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Dörfliches Leben im Mittelalter. Der kirchliche Zeigefinger, die Armen und die Sünder

Titel: Dörfliches Leben im Mittelalter. Der kirchliche Zeigefinger, die Armen und die Sünder

Fachbuch , 2023 , 53 Seiten

Autor:in: Karl Pohl (Autor:in)

Geschichte Europas - Mittelalter, Frühe Neuzeit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Im nachfolgenden Buch wird genau diese Rolle der protestantischen Kirche in Dudenhofen nachgewiesen. An Beispielen wird demonstriert, wie sie ihrer Rolle gerecht wird, aber auch wie sie dabei ureigene Interessen vertritt. Die Freiheit des Christenmenschen bestand in der Praxis darin, die Lehrmeinungen des Protestantismus strikt zu befolgen.

Die Dörfer des Rodgaus erfuhren nach 1945 das erste Mal eine größere Bevölkerungsdurchmischung durch den Zuzug von Vertriebenen. Diese Leute wurden als Fremdkörper einer intakten Dorfgemeinschaft empfunden. Die neu Hinzugezogenen
konnten vor allem diese Feststellung machen: All ihr Handeln und Tun wurde von der einheimischen Bevölkerung kritisch und neugierig beäugt.

Die Einheimischen kannten sich untereinander, bei der noch überschaubaren Bevölkerungszahl. Da Heirat meist nur innerhalb des Dorfes stattfand, konnte man sich bei vielen Familiennamen zur Unterscheidung nur dadurch helfen, dass man gleiche Familiennamen mit römischen Ziffern versah. Gut konnte man das auf den Grabsteinen des nun stillgelegten alten Friedhofs von Nieder-Roden - dem Nachbarort Dudenhofens- sehen, so z. B. bei dem Namen Weiland I, Weiland II, Weiland III. Die Einzelperson wurde außerdem mit einem Spitznamen belegt, sodass beim Dorfklatsch eine eindeutige Zuordnung erfolgen
konnte. Ein Hauptthema des Dorfgeredes waren die verwandtschaftlichen Verhältnisse.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichtliche Situation

3. Der kirchliche Zeigefinger

4. Das Presbyterium

5. Das Presbyterium und seine Verwaltungseingliederung

6. Die Kirche als Geldverleiher

7. Geschichtliche Entwicklung des Zinsverbotes

8. Geldgeschäfte der Kirche

8.1 Kreditvergabe

8.2 Der Neubau der Kirche

8.3 Weitere Baumaßnahmen und Ausgaben

8.4 Kirchenkasse Hanau

9. Kirchliche Seelsorge

9.1 Glaube

9.2 Sabbatordnung

9.3 Strafe

10. Die Armen des Dorfes

11. Der Platz in der Kirche

12. Spinnstuben

13. Die medizinische Versorgung

14. Das Schulwesen

15. Nachwort

16. Personenverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht anhand von Protokollen des Presbyteriums aus den Jahren 1720 bis 1826 das dörfliche Leben in Dudenhofen und analysiert die Rolle der lokalen Kirche als allgegenwärtige moralische und administrative Instanz.

  • Die Rolle der Kirche in der Ständegesellschaft des Mittelalters und der Frühen Neuzeit.
  • Kirchliche Disziplinierung und Sabbatordnung als Mittel sozialer Kontrolle.
  • Die Kirche als wirtschaftlicher Akteur (Geldverleih, Kreditwesen und Kirchenbau).
  • Die kirchliche Aufsicht über das Schulwesen und die medizinische Versorgung.
  • Das Spannungsfeld zwischen obrigkeitlicher Seelsorge und der Lebenswirklichkeit der dörflichen Bevölkerung.

Auszug aus dem Buch

3. Der kirchliche Zeigefinger

Nach den Auseinandersetzungen mit Luther auf dem Reichstag war es Landgraf Phillip der Großmütige, der schon 1524 ein Anhänger Luthers war und der auf der Grundlage der im Okt. 1526 abgehaltenen Homberger Synode (Homburg an der Efze) als erster Reichsfürst die Reformation in der Landgrafschaft Hessen einführte. Die erste Kirchenordnung von 1532 lehnte sich an Luther und Melanchton an [11].

1535 erschien die Ziegenhainer Zuchtordnung von Martin Bucer, die dann in Hessen angenommen wurde. Der Ausdruck „Zuchtordnung“ klingt heute befremdlich. Die Reformation jedoch war daraufhin angelegt, die Menschen zu einem moralisch einwandfreien Leben zurückzuführen.

„Für die Gemeinden der Reformation, hier die Lutheraner, galt ein neues Kirchenzuchtverständnis, das seit dem 17. Jahrhundert synodal und consistorial praktiziert wurde. Luther selbst hatte das Sendgerichtswesen ( der Kath Kirche – Anm. des Verfassers) zu den kirchlichen Missbräuchen gerechnet, obwohl er ein Ordnungswesen für erforderlich hielt [12]. So fanden schon sehr früh Kirchenordnungen als Ordnungselement Eingang in die Kirchen der Reformation. Aus dieser Tatsache ist mit großer Wahrscheinlichkeit das in der Einleitung beschriebene Verhalten der Dorfbewohner abzuleiten. Es bestand die Furcht, ja nicht ins Gerede zu kommen. Die Protokolle nennen aber auch Beispiele, in denen renitente Dorfbewohner genannt werden, die sich um die Rufschädigung wenig kümmerten und auch Kirchenstrafen in Kauf nahmen.

Die Einträge dokumentieren die Umsetzung der obrigkeitlichen Sitten- und Polizeigesetzgebung durch den lokalen Kirchenkonvent. Die frühen Jahre der Reformation waren von dem Bemühen gekennzeichnet, in der Christenheit Zucht und Ordnung wiederherzustellen.

Als geeignetes Mittel erschien die Kirchenzucht. Sie basiert auf der Bibelstelle des Neuen Testamentes Math. 18, 21-35, nach der es der Kirche kraft ihrer Binde-und Lösegewalt erlaubt war, ungehorsame Glieder aus der Gemeinde auszuschließen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bevölkerungsstruktur des Rodgaus nach 1945 und führt in die moralische Überwachung durch die Kirche in Dudenhofen ein.

2. Geschichtliche Situation: Dieses Kapitel skizziert die Herrschaftsverhältnisse von Hanau-Lichtenberg und den Verlauf der Reformation.

3. Der kirchliche Zeigefinger: Hier wird das Konzept der Kirchenzucht als Mittel zur Durchsetzung moralischer Normen erläutert.

4. Das Presbyterium: Das Kapitel beschreibt das Presbyterium als Leitungsgremium der Gemeinde unter Vorsitz des Pfarrers.

5. Das Presbyterium und seine Verwaltungseingliederung: Fokus auf die hierarchische Einordnung des Presbyteriums unter das Konsistorium und das Amt Babenhausen.

6. Die Kirche als Geldverleiher: Die historische Entwicklung der Kirche von reiner geistlicher Betreuung hin zu einer wirtschaftlich agierenden Institution wird dargelegt.

7. Geschichtliche Entwicklung des Zinsverbotes: Eine historische Analyse des kirchlichen Zinsverbots und dessen rechtlicher sowie moralischer Einordnung.

8. Geldgeschäfte der Kirche: Detaillierte Betrachtung der finanziellen Zuständigkeiten, der Kreditvergabe und der Baufinanzierung der Dudenhofener Kirche.

9. Kirchliche Seelsorge: Einblick in die Praxis der Seelsorge, des Glaubensalltags und der damit verbundenen Disziplinierung durch Sabbatordnung und Strafen.

10. Die Armen des Dorfes: Untersuchung der frühneuzeitlichen Armenfürsorge und der kirchlichen Sorge um bedürftige Bevölkerungsschichten.

11. Der Platz in der Kirche: Analyse der Platzordnung in der Kirche als Spiegel gesellschaftlicher Stände und Werkzeug zur Überwachung der Kirchgänger.

12. Spinnstuben: Darstellung der sozialen Bedeutung der Spinnstuben und des Konflikts mit der kirchlichen Moralvorstellung.

13. Die medizinische Versorgung: Übersicht über die ländliche Gesundheitsfürsorge und die Rolle der Hebammen.

14. Das Schulwesen: Beschreibung der Organisation des Unterrichts und der Rolle des Lehrers in der Dorfgemeinschaft.

15. Nachwort: Eine abschließende Reflexion über die Tragik der kirchlichen Amtsführung, insbesondere im Fall des Pfarrers Fischer.

16. Personenverzeichnis: Auflistung der Akteure in Dudenhofen, wie Pfarrer, Bürgermeister und Älteste.

Schlüsselwörter

Dudenhofen, Presbyterium, Reformation, Kirchenzucht, Sabbatordnung, Geldverleih, Zinsverbot, Kirchenrechnung, Seelsorge, Schulwesen, Armenfürsorge, Sozialkontrolle, Kirchenbaumeister, Herrschaft Hanau-Lichtenberg, Mittelalter.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Publikation befasst sich mit dem Alltagsleben in der dörflichen Gemeinschaft von Dudenhofen im 18. und frühen 19. Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigung der kirchlichen Einflusnahme.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Felder umfassen die Kirchenzucht, das Finanzwesen der Kirchengemeinde, die soziale Kontrolle durch Sabbatordnungen sowie das Bildungs- und Gesundheitswesen vor Ort.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, die Rolle der protestantischen Kirche als Reglementierungsinstanz in Dudenhofen nachzuweisen und zu demonstrieren, wie die Kirche ihre eigenen wirtschaftlichen und moralischen Interessen durchsetzte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert primär auf der Analyse historischer Dokumente, insbesondere der Protokolle des Presbyteriums aus den Jahren 1720 bis 1826, ergänzt um historische Kontextualisierungen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Bereiche, von den Geldgeschäften und Kreditpraktiken der Kirche über die strenge Einhaltung der Sabbatordnung bis hin zur Überwachung der sozialen Struktur wie Spinnstuben, Schule und Armenpflege.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Kirchenzucht, soziale Kontrolle, presbyteriale Protokolle, Hanau-Lichtenberg, ländliches Mittelalter, Kirchenverwaltung, Moralvorstellungen.

Wie ging die Kirche mit finanziellen Problemen von Gemeindemitgliedern um?

Die Kirche agierte oft wie ein Kreditgeber und versuchte, Außenstände durch Druckmittel, Androhung von Sanktionen oder durch die Einbindung des Amtes Babenhausen einzutreiben, wobei auch Ausfallversicherungen thematisiert werden.

Welche Rolle spielte der Pfarrer in den dörflichen Konflikten?

Der Pfarrer fungierte oft als strenge moralische Instanz, die durch intensive Überwachung der Lebensführung der Bewohner – etwa durch Kirchenrüger – häufig in Konflikt mit großen Teilen der Dorfbevölkerung, inklusive des Bürgermeisters, geriet.

Warum war die "Sabbatordnung" von zentraler Bedeutung?

Die Sabbatordnung diente als wichtiges Instrument der sozialen Disziplinierung. Verstöße gegen die Sonntagsruhe konnten mit Bußgeldern geahndet werden, wodurch die Kirche zudem ihre Einnahmen vergrößerte.

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Details

Titel
Dörfliches Leben im Mittelalter. Der kirchliche Zeigefinger, die Armen und die Sünder
Autor
Karl Pohl (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2023
Seiten
53
Katalognummer
V1420989
ISBN (PDF)
9783346980205
ISBN (Buch)
9783346980212
Sprache
Deutsch
Schlagworte
dörfliches leben mittelalter zeigefinger armen sünder
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Karl Pohl (Autor:in), 2023, Dörfliches Leben im Mittelalter. Der kirchliche Zeigefinger, die Armen und die Sünder, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1420989
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Leseprobe aus  53  Seiten
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