Die ersten konstruktiven Ansätze zu einer Schulordnung lassen sich in Preußen bereits im 18. Jahrhundert finden. Der Flächenstaat war europaweit der erste Staat, der im Jahr 1717 die allgemeine Unterrichtspflicht einführte.
Die vorliegende Arbeit besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil beschäftigt sich mit der Schule, der Gesundheit und der Schulhygiene im 19. Jahrhundert. Die Darstellung bezieht sich auf Preußen. Der zweite Teil der Arbeit stellt die Quellenanalyse der "Zeitschrift für Gesundheitspflege" von 1888-1906 dar. Die Analyse bezieht sich auf die Entwicklung der Schulbankfrage in Deutschland und Europa. Die Schulgesundheitspflege, ein sehr spezieller Bereich, ist bis heute ein aktuelles Thema geblieben. Die Schulbankfrage mit der Suche nach der 'richtigen' Schulbank beschäftigte Pädagogen, Ärzte und Konstrukteure bereits im 19. Jahrhundert. Eindrucksvoll zeigt die Analyse der "Zeitschrift für Schulgesundheitspflege", die von 1888-1938 monatlich erschien, dass die Entwicklung der Schulbankfrage eine wichtige Rolle in der Gesundheitspflege gespielt haben muss.
Inhaltsverzeichnis
1 Die Schulhygiene – Versuch einer Begriffserklärung
2 Das „Handbuch der Schul-Hygiene“ (1877) und die „Grundzüge der Hygiene“ nach Dr. W. Prausnitz (1895)
2.1 Kurze Geschichte der Schul-Hygiene
2.2 Die Aufgaben der Schul-Hygiene
2.2 1 Die innere Einrichtung der Schule – Hygienische Anforderungen an die Schulzimmereinrichtung
2.2.1.1 Die Hygiene der Schulbank
2.2.1.2 Die Preußische Volksschulbank
3 Die Preußische Schulpolitik im 19. Jahrhundert
4 Die „Zeitschrift für Schulgesundheitspflege“
4.1 Gründung und Ziele der Zeitschrift
4.2 Analyse der Entwicklung der Schulbankfrage anhand der „Zeitschrift für Schulgesundheitspflege“ in den Jahrgängen 1-19 (1888-1906)
4.2.1 Beiträge zur Entwicklung der Schulbankfrage in Deutschland
4.2.1.1 Glauchau
4.2.1.2 Baden – Die Schulbank „Kolumbus“
4.2.1.3 Berlin – Ein „neues orthopädisches Kinderpult“
4.2.1.4 Hamburg-Eilbeck – „Fusts Lesepult mit Federkasten“
4.2.1.5 Kempen – Beitrag zur Lösung der Schulbankfrage
4.2.1.6 Berlin – Die „Schwellenlose Kombinationsschulbank“
4.2.2 Beiträge zur Entwicklung der Schulbankfrage in Europa
4.2.2.1 Frankreich – „Férets verstellbarer hygienischer Schultisch“
4.2.2.2 Schweiz – Das „Schultheiss’sche Hausschreibpult für Kinder“ und die Schulbank „Simplex“
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung der Schulhygiene in Preußen im 19. Jahrhundert mit einem besonderen Fokus auf der "Schulbankfrage". Es wird analysiert, wie pädagogische und medizinische Anforderungen in der "Zeitschrift für Schulgesundheitspflege" zwischen 1888 und 1906 diskutiert wurden, um die Gesundheit der Schüler durch ergonomisch optimierte Schulmöbel zu schützen.
- Historische Einordnung der Schulhygiene und Schulpolitik in Preußen.
- Die Rolle der "Zeitschrift für Schulgesundheitspflege" als mediales Diskursforum.
- Entwicklung und technische Spezifikationen verschiedener historischer Schulbanksysteme.
- Einfluss medizinischer Erkenntnisse auf die ergonomische Gestaltung von Lernumgebungen.
- Bewertungskriterien für die Eignung und Hygiene von Schulmobiliar im 19. und frühen 20. Jahrhundert.
Auszug aus dem Buch
4.2.1.5 KEMPEN – BEITRAG ZUR LÖSUNG DER SCHULBANKFRAGE
In seinem Beitrag „Wie prüft man Schulbänke? Ein Beitrag zur Lösung der Schulbankfrage“, gibt Sieg, der Rektor einer Töchterschule in Kempen, Antwort auf die seit Jahrzehnten im Raum stehende Frage. Zu Beginn stellt er fest, dass die Meinungen über die ‚richtige’ Schulbank weit auseinander gingen. Er kritisiert, dass in der Vergangenheit zu subjektiv und gleichzeitig unwissenschaftlich mit dem Thema umgegangen worden sei. Sieg versucht sich der Schulbankfrage objektiv zu nähern und hält fest, dass an eine Schulbank sehr viele hygienische Anforderungen gestellt werden. Um zu einer objektiv richtigen Einschätzung über ein Schulbanksystem zu kommen, schlägt Sieg vor, in jedem Fall ein besonderes Formular anzulegen. In dieses Dokument werde zuerst die Ausführungsart des Untersuchungsgegenstandes eingetragen (Beispiel Abbildung 8).
Er teilt den Fragekatalog in pädagogischen Anforderungen, in die hygienischen Anforderungen und in technischen und wirtschaftlichen Anforderungen auf. Zu den pädagogischen Anforderungen gehören:
- die Schüler sollen sich beim Sitzen auf der Bank nicht gegenseitig stören
- leichter Zugang zu den Bänken
- geringe Schülerzahl
- leichtes und geräuschloses Auf- und Hinsetzen in den Bänken
- Erhöhungsmöglichkeit der Bänke für Kinder unter 9 Jahren
- Befestigung der Bank am Fußboden des Raumes
Zu den hygienischen Anforderungen, die ein Banksystem erfüllen sollte, gehören:
- Schulbank soll eine gesunde Körperhaltung ermöglichen
- zweisitzig, um Bewegungsfreiheit zu gewährleisten
- über ein breites mit Rillen oder Schlitzen versehenes Fußbrett verfügen
- so konstruiert sein, dass die Verletzungsgefahr so gering wie möglich ist
- Die Verankerung der Bank am Fußboden muss leicht zu lösen sein
- leichtes Lesen und Schreiben auch beim Stehen ermöglichen
Zusammenfassung der Kapitel
1 Die Schulhygiene – Versuch einer Begriffserklärung: Erläuterung der theoretischen Grundlagen und Definitionen von Schule und Hygiene im Kontext des 19. Jahrhunderts.
2 Das „Handbuch der Schul-Hygiene“ (1877) und die „Grundzüge der Hygiene“ nach Dr. W. Prausnitz (1895): Vorstellung der zentralen Fachliteratur dieser Zeit sowie der historischen Entwicklung und Anforderungen an die Schulhygiene.
3 Die Preußische Schulpolitik im 19. Jahrhundert: Darstellung der staatlichen Einflussnahme auf das Bildungswesen, von der Schulpflicht bis zur administrativen Neustrukturierung der Verwaltung.
4 Die „Zeitschrift für Schulgesundheitspflege“: Historischer Überblick über die Gründung und Zielsetzung des Fachjournals als Plattform für den schulhygienischen Diskurs.
Schlüsselwörter
Schulhygiene, Preußen, Schulbankfrage, Schulgesundheitspflege, Ergonomie, 19. Jahrhundert, Schulpolitik, Volkschulbank, Schulerziehung, Orthopädie, Medizingeschichte, Unterrichtspflicht, Schulmöbel, Körperhaltung, Gesundheitsschutz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beleuchtet die Geschichte der Schulhygiene in Preußen im 19. Jahrhundert und analysiert die damals vorherrschende Debatte um die ergonomisch korrekte Gestaltung von Schulbänken.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Entwicklung der preußischen Bildungspolitik, die hygienischen Anforderungen an das Mobiliar und die medizinische Diskussion zur Prävention von Haltungsschäden.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den historischen Diskurs zur „Schulbankfrage“ anhand der Fachzeitschrift für Schulgesundheitspflege nachzuzeichnen und die Suche nach der idealen, gesundheitsfördernden Schulbank zu dokumentieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Es handelt sich um eine historische Quellenanalyse, die sich maßgeblich auf Fachliteratur des 19. Jahrhunderts und die Jahrgänge 1-19 der „Zeitschrift für Schulgesundheitspflege“ stützt.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird einerseits die preußische Bildungspolitik sowie andererseits die detaillierte Analyse der Schulbankkonstruktionen und -bewertungen anhand zeitgenössischer Beiträge untersucht.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich diese Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Schulhygiene, Schulbankfrage, Preußen, Ergonomie und Medizingeschichte der Schule treffend beschreiben.
Warum war die "Schulbankfrage" im 19. Jahrhundert so relevant?
Man stellte fest, dass unpassende Schulbänke maßgeblich zu Kurzsichtigkeit und Wirbelsäulenverkrümmungen bei Kindern beitrugen, was den Staat und Ärzte zum Handeln zwang.
Welchen Stellenwert nimmt die „Zeitschrift für Schulgesundheitspflege“ ein?
Die Zeitschrift fungierte als zentrales Diskussionsorgan für Mediziner, Pädagogen und Konstrukteure, um den Standard der Schulausstattung und die körperliche Gesundheit der Schüler zu verbessern.
- Quote paper
- Sarah Luscher (Author), 2008, Die Schulgesundheitspflege im 19. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142671