Staat, Gewalt und Medien

Die Darstellung des Verhältnisses von Staat und Bürgern in den Medien am Beispiel der Entführung von Susanne Osthoff


Hausarbeit, 2005
18 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitionen, Forschungsüberblick und Methode
2.1 Definition Staat, Bürger und öffentliche Meinung
2.2 Forschungsstand
2.3 Analysemethode

3. Inhaltsanalyse
3.1 Chronologie der Ereignisse
3.2 Akteure, Positionen und Interessen
3.3 Tendenzen der Berichterstattung
3.4 Das Verhältnis von Bürgern und Staat in den Medien
3.4 Das Wechselspiel von öffentlicher Meinung und Gewalt

4. Resümee

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wie kommunizieren Medien das Verhältnis von Staat und Bürgern? Wie bearbeiten sie dieses Verhältnis in einer Krisensituation? Wo und wie nutzen sie ihre Macht zur Meinungsbildung? Wo und wie reflektieren Medien ihr eigenes Handeln? Wie sind Medien und ihre Funktion in einer Demokratie möglicherwei- se förderlich für (terroristische) Gewalt? - Diese Fragen beschäftigen einen be- wussten Zeitungsleser und beeinflussen nicht zuletzt seine Einstellung zum Staat, dessen Gewalt und den Medien.

Die Hausarbeit untersucht diese Fragen am Beispiel der Entführung von Susanne Osthoff in der öffentlichen Meinung in Deutschland anhand der überre- gionalen Tageszeitung Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) und der Online- Ausgabe der Zeit (ZEIT) im Untersuchungszeitraum vom 25. November bis (mit zwei Ausnahmen) zum 20. Dezember 2005. Die Medien werden hinsichtlich ihrer Aufbereitung des Themas, der inhaltlichen Darstellung der einzelnen Themen- aspekte und der Rolle im Kommunikationsprozess zwischen Staat und Bürgern verglichen. Die Hypothese ist: Medien nehmen eine aktive Rolle bei der Kommu- nikation zwischen Staat und Gewalt ein und sind nicht nur unbeteiligte Beobach- ter eines sie nicht tangierenden Geschehens. Sie reflektieren das Geschehen und ihr eigenes Verhalten auch in Krisensituationen.

Da im Rahmen dieser Arbeit nicht entschieden werden kann, welche Auswirkungen die Berichterstattung der Medien auf die Entscheidungen der Bundesregierung hat, werden Darstellungsweise und Selbstreflexion der Medien als Indikatoren dafür genommen, welche Funktion und Rolle Medien sich zuschreiben und wie sie die Ausübung der Funktion selbst wahrnehmen und bewerten. Davon kann ausgegangen werden, da es sich bei Medienkommunikation um einen bewussten Vorgang handelt.

Ausgelassen werden in der Hausarbeit die Ereignisse und die Medienbe- richterstattung nach der Freilassung Susanne Osthoffs, insofern sie sich auf aktu- elle Ereignisse beziehen. Zwei spätere Hintergrundberichte werden jedoch mitein- bezogen, da sie das Thema noch einmal rückwirkend unter zwei wichtigen Aspek- ten beleuchten. Der weitere Fortgang der Ereignisse wäre insofern interessant, wollte man den Schwerpunkt auf den Wechsel in der Berichterstattung bezüglich der Person Susanne Osthoff legen. Für die Fragestellung der Arbeit ist dies aber von sekundärer Bedeutung.

Zunächst grenzt die Arbeit anhand der Konkretisierung der wichtigsten Begriffe deren zu weiten Bedeutungsspielraum ein und stellt knapp Forschungs- gegenstand und Methode dar. Darauf folgt eine qualitative Inhaltsanalyse unter besonderer Berücksichtigung der Thematisierung des Verhältnisses von Staat und Bürger. Hier werden Akteure und Interessen, die Chronologie der Ereignisse, die Tendenzen der Berichterstattung, das in den Medien kommunizierte Verhältnis von Staat und Bürgern und die Frage nach einer möglichen Interaktion von Öf- fentlichkeit und Gewalt untersucht. Das Resümee fasst die Ergebnis der Analyse zusammen, bewertet dieses und gibt einen Ausblick auf weitere Untersuchungs- möglichkeiten.

2. Definitionen, Forschungsüberblick und Methode

2.1 Definition Staat, Bürger und öffentliche Meinung

Der Staat umfasst die „Gesamtheit der politischen und gesellschaftlichen Institutionen (polity), der politischen Vorgänge (politics) und der Regierungspoli- tik (policy) eines Gemeinwesens und ihrer Wechselwirkungen bezeichnet.“ (Schmidt 2004: 665) Nach Weber ist ein Staat ein „auf Legitimität gestütztes Herrschaftsverhältnis von Menschen über Menschen“ (Schmidt 2004: 666, zitiert nach Weber 1919). Zu fragen ist bezogen auf den Fall Susanne Osthoff, welche Verpflichtungen die Legitimität der Herrschaft von Menschen über Menschen, also Bürger, beiderseitig mit sich bringt.

Unter Bürger ist „jeder freie, gesellschaftlich und politisch vollberechtigte Einwohner eines Staates mit in Verfassung und Gesetz präzisierten Rechten und Pflichten wie Einhaltung von Verfassung und Gesetz, Steuer- und Wehrpflicht und Übernahme ehrenamtlicher Aufgaben“ (Schmidt 2004: 126) zu verstehen. Auf die Ausnahmesituation einer Entführung im Ausland bezogen wäre im Detail zu untersuchen, wie sich diese genannten Rechte und Pflichten in einem solchen Fall äußern.

Das Verhältnis von Staat und Bürgern ist grundlegend im Grundgesetz ge- regelt. Speziell die Grundrechte stellen hier den Schutz des Bürgers vor Eingriffen des Staates sicher. Darüber hinaus hat aber auch die gesamte Verwaltung gesetzli- che Vorgaben, um den Schutz des Bürgers zu gewähren. Befindet sich der Bürger im Ausland, betrifft das Verhältnis von Bürger und Staat in erster Linie den Bür- ger und das Auswärtige Amt. Im Fall Susanne Osthoff gehen die Medien neben dieser Verbindung auch allgemein auf die Aktionen der Bundesregierung ein, die primär nichts damit zu tun hat, aber politischen Druck, u.a. durch Verhandlungen oder durch Medien, ausüben kann.

Freie Medien gestalten den täglichen Diskurs über politische, gesellschaft- liche und wirtschaftliche Themen, der zwischen Bürgern und Staat stattfindet, und wirken meinungsbildend. Öffentliche Meinung in einem Staat sind „auf politische Sachverhalte bezogene Einstellungen, Meinungsäußerungen und Bekundungen von am politischen Willensbildungsprozess beteiligten Akteuren. [...] Zu den wichtigsten Trägern der öffentlichen Meinung gehören in den demokratischen Verfassungsstaaten die Massenmedien [...].“ (Schmidt 2004: 495) Über ihre Funk- tion im politischen System heißt es: „Öffentliche Meinung kann nicht mehr ein- fach als politisch relevantes Ergebnis, sie muss als thematische Struktur öffentli- cher Kommunikation gesehen werden - mit anderen Worten: nicht mehr nur kau- sal als bewirkte und weiterwirkende Wirkung, sondern funktional als Selektions- hilfe.“ (Luhmann 1970: 3) Medien nehmen hier die Aufgabe wahr, Öffentlichkeit herzustellen.

2.2 Forschungsstand

Die Darstellung des Verhältnisses von Bürger und Staat in der öffentlichen Meinung durch die Medien wurde in der Forschung in besonders von Habermas (1962) behandelt. In seiner Habilitationsschrift Strukturwandel und Ö ffentlichkeit geht er detailliert mit dem Begriff der Öffentlichkeit und dem Funktionswandel von Öffentlichkeit für die Politik auseinander. Im Begriff der öffentlichen Meinung hat sich das „Selbstverständnis der Funktion bürgerlicher Öffentlichkeit“ (Habermas 1962: 102) kristallisiert. Sie dient nicht zuletzt der Kontrolle öffentlicher Gewalt, also der Handlungen des Staates.

Des weiteren finden sich Arbeiten von Luhmann (1970), Brettschneider (1995) und Noelle-Neumann (1989) zum Thema öffentliche Meinung bzw. Ver- hältnis von Medien und Staat. Die Thematisierung des Verhältnisses von Bürger und Staat durch die Medien wird in der Forschung kaum behandelt,; generell fin- den sich hauptsächlich politikwissenschaftliche Arbeiten, die aber meist den Aspekt der Medien außer Acht lassen. Zum inhaltlichen Thema Susanne Osthoff gibt es bislang keine Literatur.

2.3 Methode

Für die Arbeit bietet sich durch die Wahl des Themas und der Fragestellung eine qualitative Inhaltsanalyse an. Diese beschäftigt sich mit den von den Zeitungen gebotenen Informationen. Kriterien sind dabei Menge, Ausdifferenzierung und Relevanz, also die Anzahl der Beiträge, die Vielfältigkeit der behandelten Themenaspekte und der journalistischen Darstellungsformen sowie die Bedeutung der Information für den Leser.

Der Arbeit zugrunde liegt die Definition der Inhaltsanalyse von Früh: „Die Inhaltsanalyse ist eine empirische Methode zur systematischen, intersubjektive nachvollziehbaren Beschreibung inhaltlicher und formaler Merkmale von Mittei- lungen.“ (Früh 1981: 24). Bei der Untersuchung werden zwei Schwerpunkte ge- setzt: Analyse der Sprache und des Informationsgehaltes. Die Sprachanalyse un- tersucht, wie präzise Sprache Information transportiert und wie leserfreundlich und verständlich die Texte gestaltet sind. Die Informationsanalyse untersucht die Menge, Art und Vielschichtigkeit der gebotenen Fakten und Themenaspekte, ob Wertungen vorgenommen und gekennzeichnet werden und ob die präsentierten Fakten vielfältig und relevant sind. Die Ergebnisse der Untersuchungen werden im Schluss zusammengeführt und bewertet.

Eine quantitative Untersuchung, beispielsweise der Häufigkeit bestimmter Aussagen sowie direkter und indirekter Bewertungen dieses Verhältnisses, wäre nur ab einer größeren Menge untersuchter Zeitungen, Magazine, Zeitschriften und Sendungen sinnvoll und könnte zudem allenfalls allgemeine Ergebnisse liefern, die inhaltliche Erkenntnisse unterstützen könnten.

3. Staat, Gewalt und Medien

3.1 Chronologie der Ereignisse

Am 25. November werden Susanne Osthoff und ihr irakischer Fahrer von Unbekannten verschleppt. Einen Tag später richtet das Auswärtige Amt nach ei- nem Hinweis auf die Entführung einen Krisenstab ein. Am 28. November wird einem freien Mitarbeiter des ARD-Büros in Bagdad eine CD mit einer Videobot- schaft der Entführer zugespielt. Darin wird die Bundesregierung aufgefordert, die Zusammenarbeit mit der irakischen Regierung einzustellen. (vgl. M03)

Am Morgen des 29. Novembers berichtet die ARD mittels eines Standbil- des von der Entführung. (vgl. M12) Angela Merkel fordert die Täter zur Freilas sung auf. In ihrer ersten Regierungserklärung kündigt sie konsequentes Vorgehen an. (vgl. M11) Der irakische Präsident Dschalal Talabani nimmt sich der Entführung an. Mutter und Tochter von Susanne Osthoff wenden sich in einem Fernsehappell an die Geiselnehmer.

Im Irak fordert der radikale Schiiten-Prediger Muktada al-Sadr die Entfüh- rer auf, ihre Geisel sofort freizulassen. Die islamischen Dachverbände in Deutsch- land verurteilen die Entführung. (vgl. M21) Hochrangige Persönlichkeiten aus Politik und Kultur fordern die Freilassung der Deutschen. (vgl. M28) Die ameri- kanische Außenministerin Condoleezza Rice sichert Merkel Unterstützung zu. Am 7. Dezember kann die Bundesregierung immer noch keinen Kontakt zu den Entführern herstellen. (vgl. M29) Jacques Chirac bietet Hilfe an. Am 14. Dezem- ber hält die Türkische Gemeinde in Deutschland in Berlin am Brandenburger Tor eine Mahnwache für Osthoff. Anja Osthoff bittet die Bürger in Deutschland um Unterstützung. (vgl. M35) Am 16. Dezember fordern Johannes Rau, Roman Her- zog und Richard von Weizsäcker in einer an den Sender Al Dschasira übermittel- ten Botschaft die Freilassung.

Susanne Osthoff wird am 18. Dezember nach 25 Tagen Geiselhaft im Irak auf Druck der deutschen Bundesregierung, möglicherweise gegen Lösegeld, freigelassen. (vgl. M40, M41)

3.2 Akteure, Positionen und Interessen

Die Berichterstattung widmet sich immer wieder verschiedenen Akteuren und Akteursgruppen. Anfangs geschah dies, um Informationen über Susanne Osthoff in Erfahrung zu bringen, später zur Positionsbestimmung der einzelnen direkt und indirekt Beteiligten an der Entführung.

Zunächst wären die Entführer selbst zu nennen, die sich nur in einer einzi- gen öffentlichen Botschaft artikuliert und im weiteren in ihren Verhandlungen größtenteils an die Bundesregierung bzw. Mittelspersonen gewendet haben. Ihre öffentlichen Forderungen belaufen sich auf die Beendigung der Zusammenarbeit der irakischen Regierung. (vgl. M03) Die Entführung wird als politisch motiviert präsentiert.

Als zweiter Akteur tritt die deutsche Bundesregierung auf. Der deutschen Öffentlichkeit gegenüber werden vor allem Stellungnahmen und Aufforderungen zur Freilassungen lautbar.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Staat, Gewalt und Medien
Untertitel
Die Darstellung des Verhältnisses von Staat und Bürgern in den Medien am Beispiel der Entführung von Susanne Osthoff
Hochschule
Universität Trier  (Medienwissenschaft)
Veranstaltung
Medien und öffentliche Meinung
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
18
Katalognummer
V142753
ISBN (eBook)
9783640519415
ISBN (Buch)
9783640520916
Dateigröße
416 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Staat, Gewalt, Medien, Darstellung, Verhältnisses, Bürgern, Beispiel, Entführung, Susanne, Osthoff
Arbeit zitieren
Anna Milena Jurca (Autor), 2005, Staat, Gewalt und Medien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142753

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