Die empirische Diplomarbeit zum Thema "Zur subjektiven Begründung
von unterschiedlichen Arbeitsweisen im Heilpädagogischen Voltigieren und
Reiten" verfolgt die Intention qualitativ und explorierend zu einer pädagogisch-therapeutischen Arbeitsweise von Experten im Feld zu forschen.
Die Intention der Untersuchung gelangt durch eine Extremform der
Befragung in Form einer Erzählung und einem standardisierten,
unterstützenden Fragebogen zur Ermittlung von Hintergrund-informationen zum Zugang verbaler Daten. Mit Elementen aus dem narrativen Interview soll ein individueller, subjektiver und breiter Zugang zu Erfahrungswelten von Experten gewährleistet werden, um die Forschungsfrage `warum von ihnen auf diese Weise Heilpädagogisches Voltigieren und Reiten durchgeführt wird und
nicht anders` zu beantworten.
Experten werden im Rahmen dessen aufgefordert ausführlich von ihrem Arbeitsalltag zu erzählen. Die daraus entstehenden Einzelfallstudien bzw.-analysen sollen den subjektiven Sinn und Sinnzusammenhänge erforschen und damit soziales Handeln verstehbar machen, wie unterschiedliche Arbeitsweisen
begründbar sind.
Die Forschungsarbeit gliedert sich nach den Arbeitsschritten der
interpretativen Forschung, welche sich an dem klassischen dreiteiligen
Schema Theorie-Empirie-Interpretation orientiert, in einen theoretischen und methodischen Teil.
Der theoretische Hintergrund der Forschungsarbeit hat die Intension
ein Hintergrundwissen zu explizieren. Dabei sollen das innere Spektrum von
Möglichkeiten von Interventionen mit dem Medium Pferde expliziert sowie der
Kontext und Begriffe thematisiert werden. Weiterhin werden Voraussetzungen
und Rahmenbedingungen für das Durchführen dargestellt und der Stand der
Wissenschaft und Forschung erwähnt.
Nach einer Zusammenfassung wird im methodischen Teil Empirie und
Interpretation im Forschungsdesign in Bezug auf Unter-suchungsziel,
methodischen Ansatz, Erhebungsmethode, Unter-suchungsobjekte sowie
Datenerhebung und rekonstruktiver Datenauswertung berücksichtigt nachdem die
Forschungsarbeit diskutiert wird.
Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung
1 Heilpädagogisches Voltigieren und Reiten
1.1 Allgemeine Aspekte zum Medium Pferd
1.2 Heilpädagogisches Voltigieren und Reiten im Kontext des Therapeutischen Reitens
1.3 Zur heilpädagogischen Förderung mit dem Pferd
1.3.1 Zur Differenzierung von Heilpädagogischem Voltigieren zum Heilpädagogischen Reiten
1.3.2 Zur Differenzierung von therapeutischem und pädagogischem Arbeiten
1.4 Voraussetzung für die Durchführung
1.4.1 Weiterbildung zum Reitpädagogen
1.4.1.1 Weiterbildungen beim Deutschen Kuratorium für Therapeutisches Reiten
1.4.1.2 Ausbildungsinhalte für Pädagogen und Psychologen
1.4.2 Rahmenbedingungen eines Praxisfelds
1.4.3 Wirtschaftliche Organisation
1.4.4 Klientel/Zielgruppe
1.4.5 Therapiepferde
1.4.6 Helfer
1.4.7 Elternarbeit
1.5 Mögliche Interaktionsformen eines Reitpädagogen
1.5.1 Zur Arbeit in der triangulären Lernbeziehung
1.5.2 Möglicher Ablauf einer Einheit
1.6 Stand der Wissenschaft und Forschung im Heilpädagogischen Voltigieren und Reiten
2 Zusammenfassung und Fragestellung
3 Forschungsdesign
3.1 Untersuchungsziel
3.2 Methodischer Ansatz
3.3 Untersuchungsobjekte
3.4 Erhebungsmethode
3.4.1 Das narrative Interview als Zugang zu verbalen Daten
3.4.2 Verlauf der Datenerhebung
3.5 Transkription der Daten
3.6 Arbeitschritte der rekonstruktiven Auswertung
3.6.1 Ebene 1: Die Faktendarstellung
3.6.1.1 Interview 1
3.6.1.2 Interview 2
3.6.1.3 Interview 3
3.6.2 Paraphrasierende Sequenzanalyse
3.6.2.1 Interview 1
3.6.2.2 Interview 2
3.6.2.3 Interview 3
3.6.3 Ebene 2: Die Rekonstruktion der Faktendarstellung
3.6.3.1 Interview 1
3.6.3.2 Interview 2
3.6.3.3 Interview 3
3.6.4 Ebene 3: Die Interpretation der Rekonstruktion
3.6.4.1 Interview 1
3.6.4.2 Interview 2
3.6.4.3 Interview 3
3.7 Vergleich der Interviewgespräche
3.8 Fazit
4 Diskussion
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht qualitativ und explorierend, wie Experten im Feld des Heilpädagogischen Voltigierens und Reitens (HPV/R) ihre unterschiedlichen Arbeitsweisen subjektiv begründen und welche Faktoren, wie beispielsweise Rahmenbedingungen des Praxisfeldes oder persönliche Qualifikationen, diese Entscheidungen beeinflussen.
- Analyse der theoretischen Grundlagen und organisatorischen Rahmenbedingungen von HPV/R.
- Untersuchung des Einflusses der Zusatzausbildung von Reitpädagogen auf deren pädagogische Arbeit.
- Erforschung der Bedeutung des Mediums Pferd als Co-Therapeut und Partner in der triangulären Lernbeziehung.
- Diskussion über die Relevanz der Elternarbeit und wirtschaftlicher Faktoren für die Praxisgestaltung.
- Rekonstruktive Auswertung narrativer Experteninterviews zur subjektiven Sinnstiftung im Arbeitsalltag.
Auszug aus dem Buch
1.1 Allgemeine Aspekte zum Medium Pferd
Die Einsatzmöglichkeiten von Tieren in Bezug auf Arbeitsweisen, Praxisfelder und Klienten sind genauso vielfältig wie die Möglichkeiten, die die unterschiedlichen Tierarten, welche sich zu einer Intervention eignen, mitbringen. Zu den bekanntesten Tieren, welche als Medium eingesetzt werden zählen Hunde, Delfine und Pferde. Ihre Effekte und Wirkweisen sind komplex und nur bedingt greifbar bzw. nachzuvollziehen. Mit der Art und dem Wesen eines Tieres können alle Facetten des Menschseins erreicht und unterstützt werden, das Arbeiten ist ganzheitlich und spricht Körper, Geist und Seele an.
Das Medium Pferd bietet zusätzlich neben Wirkungsbereichen aus Tiergestützten Interventionen zahlreiche andere Möglichkeiten in seinem Einsatz, womit diverse Arbeitsweisen einhergehen.
Pferde haben sich in ihrer Entwicklung innerhalb 60 Millionen Jahren vom Laubfresser, dem fuchsgroßen Paarhufer Eohippus, der Urform der Pferde, bis zum heutigen Grasfresser und Einhufer Equus im Erscheinungsbild und in den Eigenschaften durch äußere Lebensbedingungen verändert. (Vgl. Jenzer 2003, 38) Ihre Domestikation bedeutete eine Erweiterung ihrer Beziehungsfähigkeit zu Menschen. Sie bieten viele Ausdrucks- und Verhaltensweisen sowie menschenähnliche oder humane Bedürfnisse wie Sozialkontakte oder Individualität und Unabhängigkeit durch Abgrenzung. Pferde bieten dem Menschen zahlreiche Ansatzpunkte für Kommunikations- und Identifikationsprozesse.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Heilpädagogisches Voltigieren und Reiten: Dieses Kapitel expliziert das theoretische Spektrum der tiergestützten Interventionen mit dem Pferd, beleuchtet fachliche Anforderungen an Fachkräfte und definiert die konzeptionellen sowie wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
2 Zusammenfassung und Fragestellung: Hier werden die theoretischen Erkenntnisse synthetisiert und die Forschungsfrage abgeleitet, die den Ausgangspunkt für die empirische Untersuchung bildet.
3 Forschungsdesign: Dieser methodische Abschnitt erläutert den qualitativen Forschungsansatz, die Auswahl der Interviewpartnerinnen und die Schritte der rekonstruktiven Auswertung mittels narrativer Interviews.
4 Diskussion: Das letzte Kapitel reflektiert die Ergebnisse der Untersuchung im Hinblick auf die subjektiven Begründungszusammenhänge der Arbeitsweisen und zieht Schlussfolgerungen für die Praxis.
Schlüsselwörter
Heilpädagogisches Voltigieren, Heilpädagogisches Reiten, Therapeutisches Reiten, Reitpädagoge, Beziehungsdreieck, Sachorientierte Partnerschaft, Motopädagogik, Erlebnispädagogik, Narrative Interviews, Qualitative Sozialforschung, Experteninterviews, Therapiepferde, Elternarbeit, Gruppendynamik, Fachkompetenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Experten im Heilpädagogischen Voltigieren und Reiten (HPV/R) ihre unterschiedlichen Arbeitsweisen begründen und welche Faktoren diesen Prozess steuern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentral sind die theoretischen Grundlagen des HPV/R, die Ausbildung von Reitpädagogen, die Rolle des Pferdes, die wirtschaftlichen Bedingungen der Einrichtungen sowie die Bedeutung der Elternarbeit.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: „Warum wird HPV/R von den Experten auf diese Weise durchgeführt und nicht anders?“
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Die Autorin nutzt einen qualitativen, explorativen Ansatz mit narrativen Interviews, ergänzt durch einen standardisierten Fragebogen zur Kontextualisierung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Überblick zum Thema sowie einen methodischen Teil, in dem drei Einzelfallstudien rekonstruiert und anschließend im Vergleich interpretiert werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind HPV/R, das Beziehungsdreieck (Pferd, Klient, Fachkraft), sachorientierte Partnerschaft sowie die rekonstruktive Auswertung nach Flick.
Wie wichtig ist der Aspekt der Sicherheit beim Einsatz von Therapiepferden?
Sicherheit hat oberste Priorität. Die Arbeit betont, dass diese durch Fachkompetenz, eine fundierte Ausbildung des Pferdes und klare Regeln im Umgang mit Tieren gewährleistet werden muss, wobei ein Restrisiko stets bestehen bleibt.
Welchen Stellenwert nimmt die Elternarbeit in der Arbeit ein?
Elternarbeit wird als essenzieller, aber oft schwieriger Bestandteil beschrieben. Sie dient der Transparenz, muss jedoch so gestaltet sein, dass sie gruppendynamische Prozesse der Kinder nicht stört.
Welche wirtschaftlichen Herausforderungen beschreiben die Experten?
Die Experten berichten von hohem Zeitdruck, der Notwendigkeit zur Selbstfinanzierung oder -mitfinanzierung durch Eltern und dem schwierigen Spagat, therapeutische Ansprüche unter den Bedingungen eines kommerziellen oder vereinsbasierten Marktes aufrechtzuerhalten.
- Citation du texte
- Désirée Schmidt (Auteur), 2008, Zur subjektiven Begründung von unterschiedlichen Arbeitsweisen im Heilpädagogischen Voltigieren und Reiten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142292