Die vorliegende Hausarbeit macht es sich zur Aufgabe anhand einer ausgewählten politischen Theorie den direkten wie indirekten Einfluss der Staatsrechtslehre der Weimarer Re-publik auf die Verfassungsgestalt und -gestaltung der Bundesrepublik zu beleuchten. Als Beispiel soll die Staats- und Verfassungstheorie des sozialdemokratischen Staatsrechtlers Hermann Heller dienen, dem mit seinem Plädoyer für den Rechtsstaat, seiner Neubestimmung des Verhältnisses von Sozialismus und Staatlichkeit, einer positiven Bewertung von Pluralismus und der Überwindung positivistischer Methoden im Verfassungsrecht eine große Aufmerksamkeit zuteil wurde.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Skizze zur Person
3. Staatstheoretisches Werk
4. Carl Schmitt als Kontrahent
5. Rezeption in der frühen Bundesrepublik
6. Schlussbetrachtungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss der staatsrechtlichen Lehren Hermann Hellers auf die Entwicklung und Ausgestaltung des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland. Dabei wird analysiert, wie Hellers Konzepte zur Verbindung von Sozialismus und Staatlichkeit sowie seine Kritik an positivistischen Methoden zur konzeptionellen Basis für das moderne demokratische Rechtsstaatsverständnis wurden.
- Staats- und Verfassungstheorie nach Hermann Heller
- Vergleich und Gegenüberstellung zu Carl Schmitt
- Einfluss auf die Rechtsentwicklung der frühen Bundesrepublik
- Transformation vom liberalen zum sozialen Rechtsstaat
- Rolle Hellers als intellektueller Akteur in der Weimarer Republik
Auszug aus dem Buch
3. Staatstheoretisches Werk
Die Staats- und Verfassungstheorie, die Hermann Heller insbesondere in seinen Schriften „Die Souveränität“ und der Fragment gebliebenen „Staatslehre“ entwickelt, beruht auf mehreren Grundgedanken und Methoden. Zum einen betrachtet Heller den Staat als Sozialgebilde, der menschlicher Zweckformung unterworfen ist und damit kein naturwissenschaftliches Erkenntnisobjekt oder abstraktes Sinngebilde wie das Recht sein kann. Mit Hilfe der Sozialwissenschaft soll daher der Staat als historisches Gebilde ursächlich erklärt werden.
Zum anderen bedient er sich an vielen Stellen seines Werkes einer dialektischen Methode, um die bei anderen Staatsrechtlern wie Hans Kelsen oder Carl Schmitt prognostizierten Gegensätze von Sein und Sollen, Recht und Moral und Individualität und Gemeinschaft aufzuheben. Diese Dialektik wird bereits bei der Definition von Staat und Staatsgenese deutlich: Der Mensch ist ein Individuum, welches vergesellschaftet, indem es durch einen „intraindividuellen Vorgang“, durch eine „Willensvereinheitlichung“ ein gesellschaftliches „Wir-Bewusstsein“ erzeugt. In dem Moment, in welchem die Individuen, mit dem konkreten Willen sie zu befolgen, Rechtsnormen herstellen, errichten sie den Staat, dessen Hauptziel es wiederum ist Rechtssicherheit herzustellen. Gleichzeitig überprüfen die Individuen in dieser „reziproken Verbundenheit“ die Rechtmäßigkeit des Staates ständig durch ihr individuelles Gewissen, welches seit der Aufklärung zu einer unentbehrlichen Grundlage europäischer Kulturentwicklung geworden ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert das Forschungsinteresse an Hermann Hellers Einfluss auf das Grundgesetz und ordnet ihn als Akteur der Weimarer Republik ein.
2. Skizze zur Person: Dieses Kapitel zeichnet die Biographie Hellers nach, von seinem Beitritt zur SPD über seine akademische Karriere bis hin zur Flucht ins Exil.
3. Staatstheoretisches Werk: Hier werden die Kernkonzepte Hellers, insbesondere der Staat als Sozialgebilde und die dialektische Methode, detailliert erläutert.
4. Carl Schmitt als Kontrahent: Dieses Kapitel arbeitet die theoretischen und politischen Differenzen zwischen Heller und Carl Schmitt als ideologische Antipoden heraus.
5. Rezeption in der frühen Bundesrepublik: Hier wird untersucht, wie Hellers staatsrechtliche Überzeugungen die Verfassungspraxis und Diskurse der jungen Bundesrepublik prägten.
6. Schlussbetrachtungen: Das Fazit fasst die anhaltende Aktualität von Hellers Denken für den demokratischen und sozialen Rechtsstaat zusammen.
Schlüsselwörter
Hermann Heller, Staatslehre, Grundgesetz, Verfassungstheorie, Weimarer Republik, Carl Schmitt, Sozialer Rechtsstaat, Volkssouveränität, Pluralismus, Rechtssicherheit, Sozialdemokratie, Staatsrecht, Rechtsgrundsätze, Demokratie, Verfassungspraxis
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse des staatsrechtlichen Wirkens von Hermann Heller und dessen Bedeutung für die verfassungsrechtliche Gestaltung der Bundesrepublik Deutschland.
Welche zentralen Themenbereiche werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Staatstheorie Hellers, seinem Kontrast zu Carl Schmitt, dem Konzept des sozialen Rechtsstaats und der Rezeptionsgeschichte seiner Ideen nach 1945.
Was ist die Forschungsfrage der Untersuchung?
Die Arbeit geht der Frage nach, inwieweit Heller durch seine Lehren und Anhänger einen direkten oder indirekten Einfluss auf die Form und den Inhalt des Grundgesetzes ausübte.
Welche wissenschaftliche Methodik kommt zum Einsatz?
Die Autor setzt auf eine ideengeschichtliche Analyse, kombiniert mit einer juristischen und politikwissenschaftlichen Untersuchung der Primärquellen Hellers sowie relevanter Sekundärliteratur.
Was steht im Zentrum des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung von Hellers Staatsverständnis und die Konfrontation seiner Positionen mit jenen seines Zeitgenossen Carl Schmitt.
Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit charakterisiert?
Wesentliche Begriffe sind hierbei der soziale Rechtsstaat, die dialektische Methode, die Reziprozität der Perspektiven und die staatliche Homogenität.
Warum wird Carl Schmitt explizit als Kontrahent thematisiert?
Heller und Schmitt gelten als intellektuelle Gegenspieler; der Vergleich dient dazu, Hellers demokratisches Staatsverständnis durch die Abgrenzung zum dezisionistischen Denken Schmitts zu schärfen.
Welche Bedeutung hat das Jahr 1920 für Hermann Heller?
Das Jahr 1920 markiert einen Wendepunkt in Hellers Leben, in dem er sowohl seine Habilitation erlangte als auch politisch der SPD beitrat, was den Grundstein für seine weitere akademische und politische Laufbahn legte.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich der Aktualität Hellers?
Der Autor schließt, dass Hellers Problemstellungen – insbesondere die Sicherung eines demokratischen und sozialen Rechtsstaats in einer pluralistischen Gesellschaft – bis heute eine ungebrochene Relevanz besitzen.
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- Patrick Hoffmann (Author), 2009, Das Grundgesetz im Spiegel Hermann Hellers Staats- und Verfassungstheorie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142115