Schon seit einigen Jahren befindet sich die berufliche Erstausbildung im
Brennpunkt verschiedener Diskussionen. Die Zahl der Jugendlichen ohne
Ausbildungsplatzstelle und die Zahl der Arbeitslosen ohne
Berufsausbildung werden regelmäßig von den Medien präsentiert. Aus
betrieblicher Sicht wird der aktuelle und zukünftige Facharbeitermangel
beklagt. Die Gewerkschaften hingegen kritisieren die zu geringe
Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen. Dabei wird der deutschen
Berufsbildung mit ihrem Dualen System oft der Pauschalvorwurf gemacht,
zu unflexibel, zu teuer und überhaupt ungeeignet zu sein, sich den
permanenten gesellschaftlichen Veränderungen anzupassen. Es stellt sich
die Frage, ob das Duale System dem erheblichen Modernisierungsdruck
überhaupt gerecht werden kann.
Dabei hat sich in den letzten Jahren einiges im Dualen System getan.
Zum Beispiel hat das Bundesinstitut für Berufsbildung Modellversuchs-
programme initiiert, um die Forschung und Entwicklung von Lernort-
kooperationen und Berufsbildungsnetzwerken voranzubringen. Es wurde
nicht nur erkannt, dass sich die gesetzlichen und pädagogischen
Rahmenbedingungen an die Veränderungen anpassen müssen. Auch die
Ausbildungspartner und die Regionen selbst benötigen dringend größere
Handlungsspielräume. Einem zukunftsweisenden Gestaltungselement der
Berufsbildung wurde dabei erhöhte Aufmerksamkeit zuteil: Lernende
Kooperationen. Als Personalentwickler interessiert mich im Folgenden, welche Chancen
und Impulse von solchen Kooperationen in der beruflichen Bildung für die Personalentwicklung ausgehen können. Wie sehen die Handlungsfelder aus, die sich aus einer engeren Zusammenarbeit von Betrieben,
berufsbildenden Schulen und anderen Partnern des Dualen Systems für
die Personalentwicklung ergeben?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Hauptteil
2.1 Das Duale System der Berufsausbildung
2.2 Beispiele für lernende Kooperationen in der beruflichen Erstausbildung
2.2.1 Verbundausbildung
2.2.2 „Klassische“ Lernortkooperation
2.2.3 Berufsbildungsnetzwerke
2.3 Handlungsfelder der Personalentwicklung im Bezug auf lernende Kooperationen
2.3.1 Personenbezogene Handlungsfelder
2.3.2 Organisationsbezogene Handlungsfelder
2.3.3 Interorganisationsbezogene Handlungsfelder
3 Schlussteil
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Potenziale lernender Kooperationen innerhalb der beruflichen Erstausbildung und analysiert, welche konkreten Handlungsfelder sich hieraus für die Personalentwicklung ergeben, um eine zukunftsfähige Berufsbildung zu unterstützen.
- Analyse des Dualen Systems im Kontext von Modernisierungsdruck.
- Untersuchung von Kooperationsformen wie Verbundausbildung, Lernortkooperation und Berufsbildungsnetzwerken.
- Identifikation personenbezogener, organisationsbezogener und interorganisationsbezogener Handlungsfelder.
- Diskussion der Rolle der Personalentwicklung bei der Initiierung und Begleitung von Netzwerken.
- Betrachtung von Qualitäts- und Wissensmanagement in Kooperationsstrukturen.
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Verbundausbildung
In der Fachliteratur gibt es verschiedene Definitionen des Begriffs „Verbundausbildung“, die sich mehr oder weniger unterscheiden. Eine einheitliche Definition von „Verbundausbildung“ gibt es bisher nicht. (vgl. Pahl/Schütte 2003, S. 51; Mülhausen 1992, S. 32 ff.). Für Mülhausen heißt „Verbundausbildung“: „[...]Zusammenarbeit von Betrieben zum Zweck gemeinsamer arbeitsplatzbezogender Ausbildung in anerkannten Ausbildungsberufen“ (Mülhausen 1992, S. 35). Der Kern der Verbundausbildung ist demnach, die Kooperation von Betrieben in der beruflichen Erstausbildung. Eine Kooperation mit einer oder mehreren Berufsschulen oder überbetrieblichen Ausbildungsstätten ist demnach nicht unbedingt notwendig. In der Novellierung des Berufsbildungsgesetzes 2005 wurde die Verbundausbildung explizit mit aufgenommen (vgl. § 10 Abs. 5 und § 27 Abs. 2 BBiG).
Es existieren verschiedene Verbundausbildungstypen (vgl. Pahl/Schütte 2003, S. 51-53, Nackmayr 2005, S.3-5):
a) Auftragsausbildung: Einzelne Ausbildungsabschnitte werden aus fachlichen Gründen oder wegen fehlender Kapazität an andere Betriebe oder Bildungsträger vergeben.
b) Ausbildungskonsortium: Mehrere kleine und mittlere Unternehmen stellen jeweils Auszubildende ein und tauschen diese zu vereinbarten Phasen aus.
c) Leitbetrieb mit Partnerbetrieben: Der Leitbetrieb ist für die Ausbildung insgesamt verantwortlich. Er schließt die Ausbildungsverträge ab und organisiert die phasenweise Ausbildung bei den Partnerbetrieben, mit denen er einen Kooperationsvertrag schließt.
d) Ausbildungsverein: Mehrere Betriebe schließen sich auf vereinsrechtlicher Grundlage zusammen. Der Verein tritt als Ausbilder auf. Er übernimmt die Steuerung der Ausbildung und wird von den Mitgliedern finanziell getragen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Kritik am Dualen System und führt den Begriff der lernenden Kooperationen als zukunftsweisendes Gestaltungselement ein.
2 Hauptteil: Der Hauptteil analysiert das Duale System, klassifiziert verschiedene Kooperationsmodelle und leitet daraus spezifische Handlungsfelder für die Personalentwicklung ab.
2.1 Das Duale System der Berufsausbildung: Dieses Kapitel beschreibt die rechtlich-organisatorische Struktur des Dualen Systems unter Einbeziehung von Betrieben und Berufsschulen.
2.2 Beispiele für lernende Kooperationen in der beruflichen Erstausbildung: Hier werden Verbundausbildungen, klassische Lernortkooperationen und Berufsbildungsnetzwerke als zentrale Formen der Zusammenarbeit definiert.
2.2.1 Verbundausbildung: Dieses Unterkapitel definiert Verbundausbildungen und stellt verschiedene Typen wie das Ausbildungskonsortium oder den Leitbetrieb vor.
2.2.2 „Klassische“ Lernortkooperation: Der Fokus liegt hier auf der pädagogischen Zusammenarbeit zwischen Berufsschulen und Betrieben zur Optimierung des Theorie-Praxis-Transfers.
2.2.3 Berufsbildungsnetzwerke: Dieses Kapitel erweitert das Kooperationskonzept auf ein breites institutionelles Netzwerk und diskutiert dessen Innovationspotenziale.
2.3 Handlungsfelder der Personalentwicklung im Bezug auf lernende Kooperationen: Dieses Kapitel untersucht die aktive Rolle der Personalentwicklung bei der Förderung und Begleitung von Netzwerken.
2.3.1 Personenbezogene Handlungsfelder: Hier wird die Notwendigkeit von Kompetenzentwicklung bei den Akteuren und die Bedeutung von Vertrauensmanagement thematisiert.
2.3.2 Organisationsbezogene Handlungsfelder: Das Kapitel befasst sich mit der Verankerung der Kooperationskultur in der Organisationsentwicklung der beteiligten Institutionen.
2.3.3 Interorganisationsbezogene Handlungsfelder: Abschließend werden Themen wie Qualitätsstandards, Wissensmanagement und die Institutionalisierung von Kooperationen behandelt.
3 Schlussteil: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und fordert ein gesamtkooperatives Denken in der Berufsbildung ein.
Schlüsselwörter
Berufliche Erstausbildung, Duales System, Personalentwicklung, Lernende Kooperationen, Verbundausbildung, Lernortkooperation, Berufsbildungsnetzwerke, Kompetenzentwicklung, Organisationsentwicklung, Wissensmanagement, Berufsbildungsgesetz, Innovationsnetzwerke, Qualifizierung, Vernetzung, Qualitätsmanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle lernender Kooperationen in der beruflichen Erstausbildung und deren Bedeutung als Handlungsfeld für die Personalentwicklung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Duale System, verschiedene Kooperationsmodelle (Verbundausbildung, Lernortkooperationen, Bildungsnetzwerke) und die strategische Ausrichtung der Personalentwicklung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie die Personalentwicklung aktiv zur Initiierung und Verbesserung von Kooperationen in der beruflichen Bildung beitragen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse und die Auswertung von Modellversuchen im Bereich der beruflichen Bildung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme des Dualen Systems, die Vorstellung spezifischer Kooperationsmodelle und die Ableitung konkreter Handlungsfelder für die Personalentwicklung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Berufsbildungsnetzwerke, Lernortkooperation, Personalentwicklung und Kompetenzentwicklung geprägt.
Wie unterscheidet sich ein Berufsbildungsnetzwerk von einer Verbundausbildung?
Während die Verbundausbildung primär auf die Kooperation zwischen Betrieben fokussiert, umfassen Berufsbildungsnetzwerke ein deutlich breiteres Spektrum an Akteuren, darunter Schulen, Hochschulen und Arbeitsagenturen.
Welche Rolle spielt das Wissensmanagement in dieser Untersuchung?
Das Wissensmanagement wird als entscheidender Faktor identifiziert, um implizites Wissen der Netzwerkpartner in explizites, für alle nutzbares Wissen zu transformieren und Innovationen zu fördern.
Warum ist die Personalentwicklung für den Erfolg von Kooperationen so wichtig?
Sie fungiert als Begleiter, der Kompetenzen fördert, Veränderungsprozesse (Change Management) steuert und den strukturellen Rahmen schafft, damit Mitarbeiter kooperativ statt als Einzelkämpfer agieren.
Inwiefern ist das Berufsbildungsgesetz für diese Arbeit relevant?
Das BBiG bildet den rechtlichen Rahmen; die Arbeit verdeutlicht, wie durch die Novellierung von 2005 Kooperationen wie die Verbundausbildung explizit gestärkt wurden.
- Quote paper
- Andreas Kaiser (Author), 2009, Lernende Kooperationen in der beruflichen Erstausbildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142397