Die Politisierung Finnlands und das Entstehen der Parteien sind geschichtswissenschaftlich gut erforscht.
Als zentrale Fragestellung liegt dieser Hausarbeit zugrunde, wie es zur einsetzenden Politisierung Finnlands und warum und wann es zur Entstehung der finnischen Parteien kam. Dabei sollen die zeitlichen Umstände und die ideologischen Einflüsse angerissen werden, die diese Entwicklung förderten. Außerdem werden anhand den sich verändernden Umständen und politischen Entwicklungen die Fortentwicklungen der politischen Strömungen und Parteien erläutert.
Gegliedert ist diese Hausarbeit in drei Hauptabschnitte: Im ersten Abschnitt werden die Wurzeln der drei politischen Strömungen im 19. Jahrhundert erläutert. Dabei soll auf ihre ideologischen Grundlagen, ihre Führungspersönlichkeiten, ihre politischen Ziele, ihre öffentlichen Mitteilungsorgane und ihre Trägerschichten eingegangen werden. Im zweiten Teil steht die Entwicklung der Parteien anhand der drei politischen Hauptthemen Ende des 19. Jahrhunderts, der Sprachenfrage, der russischen Frage und der sozialen Frage, im Vordergrund. Durch die Erweiterung des politischen Diskurses um diese drei Aspekte entstanden weitere Parteien, deren Entwicklung ebenfalls dargelegt wird. Im letzten Teilabschnitt wird die Bedeutung der neuen Landtagsordnung von 1906 dargestellt. Die neue Ordnung wird als Ausgangspunkt für eine grundlegende Neuorganisation und teilweise Neuorientierung der politischen Parteien angesehen. Diese Veränderungen und die Weiterentwicklung der Parteien bis zur finnischen Unabhängigkeit sollen gezeigt werden.
Durch die Gliederung ergibt sich bereits die zeitliche Eingrenzung. Der Betrachtungszeitraum erschließt sich von dem Beginn der ersten fennomanischen Strömungen in den 1840er Jahren bis zum Jahr der finnischen Unabhängigkeit von Russland 1917. Das Hauptaugenmerk liegt jedoch zwischen den Jahren 1863 und 1907, weil 1863 erstmals nach 1809 wieder der finnische Landtag einberufen wurde und 1907 die ersten Parlamentswahlen nach der Landtagsreform von 1906 durchgeführt wurden.
Auf eine Erläuterung und Veränderung des politischen Systems Finnlands in aller Ausführlichkeit muss an dieser Stelle verzichtet werden, da dies den Rahmen der Hausarbeit überdehnen würde. Ebenso wird nicht auf verschiedene Mehrheitsverhältnisse in den Kammern des Vier-Stände-Landtages oder während der zweiten Russifizierungsphase im Landtag eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 FRÜHFORMEN POLITISCHER STRÖMUNGEN BIS 1863
3 DIE ENTSTEHUNG VON „SPRACHENPARTEIEN“ IM ZUGE DES SPRACHENSTREITS
3.1 FENNOMANIE
3.2 SVEKOMANIE
3.3 LIBERALISMUS
3.4 ZWISCHENFAZIT
4 DIE „RUSSISCHE UND SOZIALE FRAGE“
4.1 DIE SOZIALDEMOKRATISCHE PARTEI FINNLANDS
4.2 DER LANDBUND
5 DIE NEUE LANDTAGSORDNUNG VON 1906
6 AUSBLICK
7 ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Politisierung Finnlands im 19. Jahrhundert und analysiert die Entstehung der ersten politischen Parteien unter dem Einfluss der Sprachenfrage, der sozialen Problematik und der politischen Auseinandersetzung mit dem russischen Zarenreich. Dabei wird insbesondere geprüft, ab wann von organisierten Parteien im modernen Sinne gesprochen werden kann.
- Entwicklung politischer Strömungen bis 1863
- Die Rolle des Sprachenstreits und der Sprachenparteien
- Die Auswirkungen der sozialen und russischen Frage auf die Parteienlandschaft
- Die Bedeutung der Landtags- und Wahlreform von 1906
Auszug aus dem Buch
3.1 Fennomanie
Die Ursprünge der Fennomanie reichen bis in die 1840er Jahre zurück, als sich unter den Ideen und dem Einfluss von Johan Vilhelm Snellman eine ideelle Bewegung entwickelte, die die Situation der finnischsprachigen Bevölkerung und der Beachtung und Bedeutung der finnischen Sprache verbessern wollte. Das Ziel dieser Bewegung war die Schaffung eines nationalen Bewusstseins Finnlands. Die Fennomanen bildeten ab den 1860ern eine politische Gruppierung, aus der unter der Führung von Yrjö Sakari Yrjö-Koskinen 1863 die Finnische Partei hervorging. Innerhalb der Partei überwogen hegelianische Ansichten von Staat und Gesellschaft. Diese Anschauungen waren auf Snellman zurückzuführen, der die politischen Grundideen der Fennomanen nachhaltig beeinflusste.25 Russland gegenüber war die Politik der Finnischen Partei von Anpassung und Unterordnung an das politische System geprägt. In der Partei überwog die Ansicht, dass Forderungen und Veränderungen nur im Einklang und dem Einvernehmen mit dem russischen Zaren möglich waren, weshalb das Vorgehen nicht radikal, sondern gemäßigt und angepasst war.26 Russland nutzte die fennomanischen Strömungen und bediente sich der Interessen und Ideen der loyalen finnischen Bevölkerung, um sie gegen die aufkommende Svekomanie und den Liberalismus einzusetzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einleitung in die Politisierung Finnlands und Darstellung des Forschungsstandes sowie der quellenkritischen Methodik.
2 FRÜHFORMEN POLITISCHER STRÖMUNGEN BIS 1863: Untersuchung der frühen, noch nicht parteiförmigen Strömungen unter dem Einfluss der schwedisch dominierten Verwaltung.
3 DIE ENTSTEHUNG VON „SPRACHENPARTEIEN“ IM ZUGE DES SPRACHENSTREITS: Analyse der Bildung von Interessengruppen entlang des Sprachenstreits, unterteilt in Fennomanen, Svekomanen und Liberale.
4 DIE „RUSSISCHE UND SOZIALE FRAGE“: Behandlung des Wandels des politischen Diskurses hin zur sozialen Frage und dem Widerstand gegen Russifizierungsbemühungen.
5 DIE NEUE LANDTAGSORDNUNG VON 1906: Untersuchung des massiven Umbruchs durch die Wahlrechtsreform und die Entstehung moderner Parteistrukturen.
6 AUSBLICK: Betrachtung der weiteren Entwicklung bis zur Unabhängigkeit 1917.
7 ZUSAMMENFASSUNG: Synthese der Ergebnisse und Bestätigung der These, dass moderne Parteien erst nach 1906 entstanden.
Schlüsselwörter
Finnland, Politikgeschichte, Sprachenstreit, Fennomanie, Svekomanie, Liberalismus, Sozialdemokratie, Landbund, Landtagsreform 1906, Russifizierung, Parteientwicklung, Nationalismus, Industrialisierung, Wahlrecht, Parlamentswahlen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht die Genese politischer Parteien in Finnland im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen der Sprachenstreit, die soziale Frage, das Verhältnis zu Russland sowie die Reformen des politischen Systems.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt nach dem Zeitpunkt der Entstehung organisierter Parteien und prüft, inwiefern dies vor 1906 möglich war.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Untersuchung basiert auf einer geschichtswissenschaftlichen Analyse von Primär- und Sekundärquellen, ergänzt durch quellenkritische Methoden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die ideologischen Wurzeln der Strömungen, deren Organisation sowie den Wandel durch gesellschaftliche und politische Reformen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Fennomanie, Svekomanie, Landtagsreform 1906 und die Rolle der Sozialdemokratie.
Warum spielt die Landtagsreform von 1906 eine so große Rolle?
Sie gilt als „Wasserscheide“, da sie durch das allgemeine Wahlrecht den Übergang zu modernen, strukturierten Parteien erzwang.
Wie unterschieden sich Altfinnen und Jungfinnen?
Die Altfinnen agierten gemäßigt und konsensorientiert gegenüber der russischen Obrigkeit, während die Jungfinnen radikalere Ansichten vertraten.
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- Alexander Klaus (Author), 2009, Die Anfänge des finnischen Parteienstaates, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142913