Im nordrhein-westfälischen Bielefeld ist das Interesse am Mittelalter durch die in jüngster Zeit stattgefundenen und inzwischen auch abgeschlossenen Ausgrabungen an der Straße Welle zu mehr Leben erwacht (Im Anhang befindet sich ein aktueller Stadtplanausschnitt, in dem die Bielefelder Innenstadt abgebildet ist. Der Ausschnitt soll die räumliche Einordnung von Straßen und wichtigen Orten erleichtern.).
Bielefeld ist keine Stadt, in der sich noch eine nennenswerte Zahl historischer Gebäude erhalten hat. Auch von der Stadtmauer ist nur noch ein kleiner Rest im Stadtbild zu entdecken. Nach den Zerbombungen im Zweiten Weltkrieg lag vieles offen, was schnell durch den Wiederaufbau zerstört zu werden drohte. Zwar wurde zu dem Zeitpunkt einiges gesichert, aber eben auch nicht in einem befriedigendem Umfang (Bérenger 2001, S. 5 – 10).
Nun bot sich im Jahr 2000 durch die beginnenden Bauarbeiten für ein Wohn- und Geschäftshaus auf einem ehemaligen Parkplatz in der Bielefelder Innenstadt eine neue Chance, etwas Licht in die frühere Geschichte von Bielefeld zu bringen: historische Bausubstanz wurde gefunden. Ein Baustopp sowie die Möglichkeit von auf zwei Jahre begrenzten Ausgrabungen eröffnete die Chance, auf einer Fläche von 3.000 Quadratmetern mehr über das Bielefeld des Mittelalters zu erfahren (Brand 2003, Wir über uns (Internet)).
Das wird um so wichtiger, da auch schriftliche Quellen nur in begrenztem Maße vorhanden sind. So fehlt zum Beispiel von einer Gründungsurkunde für die Stadt jede Spur (Vogelsang 1980, S. 39).
Inhaltsverzeichnis
EINS EINLEITUNG
ZWEI DIE ALTSTADT
Bielefelder Vor- und Frühgeschichte
Deutsche Stadtgründungen im 13. Jahrhundert
Die Gründung der Stadt Bielefeld
Die Anfänge der Stadt
DREI DIE NEUSTADT
Die Bildung von Doppelstädten
Die Umstände der Entstehung der Neustadt
Eine neue Stadt entsteht
Die Gestalt der Neustadt
VIER VON DER DOPPELSTADT ZUR VEREINIGTEN STADT
Das Verhältnis der beiden Städte
Die Zusammenlegung der Städte
FÜNF FAZIT
SECHS QUELLENANGABEN
Literatur
Abbildungen
SIEBEN ANHANG
E-Mail von Brigitte Brand
Stadtplan der Bielefelder Innenstadt
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Untersuchung der städtebaulichen Entwicklung Bielefelds vom frühen 13. bis zum frühen 16. Jahrhundert, wobei der Fokus insbesondere auf der Entstehung und der späteren Zusammenlegung der Doppelstadt aus Alt- und Neustadt liegt.
- Historische Analyse der Stadtgründung unter den Grafen von Ravensberg.
- Untersuchung der Entstehungsbedingungen der Neustadt, insbesondere im Kontext von Burgbau und Marienstift.
- Analyse des Verwaltungsaufbaus und der sozialen Strukturen beider Stadtteile.
- Evaluation des Verhältnisses zwischen Alt- und Neustadt bis zur offiziellen Zusammenlegung.
- Einordnung lokaler archäologischer Funde in den größeren Kontext der Stadtbaugeschichte.
Auszug aus dem Buch
Die Anfänge der Stadt
Um die neue Stadt Bielefeld zu erbauen, mussten zwei Dinge berücksichtigt werden: Zum einen musste die bereits vorhandene Siedlung in die zukünftige Stadt eingepasst werden. Zum anderen benötigte man einen Marktplatz, der einerseits möglichst zentral in der Stadt, andererseits aber auch an den vorhandenen Handelsstraßen liegt.
Aufgrund der Übernahme von bereits vorhandenen Strukturen der alten Siedlung wurden in der Stadt offenbar keine rasterförmigen Straßenzüge angelegt. Der Markt wurde an der Kreuzung der Handelswege angesiedelt. Dass die Handelswege sich alle an dieser einen Stelle bündelten, lässt sich mit einer möglichen Furt durch den Voßbach erklären (Vogelsang 1980, S. 40 – 41).
Am Markt wurde auch das Rathaus der Altstadt errichtet. Zusammen mit der Nikolaikirche bildete das Rathaus das für das Mittelalter typische bauliche Ensemble aus Rathaus, Kirche und Markt (Engel 1952, S. 205).
Zusammenfassung der Kapitel
EINS EINLEITUNG: Einführung in die Problematik und Vorstellung der Grabungsergebnisse als Anlass für die wissenschaftliche Betrachtung der Stadtbaugeschichte.
ZWEI DIE ALTSTADT: Analyse der vor- und frühgeschichtlichen Besiedlung Bielefelds sowie der spezifischen Gründungsgeschichte der Altstadt durch die Grafen von Ravensberg.
DREI DIE NEUSTADT: Untersuchung der Entstehung der Neustadt, der Rolle von Sparrenburg und Marienstift sowie der politisch-administrativen Besonderheiten des Stadtteils.
VIER VON DER DOPPELSTADT ZUR VEREINIGTEN STADT: Analyse des Zusammenlebens der beiden eigenständigen Städte und des Prozesses ihrer offiziellen Zusammenlegung.
FÜNF FAZIT: Zusammenfassende Betrachtung der Forschungsergebnisse und Ausblick auf zukünftige stadtgeschichtliche Erkenntnisse.
SECHS QUELLENANGABEN: Zusammenstellung der verwendeten Literatur und Abbildungen.
SIEBEN ANHANG: Ergänzende Unterlagen wie E-Mail-Korrespondenz und grafische Stadtpläne.
Schlüsselwörter
Bielefeld, Mittelalter, Stadtbaugeschichte, Doppelstadt, Altstadt, Neustadt, Sparrenburg, Marienstift, Archäologie, Stadtgründung, Handelswege, Grafen von Ravensberg, Hanse, Siedlungsentwicklung, Stadtverwaltung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die historische städtebauliche Entwicklung Bielefelds im Spätmittelalter, speziell die Bildung einer Doppelstadt aus Alt- und Neustadt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Stadtgründung, die Rolle adliger und kirchlicher Institutionen, die soziale Struktur der Bevölkerung sowie den Prozess der administrativen Vereinigung der Städte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Entstehung Bielefelds, das Nebeneinander der zwei Stadtkerne und die Hintergründe der späteren Zusammenlegung im 16. Jahrhundert nachzuzeichnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die schriftliche Quellen, stadtgeschichtliche Literatur und aktuelle archäologische Grabungsbefunde kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Altstadt, die Genese der Neustadt als eigenständigem Fall und die Analyse der politischen und wirtschaftlichen Integration beider Städte.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Begriffe sind Mittelalter, Doppelstadt, Sparrenburg, Stadtrecht und Stadtmauer.
Welche Rolle spielt die Archäologie für die Arbeit?
Archäologische Grabungen an der Welle liefern entscheidende neue Indizien für die Siedlungsgeschichte, da schriftliche Belege (wie eine Gründungsurkunde) fehlen.
Warum war die Bielefelder Neustadt eine Besonderheit?
Im Gegensatz zu vielen anderen mittelalterlichen Stadtgründungen scheint die Neustadt nicht durch einen expliziten landesherrlichen Akt, sondern durch strukturelle Faktoren wie den Bau der Sparrenburg und die Bedeutung des Marienstifts organisch gewachsen zu sein.
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- Jessica Volke (Author), 2003, Bielefeld - eine mittelalterliche Doppelstadt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14269