In der vorliegenden Arbeit werden verschiedene und kontroverse Ergebnisse zu den neurophysiologischen sowie neurotoxischen Effekten und den damit einhergehenden neuropsychologischen Defiziten durch den Konsum von illegalen Drogen diskutiert. Die gesundheitspolitische Relevanz dieses Themas ergibt sich aus der zunehmenden Prävalenz des Drogenkonsums und bislang noch nicht abschließend geklärter Langzeitfolgen. Die neuronalen und neurotoxischen Wirkmechanismen scheinen sich über nahezu alle Substanzen hinweg im Neurotransmittersystem niederzuschlagen und, je nach Substanz, strukturelle und funktionale Anomalitäten zur Folge zu haben. Diese Effekte äußern sich auch in
neuropsychologischen Tests. Insgesamt ist das gesamte Forschungsgebiet durch eine große methodologische Heterogenität und teilweise durch widersprüchliche
Befunde geprägt. Gründe könnten u.a. in der mangelnden Kontrolle von Stichprobeneffekten sowie der Anwendung vielfältiger neuropsychologischer Messinstrumente, zum Teil mit unzureichender theoretischer Fundierung, und einer mangelnden Sensitivität dieser Maße gesehen werden.
Inhaltsverzeichnis
Neurophysiologische Mechanismen und neuropsychologische Defizite durch Intoxikationen mit illegalen Drogen
1 Begriffsbestimmung: Illegale Drogen
2 Prävalenz des Gebrauchs psychoaktiver Substanzen
3 Ecstasy
3.1 Neurophysiologische und neurotoxische Mechanismen
3.2 Neuropsychologische Defizite
4 Amphetamine
4.1 Neurophysiologische und neurotoxische Mechanismen
4.2 Neuropsychologische Defizite
5 Halluzinogene
5.1 Neurophysiologische und neurotoxische Mechanismen
5.2 Neuropsychologische Defizite
6 Kokain
6.1 Neurophysiologische und neurotoxische Mechanismen
6.2 Neuropsychologische Defizite
7 Cannabis
7.1 Neurophysiologische und neurotoxische Mechanismen
7.2 Neuropsychologische Defizite
8 Opiate
8.1 Neurophysiologische und neurotoxische Mechanismen
8.2 Neuropsychologische Defizite
9 Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die neurophysiologischen Wirkmechanismen sowie die damit einhergehenden neuropsychologischen Defizite bei Konsumenten illegaler Drogen. Dabei wird analysiert, inwieweit substanzinduzierte Intoxikationen chronische strukturelle und funktionale Veränderungen im Zentralnervensystem hervorrufen und wie sich diese in klinischen Tests manifestieren.
- Neurobiologische Auswirkungen verschiedener Substanzklassen (Ecstasy, Amphetamine, Kokain, Cannabis, Opiate, Halluzinogene)
- Analyse neurotoxischer Prozesse und deren Reversibilität
- Kritische Würdigung methodischer Herausforderungen in der neuropsychologischen Drogenforschung
- Diskussion von Mischkonsumeffekten und Stichprobeneinflüssen
Auszug aus dem Buch
3.1 Neurophysiologische und neurotoxische Mechanismen
Der Wirkungsort von Ecstasy befindet sich in den Synapsen des Zentralnervensystem (ZNS). Dabei kommt es zu einer Freisetzung und starken Wiederaufnahmehemmung der Neurotransmitter Serotonin, Dopamin und Noradrenalin. Hierbei wird die Freisetzung und Wiederaufnahme von Serotonin und 5-Hydroyindolessigsäure (5-HIAA) am stärksten und in zweiter Linie von Dopamin sowie am geringsten von Noradrenalin an der präsynaptischen Membran beeinflusst (z.B. Gouzoulis-Mayfrank et al., 1996; Henry, Jeffreys & Dawling, 1992; Sauer & Weilemann, 1997; Schmoldt, 1999). Neben dieser Wirkung kommt es durch MDMA zu einer irreversiblen Hemmung des Katalysators Tryptophan-hydroxylase (TPH), der für die Bildung von Serotonin zuständig ist, wodurch es zu einem intrazellulären Mangel an Serotonin kommt (Green, Cross & Goodwin, 1995).
Zu der neurotoxischen Wirkung von Ecstasy (dabei MDA>MDMA>MDEA>MBDB) liegen seit 1985 (Ricaurte, Bryan, Strauss, Seiden & Schuster, 1985) verschiedene Studien an unterschiedlichen Tierspezies einschließlich Primaten vor (z.B. Schmoldt, 1999). Hier zeigte sich, dass es durch die wiederholte Verabreichung von MDMA zu Veränderungen und Schädigungen des serotonergen Systems im ZNS kommt. Bei Ratten kam es durch die wiederholte Injektion von MDMA zu einer Verarmung von Serotonin im Hirngewebe und zwar im Hippocampus, Hypothalamus, dem Neokortex sowie dem Corpus striatum (Commins et al., 1987). Darüberhinaus scheint es im Hirngewebe ebenfalls zu einer Verarmung des Serotonin-Hauptmethaboliten 5-HIAA und des präsynaptischen Serotonintransporters (SERT) zu kommen (Aguirre, Ballaz, Lasheras & Del Rio, 1998; Battaglia et al., 1987). Daneben werden im Liquor eine Konzentrationsabnahme von 5-HIAA und eine Aktivitätsabnahme des Serotoninkatalysators TPH sichtbar (Ricaurte, A. L. Martello, Katz & M. B. Martello, 1992; Ricaurte, Yuan & McCann, 2000).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Begriffsbestimmung: Illegale Drogen: Definition von Drogen im rechtlichen Kontext des Betäubungsmittelgesetzes sowie Abgrenzung zu psychotropen Substanzen.
2 Prävalenz des Gebrauchs psychoaktiver Substanzen: Überblick über die Verbreitung und Konsummuster illegaler Substanzen in Deutschland und Europa.
3 Ecstasy: Untersuchung der neurophysiologischen Wirkungen sowie kognitiver Beeinträchtigungen durch MDMA und verwandte Derivate.
4 Amphetamine: Analyse der dopaminergen Beeinflussung und neuropsychologischer Defizite bei Amphetaminkonsum.
5 Halluzinogene: Betrachtung der serotonergen Wirkmechanismen und kognitiver Leistungsuntersuchungen bei Konsumenten halluzinogener Substanzen.
6 Kokain: Darstellung der Auswirkungen auf das Belohnungssystem und den Metabolismus des frontalen Kortex sowie damit verbundener Gedächtnisdefizite.
7 Cannabis: Diskussion der Rolle von Cannabinoidrezeptoren und potenzieller neuropsychologischer Folgen bei chronischem Konsum.
8 Opiate: Untersuchung der Wirkung auf Opiatrezeptoren und der Schwierigkeiten bei der Erfassung neurokognitiver Defizite aufgrund von Mischkonsum.
9 Resümee: Zusammenfassende Bewertung der methodischen Heterogenität und Bedeutung weiterer Forschung für die Gesundheitsvorsorge.
Schlüsselwörter
Neuropsychologie, Illegale Drogen, Neurotoxizität, Neurotransmitter, Serotonin, Dopamin, Gedächtnisdefizite, Ecstasy, Amphetamine, Cannabis, Kokain, Opiate, Hirnstoffwechsel, Suchtpotenzial, Mischkonsum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den neurophysiologischen Mechanismen und den neuropsychologischen Defiziten, die aus dem Konsum illegaler Drogen resultieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Wirkungsweise von Drogen wie Ecstasy, Amphetaminen, Kokain, Cannabis und Opiaten auf das Zentralnervensystem sowie den daraus resultierenden kognitiven Einschränkungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den wissenschaftlichen Kenntnisstand über akute und insbesondere chronische Spätfolgen des Drogenkonsums auf die Hirnleistung zusammenzufassen und kritisch zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine systematische Literaturanalyse, die verschiedene neuropsychologische Studien und tierexperimentelle Befunde gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil ist substanzspezifisch gegliedert und behandelt für jede Drogenklasse jeweils die neurophysiologischen Wirkmechanismen sowie die festgestellten neuropsychologischen Defizite.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Neuropsychologie, Neurotoxizität, Drogenkonsum, kognitive Defizite, Neurotransmitter und Substanzabhängigkeit.
Gibt es Hinweise auf die Reversibilität der Schäden?
Die Arbeit diskutiert, dass viele neurophysiologische Effekte zwar teilweise reversibel zu sein scheinen, die kognitiven Defizite jedoch häufig länger bestehen bleiben oder subtil verlaufen.
Welches Problem wird bei der Forschung besonders kritisiert?
Der Autor kritisiert die methodische Heterogenität, mangelnde Kontrolle von Mischkonsum und die geringe Sensitivität der eingesetzten Messinstrumente in bestehenden Studien.
- Quote paper
- Bachelor of Science Said Giancoli (Author), 2009, Neurophysiologische Mechanismen und neuropsychologische Defizite durch Intoxikationen mit illegalen Drogen , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142394