Kulturstandards


Seminararbeit, 2009

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Kultur
2.1 Definition

3 Modellierung
3.1 Anforderungen
3.1.1 Realitätstreue
3.1.2 Verständlichkeit
3.2 Beschreibungsschwierigkeiten
3.2.1 Zeitliche Dynamik
3.2.2 Inhomogenität
3.2.3 Spontaneität
3.3 Datenerfassung

4 Kulturstandards
4.1 Grundgedanke
4.2 Definition

5 Beispiele
5.1 Kulturstandards vergleichen

6 Kritik
6.1 Stereotypen
6.2 Interpretation

7 Schlusswort

1 Einleitung

Kultur ist ein sehr weitläufiger Begriff:

”KunstundKultur“,antikeKultur,Zellkultur,Frei- körperkultur, So vielfältig die Verwendungen des Kulturbegriffs sind, so schwierig gestaltet sich dessen Einordnung. Doch da in der Verwendung dieses Begriffs so viele für jeden Menschen wieder andere Konnotationen mitschwingen, ist es um so notwendiger sinnvolle Definitionen zu finden um eine Diskussionsgrundlage zu schaffen. Dazu tragen auch neue Begriffe bei, die ver- suchen Kultur näher zu beschreiben und auszudifferenzieren, um dann die Gesamtbedeutung des Kulturbegriffs neu zusammenzusetzen und besser zu verstehen. Ein solcher Begriff ist der Kulturstandard. In dieser Seminararbeit wollen wir verschiedene Definitionen des Kulturstandards betrachten und kritisch hinterfragen. Denn schon in dem Begriff ”Standard“schwingteine Verallgemeinerung mit, deren Rechtfertigung zu untersuchen bleibt. Trotz der Probleme, die die Anwendung von Erkenntnissen, die durch Verallgemeinerung von Einzelsituationen gewonnenen werden, auf wiederum andere Einzelfälle mit sich bringt, so hilft Kulturwissen doch zumindest, von unerwarteten Reaktionen nicht überrumpelt zu werden oder neue Handlungsspielräume, die möglicherweise Missverständnisse vermeiden, zu eröffnen.

Zur besseren Lesbarkeit wird in dieser Arbeit ausschließlich die männliche Form verwendet. Inhaltlich sind Männer und Frauen gleichermaßen gemeint.

2 Kultur

2.1 Definition

I define culture as the collective mental programming of the people in an environment.

[Hof80, S.43]

Hofstede sieht Kultur als eine Art mentale Programmierung, eine Software des Denkens, die Menschen aus einer Umgebung gemein haben. Man bemerkt, dass diese Definition ein Schubla- dendenken mit sich bringt, denn die ”environments“müssenirgendwieeingeteiltwerdenunddas ”collectivementalprogramming“verallgemeinertsehrstark,anstattIndividuenoderUntergrup- pen zu berücksichtigen. Außerdem suggeriert ”mentalprogramming“kulturelleStatik,diezwar wahrscheinlich auf die Mehrheit der Weltbevölkerung größtenteils zutrifft, was jedoch bei denjenigen, die interkulturelle Kommunikation praktizieren und dazu viel reisen oder viel Kontakt mit anderen Kulturen haben, unwahrscheinlich ist. Sehr anschaulich an dieser Definition wird, dass man immer, wenn man von Kultur redet, sich überlegen muss ob eine spezielle Kultur oder die Kultur als allgemeiner Kulturbegriff gemeint ist.

Hofstede setzt in seiner Definition die Denkweise in Abhängigkeit der Umwelt fest. Alexander Thomas präzisiert diesen Ansatz, jedoch in einer schwächeren Form. Er beschreibt Kultur als Orientierungssystem, das sich auf das Denken, Handeln, usw. auswirkt und damit nicht direkt festlegt, sondern einen Rahmen vorgibt:

[Das Orientierungssystem] beeinflusst das Wahrnehmen, Denken, Werten und Handeln aller ihrer[der Gesellschaft] Mitglieder und definiert somit deren Zugehörigkeit zur Gesellschaft. Kultur als Orientierungssystem strukturiert ein für die sich der Gesellschaft zugehörig fühlenden Individuen spezifisches Handlungsfeld und schafft damit die Voraussetzung zur Entwicklung eigenständiger Formen der Umweltbewältigung.

Thomas 1996a, S.112 nach [SM02, S.27]

Thomas definiert Kultur als Orientierungssystem, das sich auf das Handlungsfeld auswirkt und somit die Umweltbewältigung ermöglicht. Nun kann man fragen wie sich ein solches Orientie- rungssystem herausbildet und vor allem: Warum so, und nicht anders? Als ein entscheidender Faktor erscheint mir der Zweck, den dieses Orientierungssystem laut Thomas zu erfüllen scheint: Umweltbewältigung.

Darum bevorzuge ich folgende Definition, deren Grundidee aus einem Seminar von Prof. Dr. Lothar Käser, Ethnologe an der Universität Freiburg, stammt:

Kultur ist Überlebensstrategie. Überlebensstrategie ist Kultur.

frei nach Lothar Käser

Diese Definition arbeitet nicht mit Zuständen, sondern mit Zielen. Dabei sind die Wege oder ”Strategien“,diesezuerreichen,kontextabhängig.EinentscheidenderVorteildieserDefinition ist deren Anwendbarkeit auf beliebig kleine Gruppen bis hin zum Individuum.

Die Idee von Kultur als Schroll-Machl an.

”Weg“zurErreichungvonprimärenLebenszielenklingtauchschonbei

Aber wir sehen, hören, genießen, hassen, kämpfen, arbeiten und sorgen für die unseren in verschiedener Weise. Die Ziele im Leben sind vermutlich dieselben, aber die Wege sind ver- schieden...

[SM02, S.26]

Eine weitere sehr ausführliche Definition nach Boesch(1980) findet man ebenfalls in Schroll Machl:

Kultur vermittelt Bedeutungen. Durch Kultur bekommen die Gegenstände und Ereignisse der Umwelt für das Individuum, für Gruppen, Organisationen oder Nationen eine Ordnung, einen Sinn, eine Funktion, einen Bedeutungsgehalt und werden erst so greifbar. Kultur bietet dem Menschen im materiellen und immateriellen geistigen Bereich Handlungsmöglichkeiten, setzt aber auch Handlungsgrenzen. Im Verlauf der Menschheitsentwicklung und der Geschich- te eines Volkes sind verschiedenartige Systeme von Sinn, Bedeutungen, Funktionen, Begriffen und damit Orientierungen herausgebildet worden. Kulturen sind das Resultat dieser schöp- fenden Leistungen der Menschheit. Zu jeder Zeit haben verschiedene Kulturen existiert, und in geschichtlichen Zeitabläufen unterliegen Kulturen Wandlungen, bedingt durch äußere und innere Einflüsse. Die Kultur dient der Orientierung in der Überfülle an Gegenständen und im Fluss der Ereignisse.

Boesch(1980) nach [SM02, S.26]

Um den Kulturbegriff praktikabel zu machen muss man die Gruppenbedingung schwächen. Man kann stattdessen fordern, dass die Mitglieder ”gleich“ab- ”ähnliche“Überlebensstrategien verfolgen oder ,dass es ”sehrwahrscheinlich“ist,dasseinMitgliedeinebestimmteÜberlebens- strategie verfolgt. Dieses Problemfeld wird uns auch bei den Kulturstandards verfolgen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3 Modellierung

3.1 Anforderungen

3.1.1 Realitätstreue

Wir wollen ein Modell von Kultur kreieren, das möglichst wenig von der Realität weg lässt, möglichst wenig unwahres dazunimmt, also eine möglichst gute Abbildung erzeugt. Wir wissen zwar, dass uns Sprache nur einen gewissen Rahmen von Ausdrucksfähigkeit verleiht und auch Semantik zwischen Individuen abweicht. Trotzdem gehen wir davon aus, dass wir, setzen wir eine bestimmte Sprache inklusive Semantik voraus, mit genügend langem Text, Kultur hinreichend beschreiben können. Sprich, wenn ein Mensch Kultur in ihrer Gesamtheit erfassen würde, könnte dieser sie auch so mit Sprache beschreiben, dass diese Beschreibung in seiner Semantik die Gesamtheit der Kultur umfasst. Wenn jemand anders diese Beschreibung liest, kann sein Verständnis von Kultur aus der Beschreibung von dem der Realität abweichen. Wenn wir jedoch später in unseren konkreten Modellen die Informationsabweichung durch Sprache mit der durch Abstrahierung vergleichen, so wird erstere vernachlässigbar sein.

3.1.2 Verständlichkeit

Nun will aber nicht jeder beliebig lange Texte lesen. Man stelle sich ein Universalwerk zur Kulturerklärung über 10 . 000 Seiten Fließtext vor. Daraus ergibt sich eine zweite Anforderung: die Verständlichkeit. Dazu gibt es unterschiedliche Methoden: Strukturieren und Reduzieren.

Strukturieren bedeutet, Grenzen zu ziehen, damit in Klassen einzuteilen und durch die Auftei- lung begründete Oberbegriffe oder Kurzbeschreibungen zu finden. Struktur ermöglicht, nach dem Baukastensystem zu zerlegen, die Einzelteile zu verstehen und dann das Ganze neu zusammen zu fügen.

Reduzieren bedeutet, Oberbegriffe oder Kurzbeschreibungen als repräsentativ anzusehen, also ’vollständige’ Beschreibungen durch Oberbegriffe oder Kurzbeschreibungen zu ersetzen. Redu- zieren kann auch bedeuten, ganze Bereiche, die als unwesentlich angesehen werden, weg zu lassen.

3.2 Beschreibungsschwierigkeiten

Mit den Beschreibungsversuchen von Kultur werden immer Menschen beschrieben. Das bringt einige Probleme mit sich die zum Teil auch schon ein Vorgriff auf Abschnitt 6 sind:

- Zeitliche Dynamik
- Inhomogenität
- Spontaneität

3.2.1 Zeitliche Dynamik

Menschen und ihre Einstellungen und Verhaltensweisen verändern sich ständig. Manchmal geht diese Veränderung vom Menschen aus, wenn er eine neue Technik erfindet oder eine Arbeitswei- se entdeckt, die ihm besser erscheint. So hat zum Beispiel das Internet die Denk-, Arbeits- und Verhaltensweisen der Menschen, die es benutzen stark verändert. Nicht nur Innovation in Form von Technik, sondern auch Gedankengut und ideologische Weltanschauung haben immer wieder lang eingeprägte kulturelle Denkweisen schlagartig verändert, und das nicht nur im politischen Sinne wie in der französischen Revolution oder der Oktoberrevolution, sondern auch mit primar gesellschaftlichen Themen wie zum Beispiel dem Feminismus. Es können aber auch äußere Ein- flüsse zu neuenÜberlebensstrategien im kulturellen Sinne führen. Als Beispiele hierzu sind die Globalisierung und Klimawandel zu nennen.

3.2.2 Inhomogenität

Kein Kulturraum ist in sich homogen. Letztendlich hat jedes Individuum einen eigenen Erfah- rungsschatz nach dem es konditionniert ist, unterschiedlich veranlagt ist, und sich somit eine individuelle Kultur herausbildet. Durch den Faktor der Konditionnierung kann man jedoch da- von ausgehen, dass Menschen, die stark miteinander interagieren und kommunizieren, sich ge- genseitig stärker beeinflussen und damit mehr kulturelle Gemeinsamkeiten herausbilden, als mit Menschen, mit denen sie selten oder nie interagieren oder kommunizieren. Wenn man versucht, Menschen in Kulturräume einzuteilen, so sucht man also meist Grenzen, die Interaktion und Kommunikation behindern.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Kulturstandards
Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)  (Zentrum für angewandte Kulturwissenschaften)
Veranstaltung
Grundlagen der Interkulturellen Kommunikation
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
19
Katalognummer
V142764
ISBN (eBook)
9783640539246
ISBN (Buch)
9783656057574
Dateigröße
581 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kulturstandards
Arbeit zitieren
Benjamin Gutmann (Autor), 2009, Kulturstandards, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142764

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