Im Hinblick auf die Beeinflussung durch neue Technologien und Entwicklungen gilt die Produktion üblicherweise als der am stärksten betroffene Bereich eines Unternehmens. Ein Umstand der nicht zuletzt daran deutlich wird, dass die Verwendung informationstechnischer Verfahren zur Unterstützung der Abläufe in der Produktion weitaus früher praktiziert wurde, als dies im Bürobereich bzw. auf der Unternehmensebene der Fall war. Die industrielle Fertigung lässt sich in diesem Zusammenhang gewissermaßen als „Vorreiter“ bei der Nutzung von IuK-Systemen im betrieblichen Umfeld verstehen.
Das Aufkommen sowie die zunehmende Verbreitung internetbasierter Technologien respektive eine damit verbundene umfassende Verwendung in den entsprechenden Funktionsbereichen der Unternehmen ist unter diesen Gesichtspunkten von einer eher gegenläufigen Entwicklung gekennzeichnet, da sich die betrachteten Technologien zunächst auf der Unternehmensebene, etwa im Rahmen des elektronischen Geschäftsverkehrs oder der Bürokommunikation, etabliert haben. Dagegen ist ein möglicher Einsatz im Bereich der industriellen Produktion, beispielsweise in Hinsicht auf die Steuerung und Vernetzung von Automatisierungssystemen, erstmals in jüngster Zeit zum Gegenstand konkreter Überlegungen geworden.
Eine zunehmende Ausweitung internetbasierter Technologien und Standards auf den Fertigungsbereich ermöglicht eine vertikale Integration als Ausdruck einer neu entstehenden elektronischen Verbindung zwischen den Prozessen und technischen Anlagen der Fertigungsebene auf der einen Seite und der Unternehmensebene auf der anderen Seite. Die wirtschaftliche Nutzung dieser informationstechnischen Verbindung wird als Business-to-Machine Communication bezeichnet und führt zu einer Reihe von Erweiterungen oder neuen Anwendungen des E-Business. Gerade diese neuartigen, jedoch zum weit überwiegenden Teil noch wenig entwickelten, Anwendungsmöglichkeiten sind Gegenstand der vorliegenden Arbeit mit dem Ziel, denkbare Potentiale und Verwendungen im Hinblick auf virtuelle Produktionsnetzwerke darzustellen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Zielsetzung
1.2 Aufbau der Arbeit
2 Business-to-Machine-Communication
2.1 Das Ebenenmodell der Produktion
2.2 Vertikale Integration der Informationsebenen
2.3 Anwendungsfelder
3 Virtuelle Produktionsnetzwerke als Form der interorganisatorischen Leistungserstellung
3.1 Ausgangspunkt und Zielsetzung
3.2 Erscheinungsform und Bestandteile
3.3 Hybride Organisationsstrukturen
3.4 Lebenszyklus eines aktivierten Netzwerkes
3.5 Kern- und Kooperationskompetenz als zentrale Elemente
3.6 Aufgaben und Akteure in virtuellen Organisationen
4 Anwendungsszenarien der Business-to-Machine Communication in virtuellen Produktionsnetzwerken
4.1 Koordination
4.1.1 Anbahnungs- und Konfigurationsphase
4.1.2 Betriebsphase
4.1.3 Auflösungsphase
4.2 Leistungsgestaltung
4.2.1 Neue Produkte und Dienstleistungen
4.2.2 Kundennähe
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potential von Business-to-Machine (B2M) Communication zur informationstechnischen Unterstützung in virtuellen Produktionsnetzwerken. Im Fokus steht dabei die Forschungsfrage, wie durch die vertikale Integration zwischen Fertigungsebene und Unternehmensebene neue Anwendungsfelder für das E-Business in der produzierenden Industrie erschlossen werden können.
- Grundlagen der Business-to-Machine Communication und Ebenenmodelle der Produktion.
- Strukturen und Kooperationsmodelle virtueller Produktionsnetzwerke.
- Anwendungsszenarien für B2M in der Koordination von Produktionsprozessen (z.B. Fernwartung, Ressourcenmanagement).
- Agentenbasierte Ansätze für dezentrale Koordinationskonzepte in elektronischen Märkten.
- Einfluss der B2M Communication auf Leistungsgestaltung, Produktentwicklung und Kundennähe.
Auszug aus dem Buch
2.1 Das Ebenenmodell der Produktion
Innerhalb einer Unternehmung läuft eine Vielzahl von Prozessen ab, die in Ihrer Gesamtheit zur Erreichung der jeweils angestrebten Sach- bzw. Formalziele beitragen. Die Ausführung dieser, im Rahmen der Unternehmensaktivitäten anfallenden, Aufgaben und Tätigkeiten hängt dabei in großem Maße von der Bereitstellung, Verarbeitung und Übertragung von Informationen ab. Die Bedeutung der Information und ihre vielfältige Verknüpfung mit den betrieblichen Abläufen, etwa der Produktion von Gütern, zeigt sich nicht zuletzt an der, allerdings nicht gänzlich unumstrittenen, Forderung, sie als eigenständigen Produktionsfaktor anzusehen und damit explizit zu berücksichtigen.
Die zugehörigen intraorganisatorischen Informations- und Kommunikationsflüsse lassen sich anhand eines Modells verschiedener funktionaler Ebenen weiter veranschaulichen. Das dynamische Leben eines Unternehmens findet danach auf verschiedenen Informationsebenen statt, die durch unterschiedliche Anforderungen an die jeweils eingesetzten IuK-Systeme, z.B. hinsichtlich der anfallenden Datenmengen oder Verarbeitungszeiten, gekennzeichnet sind. Das aus der Prozessautomatisierung stammende Ebenenmodell der Produktion fasst gleichartige Funktionen in Ebenen zusammen und nimmt eine hierarchische Strukturierung der Schichten vor.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Stellt die Bedeutung der informationstechnischen Unterstützung für die Produktion dar und definiert das Ziel, Potentiale der B2M Communication für virtuelle Netzwerke aufzuzeigen.
2 Business-to-Machine-Communication: Führt das Ebenenmodell der Produktion ein und beschreibt die vertikale Integration als technologische Voraussetzung für den Datenaustausch zwischen Fertigung und Unternehmensführung.
3 Virtuelle Produktionsnetzwerke als Form der interorganisatorischen Leistungserstellung: Analysiert das Konzept des virtuellen Unternehmens als Antwort auf dynamische Märkte sowie die notwendigen Kompetenzen und Rollen innerhalb solcher Netzwerke.
4 Anwendungsszenarien der Business-to-Machine Communication in virtuellen Produktionsnetzwerken: Konkretisiert den Einsatz von B2M in verschiedenen Phasen der Koordination sowie bei der Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen.
5 Fazit und Ausblick: Kritische Würdigung der wirtschaftlichen und technischen Herausforderungen bei der Implementierung von B2M-Szenarien und ein Blick auf zukünftige Entwicklungen.
Schlüsselwörter
Business-to-Machine Communication, B2M, Virtuelle Produktionsnetzwerke, Vertikale Integration, Ebenenmodell der Produktion, E-Business, Koordination, Multi-Agenten-Systeme, Softwareagenten, Fernwartung, Ressourcenmanagement, Prozessautomatisierung, Wertschöpfungskette, Cooperative Slack, Produktionsleitebene.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie die elektronische Kommunikation zwischen Maschinen (B2M) zur Optimierung der Zusammenarbeit in virtuellen Produktionsnetzwerken beitragen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit verknüpft Themen aus der Wirtschaftsinformatik und Organisationstheorie, insbesondere die Bereiche Prozessautomatisierung, virtuelle Unternehmensstrukturen und moderne IuK-Technologien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Potentiale der B2M Communication für die Koordination und Leistungsgestaltung in virtuellen Produktionsnetzwerken theoretisch herzuleiten und praxisnahe Anwendungsfelder aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse bestehender Literatur, Modelle der Prozessautomatisierung und Konzepte der Netzwerkorganisation, die zu einem neuen Anwendungsmodell integriert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die technologische Fundierung (Ebenenmodell, B2M), die organisatorischen Grundlagen (virtuelle Netzwerke, Lebenszyklen) und die konkrete Anwendung dieser Technik in Koordination und Leistungsgestaltung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen B2M Communication, Virtuelle Produktionsnetzwerke, Vertikale Integration, Multi-Agenten-Systeme und Kooperationskompetenz.
Welche Rolle spielen "Embedded Systems" in diesem Konzept?
Embedded Systems sind laut Autor eine Grundvoraussetzung für die B2M Communication, da sie als intelligente, eingebettete Baugruppen die nötige Schnittstelle zur Informationsverarbeitung an den technischen Anlagen bilden.
Wie unterscheidet der Autor "Cooperative Slack" von "Organizational Slack"?
Während sich "Organizational Slack" auf die internen Reservekapazitäten einer Unternehmung bezieht, bezeichnet "Cooperative Slack" die in einer Kooperation von allen Partnern gemeinsam nutzbaren Ressourcen, was zu einer flexibleren Auslastung führt.
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- Christian Winkler (Author), 2003, Potentiale der Business-to-Machine Communication für virtuelle Produktionsnetzwerke, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14247