Dreiviertel-Profil dargestellt. Sie läuft von links nach rechts und setzt dabei einen Schild mit der Aufschrift VIC GER auf einen Palmbaum. Die Frau ist mit einem tuchartigen Umhang bekleidet, der ihr über die Hüfte gerutscht ist und das rechte Bein freigibt. Der Oberkörper ist nackt, wobei die Brust von ihrem rechten Arm bedeckt wird, da sie ihn quer über den Oberkörper hält, um sich mit der rechten Hand ans Herz zu fassen (Abb. 3). Ihre langen Haare werden von einem Diadem bekrönt. Das Gesicht ist im Profil, aber nur sehr schwach wiedergegeben, man kann lediglich ein Auge und die Nase erahnen. Die Flügel nehmen fast die ganze Körperhöhe ein und bestehen offensichtlich aus Gefieder. Allerdings ist nur der rechte Flügel vollständig zu sehen.

Links und rechts von der Figur sind die Buchstaben S C eingeprägt. Um die Figur herum und ebenfalls im Uhrzeigersinn läuft die Legende IMP VI COS III.

Auch hier sind Einkerbungen zu erkennen und die Buchstaben teilweise abgegriffen.

2. Datierung der Münze

2.1. Datierung anhand der Legende

Die Legende der Münze lautet ausgeschrieben auf der Vorderseite folgendermaßen: M[arcus] ANTONINUS AUG[ustus] TR[ibunitia] P[otestate] XXVI[1]. Den Titel des Augustus erhielt Marc Aurel am 07. März 161 n. Chr. mit seiner Erhebung zum Kaiser[2], somit haben wir einen ersten terminus post quem für die Datierung der Münze. Durch die tribunitia potestas, also die dem Kaiser übertragenen Vollmachten eines Volkstribuns[3], lässt sich die Münze dann fast auf das Jahr genau datieren. In der Kaisertabelle von D. Kienast findet man die Angabe, dass Marc Aurel die tribunitia potestas zum dritten Mal vom 10. Dezember 148 bis zum 09. Dezember 149 n. Chr. innehatte.[4] Da die tribunizische Gewalt jedes Jahr erneuert wurde, kann man, von diesem Datum ausgehend bis zur 26. tribunitia potestas weiterrechnen und kommt auf den Zeitabschnitt von Dezember 171 bis Dezember 172 n. Chr., grob gesagt also auf das Jahr 172 n. Chr.

Ausgeschrieben lautet die Legende auf der Rückseite der Münze: IMP[erator] VI CO[n]S[ul] III. Auf dem Schild ist VIC[toria] GER[mania] zu lesen. Spätestens jetzt ist auch klar, dass es sich bei der geflügelten Figur um die Siegesgöttin Victoria handeln muss. Bei Kienast erfährt man weiterhin , dass Marc Aurel im Jahre 161 n. Chr. zum dritten Mal das Konsulat innehatte und 171 n. Chr. zum sechsten Mal zum Imperator ausgerufen wurde. Diese Daten stützen die Datierung in Form eines terminus post quem.

2.2. Datierung anhand der Bildnistypen des Marc Aurel

Ein weiterer Weg zur Datierung von Kaisermünzen ist der Vergleich mit den Bildnistypen[5] des jeweiligen Kaisers bzw. des jeweiligen Angehörigen des Kaiserhauses. In dem ausgedehnten Römischen Reich erreichten die Kaiser ihre Präsenz selbst in den entferntesten Provinzen nicht zuletzt durch Porträts verschiedenster Formen (ob als Statue, Büste oder auf Münzen). Dies erfordert jedoch eine Art Massenproduktion der Porträts, in der einige wenige Bildnistypen durch die Kopisten überall im Reich verteilt wurden. Dabei waren sicherlich herausragende Ereignisse in der Regierung des jeweiligen Herrschers Anlass für einen neuen Typus, bei Frauen häufig auch die Geburt von Kindern[6].

Von Marc Aurel sind uns heute vier verschiedene Bildnistypen bekannt[7]. Nach Vergleich aller vier Typen mit dem Abbild auf der Münze kommt nur der vierte Typus (Abb. 4 und 5) in Frage. Ausschlaggebend dabei sind die Korkenzieherlocken des Bartes und die stark hervortretenden Augen, die erst im 4. Typus diese Ausprägung erhalten. Der Typus wurde 169 n. Chr. nach dem Tode von L. Verus, dem Mitkaiser Marc Aurels, erschaffen. Damit ist ein weiterer terminus post quem für die Datierung gegebenen.

2.3. Der historische Kontext

Seit 167 n. Chr. wurde das Römische Reich massiv von germanischen Stämmen bedroht, sie „…überschwemmten die römischen Provinzen Moesien, Pannonien, Noricum und Dakien und bedrohten die Provinz Raetien, die Graubünden und Tirol sowie das Alpenvorland zwischen Schwäbischer Alb und Inn umfasste.“[8] Es zog sich bis 171 n. Chr. hin, bis die Römer es schafften, die Eindringlinge wieder über die Donaugrenze hinaus zu vertreiben. Ab 172 n. Chr. ergriff Rom dann seinerseits die Offensive und besiegte nach und nach mehrere Stämme Germaniens wie die Quaden und Markomannen.

Die auf der Münzrückseite abgebildete Victoria ist die Göttin des Sieges und mit dem Beinamen GER[mania] speziell die des Sieges über die Germanen. Somit passt die Datierung in das Jahr 172 n. Chr. auch im historischen Kontext ganz gut, da in diesem Jahr, wie oben dargestellt, die ersten Siege über die Germanen errungen wurden.

[...]


[1] Die zu ergänzenden Buchstaben stehen in den eckigen Klammern

[2] Vgl. Kienast 2004 – Römische Kaisertabelle, S. 137

[3] Kampmann 2004 - Die Münzen der römischen Kaiserzeit, S. 32 Zu tribunitia potestas auch: Melville Jones, John (1990): A dictionary of ancient Roman coins. London: Seaby, S. 805 ff.

[4] Vgl. Kienast 2004 – Römische Kaisertabelle, S. 139

[5] Vgl. Hölscher, Borg 2006 – Klassische Archäologie. Grundwissen

[6] V.a. Faustina Minor

[7] Hierzu besonders Fittschen, Zanker 1985 – Kaiser- und Prinzenbildnisse; Stichwort Marc Aurel

[8] Junghans 1986 – Sweben, Alamannen und Rom, S. 120

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Ein Sesterz des Marc Aurel
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Klassische Archäologie)
Veranstaltung
Römische Münzen der Republik und Kaiserzeit
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
18
Katalognummer
V142064
ISBN (eBook)
9783640519248
ISBN (Buch)
9783640520787
Dateigröße
1007 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sesterz, Marc Aurel, Victoria
Arbeit zitieren
Jana Sperling (Autor), 2009, Ein Sesterz des Marc Aurel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142064

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