Der mögliche Zusammenhang zwischen Narzissmus und Burnout wird in dieser Arbeit näher beleuchtet: Kann es sein, dass Menschen, die narzisstische Persönlichkeitszüge haben, speziell aufgrund dieser gefährdet sind, einen Burnout zu erleiden?
Die Relevanz dieser Frage ist vielschichtig und berührt nicht nur arbeitspsychologische und gesundheitspsychologische Themen, sondern durchzieht letztendlich die ganze Gesellschaft, worauf im Fazit näher eingegangen wird. Generell sollten sowohl Arbeitgeber als auch Krankenkassen und nicht zuletzt das Individuum selbst ein Interesse daran haben, dass Arbeit so gestaltet wird, dass sie nicht krank macht. Dies führt auch zu der grundsätzlichen Frage, ob ein Burnout arbeitsbedingt oder persönlichkeitsbedingt entsteht. Diese komplexe Frage kann in dieser Arbeit nur angeschnitten werden, der Fokus liegt hier auf den persönlichkeitsbedingten – spezifisch den narzisstischen – Merkmalen.
Umgangssprachlich werden Menschen als narzisstisch bezeichnet, die wenig empathisch sind und hauptsächlich an sich selbst denken. Nach außen stark und selbstbewusst wirkend, liegt beim psychologischen Blick hinter die Kulisse unter dem narzisstischen Größenselbst oft ein störungsanfälliges Selbstwertgefühl. Leistung und Anerkennung im Beruf dienen dann dazu, dieses zu stabilisieren. Das kann jedoch auch dazu führen, über die eigenen körperlichen und mentalen Grenzen hinaus zu gehen, was wiederum in einem Burnout münden kann. Vielleicht lassen diese Zusammenhänge den Burnout-Forscher Matthias Burisch zu dem Schluss kommen, die pathologische Form des Narzissmus – die narzisstische Persönlichkeitsstörung – sogar als einen "begrifflichen Nachbarn von Burnout" zu bezeichnen.
Zunächst wird im Kapitel zwei das Phänomen Narzissmus mit seinen Symptomen, gesunden bis pathologischen Ausprägungen, Ursachen, Folgen für den Arbeitskontext und auch den diagnostischen Möglichkeiten dargestellt. Das dritte Kapitel befasst sich mit der Erkrankung Burnout: der Definition, den Symptomen und den Möglichkeiten, diese zu diagnostizieren. Im vierten Kapitel folgen schließlich sowohl aus der Theorie abgeleitete Zusammenhänge zwischen beiden Phänomenen als auch aktuelle Studien, die dies untersucht haben. Die Arbeit endet mit einem Fazit im Kapitel fünf.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Narzissmus
2.1. Begriff und Ausprägung
2.2. Formen von Narzissmus
2.3. Ursachen
2.4. Folgen für den Arbeitskontext
2.5. Messbarkeit von Narzissmus
3. Burnout
3.1. Definition und Symptome
3.2. Burnout Diagnostik
4. Burnout durch narzisstische Eigenschaften
4.1. Aus der Theorie abgeleitete Zusammenhänge
4.2. Studien, die den Zusammenhang untersuchen
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen narzisstischen Persönlichkeitszügen und der Gefährdung durch ein Burnout-Syndrom, wobei insbesondere die Frage beleuchtet wird, ob narzisstische Individuen aufgrund ihrer Persönlichkeitsstruktur ein höheres Risiko für beruflich bedingte Erschöpfungszustände tragen.
- Psychologische Grundlagen und Formen des Narzissmus (grandios vs. vulnerabel)
- Definition, Symptomatik und diagnostische Ansätze des Burnout-Syndroms
- Theoretische Verknüpfung von narzisstischen Verhaltensmustern mit Burnout-Risikofaktoren
- Analyse und Diskussion aktueller fachwissenschaftlicher Studien zur Korrelation zwischen Narzissmus und Burnout
Auszug aus dem Buch
2.2. Formen von Narzissmus
Freud unterscheidet in primären Narzissmus, der zur natürlichen Entwicklung des Kindes gehört. Er beschreibt damit die libidinöse Besetzung des Ichs, die nach dem britischen Sexualforscher Havelock Ellis auch Autoerotismus genannt wird, was die „Lust am eigenen Körper“ (Häcker et al., 2009, S. 100) meint. Nach Freud kommt es regressiv zum sekundären Narzissmus, wenn der Mensch im Verlauf seiner Entwicklung Zurückweisungen von libidinös besetzen Objekten erfahren hat und diese libidinöse Besetzung gekränkt vom Objekt wieder zu sich selbst – dem Subjekt – zurückholt (Häcker et al., 2009, S. 671).
Russ et al. haben 2008 mit ihrer Studie drei Subtypen der NPS entdeckt: den grandios-malignen, den vulnerabel-fragilen und den hochfunktionalen-exhibitionistischen Typ mit hohem Funktionsniveau (2008). Der grandios-maligne Typ entspricht den im ICD-10 genannten Kriterien, während der vulnerable-fragile Narzissmus im Erstkontakt durch das Gefühl von Unzulänglichkeit eher depressiv wirken kann. Hinter der depressiv-ängstlich wirkenden Fassade verstecken sich „Eitelkeit, Arroganz und Ignoranz gegenüber den Interessen anderer Menschen bei gleichzeitiger Abhängigkeit von positiver sozialer Rückmeldung“ (Bierhoff et al., 2019, S. 39). Vater gibt zu bedenken, dass beide Typen zwei Seiten einer Medaille sein können: Sofern der Mensch keine Selbstwertkrise erlebt, ist er eher im grandiosen Modus unterwegs, und sobald sich Umstände ergeben, die am Selbstwert zweifeln lassen, kippt der Modus um in den vulnerablen Typus (Vater, Roepke et al., 2013, S. 606). Die Psychologin Bärbel Wardetzki beschreibt in ihrem Buch „Weiblicher Narzissmus“ genau diesen Wechsel auch als narzisstisches Phänomen bei Frauen (2015, S. 26).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Burnout-Phänomens ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach dem Zusammenhang zwischen Narzissmus und einer erhöhten Burnout-Gefährdung.
2. Narzissmus: Dieses Kapitel erläutert die verschiedenen Facetten des Narzissmus, von den Ursprüngen und verschiedenen Formen bis hin zur diagnostischen Messbarkeit der Persönlichkeitseigenschaften.
3. Burnout: Hier werden die Definitionen, Symptome sowie die diagnostischen Verfahren zur Erkennung eines Burnout-Syndroms im beruflichen Kontext detailliert betrachtet.
4. Burnout durch narzisstische Eigenschaften: Dieses Kapitel verknüpft theoretische Erkenntnisse mit empirischen Studien, um den Einfluss narzisstischer Merkmale auf die Entstehung von Burnout zu analysieren.
5. Fazit und Ausblick: Das Fazit beantwortet die Forschungsfrage vorsichtig positiv und betont die Notwendigkeit, Burnout nicht nur persönlichkeitsbedingt zu sehen, sondern auch strukturelle Arbeitsbedingungen zu berücksichtigen.
Schlüsselwörter
Narzissmus, Burnout, narzisstische Persönlichkeitsstörung, Selbstwertgefühl, Arbeitsplatz, Stress, Verausgabungsbereitschaft, Leistungsdruck, psychische Gesundheit, Arbeitspsychologie, emotionale Erschöpfung, Resilienz, Diagnostik, Persönlichkeitsmodell, Prävention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen narzisstischen Persönlichkeitszügen und dem Risiko, an einem Burnout zu erkranken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der psychologischen Einordnung von Narzissmus und Burnout, deren theoretischer Verknüpfung sowie der wissenschaftlichen Evidenz in aktuellen Studien.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es zu klären, ob narzisstische Persönlichkeitsstrukturen, insbesondere aufgrund eines instabilen Selbstwertgefühls, die Betroffenen anfälliger für beruflich bedingte Erschöpfung machen.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die auf Basis psychologischer Fachliteratur, Klassifikationssystemen (ICD/DSM) und einer Meta-Analyse empirischer Studien sowie klinischer Daten argumentiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definitionen beider Phänomene, beleuchtet die Ausprägungen des Narzissmus und diskutiert, wie Persönlichkeitseigenschaften im beruflichen Umfeld zu Burnout führen können.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Narzissmus, Burnout, Selbstwertstabilität, Leistungsdruck und individuelle Stressbewältigungsstrategien.
Unterscheidet die Arbeit zwischen verschiedenen Arten des Narzissmus?
Ja, die Arbeit differenziert explizit zwischen dem grandiosen (offenen) und dem vulnerablen (verdeckten) Narzissmus, da diese unterschiedlich mit Burnout-Symptomen korrelieren.
Was ist das zentrale Ergebnis bezüglich des Zusammenhangs von Narzissmus und Burnout?
Menschen mit narzisstischen Tendenzen sind aufgrund ihres oft instabilen Selbstwerts, der dauerhaft durch äußere Anerkennung stabilisiert werden muss, einem erhöhten Burnout-Risiko unterworfen.
- Quote paper
- Susan Waldow (Author), 2023, Burnout-Gefährdung durch narzisstische Persönlichkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1430149