Nachdem die Wortschatzdidaktik lange Zeit vernachlässigt wurde, haben sich auf diesem Gebiet einige Veränderungen ergeben. Neben den traditionellen Methoden der Wortschatzarbeit gewinnen heutzutage auch kreative Konzepte im fremdsprachigen Deutschunterricht zunehmend an Bedeutung. Sighert Latzel betont, dass Wortschatz das Wichtigste ist, (…)„was man erwirbt, wenn man sich eine Fremdsprache aneignet“. ( 169: 1993).
Das Ziel meiner Arbeit ist es zu untersuchten, ob kreative Übungen in der Wortschatzarbeit mehr leisten können als traditionelle Übungsformen. Letztere werden sich ausschließlich auf fortgeschrittene Lernende beziehen. Da kreative Wortschatzarbeit sich schwer auf eine bestimmte Niveaustufe übertragen lässt, werden in meinen Ausführungen alle Stufen der Sprachbeherrschung berücksichtigt. Dazu werden die Konzepte der traditionellen und kreativen Wortschatzarbeit dargestellt. Die Präsentation des jeweiligen Konzeptes in Hinsicht auf das Semantisierungsverfahren, konkrete Übungskonzepte und die Anwendung des Sprachgebrauchs soll die wichtigsten Unterschiede aufzeigen. Da die Ausführungen sich auf die Übungskonzepte zur Erweiterung und Festigung des Wortschatzes beziehen, ist es erforderlich einige einleitende Informationen zum Thema Übung, Festigung und Erweiterung des Wortschatzes abzugeben. Vor der Schilderung der drei Phasen der traditionellen Wortschatarbeit, wird allgemein auf die traditionelle didaktische Sicht, sowie auf die wichtigsten Merkmale dieser Sicht eingegangen. In meiner Arbeit wird gezeigt, dass es jede Menge von traditionellen Semantisierungsverfahren gibt. In der Theorie erweist sich jedoch, dass die Mehrzahl der vorhandenen Varianten der Verfahren nicht angewendet wird. Außerdem „zeigt die Unterrichtspraxis, dass in den meisten Fällen der Lehrer die Erklärungsverfahren auswählt, die Erschließung steuert und den Lernererfolg kontrolliert. „ (Bohn 1999: 72).
Im zweiten Teil meiner Ausführung gehe ich mit ähnlicher Vorgehensweise auf die kreative Wortschatzarbeit ein. Zunächst werde ich das Thema Kreativität im Fremdsprachigenunterricht näher erläutern. Hierbei werden das Semantisierungsverfahren und die Anwendung zusammen behandelt.
Zuerst wird ein sehr interessanter und kreativer Vorschlag der mündlich- muttersprachlichen Bedeutungsvermittlung dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung: Ziel, Inhalt, Methoden der Arbeit
2.Zum Wortschatzbegriff im Fremdsprachenunterricht
3. Lernziele für die Wortschatzarbeit
4.Traditionelle Formen der Wortschatzarbeit
4.1 Semantisierung
4.2 Einleitendes zum Thema : Übung, Festigung und Erweiterung des Wortschatzes
4.3 Übungskonzepte und Lösungen
4.4 Von der Übung zur Anwendung
5.Kreativität im fremdsprachigen Deutschunterricht
6.Kreative Wortschatzarbeit
6.1 Semantisierung und Anwendung
6.2 Übungskonzepte und Lösungen
7. Chancen und Probleme traditioneller und kreativer Wortschatzarbeit
8. Schlusswort
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht, ob kreative Übungsformen in der Wortschatzarbeit einen höheren Lernerfolg erzielen können als traditionelle Methoden, und beleuchtet dabei Möglichkeiten zur aktiven Förderung von Wortschatzkompetenz bei unterschiedlichen Sprachniveaus.
- Vergleich von traditionellen und kreativen Semantisierungsverfahren.
- Die Bedeutung von Kontextualisierung und autonomem Lernen.
- Integration interkultureller Aspekte in die Wortschatzarbeit.
- Analyse praktischer Übungskonzepte für den Deutschunterricht.
Auszug aus dem Buch
4.1 Semantisierung
Bevor die traditionellen Techniken der Bedeutungserklärung präsentiert werden, ist es erforderlich den Semantisierungsprozess zu definieren. Unter dem Terminus Semantisierung (Bedeutungserklärung) wird allgemein die Erklärung der Bedeutung lexikalischer Einheiten (Wort, Wortgruppe, idiomatische Wendungen) verstanden.
Es gibt zwei Gruppen von Semantisierungsverfahren und zwar die nicht sprachlichen (nonverbalen) und die sprachlichen Erklärungsverfahren. Die Letzteren lassen sich noch in einsprachige und zweisprachige unterteilen.
Die nonverbale Semantisierung wird häufig bei Anfängern und im Unterricht mit Kindern eingesetzt. Der Lehrer kann durch Demonstration verschiedener Gegenstände aus der Lernumgebung wie z.B. Buch, Tafel neuen Wortschatz vermitteln. .Auch Emotionen wie (erschrecken, lachen) können durch den Einsatz von Gestik und Mimik zum Ausdruck gebracht werden. Ebenfalls durch Körpersprache können Bedeutungen neuer lexikalischen Einheiten erklärt werden.(vgl. Storch 1999: 58) Rainer Bohn bringt einige Beispiele für die Verdeutlichung von Situationen z.B. frieren, Bauchschmerzen haben. Weiterhin können bestimmte Wortbedeutungen durch das Nachahmen von verschiedenen Geräuschen präsentiert werden z.B. schmatzen, pfeifen oder husten. (vgl. 1999 :62, 63)
Die nächste Möglichkeit der nonverbalen Semantisierung ist die Erklärung mit Hilfe von Bildern, die allerdings häufig auf scharfe Kritik stößt. Lutz Köster( vgl. 1994: 38) hat in seinen Ausführungen die negativen Stimmen zusammengefasst. Für Hammerly(1974) sind Bilder keine zuverlässige Semantisierung. Bodensieck (1967) und Lübke (1971) weisen ebenfalls auf die Uneindeutigkeit der Bilder hin. Auch in den aktuellen Quellen ist der Einsatz von Bildern als Semantisierungsverfahren Gegenstand der Kritik. Bohn (1999 : 6O, 61) berichtet, dass selbst bei Zeichnungen von konkreten Gegenständen dieses Semantisierungsverfahren zu Missverständnissen führen kann. Weiterhin erklärt er anhand von zwei Zeichnungen von Bäumen, die eventuell als Nadel- und Laubbaum zu erkennen sind, dass die Differenzierung als Fichte, Kastanie oder Buche nicht möglich ist. Allerdings gibt es auch wenige Autoren wie z.B. Storch, die die nonverbale Semantisierung ganz positiv bewerten.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Ziel, Inhalt, Methoden der Arbeit: Diese Einleitung skizziert die Vernachlässigung der Wortschatzdidaktik und definiert das Ziel der Arbeit: die Untersuchung, ob kreative Übungen traditionellen Formen überlegen sind.
2.Zum Wortschatzbegriff im Fremdsprachenunterricht: Dieses Kapitel definiert den Wortschatzbegriff und unterscheidet zwischen verschiedenen Wortarten sowie Mitteilungs-, Verstehens- und potenziellem Wortschatz.
3. Lernziele für die Wortschatzarbeit: Hier werden die Lernziele allgemein umrissen, wobei die unterschiedlichen Anforderungen je nach Sprachniveau und Lernziel (z.B. Aneignung für Kommunikation) erläutert werden.
4.Traditionelle Formen der Wortschatzarbeit: Dieses Kapitel beschreibt den dreiphasigen Prozess der traditionellen Wortschatzarbeit (Darbietung, Übung, Integration) und kritisiert die lehrerzentrierte Sichtweise.
5.Kreativität im fremdsprachigen Deutschunterricht: Dieser Abschnitt thematisiert die Herausforderungen bei der Definition von Kreativität und fordert einen produktiven, selbstgesteuerten Umgang mit der Sprache.
6.Kreative Wortschatzarbeit: Hier werden neue Wege präsentiert, bei denen Lernende Elemente eigenständig umstrukturieren, was durch kreative Ansätze wie Dramenpädagogik oder Wortnetze gefördert wird.
7. Chancen und Probleme traditioneller und kreativer Wortschatzarbeit: Ein zusammenfassender Vergleich, der den Mangel an authentischen Lehrmaterialien und den Vorteil der kognitiven Vernetzung durch Textarbeit diskutiert.
8. Schlusswort: Das Fazit betont, dass kreative Ansätze in den Unterricht integriert werden sollten, wobei die Initiative vor allem von den Lehrkräften ausgehen muss.
Schlüsselwörter
Wortschatzdidaktik, Fremdsprachenunterricht, Semantisierung, kreative Wortschatzarbeit, traditionelle Wortschatzarbeit, Lernautonomie, kognitive Vernetzung, Wortbildung, interkulturelle Kommunikation, Sprachlehrwerk, Übungskonzepte, Kontextualisierung, Wortschatzvermittlung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Methoden der Wortschatzvermittlung im Fremdsprachenunterricht und untersucht den Übergang von traditionellen, lehrerzentrierten Formen hin zu kreativen, schülerorientierten Konzepten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die Semantisierung, die Rolle der Kreativität beim Lernen, die Förderung der Lernautonomie sowie die Integration interkultureller Aspekte.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es zu untersuchen, ob kreative Übungsformen in der Wortschatzarbeit effektiver sind als traditionelle Übungen und wie sie zur aktiven Sprachbeherrschung beitragen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der verschiedene fachdidaktische Ansätze und Übungskonzepte verschiedener Autoren verglichen und kritisch hinterfragt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung traditioneller Vermittlungsmethoden, die Analyse kreativer Konzepte sowie den Vergleich von Chancen und Problemen beider Ansätze anhand konkreter Übungsbeispiele.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kreativität, Wortschatzarbeit, Semantisierung, Fremdsprachenunterricht, Lernautonomie und Kontextualisierung sind die prägenden Begriffe.
Welche Rolle spielt die Muttersprache bei der Wortschatzvermittlung?
Laut der Arbeit spielt die Muttersprache eine prozessrelevante Rolle beim Verständnis und Behalten, besonders in Phasen, in denen eine einsprachige Erklärung zu zeitaufwendig oder missverständlich wäre.
Was kritisiert die Autorin an modernen Übungsbüchern?
Sie kritisiert, dass auch neuere Lehrmaterialien häufig traditionelle Muster wie kontextlose Satzübungen verwenden, die die kommunikative Anwendbarkeit des gelernten Wortschatzes vernachlässigen.
Warum wird die Arbeit in "Schreibwerkstätten" so positiv hervorgehoben?
Die Arbeit in Schreibwerkstätten ermöglicht eine konsequente Kontextualisierung und eine lernergesteuerte Progression, was den Lernenden hilft, den Wortschatz aktiv und situationsadäquat anzuwenden.
Welchen Einfluss haben Prämissen auf den Lernprozess?
Prämissen helfen Lernenden, bei unbekannten Wörtern durch Rückschlüsse aus dem eigenen Weltwissen die Bedeutung zu erschließen, was die kognitive Selbstständigkeit stärkt.
- Quote paper
- Bachelor Justyna Ponikowska (Author), 2009, Kreative Übungen zur Erweiterung und Festigung des Wortschatzes im fremdsprachigen Deutschunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142444