Diese Arbeit untersucht, inwiefern die aktuellen Vorstellungen von Inklusion und von Leistung im schulischen Kontext miteinander vereinbar sind. Es stellt sich dabei die Frage, ob sich Leistungsbestreben und Inklusion vereinen lassen.
Schule und Leistungsbewertung scheinen untrennbar miteinander verbunden. Schüler werden aufgrund ihrer Leistungen unterschiedlichen Bildungsgängen mit unterschiedlichen Abschlüssen zuggewiesen. Die Leistungsbewertung setzt die Schüler dabei in ein Verhältnis von besser und schlechter zueinander. Dieses Verhältnis bestimmt wie hoch die Ausbildungsoptionen und beruflichen Perspektiven sind.
Besonders im deutschsprachigen Raum der Erziehungswissenschaft und Schulpädagogik hat dies große Auswirkungen. Durch die Forderungen der UN-BRK scheint eine Reform des Schulsystems unumgänglich. Zahlreiche Bundesländer übernahmen das
menschenrechtlich begründete Prinzip der Inklusion in ihre Schulgesetze. Daraufhin wurden Schularten zusammengeführt, und Kinder mit Förderbedarf sogar in Gymnasien aufgenommen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was wird unter „Inklusion“ verstanden
3. Der Begriff „Leistung“
3.1 Entwicklung des allgemeinen Leistungsbegriff in Deutschland
3.2 Der schulische Leistungsbegriff
3.2.1 Funktion der Schule in der Gesellschaft
3.2.2 Entstehung und Entwicklung des Schulsystems und die Bedeutung von Leistung
4. Bewertung schulischer Leistung
4.1 Die allgemeine schulische Leistungsbewertung
4.2 Beispiele für aktuelle inklusive Leistungsmessung/ -bewertung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen den Anforderungen des inklusiven Unterrichts und den traditionell leistungsorientierten Strukturen des deutschen Schulsystems, um Möglichkeiten einer gerechteren Leistungsbewertung zu identifizieren.
- Grundlagen des Inklusionsdiskurses
- Entwicklung und Funktionen des schulischen Leistungsbegriffs
- Kritische Analyse der Leistungsbewertung in inklusiven Settings
- Alternative Ansätze wie Portfolioarbeit und Kompetenzbögen
- Strukturelle Widersprüche im aktuellen Schulsystem
Auszug aus dem Buch
3.2 Der schulische Leistungsbegriff
Was unter „schulischer Leistung“ verstanden wird und welche Relevanz ihr gesellschaftlich beigemessen wird, ist abhängig vom jeweiligen Gesellschaftssystem (Klafki, 2007, 209).
Für das Verständnis der aktuellen Auffassung von schulischer Leistung in Deutschland ist es daher notwendig sich zuerst mit der Entwicklung des allgemeinen Leistungsverständnisses unserer Gesellschaft auseinanderzusetzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die enge Verknüpfung von Schule und Leistung sowie die Notwendigkeit einer Reform des Schulsystems im Zuge der UN-Behindertenrechtskonvention.
2. Was wird unter „Inklusion“ verstanden: Dieses Kapitel differenziert vier zentrale Diskurslinien der Inklusion, die von einem engen Behindertenbegriff bis hin zur sozialen Konstruktion von Differenz reichen.
3. Der Begriff „Leistung“: Hier wird der historische Wandel des Leistungsbegriffs in Deutschland von einer sozialen Kategorie hin zu einem präzise messbaren, vergleichbaren Merkmal nachgezeichnet.
3.1 Entwicklung des allgemeinen Leistungsbegriff in Deutschland: Dieses Kapitel erläutert, wie sich der Leistungsbegriff in den letzten 150 Jahren vom sozialen Wert hin zum politisch-sozialen Kernbegriff und schließlich zum Instrument der Hierarchisierung entwickelte.
3.2 Der schulische Leistungsbegriff: Dieser Abschnitt thematisiert die spezifischen Anforderungen der Schule und wie Leistung dort definiert wird.
3.2.1 Funktion der Schule in der Gesellschaft: Hier werden die vier zentralen Funktionen der Schule nach Fend – kulturelle Reproduktion, Allokation/Selektion, Qualifikation und Legitimation – dargelegt.
3.2.2 Entstehung und Entwicklung des Schulsystems und die Bedeutung von Leistung: Dieses Kapitel analysiert das dreigliedrige Schulsystem und zeigt auf, warum dieses Modell den inklusiven Bildungszielen entgegensteht.
4. Bewertung schulischer Leistung: Hier werden die traditionellen Bezugsnormen (sozial, sachlich, individuell) der Leistungsbewertung kritisch hinterfragt.
4.1 Die allgemeine schulische Leistungsbewertung: Dieser Teil vertieft die Kritik an der sozialen Bezugsnorm und deren negative Auswirkungen auf die Motivation sowie die Vergleichbarkeit von Leistung.
4.2 Beispiele für aktuelle inklusive Leistungsmessung/ -bewertung: Hier werden konkrete Alternativen zur Zensurengebung, wie Portfolios oder Kompetenzbögen, als Möglichkeiten für inklusiven Unterricht vorgestellt.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die aktuellen Vorstellungen von Leistung und Inklusion derzeit kaum vereinbar sind und ein grundlegendes Umdenken erfordern.
Schlüsselwörter
Inklusion, schulische Leistung, Leistungsbewertung, UN-Behindertenrechtskonvention, Selektion, Allokation, Bildungsungerechtigkeit, Leistungsbegriff, Bezugsnormen, Portfolio, Kompetenzorientierung, Schulentwicklung, soziale Konstruktion, Bildungsbiografie, Didaktik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Vereinbarkeit des traditionellen Leistungsbegriffs mit dem Inklusionsansatz im deutschen Schulsystem.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Inklusionsdiskurse, die gesellschaftlichen Funktionen der Schule, die historische Entwicklung des Leistungsbegriffs und die Methoden der Leistungsbewertung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu untersuchen, inwieweit aktuelle schulische Vorstellungen von Leistung den Anforderungen eines inklusiven Bildungsbegriffs gerecht werden.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und der Auseinandersetzung mit erziehungswissenschaftlichen Fachdiskursen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl theoretische Definitionen von Inklusion und Leistung erläutert als auch die konkrete Bewertungspraxis in der Schule kritisch bewertet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Inklusion, Leistungsbewertung, soziale Selektion, Bezugsnormen, schulisches Leistungssystem, Bildungsgerechtigkeit.
Warum ist das dreigliedrige Schulsystem laut Autor ein Hindernis für Inklusion?
Laut Autor fördert die frühe Aufteilung in verschiedene Schulformen die soziale Ungleichheit und widerspricht dem inklusiven Ziel, Vielfalt als Potenzial statt als zu sortierende Differenz zu begreifen.
Welche alternativen Bewertungsformen werden zur Zensurengebung vorgeschlagen?
Als Alternativen werden Portfolioarbeit und kompetenzorientierte Verfahren wie Kompetenzbögen oder ausführliche schriftliche Beschreibungen genannt, die den individuellen Lernfortschritt besser abbilden.
- Arbeit zitieren
- Federico Zöller (Autor:in), 2019, Leistung und Leistungsbewertung im inklusiven Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1420871