Die Eignung von Entwicklungshilfe zum Erreichen der UNMDG


Diplomarbeit, 2008

70 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

II. ABBILDUNGS- UND TABELLENVERZEICHNIS

ABBILDUNG 1: MILLENNIUMSZIEL 1, INDIKATOR 1. DIE HALBIERUNG DES ANTEILS DER MENSCHEN, DIE VON WENIGER ALS EINEM US DOLLAR AM TAG LEBEN VON 1990 AUF 2015 (UNITED NATIONS 2007A, EIGENE BERECHNUNGEN)

ABBILDUNG 2: JÄHRLICHE EH-ZAHLUNGEN IN MILLIARDEN US DOLLAR, MILLENNIUMSZIEL 8, INDIKATOR 33 (UNITED NATIONS 2007A).

ABBILDUNG 3: ENTWICKLUNGSHILFEANTEILE IN PROZENT 2004 NACH SEKTOREN (VGL. OECD 2006A).

TABELLE 1: DIE TOP 10 EH-EMPFÄNGER MIT DAZUGEHÖRIGEM CPI (OECD 2006A UND TRANSPARENCY INTERNATIONAL 2004).

ABBILDUNG 4: DER EINFLUSS VON EH AUF DIE UNMDG (EIGENE DARSTELLUNG UND VGL. DOUCOULIAGOS UND PALDAM 2006: 228).

III. ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

ANLAGE 1

MILLENNIUM DEVELOPMENT GOALS INDICATORS-THE OFFICIAL UNITED NATIONS SITE FORT HE MILLENNIUM DEVELOPMENT GOALS INDICATORS (UNITED NATIONS 2008A).

1 EINLEITUNG

1.1 Hinführung zum Thema

Die United Nation Millennium Development Goals (Millenniumsziele der Vereinten Nationen; kurz UNMDG)[1] bestehen aus acht Zielen, welche die menschliche Entwicklung der Weltbevölkerung in verschiedenen Dimensionen bis 2015 durch 48 Indikatoren messen[2]. Ziel ist es im Vergleich zu 1990 bis 2015 eine deutliche und definierte Verbesserung der Entwicklung zu erreichen. Trotz positiver Tendenzen und nur relativ weniger Rückschritte, werden bei einem Fortschreiten des jetzigen Entwicklungstrends die UNMDG[3] in fast allen Regionen verfehlt. Ein Instrument zum Erreichen der UNMDG ist die in Millenniumsziel 8 angesprochene Entwicklungshilfe[4] (EH). Die Geberländer haben sich wiederholt für eine Aufstockung der Hilfe auf 0,7 Prozent ihres Bruttonationaleinkommens (BNE) ausgesprochen. Während die Öffentlichkeit sich -beeinflusst auch durch prominente Fürsprecher wie Bono von der Musikgruppe U2, Herbert Grönemeyer und Angelina Jolie- für eine bedingungslose Erhöhung der EH mit Aktionen wie „Deine Stimme gegen Armut“, Konzerten und Aufrufen ausspricht, herrscht in der Wissenschaft Uneinigkeit über die Erfolge einer Erhöhung der EH. Absolute Gegner von EH gibt es wenige. Es geht in der Diskussion vor allem um die Kritik der pauschalen Erhöhung und um die Qualität der EH. Während Vertreter der Big-Push-Theorie[5], allen voran Jeffrey Sachs[6] nachhaltiges Wirtschaftswachstum (WW), ausgelöst durch EH, für möglich halten, spricht die Empirie sich gegen diese Theorie aus. Besonders William Easterly [7]kritisiert, dass die Anforderungen und Erwartungen an die EH zu hoch gesteckt sind. Er spricht sich für ein schrittweises Vorgehen mit klaren und realistischen Zielen, und gegen große Pläne für Strukturreformen und EH- Maßnahmen aus. Neben dieser Diskussion gibt es einen Konsens in der Wissenschaft, dass gute und verantwortungsvolle Regierungsführung und leistungsfähige Institutionen, im Folgenden unter guter Governance[8] zusammengefasst, eine große Rolle für die Wirksamkeit von EH und für Entwicklung[9] spielen. Uneinigkeit herrscht jedoch darin, wie bedeutend diese Rolle ist. Die Tatsache, dass viele Länder mit schlechter Governance nicht weniger EH beziehen als solche mit guter Governance, wird kontrovers diskutiert. Ob die Wirksamkeit von EH größtenteils von der Governance bestimmt wird oder aber Nachteile in der geographischen Struktur des Landes die Armut eines Landes begründet, ist ebenfalls strittig. Bei den UNMDG konnten im Aggregat Fortschritte gemacht werden. Bei nicht-aggregierter Betrachtung wird jedoch deutlich, dass Länder, wie Indien und China einen großen Teil dieses Erfolges ausmachen. Da EH bei diesen eine geringe Rolle gespielt hat, liegt die Vermutung nahe, dass es effizientere Instrumente gibt als die EH. Da in der Vergangenheit oftmals andere als entwicklungspolitische Motive eine Rolle spielten, kann eine zukünftige Entwicklung anders aussehen, insbesondere wenn die Wirksamkeit der EH erhöht werden kann.

1.2 Problemstellung

Die Arbeit widmet sich den vielschichtigen Verbindungen, die es zwischen der EH und den UNMDG gibt. Es handelt sich um komplexe und interdependente Beziehungen, die zum Erreichen der UNMDG berücksichtigt werden müssen. Zum einen und im Fokus dieser Arbeit steht EH, die direkt auf das Erreichen der UNMDG einwirkt. Daneben gibt es auch das WW und Governance sowie externe Gegebenheiten wie das Klima und die geographische Lage, die auf das Erreichen der UNMDG Einfluss nehmen. Allerdings liegen zu den direkten Wirkungseinflüssen auf die UNMDG wenige Untersuchungen vor und werden daher nur begrenzt einzeln untersucht.

Im Zusammenhang mit der EH sind die weiteren direkten Einflussfaktoren auf die UNMDG von Bedeutung, weil sie in Verbindung mit der EH stehen. Auch untereinander weisen sie Beziehungen auf. Damit wird es wichtig sowohl den direkten Einfluss der EH auf die UNMDG zu untersuchen als auch die indirekten Wirkungszusammenhänge. Zu den indirekten Wirkungszusammenhängen zwischen EH und den UNMDG gehört das WW. Es wird untersucht welchen Einfluss EH auf das WW, welches einen positiven Einfluss auf das Erreichen der UNMDG hat, nehmen kann. Der Zusammenhang wird in der Wissenschaft stark diskutiert, und die Einschränkungen, der mittels Regressionsanalyse gewonnenen Ergebnisse, führen zu weiteren Diskussionen dieser. Daneben gibt es insbesondere Governance, die sowohl die Wirksamkeit der EH auf das Erreichen der UNMDG beeinflusst, als auch direkten Einfluss auf das WW hat, dass wieder Einfluss auf die UNMDG hat. Ebenso gibt es auch hier einen direkten Wirkungszusammenhang von Governance auf die UNMDG. Die Wirksamkeit der EH auf die UNMDG, das WW und Governance wird untersucht. Daneben werden kurz auch methodische Probleme bei der Messung der Zusammenhänge erläutert.

Der Einfluss von EH in direkter und in indirekter Form macht es notwendig, die Wirkungszusammenhänge zu untersuchen. Gerade die indirekten Wirkungszusammenhänge drängen auf eine Untersuchung der EH als Anreizinstrument um gute Governance zu erreichen. Da EH unter unterschiedlichen Motiven und mit unterschiedlichen Zielen vergeben wurde, ist nach der Art und den Fristen der EH zu unterscheiden. Dennoch war die EH in der Vergangenheit oftmals nur in geringem Maße effizient. Gründe dafür werden insbesondere unter dem Gesichtspunkt von Anreizen im Zusammenhang mit der Geeignetheit der Zielformulierung der UNMDG untersucht. Gründe welche die Wirksamkeit von EH außerdem mindern können, stellen die Fungibilität[10] der EH und Wechselkursauswirkungen der EH dar, welche kurz untersucht werden. Es wird die Frage aufgeworfen, was EH leisten kann und wozu sie nicht im Stande ist, und welche Bedingungen sie erfüllen muss, um ihre Wirksamkeit zu entfalten.

Eine Schwierigkeit stellt die Vergabe von EH an Länder mit schlechter Governance dar. Beim Vorliegen von Korruption, einem Bestandteil schlechter Governance, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Wirksamkeit[11] von EH beeinträchtigt wird höher. Insbesondere schlechte Governance verbunden mit Korruption führt zu Problemen bei der direkten Vergabe von EH an Regierungen. Fraglich ist, inwieweit die Art der EH-Vergabe die Wirksamkeit auch in Entwicklungsländern mit schlechter Govenance beeinträchtigt. Es stehen sich zwei Ansätze gegenüber. Zum einen kann EH als ein Anreizinstrument für die selektive Vergabe bei guter Governance eingesetzt werden. Auf diese Weise kann der Weg von dem Land autonom beschritten werden, denn die EH wird ergebnisorientiert vergeben. Die Notsituation der Bevölkerung und Argumente, die dafür sprechen, dass eine gute Governance ohne finanzielle Mittel, gerade bei den sehr armen Ländern, schwer zu erreichen ist, sind die Motivation für Befürworter der Vergabe von EH unabhängig von der Governance.

Ein weiterer Diskussionspunkt über EH, ist der starke Eingriff in die Anreize verschiedener Parteien. Ein Hauptproblem der von Armut betroffenen Bevölkerung [12] ist, dass sie keine Stimme haben. EH kann ein Mittel sein, ihre Stimme zu verstärken. Es wird jedoch sehr wenig Feedback von den eigentlich Betroffenen eingeholt. Dies ist einer der diskutierten Begründungen für den geringen messbaren Erfolg von EH.

1.3 Gang der Untersuchung

In Kapitel zwei werden die UNMDG vorgestellt. Nach der kurzen Definition und Beschreibung der Entstehung dieser, geht es im Soll-Ist-Vergleich (2.3) darum, beispielhaft anhand ausgewählter Indikatoren der UNMDG den Zielerreichungsstand aufzuzeigen. In Kapitel drei werden die Wirkungszusammenhänge zum Erreichen der UNMDG aufgezeigt. Nach der Darstellung der methodischen Einschränkungen (3.1) der zumeist mittels

Regressionsanalyse ermittelten empirischen Ergebnisse, wird zwischen direkten (3.2) und indirekten Wirkungszusammenhängen (3.3) unterschieden. Zu den direkten Einflüssen auf das Erreichen der UNMDG gehören neben der EH (3.2.1) auch das WW (3.2.2), Governance und Demokratie (3.2.3) und externe Umstände (3.2.4). Bei dem Zusammenhang zwischen EH und den UNMDG wird gesondert auf das Millenniumsziel 1 der Armutsreduktion eingegangen. Es wird auf die Motive und Ziele (3.2.1.1) und die Arten und Fristen (3.2.1.2) der EH eingegangen, da sie großen Einfluss auf die Wirksamkeit der EH haben. In den Betrachtungen des Einflusses der EH auf die UNMDG (3.2.1.3), werden beispielhaft Millenniumsziele betrachtet, da es wenige umfassende Untersuchungen und Studien zu jedem der einzelnen Millenniumsziele gibt. Als ersten indirekter Einfluss den EH auf das Erreichen der UNMDG hat, wird der Einfluss, von EH auf das WW (3.3.1) untersucht. Dazu gibt es zwei konkurrierende Annahmen, die entgegengesetzte Einflüsse von EH auf das WW vertreten. Die Theorie des Big Push (3.3.1.1) und die Annahme, dass EH abnehmenden Grenznutzen (3.3.1.2) hat. Der zweite Zusammenhang, der untersucht wird, ist der zwischen EH und Governance (3.3.2). Inwieweit Governance die Wirksamkeit der EH vor allem auf die UNMDG beeinflusst, wird in Abschnitt 3.3.2 untersucht. Ebenso hat Governance einen Einfluss auf das WW (3.3.3). Korruption als besonders entscheidende Teilkomponente von schlechter Governance wird in Abschnitt 3.3.4 genauer untersucht.

Das Kapitel vier geht auf die Grenzen des Instrumentes EH ein. Besonders entscheidend dabei ist die Ausgestaltung von Anreizen (4.1), da es sich bei der EZ (Entwicklungszusammenarbeit) um vielschichtige Prinzipal-Agent-Beziehungen handelt. Weiter wird in etwas kürzerer Form auf die Theorien der Fungibilität (4.2) und der Holländischen Krankheit[13] (4.3) eingegangen. In Kapitel fünf werden die Möglichkeiten zur Steigerung der Wirksamkeit von EH untersucht. Nach einem Überblick (5.1) über die bereits gewonnenen Erkenntnisse und einer umfassenden graphischen Darstellung der Wirkungszusammenhänge und kausalen Einflussmöglichkeiten, werden zwei mögliche Ansatzpunkte untersucht. Zum einen wird die Geeignetheit von EH in der Gegenüberstellung

Die Eignung von Entwicklungshilfe zum Erreichen der UNMDG von Konditionalität (5.2.1) und Selektivität (5.2.2) untersucht. Der zweite Ansatz in Abschnitt 5.3 handelt von EH als direktem Instrument zum Erreichen der UNMDG. Dabei werden Argumente einer basisorientierten Hilfe aufgegriffen. In Kapitel sechs werden überblicksartig Alternativen und ergänzenden Instrumente vorgestellt. In Kapitel acht werden die aus der Arbeit gewonnenen Erkenntnisse mit einem kurzen Ausblick zusammengefasst.

2 DIE UNMDG

2.1 Definition

Die United Nations Millennium Development Goals (die Millenniumsziele der Vereinten Nationen; UNMDG) bestehen aus acht Zielen mit 18 Zielvorgaben, die über 48 Indikatoren messbar sind.

Die acht Millenniumsziele sind:

Millenniumsziel 1: Beseitigung der extremen Armut und des Hungers

Millenniumsziel 2: Verwirklichung der allgemeinen Primarschulbildung

Millenniumsziel 3: Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und Ermächtigung der

Frauen

Millenniumsziel 4: Senkung der Kindersterblichkeit

Millenniumsziel 5: Verbesserung der Gesundheit von Müttern

Millenniumsziel 6: Bekämpfung von HIV/Aids, Malaria und anderen Krankheiten

Millenniumsziel 7: Sicherung der ökologischen Nachhaltigkeit

Millenniumsziel 8: Aufbau einer weltweiten Entwicklungspartnerschaft.

Die UNMDG haben das Basisjahr 1990 und sollen bis 2015 erreicht werden (Vgl. United Nations 2007:3ff.).

2.2 Entstehung der UNMDG

Im September 2000 fand das bis dahin größte Gipfeltreffen der Vereinten Nationen in New York statt, bei dem die Millenniumserklärung von 189 Ländern verabschiedet wurde. In dieser wurden die vier Handlungsfelder internationaler Politik des 21. Jahrhunderts definiert:

- Frieden, Sicherheit und Abrüstung
- Entwicklung und Armutsbekämpfung
- Schutz der gemeinsamen Umwelt
- Menschenrechte, Demokratie und gute Regierungsführung.

Aus der Millenniumserklärung (Vgl. United Nations 2000:1ff.) wurden ein Jahr später die acht UNMDG mit 18 Zielvorgaben und 48 Indikatoren abgeleitet. Die UNMDG, die „Entwicklung und Armutsbekämpfung" sowie „Schutz der gemeinsamen Umwelt" einschließen, stellen somit keine umfassende Entwicklungsagenda dar und sind im Kontext mit der Millenniumserklärung zu sehen. Der Vorteil der acht Millenniumsziele ist, dass sie mit konkreten Indikatoren und Zielvorgaben versehen sind, die zeitgebunden und zumindest im Ergebnis[14] messbar sind. Der Meilenstein 2015 ist nicht als Endpunkt zu sehen, denn das nachhaltige und langfristige Ziel muss es sein, dass sich die Welt weiterhin positiv entwickelt. Es geht bei dem Erreichen der UNMDG nicht um Kaufkraft für die arme Bevölkerung allein, sondern darum grundsätzliche Bedürfnisse zu befriedigen und das Leben selbstständig zu gestalten. Es geht um Verwirklichungschancen und die Freiheit des Einzelnen, die ohne eine Mindestversorgung nicht gesichert ist, aber weit darüber hinausgehen sollte (Vgl. Sen 2000:25ff.). Die UNMDG tragen zu erheblich höheren Verwirklichungschancen des Einzelnen bei. Die UNMDG können nur verwirklicht werden, wenn es Fortschritte in allen Handlungsfeldern der Erklärung gibt. Aber aufgrund der Messbarkeit und der Einschlagskraft der UNMDG sind sie bekannter und es kommt ihnen eine besondere Bedeutung als Maßstab für Entwicklung zu. Die ersten sieben Millenniumsziele enthalten Vorgaben, die mit Unterstützung der Geber, vor allem vor Ort in den Entwicklungsländern umgesetzt werden müssen. Millenniumsziel 8 und Teile von Millenniumsziel 7 wenden sich besonders an die Industrieländer. Sie werden aufgefordert, Rahmenbedingungen zu schaffen, die es den Entwicklungsländern ermöglichen, ihre Verpflichtungen aus der Millenniumserklärung umzusetzen. Im Millenniumsziel 8 wird neben anderen Instrumenten zur Armutsbekämpfung wie Schuldenerlass, Subventionsabbau und Handelsliberalisierung die EH als zentrales Instrument aufgeführt (Vgl. United Nations 2008:44ff. und BMZ 2008).

Von Seiten der Entwicklungsländer werden Maßnahmen erwartet, die zu mehr WW führen. Dazu gehören wirtschaftliche, soziale und finanzwirtschaftliche Komponenten, öffentliche Haushaltsbedingungen, Rechtssicherheit und Institutionen. Von den entwickelten Ländern wird erwartet, dass sie ihre Handelspolitiken anpassen, Schuldenerlasse für die ärmsten Länder tätigen, eine makroökonomische Basis liefern und EH zahlen, um somit von Armut betroffenen Menschen den Zugang zu sozialen und öffentlichen Diensten zu gewähren um die UNMDG zu erreichen (Vgl. World Bank 2003:5).

2.3 Soll-Ist-Vergleich

Da die Millenniumsziele global und sehr ehrgeizig sind, globale Ziele aber leicht zu setzen und schwer zu erreichen sind, wird im Folgenden ein Soll-Ist-Vergleich des Zielerreichungsgrades durchgeführt. Dabei wird die aktuelle Situation der angestrebten gegenübergestellt.

Der allgemeine Trend bei den Indikatoren zur Entwicklung im Rahmen der UNMDG ist positiv, es kommt in vielen Bereichen im Vergleich zum Basisjahr 1990 zu einer Verbesserung der Umstände. Allerdings werden beim jetzigen Fortschreiten des Trends die meisten Millenniumsziele in vielen Regionen verfehlt (Vgl. United Nations 2007a:2ff.). In der öffentlichen Wahrnehmung spielt vor allem das erste Millenniumsentwicklungsziel der Armutsreduktion eine Rolle. Daher wird der Zielerreichungsgrad des ersten Indikators exemplarisch in Abbildung 1 visualisiert[15]. Die Werte in der Abbildung 1 sind bis 2004 Vergangenheitswerte und anschließend als Prognose dargestellt. In der Darstellung nach der vertikalen Linie wird aufgezeigt, wie der Entwicklungstrend aussehen müsste, um dieses Teilziel bis 2015 zu erreichen. Aufgrund vergangener Preissteigerungsentwicklungen auf den Rohstoffmärkten und der Finanzkrise fällt der Indikator real schlechter aus. Ebenso führen Kriege und Unruhen zu großen Rückschlägen.[16] Aus der Abbildung 1 geht hervor, dass ‚Entwicklungsregionen gesamt’ bei moderater Verbesserung der Entwicklung, das Teilziel der Halbierung des Anteils an Menschen die von weniger als einem US Dollar am Tag leben[17], erreichen kann. Diese Aussage ist jedoch zu undifferenziert, denn die Trends der einzelnen Regionen unterscheiden sich erheblich. Dabei ist Afrika südlich der Sahara beim Indikator 1, wie in nahezu allen UNMDG, weit zurück (Vgl. Sachs 2005:18ff. und United Nations 2007a:2ff.). Ebenso kam es nur in einigen Regionen zu einer Verbesserung, in Westasien hingegen hat sich die Armutsquote zwischen 1990 und 2004 mehr als verdoppelt. Disparitäten bestehen zwischen den einzelnen Regionen und Ländern, ferner innerhalb einzelner Länder. In ländlichen Gebieten ist die Armut immer noch am größten. Neben allgemeinen statistischen Problemen bei der Messung des Haushaltseinkommens im Durchschnitt, ist ebenso zu bedenken, dass der Haushalt über ein gewisses Einkommen verfügen kann, die Frau aber nicht zwangsläufig darüber Verfügungsmacht hat (Vgl. Vandemoortele 2002:2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Millenniumsziel 1, Indikator 1. Die Halbierung des Anteils der Menschen, die von weniger als einem US Dollar am Tag leben von 1990 auf 2015 (United Nations 2007a:2, eigene Berechnungen).

Aus Abbildung 1 geht hervor, dass Süd-Ost-Asien die Zielvorgabe der Halbierung des Anteils der Menschen, die von weniger als einem US Dollar am Tag leben, von 1990 auf 2015 bereits übertroffen hat. Da Süd-Ost-Asien die Zielvorgabe übertrifft, hebt es den Durchschnitt an. Auch Afrika südlich der Sahara konnte schon Erfolge erzielen, jedoch sieht man in der Abbildung 1, dass diese unterdurchschnittlich sind und dass nur ein überproportionales Absinken des Anteils der Menschen, die von weniger als einem US Dollar am Tag leben, zu dem avisierten Ziel führen kann. Bei der Betrachtung einzelner Länder wird deutlich, dass ein großer Teil des Erfolges andere Ursachen haben muss als die EH. Asiatische Länder, bei denen EH eine geringere Rolle spielte, tragen zu den größten Fortschritten bei, und Afrika vor allem südlich der Sahara erzielt weitaus geringere Erfolge. Dabei ist Afrika [18]der Hauptempfänger in absoluten Zahlen und in Pro-Kopf-Berechnungen von Netto-EH[19] (Vgl. OECD 2006a:10). Neben den humanitären Zielen werden in Millenniumsziel 8 auch die Instrumente zum Erreichen der UNMDG beschrieben. Eines dieser Instrumente ist EH. Dabei ist bis 2015 eine Erhöhung der EH auf 0,7 Prozent des BNE des jeweiligen Geberlandes avisiert. Allerdings haben dieses Ziel erst Dänemark, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen und Schweden innerhalb der OECD-Länder erreicht (Vgl. OECD 2008).

Bereits 1970 verpflichteten sich die Geberländer auf das 0,7-Prozent-Ziel des BNE, das auch weiterhin bekräftigt wird, beispielsweise im Monterrey Consensus (Vgl. United Nations 2003a:2ff.) und in der „Erklärung von Paris über die Wirksamkeit der Entwicklungszusammenarbeit“ (Vgl. OECD 2006:3) [20]. Die Ausgaben der OECD Länder für die EH liegen bei 0,28 Prozent des BNE. (Vgl. United Nations 2008:45) Es wird sehr viel mehr EH benötigt um die UNMDG zu erreichen. In der Vergangenheit sind zwar viele Mittel geflossen, aber auf die Länder und Jahre verteilt, relativiert sich diese Zahl. Wichtiger scheint es neben der Erhöhung auch sicherzustellen, dass mehr EH bei den Bedürftigen ankommt, als das zuletzt der Fall war (Vgl. Nuscheler 2008:8).

Bei einer Untersuchung der Literatur rund um die EH wird deutlich, dass es eine große Diskrepanz zwischen den Versprechen und der Umsetzung gibt, und dass es immer wieder EH-Hypes gab. Leider führen diese bei nicht eintretenden Erfolgen langfristig zu einer eher zynischen Einstellung gegenüber EH und einer gewissen EH-Müdigkeit (Vgl. Doucouliagos, Paldam 2006:246).

In den UNMDG ist eines der Unterziele von Millenniumsziel 8 gerade die Hilfe für die am wenigsten entwickelten Länder zu erhöhen. Dies fand in der Vergangenheit statt, wie aus Abbildung 2 hervorgeht. Während sich die Gesamtzahlungen an alle Entwicklungsländer von 2002 bis 2006 um knapp 80 Prozent erhöht haben, haben sich die Gesamtzahlungen an die am wenigsten entwickelten Länder zwischen 2002 und 2006 um knapp 85 Prozent erhöht. Somit liegen die Anstiege für die am wenigsten entwickelten Länder jedoch nur knapp über dem Gesamtanstieg.[21]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Jährliche EH-Zahlungen in Milliarden US Dollar, Millenniumsziel 8, Indikator 33 [22] (Vgl. United Nations 2007a:14).

Im Soll-Ist Vergleich wurde ein kurzer Überblick über den Zielerreichungsgrad der UNMDG gegeben. Der allgemeine Trend in den meisten Regionen ist ein positiver, jedoch nicht positiv genug um die UNMDG zu erreichen. Neue Probleme und Rückschläge bei der Erreichung der UNMDG ergeben sich durch die hohen Rohstoffpreise, die Auswirkungen der Finanzkrise bleiben abzuwarten. Einige Regionen mussten Rückschläge in der Zielerreichung hinnehmen. Da das Erreichen der UNMDG von vielen Einflussfaktoren abhängig ist, werden im Folgenden Kapitel die Wirkungszusammenhänge, die es zum Erreichen der UNMDG gibt, untersucht.

[...]


[1] Im Folgenden wird der Ausdruck UNMDG oder Millenniumsziele verwendet.

[2] Auflistung der Ziele, Zielvorgaben und Indikatoren siehe Anlage 1 (Vgl. United Nations 2008a).

[3] Im Folgenden werden die UNMDG zusammen genannt, insbesondere gelten die Aussagen für die Millenniumsziel1 bis 7, da EH in Millenniumsziel 8 enthalten ist.

[4] Es wird die offizielle Staatshilfe betrachtet sowie Finanzströme, auch stark subventionierte Ausleihen von mindestens 25 Prozent, Entschuldungen und technische Kooperationen. Militärischer Mittel und die private EH werden nicht betrachtet.

[5] Die Big-Push-Theorie besagt, dass ein nachhaltiges WW durch EH ausgelöst werden kann. [6]Jeffrey Sachs ist Sonderberater für den Generalsekretär der UNMDG.

[7] William Eastery ist ehemaliger Ökonom der Weltbank und arbeitete beim „Institute for International Economics and the Center for Global Development“. Er arbeitete in den meisten Entwicklungsländern und ist vor allem durch sein gegenüber der EZ kritischen Buch „Wir retten die Welt zu Tode“ (2006a) bekannt geworden. Zurzeit ist er Professor an der New York University.

[8] Die Fachbegriffe Good Governance und Bad Governance werden aus stilistischen Gründen als gute und schlechte Governance verwendet.

[9] Entwicklung schließt sowohl die wirtschaftliche als auch die menschliche Entwicklung, zum großen Teil durch die UNMDG abgedeckt, mit ein. Diese Entwicklungen sind interdependent.

[10] Fungibilität von EH bedeutet, dass EH in beabsichtigte Projekte investiert wird, und dadurch neue Mittel für eine anderweitige Verwendung frei werden.

[11] Bei der Verwendung der Begriffe „Wirksamkeit der EH“ sind ebenfalls wirtschaftliche und menschliche Entwicklung eingeschlossen.

[12] Die von Armut betroffene Bevölkerung ist im weiterem Zusammenhang nicht nur der Anteil der absolut Armen, die nach Definition der United Nations unter einem US Dollar am Tag leben, sondern auch Menschen, welche die Kosten für Bildung, Gesundheit und Nahrung in mindestnotwendiger Weise nicht aufbringen können, oder in sonst einer Weise Zielpersonen von EH, zum Erreichen der UNMDG sind.

[13] Der Holländische Krankheitseffekt beschreibt den Einfluss der EH auf die heimische Währung.

[14] Zu der Eignung der Indikatoren siehe auch: United Nations (2003).

[15] Aufgrund der 48 Indikatoren der UNMDG und der weltweiten Gültigkeit der Millenniumsziele wurde ein Indikator ausgewählt.

[16] Auf der anderen Seite könnte das Erreichen der UNMDG das Risiko von manchen Konflikten verringern.

[17] Berechnung nach Kaufkraftparitäten

[18] Afrika erhielt 2004 von den OECD-Ländern 29.080 Millionen US Dollar Netto-EH bei einer Bevölkerung von 861 Millionen.

[19] Netto-EH bedeutet, dass Hilfsgelder abzüglich Schuldenrückzahlung genannt sind.

[20] Die Erklärung resultiert aus dem Treffen vom 28. Februar bis zum 2. März 2005 in Paris bei dem sich mehr als 100 Vertreter von Geber- und Partnerländern der Entwicklungszusammenarbeit, von internationalen Entwicklungsorganisationen und aus Wirtschaft und Gesellschaft zu einem Forum über die Wirksamkeit der Entwicklungszusammenarbeit getroffen haben.

[21] Da die am wenigsten entwickelten Länder oftmals Länder mit kritischen Governance-Werten sind, gibt es hier einen klaren Zielkonflikt zwischen der Ausrichtung auf Armut und auf gute Governance.

[22]Die Gesamtdaten 2007 für alle Entwicklungsländer sind vorläufige Daten und für die am wenigsten entwickelten Länder noch nicht bekannt.

Ende der Leseprobe aus 70 Seiten

Details

Titel
Die Eignung von Entwicklungshilfe zum Erreichen der UNMDG
Hochschule
Universität Hamburg  (Internationale Wirtschaftsbeziehungen)
Note
2,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
70
Katalognummer
V142146
ISBN (eBook)
9783640525621
ISBN (Buch)
9783640525751
Dateigröße
1552 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entwicklungshilfe, Millenniumsentwicklungsziele, United Nations, Armut, United Nations Development Goals, Good Governance, Bad Governance, Demokratie, Wirtschaftswachstum, Big Push, Fungibilität, Holländische Krankheit, Konditionalität, Selektivität, Bottom-up, Top-down
Arbeit zitieren
Vivien Gröning (Autor), 2008, Die Eignung von Entwicklungshilfe zum Erreichen der UNMDG, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142146

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