Diese Arbeit beschäftigt sich mit gesellschaftlichen und individuellen Aspekte des Alter(n)s. Dabei kommen die Fragen auf:
Wie werden die gesellschaftlichen Vorstellungen von Alter(n) bei Ulrike Draesner dargestellt und wie tragen sie zur Konstruktion von Altersstereotypen bei? Inwieweit können Draesners Erzählungen auf die Gesellschaft übertragen werden?
Im Verlauf dieser Arbeit wird zunächst auf die historischen Darstellungen von Alter und Altern in der Literatur eingegangen. Kapitel 3 beschäftigt sich mit genderspezifischem Altern und der Frage, wie und ob Frauen anders altern. Daran anschließend werden die einzelnen Dimensionen von Alter(n) in Draesners „Happy Aging“ betrachtet. Dabei sollen unter anderem Faktoren wie Gesundheit, Körperlichkeit, Erinnerungen, Selbstfindung und Verlust eine Rolle spielen. Im Anschluss daran sollen Chancen und Herausforderungen des Alterns in der heutigen Zeit aufgezeigt werden. Welche Rolle spielen Altersstereotype und wie lassen sich diese mit Draesners Vorstellungen verbinden.
Im 7. Kapitel werden die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst und in Bezug zueinander gesetzt. Hier soll herausgearbeitet werden, welche Bedeutung Draesners Werk für das Verständnis des Alter(n)s in der heutigen Gesellschaft hat. Ziel der Arbeit ist es, die gesellschaftlichen und politischen Implikationen von „Happy Aging“ zu diskutieren und deren Botschaft für Rezipierende zu ermitteln.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Alter(n) in der Literatur
2.1 Antike
2.2 Mittelalter
2.3 Renaissance und Barock
2.4 Romantik und Realismus
2.5 20. und 21. Jahrhundert
3 Alternde Frauen in der Literatur
4 Gesellschaftliche Dimensionen des Alterns in „Happy Aging“ von Ulrike Draesner
4.1 Die Vielfalt des Alterns
4.2 Die Ambivalenz des Alterns
4.3 Altern als Prozess der Selbstfindung
4.4 Altern als gesellschaftliches Problem
5 Herausforderungen des Alterns in moderner Gesellschaft
6 Chancen des Alterns in moderner Gesellschaft
7 Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht gesellschaftliche und individuelle Aspekte des Alterns am Beispiel des Hörbuchs „Happy Aging“ von Ulrike Draesner. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie gesellschaftliche Vorstellungen von Alter(n) in Draesners Werk dargestellt werden, wie diese zur Konstruktion von Altersstereotypen beitragen und inwieweit diese Erzählungen auf die Gesellschaft übertragbar sind.
- Historische Entwicklung der Alter(n)s-Darstellung in der Literatur
- Geschlechtsspezifische Perspektiven auf alternde Frauen
- Ambivalenz zwischen Altern als Defizit und als Entwicklungschance
- Kritische Reflexion gesellschaftlicher Altersbilder und Stereotypen
- Selbstfindungsprozesse in der Lebensphase der Wechseljahre
Auszug aus dem Buch
4.1 Die Vielfalt des Alterns
Zu den zentralen Botschaften des Hörbuchs von Ulrike Draesner gehört die Bejahung des Alters mit allem, was dazugehört. Draesner versteht das Älterwerden als eine nicht endende Entwicklung, die die Chance des sich immer wieder Neuerfindens mit sich bringt. Aufgrund ihrer Kindheit, die neben körperlicher Gewalt durch die Eltern auch mit viel Strenge, Struktur und konventionellen Denkschemata verbunden war, erschien ihr Altern immer als eine Art Befreiung von den Zwängen der Kindheit und Jugend. Besonders als Mädchen, in dessen traditionelle gesellschaftliche Rolle sich Draesner nicht einfügen wollte, hatte sie es oft nicht leicht. Die Sehnsucht nach mehr Eigenverantwortung und Selbstbestimmtheit ließ sie das Älterwerden als Kind immer äußerst positiv und erstrebenswert erscheinen.
Aus der Sichtweise einer Frau, die mittlerweile ihre Wechseljahre bestreitet, hat sich dieses Bild erstaunlicherweise kaum verändert. Noch immer öffnet das Altern in Draesners Augen die Möglichkeit, sich ständig neu zu entwickeln und neu zu finden. Dies geht allerdings auch mit dem Zwang des sich immer wieder Neuanpassens einher. „Man ist immer in einem Vergehen und Werden gefangen. Du erfährst einen Körperzustand und dann ist er schon wieder vorbei“, sagt Draesner auf der 1. CD ihres Hörbuchs. An dieser Stelle nennt sie ein Beispiel aus ihrer Pubertät, in der sie nach eigenen Angaben zwei Jahre lang „dick“ war. Mit 18 Jahren verschwand dieser körperliche Zustand plötzlich, ohne dass es einer Diät bedurfte. Auch die Schwangerschaft könne als besonders signifikantes Beispiel für die ständige Veränderung des Körpers sehen.
Dieser „Zwang“, den das Älterwerden mit sich bringt, sei aber keinesfalls negativ zu bewerten, es sei eine Freiheit, die sie selbst neugierig mache. Ältere Menschen haben laut Draesner eine ganz besondere „innere Freiheit“46, sie täten Dinge, das sie schon immer einmal tun wollten, ohne darüber nachzudenken, was andere davon halten: „Die Wechseljahre sind eine Zeit der Veränderung. Man ist nicht mehr an die biologische Uhr gebunden, man kann sich frei entfalten und ein Leben führen, das zu einem passt.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einführung erläutert die Relevanz des Themas Alter(n) von der Antike bis heute und stellt die Forschungsfragen bezüglich des Werks von Ulrike Draesner.
2 Alter(n) in der Literatur: Dieses Kapitel bietet einen historischen Überblick über die Darstellung von Alter und Alternsprozessen in verschiedenen Epochen, von der Antike bis zum 21. Jahrhundert.
3 Alternde Frauen in der Literatur: Hier wird der Fokus auf spezifische, oft negative Altersstereotypen gelegt, denen Frauen historisch und literarisch ausgesetzt waren.
4 Gesellschaftliche Dimensionen des Alterns in „Happy Aging“ von Ulrike Draesner: Das Herzstück der Arbeit analysiert Draesners Hörbuch hinsichtlich der Vielfalt und Ambivalenz des Älterwerdens, der Selbstfindung und gesellschaftlicher Problemfelder.
5 Herausforderungen des Alterns in moderner Gesellschaft: Dieses Kapitel thematisiert die Diskrepanz zwischen veralteten Defizitmodellen und der Realität, in der Alter oft als Makel wahrgenommen wird.
6 Chancen des Alterns in moderner Gesellschaft: Hier wird das Potenzial des geistigen und persönlichen Wachstums im Alter beleuchtet, welches neue Freiräume eröffnen kann.
7 Zusammenfassung und Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse, wobei die ambivalente Darstellung des Alterns und deren Bedeutung kritisch hinterfragt wird.
Schlüsselwörter
Altern, Alter, Ulrike Draesner, Happy Aging, Altersbild, Altersstereotypen, Wechseljahre, Selbstfindung, Lebensphase, Gesellschaftliche Normen, Weiblichkeit, Literaturepochen, Alternsforschung, Identität, Generationenverhältnis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der literarischen und gesellschaftlichen Darstellung des Alterns, wobei ein besonderer Fokus auf dem Hörbuch „Happy Aging“ von Ulrike Draesner liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die historische Entwicklung des Altersbegriffs, spezifische geschlechtsspezifische Altersbilder, sowie die Chancen und Herausforderungen des Älterwerdens in der modernen Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Ulrike Draesner das Altern neu bewertet und inwieweit ihre Erzählungen dazu beitragen können, gesellschaftliche Vorurteile gegenüber dem Älterwerden abzubauen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Untersuchung, die auf Basis einer theoretischen Aufarbeitung des historischen Kontextes das primäre Quellmaterial (das Hörbuch) analysiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen literaturgeschichtlichen Abriss, die Untersuchung besonderer Hürden für Frauen im Alter sowie die detaillierte inhaltliche Auseinandersetzung mit den Kernthemen aus „Happy Aging“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Zu den prägenden Schlüsselwörtern gehören Altern, Altersbild, Selbstfindung, gesellschaftliche Normen und geschlechtsspezifische Wahrnehmung.
Wie bewertet Draesner laut der Autorin das Altern?
Draesner bejaht das Altern als eine nicht endende Entwicklung und als Chance zur Neufindung, erkennt jedoch gleichzeitig die damit verbundenen körperlichen wie gesellschaftlichen Herausforderungen an.
Welche Diskrepanz wird beim Thema „Wechseljahre“ festgestellt?
Es wird aufgezeigt, dass die Wechseljahre zwar als Zeit der persönlichen Befreiung und neuen Freiheit begriffen werden können, aber auch physischen Belastungen und einer gesellschaftlichen Stigmatisierung unterliegen.
- Arbeit zitieren
- Fiona Wink (Autor:in), 2023, Alter(n) als Chance und Herausforderung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1421048