Folgende Arbeit wird sich mit einem der bedeutsamsten Dichter seiner Zeit, und über seine Zeit hinweg, beschäftigen und dessen Geniebegriff anhand von sowohl theoretischen, als auch literarischen Texten, erläutern.
Heutzutage wird der Begriff Genie meist in Zusammenhang mit hochintelligenten Menschen verwendet. Zur Bestimmung der Intelligenz wurde von Lewis Terman in den 1920er-Jahren ein IQ-Test erfunden. Auch Heute noch wird das Genie als Superlativ verstanden, dem nicht unbedingt eine Begründung unterliegt. Neben den außergewöhnlichen Menschen kann sich der Begriff aber auch auf die ästhetische und poetische Produktion beziehen. Genie geht aber weiter in der Zeit zurück: Bereits im Barock bezeichnet der Geniebegriff die künstlerische Produktion, die damals auf die Vernunft ausgelegt war. Philosophen, Dichter und Theoretiker haben versucht eine Definition von Genie zu liefern. In der Epoche des Sturms und Drangs bekommt der Geniebegriff eine herausragende Bedeutung und wird wieder neu definiert. Als wichtiger Vertreter des Geniebegriffs kristallisiert sich Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832) heraus.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sturm und Drang
3. Goethes Definition von Genie
3.1 Von deutscher Baukunst
3.2 Rede zum Shakespeare Tag
3.3 Prometheus Hymne
3.4 Brief vom 26. Mai aus „Die Leiden des jungen Werthers“
4. Fazit
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verständnis des Geniebegriffs innerhalb der Epoche des Sturm und Drang am Beispiel ausgewählter Texte von Johann Wolfgang von Goethe, um die Verschiebung des Genieideals von einer handwerklichen hin zu einer autonomen, schöpferischen Existenzform zu analysieren.
- Die historische Genese und Definition des Geniebegriffs
- Die Bedeutung der Natur als Quelle schöpferischer Kraft
- Die Rolle der Subjektivität und Empfindsamkeit als Kern genialen Schaffens
- Die Abkehr von überlieferten Autoritäten und ästhetischen Regelwerken
- Das Selbstverständnis des Genies als gottgleiches, autonomes Subjekt
Auszug aus dem Buch
3.1 Von deutscher Baukunst
In seinem, sowohl leidenschaftlich als auch empfindsam formulierten, Text von 1773 stilisiert Goethe den Baumeister als Genie. Der Baumeister ist keine konkrete historische Figur und wurde außerdem in eine dunkle Vergangenheit verlegt, wo sich das Genie in eine leere Fläche hineinproduzieren kann. Die Straßburger Münster zeigt die zeitgenössische Ästhetik auf und hat es dem Künstler ermöglicht sich selbst in eine äußere künstlerische Anlage mit einzubringen.
Das Genie wird in diesem Text über Originalität und Authentizität definiert. Es gelingt ihm aus lauter Einzelteilen ein Ganzes zusammen zu fügen, wobei es sich aber um sein eigenes Schaffen und nicht um eine Nachahmung handelt.
Der Künstler ist als Subjekt ‚schöpfungsvoll’, heißt: In ihm ist wie in allen Genies von Natur her überschüssige Energie vorhanden, die sich irgendwie Austritt verschaffen muß.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Entwicklung des Geniebegriffs vom Barock bis zum Sturm und Drang und führt in die Fragestellung zur Genieästhetik Johann Wolfgang von Goethes ein.
2. Sturm und Drang: Dieses Kapitel erläutert die Epoche des Sturm und Drang als "Geniezeit", in der gesellschaftskritische Naturverbundenheit und die Autonomie des Individuums zu zentralen Merkmalen der Geniekonzeption werden.
3. Goethes Definition von Genie: Der Hauptteil analysiert Goethes spezifisches Geniekonzept, das durch die Einheit von Natur, Seele und schöpferischer Kraft geprägt ist, fernab von starren Regelwerken.
3.1 Von deutscher Baukunst: Das Kapitel untersucht die Stilisierung des Baumeisters als Genie und die Bedeutung von Originalität und Authentizität im künstlerischen Schaffen.
3.2 Rede zum Shakespeare Tag: Es wird analysiert, wie Goethe durch die Rezeption Shakespeares den Genius als universelles, gottgleiches Individuum bestimmt, das sich über konventionelle Regeln hinwegsetzt.
3.3 Prometheus Hymne: Die Analyse zeigt auf, wie in der Prometheus-Hymne das prometheische Ideal eines autonomen, schöpferischen Menschen als Widerpart zu traditionell-religiösen Konzepten entworfen wird.
3.4 Brief vom 26. Mai aus „Die Leiden des jungen Werthers“: Dieses Kapitel thematisiert den Subjektivismus des Genies am Beispiel Werthers, dessen Flucht in das Innere und die Natur letztlich in der Selbstzerstörung mündet.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Goethes Geniekonzept der Sturm-und-Drang-Zeit wesentlich auf Empfindungskraft basiert und seine heutige, intellektuell verkürzte Rezeption kritisch hinterfragt.
5. Literaturverzeichnis: Hier sind die verwendeten primären literarischen Quellen sowie die sekundäre Fachliteratur und Internetquellen aufgeführt.
Schlüsselwörter
Genie, Sturm und Drang, Johann Wolfgang von Goethe, Schöpfungskraft, Natur, Empfindsamkeit, Subjektivität, Autonomie, Prometheus, Werther, Ästhetik, Kunst, Gottgleichheit, Originalität, Geniezeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Definition und Wandlung des Geniebegriffs im Werk von Johann Wolfgang von Goethe während der Epoche des Sturm und Drang.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Aspekte sind der Bezug des Genies zur Natur, die Bedeutung des Gefühls und der Innerlichkeit sowie die Abgrenzung zur regelgeleiteten Kunst der Aufklärung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu zeigen, wie Goethe das Genie als autonomes, gottgleiches Individuum definiert und wie er dieses Selbstverständnis in eigenen Texten reflektiert und praktiziert.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die theoretische Definitionen mit der Auslegung primärliterarischer Texte (Essays, Hymnen, Romane) verbindet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Werkanalysen, darunter "Von deutscher Baukunst", die Shakespeare-Rede, die "Prometheus"-Hymne sowie Ausschnitte aus "Die Leiden des jungen Werthers".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Genie, Sturm und Drang, Schöpfungskraft, Autonomie, Subjektivität und Naturverbundenheit.
Inwiefern spielt der "Prometheus"-Mythos eine Rolle für Goethes Geniebegriff?
Prometheus dient als mythisches Vorbild für ein autonomes, sich selbst erschaffendes Subjekt, das die göttliche Ordnung herausfordert und sich durch seine Schöpfungskraft definiert.
Warum endet die Werther-Analyse bei der Thematik der Selbstzerstörung?
Die Analyse zeigt auf, dass für Goethe Werthers Subjektivismus als Genie bis zum Äußersten gesteigert wird, wobei die Unvereinbarkeit mit gesellschaftlichen Regeln nur noch den Ausweg des Freitods lässt.
- Citation du texte
- Magalie Desorbay (Auteur), 2018, Der Begriff des Genies am Beispiel von Johann Wolfgang von Goethe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1430220