Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der langfristigen Betrachtung der Sparquote der privaten Haushalte in der Bundesrepublik Deutschland. Das Augenmerk liegt dabei
einerseits auf einer umfassenden Darstellung des Sparverhaltens der privaten Haushalte sowie auf einer langfristigen Betrachtung der Entwicklung der Sparquote der privaten Haushalte in den Jahren von 1991 bis 2007. Andererseits werden mögliche ökonomische Einflussfaktoren auf das Sparverhalten identifiziert und anhand einer Korrelationsanalyse deren Wirkung auf die Sparquote der privaten Haushalte untersucht.
Zu Beginn dieser Arbeit wurden die theoretischen Grundlagen für eine Untersuchung der ökonomischen Einflussfaktoren auf die Sparquote der privaten Haushalte gelegt. Dargestellt wurden zum einen die keynesianisch ausgerichteten Konsumtheorien, deren
Grundzüge von J.M. Keynes in den 1930-er Jahren entwickelt und in der Folgezeit zunehmend ausdifferenziert wurden. Das zentrale Element dieser Hypothesen ist, dass sie der Höhe des Einkommens der privaten Haushalte einen dominierenden Einfluss auf
die Entwicklung der Sparquote beimessen. Zum anderen wurden die
Normaleinkommenshypothesen skizziert, die seit den 1950-er Jahren von M. Friedman
und F. Modigliani sowie weiteren Autoren formuliert wurden und die Argumentation
der Klassik wieder aufgreifen. Charakteristisch für diese Hypothesen ist die rationale
zukunftsorientierte Planung der Einkommensverwendung der privaten Haushalte.
Anders als bei den keynesianischen Theorien werden auch dem Zins, der
demographischen Entwicklung, dem Vermögen sowie den Präferenzen der privaten ...
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 THEORETISCHER HINTERGRUND
2.1 Entwicklung des volkswirtschaftlichen Sparprozesses in der ökonomischen Theorie
2.2 Keynesianische Konsumtheorien
2.2.1 Die absolute Einkommenshypothese von Keynes
2.2.2 Die relative Einkommenshypothese von Duesenberry
2.2.3 Die Habit Persistence Hypothese von Brown
2.3 Normaleinkommenshypothesen
2.3.1 Die permanente Einkommenshypothese von Friedman
2.3.2 Die Lebenszyklushypothese von Modigliani et al.
2.4 Fazit aus den Erklärungsansätzen
3 DER VOLKSWIRTSCHAFTLICHE SPARPROZESS
3.1 Wesen und Bedeutung des Sparens für eine Volkswirtschaft
3.2 Operationalisierung des theoretischen Konstrukts
3.3 Datenbasis des volkswirtschaftlichen Sparprozesses
3.4 Sektorengliederung in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung
3.4.1 Die Abgrenzung der Sektoren
3.4.2 Bedeutung der privaten Haushalte für die Ersparnis einer Volkswirtschaft
4 GRUNDLAGEN ZUR SPARQUOTE DER PRIVATEN HAUSHALTE
4.1 Rechtliche Rahmenbedingungen
4.2 Definition der Sparquote
4.3 Berechnungsmethoden
4.4 Probleme bei der Berechnung der Sparquote
4.5 Probleme bei internationalen Vergleichen am Beispiel der USA
5 ENTWICKLUNG DER SPARQUOTE DER PRIVATEN HAUSHALTE
5.1 Betrachtung der Sparquote in der Bundesrepublik Deutschland
5.1.1 Entwicklung der Sparquote in Deutschland
5.1.2 Regionale Entwicklung der Sparquote in Deutschland – alte versus neue Bundesländern
5.2 Betrachtung der einzelnen Komponenten der Sparquote in der Bundesrepublik Deutschland
5.2.1 Einleitende Betrachtungen zur Untersuchung der Komponenten der Sparquote
5.2.2 Das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte
5.2.3 Die Ersparnis der privaten Haushalte
5.2.4 Simultane Betrachtung beider Komponenten
5.3 Internationaler Vergleich der Entwicklung der Sparquoten in Deutschland und in den USA
6 ANALYSE VON ZUSAMMENHÄNGEN ZWISCHEN DER SPARQUOTE UND AUSGEWÄHLTEN ÖKONOMISCHEN EINFLUSSFAKTOREN
6.1 Betrachtung ökonomischer Zusammenhänge
6.1.1 Problematik ökonomischer Zusammenhangsanalysen
6.1.2 Statistische Grundlagen
6.2 Korrelationsanalyse
6.2.1 Empirische Zusammenhangsuntersuchung des Einflussfaktors Einkommen
6.2.1.1 Das verfügbare Einkommen in absoluten Größen
6.2.1.2 Die Wachstumsraten des verfügbaren Einkommens
6.2.2 Empirische Zusammenhangsuntersuchung der Einflussfaktoren Zins und Inflation
6.2.3 Empirische Zusammenhangsuntersuchung des Einflussfaktors Vermögen
7 SCHLUSSBEMERKUNG
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Diplomarbeit untersucht das Sparverhalten der privaten Haushalte in Deutschland im Zeitraum von 1991 bis 2007, indem sie theoretische Erklärungsansätze aufgreift, Einflussfaktoren identifiziert und deren Wirkung mittels Korrelationsanalysen empirisch prüft.
- Historische und theoretische Analyse der Sparprozesse (von Merkantilismus bis zu modernen Theorien).
- Methodische Grundlagen der Sparquotenberechnung und statistische Datenbasis der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung.
- Empirische Untersuchung der Entwicklung der Sparquote und ihrer Komponenten (Einkommen und Ersparnis).
- Internationaler Vergleich des Sparverhaltens zwischen Deutschland und den USA.
- Korrelationsanalyse ökonomischer Einflussfaktoren wie Einkommen, Zins, Inflation und Vermögen.
Auszug aus dem Buch
2.1 Entwicklung des volkswirtschaftlichen Sparprozesses in der ökonomischen Theorie
Fragen zur Bildung und Wirkung des Sparens sind so alt wie die Geschichte der Volkswirtschaftslehre selbst. Doch zunächst sei darauf hingewiesen, dass eine gesamtwirtschaftliche Theorie der Ersparnis, die die privaten und öffentlichen Haushalte sowie die Unternehmen umfasst, ebenso wenig existiert wie eigene Spartheorien der einzelnen Sektoren. Größtenteils beschränken sich die Versuche, das Sparverhalten zu erklären, auf die Sparquote der privaten Haushalte. An dieser Stelle erfolgt nur ein kurzer historischer Überblick sowie eine Charakterisierung der verschiedenen Erklärungsansätze, da es kaum möglich ist, das komplexe ökonomische Beziehungsgefüge mathematisch in diesem Rahmen zu erörtern.
Bereits im 17. Jahrhundert verwendeten die Merkantilisten im Wesentlichen dieselbe Sparfunktion, wenn auch nicht explizit ausformuliert, wie sie später von Keynes eingeführt werden sollte, obwohl die merkantilistische Wirtschaftstheorie primär an der Frage der Veränderung der Einkommensverteilung und am Außenhandel interessiert war. Demnach führen eine Einkommenserhöhung und eine Einkommensumverteilung hin zu hohen Einkommen, aufgrund von Export- und Geldmengensteigerung, zu einer höheren Ersparnis. Seiner Zeit voraus war die Einteilung der Wirtschaftssubjekte von King (1688) in Sparer und Entsparer, die erst wieder im 20. Jahrhundert in den Fokus der Forschung rückte.
In der klassischen Lehre postulierte Adam Smith (1776) in seinem Werk „An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations“, dass Ersparnisse des Gewinnes wegen sofort reinvestiert werden müssen. Demzufolge sind Sparen und Investieren immer gleich. Beachtenswert ist, dass Smith für den Ausgleich von Ersparnis und Investition lediglich einen positiven Zinssatz benötigte. Ein Ausgleich über den Zinsmechanismus fand nicht statt. Ricardo (1817) billigte den Arbeitern lediglich Subsistenzlöhne zu und sprach ihnen die Fähigkeit zum Sparen gänzlich ab. Die Einkommensverteilung, die noch im Merkantilismus als Einflussfaktor auf die Höhe der Ersparnis berücksichtigt wurde, wird von den Klassikern ausgeblendet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in die Thematik des volkswirtschaftlichen Sparprozesses und Erläuterung der Forschungsziele sowie des methodischen Vorgehens für den Zeitraum 1991-2007.
2 THEORETISCHER HINTERGRUND: Überblick über historische und moderne Spartheorien, von den Merkantilisten und Klassikern bis zu den Konsum- und Normaleinkommenshypothesen von Keynes, Friedman und Modigliani.
3 DER VOLKSWIRTSCHAFTLICHE SPARPROZESS: Analyse des Wesens und der Bedeutung des Sparens für die Volkswirtschaft sowie Erläuterung der methodischen Vorgehensweise und der statistischen Datenbasis.
4 GRUNDLAGEN ZUR SPARQUOTE DER PRIVATEN HAUSHALTE: Beschreibung der rechtlichen Rahmenbedingungen und der verschiedenen Berechnungsmethoden sowie kritische Auseinandersetzung mit Problemen bei der Berechnung und im internationalen Vergleich.
5 ENTWICKLUNG DER SPARQUOTE DER PRIVATEN HAUSHALTE: Empirische Analyse der langfristigen Sparquotenentwicklung in Deutschland, regionale Unterschiede und detaillierte Betrachtung der Komponenten Einkommen und Ersparnis.
6 ANALYSE VON ZUSAMMENHÄNGEN ZWISCHEN DER SPARQUOTE UND AUSGEWÄHLTEN ÖKONOMISCHEN EINFLUSSFAKTOREN: Statistische Untersuchung der Korrelation zwischen der Sparquote und den Faktoren Einkommen, Zins, Inflation und Vermögen auf Basis ökonometrischer Methoden.
7 SCHLUSSBEMERKUNG: Zusammenfassende Darstellung der Ergebnisse der Arbeit und kritische Würdigung der Bedeutung der untersuchten Theorien für das Verständnis des Sparverhaltens.
Schlüsselwörter
Sparquote, private Haushalte, Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, VGR, Ersparnis, Einkommen, Konsumtheorie, Sparverhalten, Korrelationsanalyse, Zinsniveau, Inflation, Vermögensbildung, Lebenszyklushypothese, permanente Einkommenshypothese, Deutschland.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Sparverhalten der privaten Haushalte in Deutschland zwischen 1991 und 2007 und setzt dieses in den Kontext ökonomischer Einflussfaktoren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die theoretischen Spartheorien, die methodische Berechnung von Sparquoten innerhalb der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und die empirische Überprüfung von ökonomischen Einflussfaktoren.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, auf Basis dogmengeschichtlicher Theorien ökonomische Einflussfaktoren zu identifizieren und mittels Korrelationsanalyse deren Wirkung auf das Sparverhalten der privaten Haushalte in Deutschland nachzuweisen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Neben einer theoretischen Aufarbeitung der Literatur verwendet der Autor die deskriptive Statistik sowie die Korrelationsanalyse nach Bravais-Pearson, um Zusammenhänge zwischen ökonomischen Variablen zu prüfen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die methodischen Grundlagen der VGR, die empirische Entwicklung der Sparquote sowie die statistische Analyse der Korrelation zu Zins, Inflation und Vermögen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Sparquote, private Haushalte, Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, Korrelationsanalyse, Einkommen und Ersparnis.
Wie unterscheidet sich die Sparneigung der neuen und alten Bundesländer?
Die Arbeit stellt fest, dass sich die Sparquoten in Ost- und Westdeutschland ab 1998 zwar angenähert haben und parallel verlaufen, die Sparneigung im Osten jedoch durchschnittlich unter dem westdeutschen Niveau liegt.
Welchen Einfluss haben Zinssätze und Inflation auf die Sparquote?
Es zeigt sich ein positiver Zusammenhang zwischen der nominalen Zinsentwicklung bzw. der Inflation und der Sparquote, wobei die Daten für den untersuchten Zeitraum auf eine Nominalzinsorientierung der privaten Haushalte hindeuten.
Warum wird ein Vergleich mit den USA durchgeführt?
Der Vergleich dient dazu, die Auswirkungen unterschiedlicher institutioneller Gegebenheiten und statistischer Berechnungsverfahren auf die Sparquote aufzuzeigen und somit ein tieferes Verständnis für die deutsche Entwicklung zu gewinnen.
- Quote paper
- Alexander Simon (Author), 2009, Langfristige Betrachtung der Sparquote der privaten Haushalte Deutschlands, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142594