Kultur ist ein sehr weitläufger Begriff. So vielfältig die Verwendungen des Kulturbegriff
s sind, so schwierig gestaltet sich dessen Einordnung. Doch da in dessen Verwendung so viele für jeden Menschen wieder andere Konnotationen mitschwingen, ist es um so notwendiger sinnvolle Definitionen zu finden um eine Diskussionsgrundlage zu schaffen. Dazu tragen auch neue Begriffe bei, die versuchen Kultur näher zu beschreiben und auszudifferenzieren, um dann die Gesamtbedeutung des Kulturbegriffs neu zusammenzusetzen und besser zu verstehen. Ein solcher Begriff ist der Kulturstandard. Nach einer Einführung in den Kulturbegriff der Kulturtheorie und einigen abstrakten Modellierungsansätzen werden verschiedene Definitionen des Kulturstandards und deren Anwendungsmöglichkeiten betrachtet und kritisch hinterfragt. Denn schon in dem Begriff Standard schwingt eine Verallgemeinerung mit, deren Rechtfertigung zu untersuchen bleibt.
Trotz der Probleme, welche die Anwendung von Erkenntnissen, die durch Verallgemeinerung von Einzelsituationen gewonnenen werden, auf wiederum andere Einzelfälle mit sich bringt, so hilft Kulturwissen doch zumindest, von unerwarteten Reaktionen nicht überrumpelt zu werden oder neue Handlungsspielräume, die möglicherweise Missverständnisse vermeiden, zu eröffnen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Kultur
2.1 Definition
3 Modellierung
3.1 Anforderungen
3.1.1 Realitätstreue
3.1.2 Verständlichkeit
3.2 Beschreibungsschwierigkeiten
3.2.1 Zeitliche Dynamik
3.2.2 Inhomogenität
3.2.3 Spontaneität
3.3 Datenerfassung
4 Kulturstandards
4.1 Grundgedanke
4.2 Definition
5 Beispiele
5.1 Kulturstandards vergleichen
6 Kritik
6.1 Stereotypen
6.2 Interpretation
7 Schlusswort
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der Kulturstandards als Modell zur Beschreibung und Differenzierung von Kulturen, wobei die theoretischen Definitionen und deren praktische Anwendung kritisch hinterfragt werden.
- Kulturelle Definitionen und deren Entwicklung
- Methodische Anforderungen an kulturelle Modellbildungen
- Vergleich von Kulturstandards mit Kulturdimensionen
- Konkurrenzsituationen innerhalb kultureller Verhaltensweisen
- Kritische Analyse von Stereotypen in der interkulturellen Forschung
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Zeitliche Dynamik
Menschen und ihre Einstellungen und Verhaltensweisen verändern sich ständig. Manchmal geht diese Veränderung vom Menschen aus, wenn er eine neue Technik erfindet oder eine Arbeitsweise entdeckt, die ihm besser erscheint. So hat zum Beispiel das Internet die Denk-, Arbeits- und Verhaltensweisen der Menschen, die es benutzen stark verändert. Nicht nur Innovation in Form von Technik, sondern auch Gedankengut und ideologische Weltanschauung haben immer wieder lang eingeprägte kulturelle Denkweisen schlagartig verändert, und das nicht nur im politischen Sinne wie in der französischen Revolution oder der Oktoberrevolution, sondern auch mit primär gesellschaftlichen Themen wie zum Beispiel dem Feminismus. Es können aber auch äußere Einflüsse zu neuen Überlebensstrategien im kulturellen Sinne führen. Als Beispiele hierzu sind die Globalisierung und Klimawandel zu nennen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Schwierigkeit einer einheitlichen Definition des Kulturbegriffs und führt den Begriff des Kulturstandards als Ansatz zur Orientierung in der interkulturellen Kommunikation ein.
2 Kultur: In diesem Kapitel werden verschiedene Definitionen von Kultur, unter anderem nach Hofstede, Thomas und Käser, diskutiert, die Kultur als Orientierungssystem oder Überlebensstrategie begreifen.
3 Modellierung: Hier werden die Anforderungen an ein wissenschaftliches Kulturmodell sowie die Schwierigkeiten bei der Beschreibung, wie Dynamik und Inhomogenität, analysiert.
4 Kulturstandards: Dieses Kapitel erläutert den Grundgedanken und die Definition von Kulturstandards und setzt sie in Abgrenzung zu den Kulturdimensionen nach Hofstede.
5 Beispiele: Anhand von Brasilien und China wird aufgezeigt, wie verschiedene Kulturstandards miteinander konkurrieren und in interkulturellen Situationen priorisiert werden müssen.
6 Kritik: Das Kapitel reflektiert die Problematik der Entstehung von Kulturstandards, insbesondere im Hinblick auf Stereotypenbildung und die Schwierigkeit objektiver Interpretationen.
7 Schlusswort: Das Schlusswort fasst zusammen, dass Kulturwissen zwar bei der Orientierung helfen kann, aber Spannungen und Missverständnisse bei interkulturellen Begegnungen dennoch nicht vollständig zu eliminieren sind.
Schlüsselwörter
Kulturstandards, Interkulturelle Kommunikation, Kulturdimensionen, Orientierungssystem, Umweltbewältigung, Stereotypen, Sozialisation, Dynamik, Inhomogenität, Handlungskompetenz, Harmonieorientierung, Modellierung, Kritik, Differenz, Interaktionssituationen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem wissenschaftlichen Konzept der Kulturstandards und untersucht, wie diese zur Beschreibung und zum besseren Verständnis unterschiedlicher kultureller Orientierungssysteme beitragen können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen die Definition des Kulturbegriffs, die methodischen Herausforderungen bei der Modellierung von Kultur, den Vergleich von Kulturstandards sowie eine kritische Auseinandersetzung mit den Grenzen dieses Modells.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, verschiedene Definitionen von Kulturstandards zu betrachten und kritisch zu hinterfragen, ob diese Verallgemeinerungen eine Rechtfertigung für eine wissenschaftliche Analyse kultureller Identität bieten.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die Ansätze verschiedener Forscher wie Alexander Thomas und Geert Hofstede rezipiert und diese methodisch gegenüberstellt.
Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Anforderungen an Kulturmodelle, die Herausforderungen durch Dynamik und Inhomogenität, die Definition von Kulturstandards sowie praktische Beispiele aus Brasilien und China.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie Kulturstandards, interkulturelle Kommunikation, Orientierungssystem, Stereotypenbildung und die Abgrenzung zur Kulturdimensionstheorie geprägt.
Warum ist die zeitliche Dynamik eine Herausforderung für das Modell?
Die zeitliche Dynamik erschwert das Modell, da sich Einstellungen und Verhaltensweisen durch technologische Innovationen oder gesellschaftliche Umbrüche ständig verändern, was langfristig geprägte kulturelle Standards infrage stellt.
Wie unterscheidet sich der Ansatz der Kulturstandards von den Kulturdimensionen?
Während Kulturstandards eher einen Bottom-Up-Ansatz verfolgen und spezifische Merkmale einzelner Kulturen beschreiben, handelt es sich bei den Kulturdimensionen um einen Top-Down-Ansatz, der universelle Vergleichsmaßstäbe anstrebt.
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- Benjamin Gutmann (Author), 2009, Kulturstandards, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142764