Überblick zur Entwicklung des Waffenhandwerkes im Thüringer Wald

Beitrag zur Technikgeschichte (10)


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2009
15 Seiten

Leseprobe

Inhalt

Vorwort

Überblick zur Entwicklung des Waffenhandwerks im Thüringer Wald

Literatur

Vita des Autors

Veröffentlichungen des Autors

Abstract

Vorwort.

Im Mittelpunkt dieses Buches steht der Überblick zur Entwicklung des Waffenhandwerks im Thüringer Wald, wo in den Büchsenmacherwerkstätten Thüringens weit über 650 Jahre Gewehre fein bearbeitet und montiert werden. Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts geschah das ausschließlich in handwerklicher Tätigkeit, die stark spezialisiert war. Auch heutzutage ist dies fast noch so, nämlich da gibt es den Gewehrschäfter, den Laufschlosser, den Jagdwaffenmechaniker, den Jagdwaffengraveur und den Brünnierer.

Zu erfahren ist ebenso, daß die Produktionsstandorte der Metallverarbeitung im allgemeinen und der Waffenproduktion im besonderen in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges und danach von mindestens folgenden Voraussetzungen bestimmt waren, die alle an einem Ort beziehungsweise in einem eng begrenzten Territorium zu Verfügung stehen mussten, nämlich:

Bergwerke, aus denen das Erz gefördert wurde; Holz, Holzkohle bzw. Stein- oder Braunkohle für die Schmelzöfen, mit deren Hilfe das Metall aus dem Erz erschmelzbar wurde; Wasserkraft, mit deren Hilfe die Schmieden und Maschinen angetrieben werden konnten, die den Stahl in die gewünschte Form brachten; Meister sowie Fachkräfte, die über genügend Erfahrung verfügen mussten, um die Produktion in ausreichender Qualität zu garantieren; wie auch eine ausgebaute Infrastruktur, wie Wasserwege oder gut befestigte Landstraßen, auf denen die Produkte sicher an den Empfänger transportiert werden konnten.

Vermittelt wird dem Leser daneben auch, daß diese Voraussetzungen sich in hervorragender Weise im Thüringer Wald fanden, und, daß die Orientierung auf Tradition zu einer Dominanz der Thüringer Waffenproduktion führte, wobei die Suhler Büchsenmacher und die Meister aus Schmalkalden, Zella-Mehlis, Schleusingen und Ilmenau zu den wichtigsten Waffenschmieden im Thüringischen zählten.

Genannt werden in der vorliegenden Veröffentlichung auch, daß aufgrund der langen Tradition der Waffenherstellung sich die Stadt Suhl seit dem Jahre 2005 offiziell als „Waffenstadt Suhl“ bezeichnet und diese Stadt sowie Thüringen insgesamt über die Jahrhunderte eine vom Bergbau Region, mit hennebergischen Erscheinungsbild war.

Und demjenigen, der erfahren möchte, unter welchen Bedingungen weit über sechs Jahrhunderte im Thüringischen im Waffenhandwerk gearbeitet worden, wird benannt, daß diese Einblicke im Waffenmuseum Suhl möglich sind. Und auch das, daß dieses seit dem Jahre 2008 eine völlig neu gestaltete Ausstellung besitzt, die außerdem mit ihren zahlreichen Prunk-, Jagd-, Sport- und Militärwaffen einen Überblick über die Geschichte des wichtigsten Handwerks der Stadt erlaubt.

Überblick zur Entwicklung des Waffenhandwerks im Thüringer Wald .

Die Entstehung[1] des Thüringer Waffenhandwerks, insbesondere der Suhler Handfeuerwaffen wie auch Jagdwaffen, ist im engsten mit der Stadt Suhl verbunden. Aufgrund der langen Tradition der Waffenherstellung bezeichnet sich die Stadt seit 2005 offiziell auch als „Waffenstadt Suhl“.

Bodenfunde auf diesem Gebiet der heutigen Stadt Suhl belegen den Aufenthalt von Menschen schon um 2000 v. u. Z. Und etwa 500 v. u. Z. wurden dann mit der Einwanderung keltischer Volksstämme im Suhler Raum die Menschen sesshaft.

Angenommen wird, daß der Ort Suhl selbst seinen Ursprung in einem einzelnen Hof in der Gegend der Hauptkirche, am Rimbach gelegen, hat, bei dem mit großer Wahrscheinlichkeit im 12. Jahrhundert Salzquellen und Eisenerz entdeckt worden waren. Diese Entdeckungen veranlassten den damaligen Grafen Poppo von Henneberg (Ende 12. Jahrhundert bis 1245) vom Kaiser Friedrich II. (1194-1250) im Jahre 1216 sich mit den Regalien über die Salz- und Bergwerke belehnen zu lassen.

Beide Funde gaben Anlass, daß die Menschen sich dahin angezogen fühlten, wodurch der Hof bald zum Dorfe anwuchs. Dies geschah umso mehr, als der Eisenbergbau im Suhler Raum zur bestimmenden Erwerbsgrundlage wurde. Unterlagen des Klosters Fulda nennen zwischen 900 und 1155 wiederholt einen Ort „Sulaha“.

So ist es auch erklärlich, daß, als der Ort Sula erstmalig 1318 in einer Lehnurkunde genannt wurde, bereits eine ansehnliche Besiedlung war. Weiterhin sind Berichte von Verhandlungen am Berggericht zu Suhl überliefert, die bereits aus den Jahren 1474 stammen. Stadtrechte und Statuten erhielt Suhl 1527 bestätigt durch die gefürsteten Grafen von Henneberg-Schleusingen, die bereits zuvor schon bestanden haben sollen.

Ab 1553 wird Suhl auch als Bergstadt bezeichnet, was der Stadt Rechte und Pflichten als Sitz der Bergverwaltung und der Berggerichtsbarkeit zubilligte.

Bevor die Schmiede des Thüringer Waldes begannen Handfeuerwaffen zu fertigen, stellten sie auch Schwerter, Sicheln und Wagen her. Besonders bekannt geworden sind die Schmalkalder Schwertschmiede. Sie haben schon im 14. Jahrhundert die Grafen von Henneberg mit Schweißdamastschwertern versorgt.

In Schmalkalden wurden auch nach dem 11. Jahrhundert Schwerter aus Stahl hergestellt, der durch „Gärben“ – ein mehrfaches Verschweißen und Wiederausschmieden von Stangen – gefertigt wurde. Seit jener Zeit ging dann die schwierigere Damaszierungstechnik zurück. Die Kunst der Klingenschmiede war auch im Thüringischen hoch angesehen und galt als Geheimnis. Um dies zu wahren, mussten die Zunftgenossen des Schwert-, Schmiede-, Härter- und Schleiferhandwerkes den Verbleibungseid leisten. Sie durften das Land nicht verlassen und das Geheimnis nur an die eigenen Söhne weitergeben.

Die Grundlage für die Waffenherstellung, das Eisenerz, wurde im Thüringischen schon im Jahre 1111 abgebaut. Um 1350 arbeiteten in Suhl bereits zwei Eisenhämmer. Es sind der Niederhammer und der Lauterhammer. Diese zwei ältesten Eisenhämmer Suhls werden auch in den Jahren 1363 und 1365 genannt. In diesem Gebiet wurden auch mit die ersten nachweisbaren Stücköfen Deutschlands errichtet. Damit wird eine vorangehende Tradition des Eisenerzbergbaus belegt, die bis um Mitte des 13. Jahrhunderts zurückreicht.

Das am Stahlberg bei Schmalkalden abgebaute Eisenerz war reich an Mangan. Der aus ihm erzeugte „Schmalkaldische Stahl“ war für seine gute Qualität bekannt. Dieser gute Ruf rührte möglicherweise von einem höheren Mangangehalt der Erzbasis und ist deshalb als „naturlegierter“ Manganstahl anzusehen. Mit aus diesem Stahl gefertigten Panzern und Schwertern wurden im 15. Jahrhundert die fränkischen Ritter versorgt.

Die Bewaffnung der Bürgerschaft der aufblühenden Städte und die Bildung stehender Heere führten im 16. Jahrhundert zu einer sprunghaften Erhöhung des Bedarfs an Gewehren. Von den in den großen Städten, Nürnberg, Augsburg und Frankfurt am Main beheimateten Büchsenschmieden konnte die Forderung nach massenhafter Bewaffnung nicht mehr bewältigt werden.

Der Bedarf erzwang den Übergang von der handwerksmäßigen Einzelfertigung zur manufakturmäßigen arbeitsteiligen Produktion genauso wie die zunehmende Kompliziertheit der Gewehre, die Verringerung ihrer Masse und die Senkung der Herstellungskosten.

Durch den Einsatz von Wasserhämmern zum Schmieden der Rohre wurde die Handarbeit abgelöst. Diese Umstände führten zur Verlagerung des Gewerbes der Büchsenmacher aus den teuren Städten in Gegenden, wo gutes Eisen, Holzkohle, Wasserkraft und billige Arbeitskräfte verfügbar waren. Solche Randbedingungen waren in der Grafschaft Henneberg, im Raum Suhl, Zella und Schmalkalden in nahezu idealer Weise erfüllt.

Die einheimischen Waffenschmiede wurden 1535 durch die Übersiedlung eines Büchsenschmiedes aus Nürnberg verstärkt, sechs weitere kamen bis 1553 hinzu, die ihr Handwerk als „freie Kunst“ betrieben. Sie beschäftigten 17 Knechte und verarbeiteten in einer Woche zwanzig Zentner Eisen zu 526 Büchsenrohren.

In der Folgezeit kam es 1555 zu der Gründung der Innung der Rohr- und Büchsenschmiede und 1563 erteilt Graf Georg Ernst zu Henneberg den „Schlössern, Büchsenmachern, Sporern und Windenmachern“ Innungsprivilegien mit Sitz in Suhl.

Sechs Hämmer, von denen fünf innerhalb der Stadt lagen, der Lautererhammer, der Steinauhammer, der Lauwellerhammer, der Mühlwiesenhammer, Auehammer, und einer außerhalb von Suhl lag, der Möbendorferhammer, die um 1570 6.700 Zentner (bzw. 335 Tonnen) erzeugten, versorgten zehn Büchsenschmieden und elf Kleinschmieden, von denen 28 Schlossereien, vier Laufschmieden und sieben Bohrwerkstätten abhängig waren. Ende des 16. Jahrhunderts werden jährlich sogar über 20.000 Gewehrrohre hergestellt.

Somit gehörte Suhl mit zu den ersten deutschen Zentren der Waffenherstellung wie Nürnberg, Essen, Potsdam, Olbernhau, Annaberg und Olberndorf. Es konnte sich schon im 16. Jahrhundert mit den ausländischen Städten der Handfeuerwaffenherstellung wie Drescia, Pistoja, Mailand und Florenz (Italien), Amsterdam, Rotterdam, Maastricht und Utrecht

[...]


[1] Piersig, W.: Überblick zur Entwicklung des Waffenhandwerks im Thüringer Wald, Fertigungstechnik und Betrieb 40 (1990), H. 12, S. 758/759.

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Details

Titel
Überblick zur Entwicklung des Waffenhandwerkes im Thüringer Wald
Untertitel
Beitrag zur Technikgeschichte (10)
Autor
Jahr
2009
Seiten
15
Katalognummer
V142455
ISBN (eBook)
9783640523078
ISBN (Buch)
9783640522330
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Waffenhandwerk in Thüringen, Waffenmuseum Suhl
Arbeit zitieren
Dipl.-Ing. (FH), Dipl.-Ing., Dr.-Ing. Wolfgang Piersig (Autor), 2009, Überblick zur Entwicklung des Waffenhandwerkes im Thüringer Wald, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142455

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