Im September 2009 lagen nach Angaben des Statistischen Bundesamt (Destatis) 2910 Unternehmensinsolvenzen vor. Damit stieg die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland gegenüber September 2008 um 17,4 % an.
Von Januar bis September 2009 wurden 24.717 Insolvenzen von Unternehmen vermeldet, welches einem Anstieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 11,2 % entspricht.
Diese Entwicklungen zeigen, dass der Problemkreis der Unternehmenskrisen und ihre Abwendung zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Der Überschuldungsbegriff beschreibt neben der Zahlungsunfähigkeit einen Insolvenztatbestand und kann, da es sich um einen Insolvenzgrund handelt, zur Eröffnung eines Insolvenzverfahrens führen.
Eine Unternehmenskrise kommt in den seltensten Fällen plötzlich, sondern ist zumeist das Ergebnis einer längeren krisenhaften Entwicklung.
Da im Verlauf der Krise die Existenzbedrohung für das Unternehmen zunimmt, ist es von entscheidender Bedeutung, dass schnellstmöglich darauf reagiert wird. Durch entsprechende Sanierungsmaßnahmen soll das Überleben des Unternehmens gesichert werden.
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Vermeidung von Überschuldung im Konzern.
Hierbei sollen verschiedene Ansätze vorgestellt werden, wie eine drohende oder eine bereits entstandene Überschuldung abgewendet werden kann. Von besonderer Bedeutung ist dabei, das Zusammenspiel zwischen der Mutter und der Tochtergesellschaft. Unter Anderem werden die Auswirkungen von möglichen Sanie-rungsmaßnahmen der Muttergesellschaft für den gesamten Konzern näher beleuchtet.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Einleitung
- 2 Grundlagen
- 2.1 Konzernbegriff
- 2.2 Überschuldungsbegriff
- 2.2.1 Definition nach § 19 Abs. 2 InsO
- 2.2.2 Bewertung der Aktiva im Überschuldungsstatus
- 3 Beseitigung der Überschuldung durch eine positive Fortführungsprognose
- 4 Vermeidung von Überschuldung durch Abschluss eines Ergebnisabführungsvertrages
- 5 Maßnahmen zur Beseitigung der Überschuldung
- 5.1 Forderungsverzicht
- 5.2 Schuldübernahme
- 5.3 Rangrücktritt
- 5.4 Genussrechte
- 6 Zusammenfassung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit analysiert die Vermeidung von Überschuldung im Konzern und beleuchtet verschiedene Ansätze zur Abwendung drohender oder bereits bestehender Überschuldung. Im Zentrum steht das Zusammenspiel zwischen Mutter- und Tochtergesellschaft, wobei die Auswirkungen möglicher Sanierungsmaßnahmen der Muttergesellschaft für den gesamten Konzern betrachtet werden.
- Definition und Abgrenzung des Überschuldungsbegriffs
- Analyse verschiedener Ansätze zur Vermeidung von Überschuldung im Konzern
- Bewertung des Zusammenspiels zwischen Mutter- und Tochtergesellschaft bei Überschuldung
- Untersuchung der Auswirkungen von Sanierungsmaßnahmen auf den gesamten Konzern
- Darstellung konkreter Maßnahmen zur Beseitigung einer eingetretenen Überschuldung
Zusammenfassung der Kapitel
- Kapitel 1: Einleitung: Die Einleitung stellt den aktuellen Kontext von Unternehmenskrisen und Insolvenzen in Deutschland dar und führt den Leser in die Thematik der Überschuldung ein. Zudem wird der Fokus der vorliegenden Arbeit auf die Vermeidung von Überschuldung im Konzern gesetzt.
- Kapitel 2: Grundlagen: Dieses Kapitel definiert die grundlegenden Begrifflichkeiten, die für das Verständnis der Arbeit notwendig sind. Es behandelt den Konzernbegriff und die verschiedenen Formen des Konzerns, insbesondere den Vertragskonzern. Des Weiteren wird der Überschuldungsbegriff anhand der Definition nach § 19 Abs. 2 InsO erläutert sowie die verschiedenen Bewertungsmethoden bei der Prüfung einer möglichen Überschuldung.
- Kapitel 3: Beseitigung der Überschuldung durch eine positive Fortführungsprognose: Dieses Kapitel beleuchtet die Möglichkeit, eine drohende Überschuldung durch eine positive Fortführungsprognose zu vermeiden. Es werden die Kriterien für eine positive Fortführungsprognose und deren praktische Anwendung im Kontext der Überschuldung dargestellt.
- Kapitel 4: Vermeidung von Überschuldung durch Abschluss eines Ergebnisabführungsvertrages: In diesem Kapitel wird der Einsatz von Ergebnisabführungsverträgen als Mittel zur Vermeidung von Überschuldung im Konzern beleuchtet. Es werden die Funktionsweise und die rechtlichen Rahmenbedingungen von Ergebnisabführungsverträgen sowie deren Auswirkungen auf den Konzern analysiert.
- Kapitel 5: Maßnahmen zur Beseitigung der Überschuldung: Dieses Kapitel stellt konkrete Maßnahmen zur Beseitigung einer bereits eingetretenen Überschuldung und deren Auswirkungen für den Konzern dar. Es behandelt verschiedene Maßnahmen wie Forderungsverzicht, Schuldübernahme, Rangrücktritt und Genussrechte.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit den Themenbereichen Konzern, Überschuldung, Insolvenzrecht, Sanierungsmaßnahmen, Ergebnisabführungsvertrag, Forderungsverzicht, Schuldübernahme, Rangrücktritt und Genussrechte.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung?
Beides sind Insolvenzgründe. Während Zahlungsunfähigkeit den aktuellen Mangel an liquiden Mitteln beschreibt, liegt Überschuldung vor, wenn das Vermögen die bestehenden Verbindlichkeiten nicht mehr deckt (§ 19 InsO).
Wie kann eine „positive Fortführungsprognose“ eine Insolvenz abwenden?
Wenn überwiegend wahrscheinlich ist, dass das Unternehmen fortgeführt werden kann, wird bei der Überschuldungsprüfung nicht der Liquidationswert, sondern der Fortführungswert angesetzt, was die Bilanz entlastet.
Welche Rolle spielt ein Ergebnisabführungsvertrag im Konzern?
Er verpflichtet die Muttergesellschaft, Verluste der Tochtergesellschaft auszugleichen. Dies kann verhindern, dass die Tochtergesellschaft bilanziell überschuldet gerät.
Was versteht man unter einem „Rangrücktritt“?
Bei einem Rangrücktritt erklärt ein Gläubiger (oft die Muttergesellschaft), dass seine Forderung im Insolvenzfall erst nach allen anderen Gläubigern bedient werden soll. Dadurch entfällt die Passivierungspflicht in der Überschuldungsbilanz.
Was ist der Vorteil eines Forderungsverzichts?
Durch den Verzicht auf eine Forderung verringern sich die Verbindlichkeiten des überschuldeten Unternehmens unmittelbar, was zur Sanierung der Bilanz führt.
Welche Bedeutung haben Genussrechte bei drohender Überschuldung?
Genussrechte können so ausgestaltet werden, dass sie bilanziell als Eigenkapital gewertet werden, wodurch die Eigenkapitalquote steigt und eine Überschuldung vermieden wird.
- Citation du texte
- Guido Rübhausen (Auteur), 2009, Vermeidung von Überschuldung im Konzern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142904