Unter dem Standort eines Betriebes ist der geographische Ort zu verstehen, an dem die betriebliche Leistung erbracht wird. Die Bestimmung des Standorts gehört zu den wichtigsten Aufgaben der Unternehmensleitung. Hierbei handelt es sich um eine Entscheidung mit langfristiger Wirkung, die in der Regel gar nicht mehr -insbesondere bei Großbetrieben - oder nur mit sehr hohem Aufwand und den damit entsprechend hohen Kosten revidiert werden kann. Ein schlecht gewählter Standort führt zu einer permanenten Benachteiligung des Betriebes und beeinträchtigt so die Wettbewerbsfähigkeit. Langfristig kann die Existenz bedroht sein.
Bestehende Gebäude sind bei einem schlecht gewählten Standort wegen der ungünstigen Lage nur schwer zu verkaufen oder zu vermie-ten, besonders bei einem speziell auf den Betrieb ausgerichteten Zuschnitt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Eingrenzung
3 Geschichtlicher Überblick
4 Überblick über das Standortproblem
4.1 Auftreten des Standortproblems
4.2 Die Arten des Standortes
4.3 Die Auswahl des Standortes
4.3.1 Die inhaltlichen Aspekte
4.3.2 Die Auswahltechnik
4.4 Der unternehmerische Wirkungskreis
4.5 Unterschiedliche Dominanz der Standortfaktoren
5. Allgemeine Kriterien der Standortwahl
5.1 Materialorientierung
5.2 Arbeitsorientierung
5.3 Abgabenorientierung
5.3.1 Steuerdifferenzierungen, die durch das Steuersystem bedingt sind
5.3.2 Steuerdifferenzierungen infolge dezentraler Finanzverwaltung
5.3.3 Steuerdifferenzierungen, die durch die Steuerpolitik geschaffen werden
5.4 Verkehrs- und Energieorientierung
5.5 Umweltorientierung
5.6 Absatzorientierung
5.7 Sonstige Standortfaktoren
6 Vorraussetzungen für internationale Produktion
7 Gründe für internationale Produktion
7.1 Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit durch Globalisierung
7.1.1 Beispiel Ford Motor Company
7.2 Risikoverteilung
8 Internationale Bestimmungsfaktoren
8.1 Die politische Lage und Entwicklungstendenzen (labile und stabile Staaten)
8.1.1 Sozialer Konsens
8.2 Die wirtschaftliche Gesetzgebungspraxis (wirtschaftsbegünstigende Liberalisierung oder wirtschaftshemmende Intervention)
8.2.1 Das Wirtschaftsklima
8.2.2 Das Genehmigungsverfahren
8.2.3 Steuergesetzgebung
8.2.4 Umweltgesetzgebung
8.3 Währungspolitische Probleme
8.3.1 Währungspolitische Risiken
8.3.2 Währungspolitische Chancen
8.4 Klimatische, geographische, rechtliche und soziale Besonderheiten
8.5 Industrie- oder Entwicklungsländer mit vorhandenen oder fehlenden einheimischen Märkten
8.5.1 Entwicklungsländer
8.5.2 Industrieländer
8.6 Die Bewertung von Länderrisiken
9 Auswahlmethoden
9.1 Prüflistenverfahren
9.2 Nutzwertanalyse
9.3 Operations-Research
9.3.1 Optimierungsmodelle
9.3.2 Bewertungsmodelle
9.4 Heuristische Verfahren
10. Standortrisiko
10.1 Minderung des Standortrisikos durch Standortspaltung
11. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der komplexen Thematik der internationalen Standortwahl für Industriebetriebe. Ziel ist es, die wesentlichen Standortkriterien, die Gründe für eine internationale Expansion sowie die methodischen Vorgehensweisen bei der Standortsuche zu analysieren und deren Bedeutung für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu beleuchten.
- Grundlagen und historische Entwicklung der Standorttheorie
- Analyse relevanter nationaler und internationaler Standortfaktoren
- Strategische Gründe für den Schritt zur internationalen Produktion
- Methoden der Standortbewertung und das Management von Standortrisiken
Auszug aus dem Buch
4.1 Auftreten des Standortproblems
Standortprobleme treten auf bei:
• der Betriebsgründung,
• der Betriebsvergrößerung und
• bei der Betriebsverlagerung
Schon bei der Betriebsgründung muss über mögliche Wachstums-chancen und eine spätere betriebliche Erweiterung mit entsprechendem Platzbedarf nachgedacht werden. Es empfiehlt sich, ein Vorratsgelände beim Kauf des zu bebauenden Grundstückes gleich mitzuerwerben. In der Regel wird bei einer Betriebsgründung der Standort jedoch im Bereich der eigenen Volkswirtschaft ausgewählt.
Eine Vergrößerung des Betriebes kann durch eine zentrale oder dezentrale Erweiterung erfolgen. Die zentrale Erweiterung findet mit An- und Erweiterungsbauten am bisherigen Standort statt, während die dezentrale Erweiterung an einem neu zu bestimmenden Ort erfolgt. Hierbei stellt sich unter Umständen die Frage nach einem internationalen Standort.
Bei der Betriebsverlagerung wird der alte Standort aufgegeben durch einen neuen ersetzt. Langfristige Vorteile des neuen Standortes müssen die Umzugskosten und die verlagerungsbedingten Vermögensverluste jedoch überkompensieren.
Bei entsprechenden Voraussetzungen empfiehlt es sich bei einer Betriebsverlagerung auch internationale Standorte zu prüfen.
Zwei verschiedene Problembereiche sind Gegenstand von Standortuntersuchungen:
• die Standortbestimmungslehre und
• die Standortwirkungslehre
Bei der Standortbestimmungslehre sucht das zu gründende oder sich vergrößernde Unternehmen seinen optimalen Standort. Nach einer sorgfältige Analyse der Standortfaktoren muss das Unternehmen die Vor- und Nachteile der einzelnen Standorte abwägen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert den Begriff des Standorts und unterstreicht die strategische Tragweite dieser Entscheidung für den langfristigen Unternehmenserfolg.
2 Eingrenzung: Dieses Kapitel fokussiert die Untersuchung auf Industriebetriebe, da diese von komplexen Standortfaktoren abhängig sind, im Gegensatz zu Handels- oder Dienstleistungsbetrieben.
3 Geschichtlicher Überblick: Es wird die Entwicklung der Standorttheorie von frühen Beschreibungen landwirtschaftlicher Betriebe bis zur systematischen Standortlehre von Alfred Weber skizziert.
4 Überblick über das Standortproblem: Dieses Kapitel behandelt die Anlässe für Standortentscheidungen, unterscheidet zwischen Standortbestimmungs- und Standortwirkungslehre und erläutert verschiedene Standortarten.
5. Allgemeine Kriterien der Standortwahl: Es werden die zentralen Entscheidungsfaktoren wie Material-, Arbeits-, Abgaben-, Verkehrs-, Energie-, Umwelt- und Absatzorientierung detailliert analysiert.
6 Vorraussetzungen für internationale Produktion: Hier werden technologische Fortschritte wie verbessertes Transportwesen und Kommunikationssysteme als Enabler für die internationale Ausrichtung identifiziert.
7 Gründe für internationale Produktion: Dieses Kapitel erörtert die Motive für Direktinvestitionen im Ausland, wobei die globale Wettbewerbsfähigkeit und Risikostreuung im Zentrum stehen.
8 Internationale Bestimmungsfaktoren: Eine Analyse langfristiger Einflussfaktoren wie politische Stabilität, Wirtschaftsklima, Gesetzgebung, Währungsaspekte sowie länderspezifische Besonderheiten.
9 Auswahlmethoden: Vorstellung verschiedener Ansätze zur systematischen Standortsuche, von einfachen Prüflisten über Nutzwertanalysen bis hin zu mathematischen Optimierungs- und Simulationsmodellen.
10. Standortrisiko: Erörterung der Unsicherheiten bei Standortentscheidungen und Möglichkeiten zur Risikominimierung, insbesondere durch Standortspaltung.
11. Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Bedeutung einer sorgfältigen Standortwahl und betont, dass trotz aller Analysemethoden ein Restrisiko bestehen bleibt.
Schlüsselwörter
Standortwahl, Industriebetriebe, Globalisierung, Standortfaktoren, Direktinvestition, Standortrisiko, Materialorientierung, Arbeitsorientierung, Nutzwertanalyse, Optimierungsmodelle, Wettbewerbsfähigkeit, Internationalisierung, Standortentscheidung, Betriebswirtschaft, Standortspaltung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die strategischen Herausforderungen und Kriterien bei der Wahl von Betriebsstandorten für Industrieunternehmen, mit einem besonderen Schwerpunkt auf internationalen Produktionsstandorten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Zentral sind die Bestimmungsfaktoren des Standorts (wie Kosten, Absatzmärkte, rechtliche Rahmenbedingungen), die Gründe für eine internationale Expansion sowie die methodischen Ansätze zur Bewertung und Auswahl von Standorten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, den Prozess der Standortplanung transparent zu machen, die notwendigen Faktoren für Industriebetriebe zu systematisieren und aufzuzeigen, wie Unternehmen ihren optimalen Standort unter Berücksichtigung von Chancen und Risiken finden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Auswertung betriebswirtschaftlicher Modelle. Sie kombiniert theoretische Grundlagen der Standortlehre mit praktischen Ansätzen wie Nutzwertanalysen und mathematischen Entscheidungshilfen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition der Standortproblematik, die detaillierte Beschreibung relevanter Standortfaktoren, die Analyse von Motiven für internationale Investitionen sowie die Darstellung verschiedener mathematischer und heuristischer Auswahlmethoden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Standortwahl, Globalisierung, Standortrisiko, Standortfaktoren, industrielle Standortplanung und Investitionsmotive.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle von Entwicklungsländern im Kontext internationaler Standorte?
Die Arbeit stellt fest, dass Entwicklungsländer oft ein höheres Risiko aufweisen und ihre Attraktivität für Investoren stärker von staatlichen Subventionen oder steuerlichen Bedingungen abhängt als von klassischen Marktkräften.
Warum ist die "Standortspaltung" für Unternehmen ein relevantes Konzept?
Die Standortspaltung dient der Risikostreuung. Durch die räumliche Trennung von Teilbetrieben verhindert das Unternehmen, dass sich Fehlentscheidungen oder lokale Risiken existenzgefährdend auf das gesamte Unternehmen auswirken.
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- Dipl-.Verwaltungsw. (FH) Tobias Hey (Author), 1995, Die Wahl des internationalen Betriebsstandortes unter Berücksichtigung der allgemeinen Standortkriterien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142826