Der römische Schriftsteller Sueton äußerte sich in seiner Biographie über Augustus wie folgt über dessen städtebaulichen Errungenschaften:
„Die Stadt Rom, die nicht der Würde des Reiches entsprechend ausgebaut war und unter Überschwemmungen und Feuersbrünsten litt, hat er so sehr gefördert, dass er sich mit Recht rühmte, er hinterlasse die Stadt, die er als Lehmziegelstadt empfangen habe, als marmorne.“
In dieser Ausarbeitung soll der Frage nachgegangen werden, ob Sueton mit seiner Einschätzung, Augustus habe Rom als Lehmziegelstadt vorgefunden und marmorn hinterlassen, Recht behält. In diesem Zusammenhang möchte ich anhand des Beispiels des Forum Romanums exemplarisch die grundlegenden Veränderungen des städtebaulichen Erscheinungsbildes Roms beleuchten.
Aufgrund der Vielfalt augusteischer Eingriffe in das Stadtbild Roms, werden z.B. Bauten wie das Forum Augustum mit dem Mars-Ultor Tempel, der Tempel des Apoll im Privathaus des Augustus auf dem Palatin oder das Mausoleum auf dem Marsfeld, für die allesamt Marmor in geraumen Mengen verwandt wurde, nicht betrachtet werden. Vielmehr soll das Forum Romanum, als eines der Zentren des öffentlichen Lebens des antiken Roms, als derjenige Platz verstanden werden, der den größten und zeitlich kontinuierlichsten Veränderungen unterzogen wurde. Daher kann es als Ausdruck dafür gelten, in welcher Weise Augustus das Gesicht der Stadt Rom veränderte.
Zunächst werde ich darüber Auskunft geben, was es mit dem Baumaterial Marmor im antiken Rom auf sich hatte, ehe ich die architektonische Veränderung des Forum Romanums unter Augustus in drei zeitlichen Etappen in den Blick nehme. Anschließend werde ich einen Grundriss des Forum Romanums präsentieren, aus dem der maßgebliche Einfluss des Augustus auf dessen Ausgestaltung deutlich wird, bevor ich ein abschließendes Fazit zur Baupolitik des Augustus gebe.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Marmor als Baumaterial im antiken Rom
3. Die Veränderung des Forum Romanums unter Augustus
a. Die Zeit des Triumvirats bis zum Sieg bei Actium
b. Vom actischen Sieg bis zum Tode Agrippas
c. Vom Tod des Agrippa bis zum Tod des Augustus
d. Grundriss des Forum Romanums nach dem Tod des Augustus
4. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand des Forum Romanums exemplarisch die städtebaulichen Veränderungen Roms unter Kaiser Augustus, um zu prüfen, ob die historische Einschätzung zutrifft, Augustus habe Rom als Lehmziegelstadt vorgefunden und als marmorne hinterlassen.
- Die symbolische Bedeutung von Marmor als Baumaterial im antiken Rom.
- Die baupolitischen Strategien des Augustus in verschiedenen Phasen seiner Herrschaft.
- Die gezielte dynastische Nutzung architektonischer Projekte auf dem Forum Romanum.
- Der Übergang von republikanischen Traditionen hin zu einer dynastischen Monarchie im Stadtbild.
- Die Analyse konkreter Bauwerke wie des Caesartempels, der Kurie und der Basiliken.
Auszug aus dem Buch
Die Zeit des Triumvirats bis zum Sieg bei Actium
In Zeiten des Triumvirats zusammen mit Marcus Antonius und Marcus Aemilius Lepidus zwischen 43 bis 31 v. Chr. hatte es Octavian durch diese Konkurrenten nicht leicht durch öffentliche Bauten herauszuragen. Außerdem durften solche Bauten nicht zu üppig ausfallen, wie das mahnende Beispiel seines Adoptivvaters Caesar, der den größten Tempel der Welt bauen wollte und noch nicht einmal sein Forum fertigstellen konnte, zeigte. So fokussierte Octavian in seinen Bautätigkeiten drei zentrale Orte des römischen Stadtgebietes, nämlich den Palatin, das Marsfeld und das Forum Romanum. Diese drei Areale sollten auch nach der Triumviratszeit das Hauptaugenmerk der Bautätigkeit des Augustus ausmachen.
In diese Zeit fallen zumindest zwei Bauwerke auf dem Forum, die direkt mit Octavian in Verbindung gebracht werden können. Ich beziehe mich hierbei auf den Bau des Tempels des vergöttlichten Caesars und die Restaurierung der Kurie. Indirekt kann der Neubau des Tempels des Saturnus und der Bau der Regia mit Octavian verknüpft werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die zentrale Forschungsfrage nach der architektonischen Transformation Roms unter Augustus und begründet die Auswahl des Forum Romanums als Fallbeispiel.
2. Marmor als Baumaterial im antiken Rom: Dieses Kapitel erläutert den Wandel der Symbolwirkung von Marmor von einem privaten Luxusgut hin zu einem Repräsentationsmittel des neuen politischen Systems.
3. Die Veränderung des Forum Romanums unter Augustus: Das Hauptkapitel untersucht in vier zeitlichen Etappen die schrittweise Umgestaltung des Forums durch den princeps.
a. Die Zeit des Triumvirats bis zum Sieg bei Actium: Die Phase der frühen Bautätigkeiten Octavians, geprägt durch die Errichtung des Caesartempels und die Restaurierung der Kurie.
b. Vom actischen Sieg bis zum Tode Agrippas: Analyse der Konsolidierungsphase, in der Augustus sich verstärkt anderen Stadtteilen wie dem Marsfeld zuwandte.
c. Vom Tod des Agrippa bis zum Tod des Augustus: Die letzte Phase, in der der Fokus der Bauten primär der dynastischen Nachfolgeplanung diente.
d. Grundriss des Forum Romanums nach dem Tod des Augustus: Eine visuelle Zusammenfassung der augusteischen Eingriffe in den Bestand des Forums.
4. Fazit: Das Fazit bestätigt, dass die Transformation des Forums das politische Streben nach einer dynastischen Monarchie architektonisch widerspiegelt und Suetons Urteil stützt.
Schlüsselwörter
Augustus, Forum Romanum, Marmor, Baukunst, Stadtplanung, Prinzipat, Dynastie, Caesartempel, Kurie, Basilika, Rom, Antike, Architektur, Herrschaftsrepräsentation, Machtanspruch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die städtebaulichen Veränderungen Roms unter Kaiser Augustus anhand des Forum Romanums als zentralem Beispiel.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Aussage Suetons zu verifizieren, dass Augustus Rom von einer "Lehmziegelstadt" in eine "marmorne" Stadt verwandelt hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der symbolischen Verwendung von Marmor, der schrittweisen Umgestaltung öffentlicher Plätze und der Verknüpfung von Architektur mit dynastischer Machtausübung.
Welche methodische Vorgehensweise wählt der Autor?
Der Autor nutzt eine chronologische Analyse der baulichen Eingriffe, gegliedert in drei zeitliche Etappen, ergänzt durch die Auswertung des Tatenberichts des Augustus.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der detaillierten Untersuchung des Forum Romanums, unterteilt in die Zeit des Triumvirats, die Phase bis zum Tod Agrippas und die Zeit bis zum Tod des Augustus.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über die Begriffe Architektur, Marmor, Augustus, Stadtplanung und politische Repräsentation definieren.
Warum spielt die Kurie eine besondere Rolle in der Umgestaltung?
Die Kurie symbolisierte die römische Republik und ihre Restaurierung durch Augustus markierte einen wichtigen, behutsamen Schritt zur Etablierung des neuen politischen Systems.
Wie floss der dynastische Gedanke in den Bau der Basilica Iulia ein?
Augustus ließ die Basilika im Namen seiner Adoptivsöhne Gaius und Lucius Caesar erbauen, um seine Nachfolgeplanung architektonisch in das Zentrum des öffentlichen Lebens zu rücken.
- Arbeit zitieren
- Mario Kulbach (Autor:in), 2009, Die Baupolitik des Augustus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142254