Filippo Brunelleschi und der Bau der Domkuppel des Florentiner Doms


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

16 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Biographie Filippo di Ser Brunelleschi

Der Florentiner Dom bis 1420 und das Modell Brunelleschis

Brunelleschis Leistung

Brunelleschi als Bauleiter

Errichtung der Kuppel ohne Lehrgerüst

Stein- und Holzketten

Brunelleschis Maschinen

Nachwirken der Leistungen Brunelleschis

Fazit

Literatur

Einleitung

Mit der Fertigstellung der Kuppel (1436) und der Kuppelllaterne in den 1470er Jahren wurde der Bau des Doms Santa Maria del Fiore zu Florenz vollendet. Die Kathedrale als eines der größten Gotteshäuser der Welt und somit auch die Stadt Florenz erhielten mit dieser Kuppel ein Wahrzeichen, das sich „der allgemeinen Vorstellungskraft hauptsächlich als ungewöhnlich groß und großartig eingeprägt“[1] hat. Vergleiche der Kuppel mit einem Berg, einem Ball, ja sogar einem Tier[2] zeigen, welchen Eindruck dieses Bauwerk, das „zwischen Himmel und Dächern im Zentrum des städtischen Gefüges schwebt“[3], auf Einwohner wie auf Besucher macht.

Der für die Umsetzung des Projekts verantwortliche Filippo di Ser Brunelleschi und seine Rolle beim Bau der Kuppel, die „fast schon ein Symbol der Geburt einer neuen Weltsicht geworden ist – der Renaissance“[4], sollen in dieser Arbeit behandelt werden.

Nach einer biographischen Einführung und einem groben Überblick über die Baugeschichte des Doms wird auf die Bedeutung der Innovationen Brunelleschis beim Bau des Doms einzugehen sein. Dabei handelt es sich um die Verwendung neuer, innovativer Maschinen ebenso wie um eine unkonventionelle Errichtung der Kuppel.

Zuletzt soll der Eindruck, den die Arbeit des Künstleringenieurs bei Zeitgenossen und späteren Generationen hinterließ, kurz angesprochen werden.

Biographie Filippo di Ser Brunelleschi

Filippo di Ser Brunelleschi wurde 1377 als Sohn des Notars Ser Brunellesco Lippi und dessen Frau Giuliana Spini geboren. Die Familie war recht wohlhabend, beispielsweise besaßen sie ein später von den Medici erworbenes Landgut[5].

Möglicherweise erhielt Filippo in den 1390er Jahren seine erste Ausbildung bei dem Florentiner Maler und Geographen Benincasa, der im Dienste der Republik mit der Vermessung der gesamten Stadt beauftragt war.

Die erste urkundliche Erwähnung Brunelleschis ist datiert aus dem Jahr 1398, als er die Aufnahme in die mächtige Zunft der Seidenweber als Goldschmied beantragte. Diese wurde ihm jedoch erst 1404 gewährt. Bemerkenswert ist, dass er noch im Jahr seiner Aufnahme in die Kommission berufen wurde, welche für den Bau des Florentiner Doms verantwortlich war. Er muss sich bereits zu diesem Zeitpunkt einiges Ansehen durch seine Tätigkeit erworben haben.

Zugeschrieben werden Brunelleschi einige Figuren des für den Dom von Pistoia errichteten Silberaltars. In den Quellen findet sich zwar nur ein Hinweis auf einen Pippo da Firenze, doch könnte damit Brunelleschi gemeint sein. Zudem lassen die Altarfiguren „Beziehungen zu dem Relief der Opferung Isaaks erkennen“[6], welches Brunelleschi 1401 als eigenen Wettbewerbsbeitrag um die Gestaltung der zweiten Tür des Florentiner Baptisteriums einreichte. Bei diesem Wettbewerb erlitt er allerdings eine Niederlage. Der Beitrag Lorenzo Ghibertis wurde angenommen. Zwar beauftragte die für dieses Projekt zuständige Zunft der Wollweber beide Künstler mit der Ausführung der Arbeit, doch trat Brunelleschi von diesem Auftrag zurück. Wenn sein Biograph Vasari ihm dies als „eine großmütige Geste des Zurücktretens gegenüber dem Jüngeren und – als Bildhauer – vielleicht auch Begabteren“[7] auslegt, so dürfte diese Einschätzung allenfalls einen Teil der Wahrheit widerspiegeln. Mit Ghiberti verstand sich Brunelleschi zeitlebens nicht sonderlich gut. Die Bereitschaft, mit seinem Konkurrenten gemeinsam an dessen Projekt zu arbeiten, war bei Brunelleschi nicht vorhanden.

Mit seinem Freund Donatello scheint er dagegen mehrfach zusammengearbeitet zu haben, auch wenn sich dies an konkretem Quellenmaterial nicht immer einwandfrei belegen lässt.

So soll Brunelleschi eine Holzskulptur, eine Heilige Magdalena, gefertigt haben und an Donatellos Statuen der Heiligen Markus und Petrus für Orsamichele mitgewirkt haben[8].

Mehrere Legenden ranken sich um diese Freundschaft. So soll Brunelleschi 1409 selbst ein Kruzifix für Santa Maria Novella gefertigt haben, weil er die Darstellung Christi durch seinen Freund als unzureichend empfand. Schließlich musste Donatello eingestehen, dass es ihm selbst nur gegeben sei, „Bauernfiguren zu schaffen, Brunelleschi aber wahre Christusfiguren“[9].

Überliefert ist auch die Geschichte von dem dicken Tischler, den die beiden Freunde aus Spaß eines Morgens als eine völlig andere Person ansprachen. Ihre Sache machten sie dabei so gut, dass das Opfer ihres Spaßes schließlich nicht nur die neue Identität annahm, sondern sich auch bereit fand, seine vermeintlichen Schulden zu bezahlen[10].

Gemeinsam mit Donatello hatte Brunelleschi um 1404 eine Reise nach Rom zum Zwecke des Antikenstudiums unternommen. Diese Reise wiederholte Brunelleschi zwischen 1411 und 1413.

Seine Tätigkeit als Ingenieur beginnt Brunelleschi spätestens 1412, als er einen Ruf nach Pistoia erhielt. Lebenslang war er von nun an als Gutachter für Bauwerke, militärische und technische Anlagen tätig. Die Dome von Mailand und Pavia sowie die Festung Sigismondo Malatestas in Rimini gehörten zu diesen Bauwerken.

1418 nahm er schließlich an der Ausschreibung für die neue Domkuppel teil. Nach einem zweiten Wettbewerb erhalten Brunelleschi und Ghiberti gemeinsam die Leitung des Projekts, diesmal jedoch unter anderen Vorzeichen als bei dem Wettbewerb im Jahr 1401. Diesmal hatte sich Brunelleschis Modell durchgesetzt.

Die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit seinem Konkurrenten war bei Brunelleschi jedoch auch diesmal nicht besonders groß, wie im weiteren Verlauf der Arbeit gezeigt werden wird.

Die Arbeiten an der Domkuppel dauerten bis 1436 an. Während dieser Zeit, in der sich der Künstleringenieur sehr intensiv den Arbeiten an der Kuppel widmete, arbeitete dieser jedoch auch an einigen anderen Projekten.

Mit Unterbrechungen war er zwischen 1419 und 1427 an den Arbeiten am Ospedale degli Innocenti beteiligt.

In Zusammenarbeit mit Masaccio entstand 1425 das Fresko der Trinität in Santa Maria Novella, welches als „eines der epochalen Meisterwerke der Renaissance“[11] angesehen wird.

Bei seiner Tätigkeit als Ingenieur blieben auch Misserfolge für Brunelleschi nicht aus. So hatte er 1428 ein Transportschiff entwickelt, mit dem Marmorblöcke, welche für den Bau der Kuppel benötigt wurden, nach Florenz befördert werden sollten. Das riesige Schiff, das den Spitznamen ‚Badalone’ (‚Ungetüm’) bekam, hatte allerdings einen zu großen Tiefgang und versank an einer Untiefe des Arno. Das Scheitern dieses Projekts, das Brunelleschi aus eigener Tasche finanziert hatte, führte zu einer immensen Verschuldung des Konstrukteurs bei der Dombauhütte.

Gescheitert ist auch der Versuch des Ingenieurs, die Stadt Lucca, welche 1430 belagert wurde, durch die Umleitung des Flusses Serchio zu isolieren oder gar zu überfluten. Dieses, gescheiterte, Vorhaben, war das einzige Werk Brunelleschis, das Niccolo Machiavelli in seiner Florentiner Geschichte für erwähnenswert hielt[12].

1442 beteiligte sich Brunelleschi mit einem Modell an den Planungen für einen Medici-Palast in San Lorenzo. Er erhielt jedoch keinen Zuschlag für sein Modell.

Das Hauptwerk Brunelleschis, die Kuppel von Santa Maria del Fiore, wurde 1436 vollendet und von Papst Eugen IV. geweiht. Einzig die Kuppelllaterne fehlte noch. Der erste Marmorblock hierfür wurde erst 1446 versetzt. Fertig gestellt wurde sie erst einige Jahre nach dem Tod des Architekten.

Brunelleschi starb Mitte April 1446 in Florenz, wenige Wochen nach dem Beginn der Arbeiten an der Laterne. Er fand seine letzte Ruhestätte in Santa Maria del Fiore in einem Grabmal mit seinem naturgetreuen Abbild[13]

[...]


[1] Fanelli, S. 100.

[2] Fanelli, S. 100f.

[3] Fanelli, S. 53.

[4] Elssner, S. 74.

[5] Kulawik, S. 30.

[6] Kulawik, S. 31.

[7] Kulawik, S. 31.

[8] Kulawik, S. 32.

[9] Kulawik, S. 31.

[10] Kulawik, S. 31f.

[11] Kulawik, S. 34.

[12] Kulawik, S. 34.

[13] Fanelli, S. 59.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Filippo Brunelleschi und der Bau der Domkuppel des Florentiner Doms
Hochschule
Universität Stuttgart  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Leonardo und andere Künstler - Ingenieure der Renaissance
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V142481
ISBN (eBook)
9783640536566
ISBN (Buch)
9783640536757
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Florenz, Dom, Domkuppel, Brunelleschi, Renaissance
Arbeit zitieren
Magister Artium Simon David (Autor), 2007, Filippo Brunelleschi und der Bau der Domkuppel des Florentiner Doms, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142481

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