1. Einleitung
Früher gab es eine klare Raumstrukturierung in „Stadt“ und „Land“. Doch mit der zunehmenden Suburbanisierung, der Ansiedlung im Umland der Städte entstand ein Siedlungstyp bei dem der Begriff des „Vorortes“ nicht mehr zutrifft.
Dieser Typ Stadt zwischen „verlandschafteter Stadt“ und „verstädterter Landschaft“ widmet sich der Bonner Architekt Thomas Sieverts in seinem Buch „Zwischenstadt: zwischen Ort und Welt, Raum und Zeit, Stadt und Land“ (2001).
Er nennt diesen „Stadttyp“ Zwischenstadt, eine Stadt die zwischen „den alten historischen Stadtkernen und der offenen Landschaft, zwischen den kleinen örtlichen Wirtschaftskreisläufen und der Abhängigkeit vom Welthandel“ (Sieverts 2001: 7) liegt. Nach einer Studie des Lagenburger Kollegs (Eine durch die Daimler-Benz-Stiftung geförderte Gruppe von Raumplanern, die sich unter anderem mit dem Phänomen der „Zwischenstadt“ befasst, unter ihnen ist auch Thomas Sieverts.) lebt in Deutschland derzeit die Mehrheit der Bevölkerung in dieser „Zwischenstadt“.
Die Zwischenstadt lässt sich weder als Stadt noch als Land im Ursprünglichen Sinne verstehen, obwohl sie Eigenschaften von beiden besitzt. Dieser Typ zeichnet sich zum einen durch seine neuartigen baulich-räumlichen Strukturen und zum anderen durch seine veränderten Sozial-, Nutzungs- und Wirtschaftsstrukturen aus.
In dieser Hausarbeit befasse ich mich mit der Frage ob die Begriffe der Zwischenstadt und des Zwischenlandes nur andere Begriffe für die Suburbanisierung sind, oder ob es sich doch um eine neue Entwicklung handelt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entstehung der Zwischenstadt
2.1. Der Begriff Zwischenstadt
2.2. Zwischenland
3. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Hausarbeit untersucht die Phänomene der „Zwischenstadt“ und des „Zwischenlandes“ im Kontext der Suburbanisierung. Ziel der Arbeit ist es zu klären, ob diese Begriffe lediglich synonyme Bezeichnungen für den bekannten Suburbanisierungsprozess darstellen oder ob sie eine eigenständige, neue raumstrukturelle Entwicklung beschreiben, die weder der klassischen Stadt noch dem traditionellen Land zuzuordnen ist.
- Analyse der historischen und funktionalen Suburbanisierungsprozesse in Deutschland.
- Untersuchung der theoretischen Einordnung der „Zwischenstadt“ nach Thomas Sieverts.
- Kritische Betrachtung der „Zwischenland“-Thematik im ländlichen Raum.
- Gegenüberstellung von städtischen und dörflichen Suburbanisierungsentwicklungen.
- Bewertung der Notwendigkeit einer neuen Begrifflichkeit für randschichtige Siedlungsformen.
Auszug aus dem Buch
2. Entstehung der Zwischenstadt
Das Bild der kompakten, dichten und gemischten Stadt, das wir mit den europäischen Städten assoziieren, trifft heute nur noch auf Teile des Stadtgebiets zu. Die eigentlichen Neuerungen im städtischen Raum ereignen sich heute nicht mehr nur in den Innenstädten, sondern auch an der Peripherie. Nur noch ein kleiner Teil der Stadt entspricht der überlieferten kulturellen Vorstellung der geschlossenen Stadt mit historischem Grundriss. Ein großer Teil der Stadt ist hingegen dem Zentrum entwachsen. Hierbei handelt es sich um Zwischenbereiche, um den suburbanen Raum mit einer Durchmischung von Subzentren, Wohn- und Freizeitbereichen und Freiräumen. Die alten Stadtbilder sind nicht mehr die heutige Realität. Am Rande unserer Städte lösen sie sich auf.
Das Thema der Suburbanisierung und Umlandsforschung wurde in Deutschland lange vernachlässigt und erfuhr in den 1990ern Aufmerksamkeit, da im Umland großer Städte die Bautätigkeit und somit die Veränderung der Peripherie im vergleich zu vorher stark zunahm.
Das Modell der Zwischenstadt ist für Westdeutsche Städte entwickelt worden und basiert auf der Theorie, dass nach Jahrzehntelanger Suburbanisierung sich das Umland um Städte verändert hat. Zuerst fand eine Suburbanisierung des Wohnens, dann eine der Arbeits-, Einkaufs- und der Freizeitfunktionen. Dieser neue Siedlungstyp der sich daraus entwickelte, bekam dadurch immer weitere Funktionen einer Kernstadt. Somit wurde diese Zwischenstadt immer unabhängiger begann in Westdeutschland in den 1950ern/1960ern. Für Westdeutsche Städte war die Verlagerung von Funktionen aus dem Kerngebiet der Stadt ins Umland ein wichtiges Kriterium. Zuerst erfolgte eine Verlagerung des Wohnraums aus den Stadtgebieten von ihrer Kernstadt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in den Wandel der Raumstruktur von einer klaren Stadt-Land-Trennung hin zur „Zwischenstadt“ ein und definiert die zentrale Forschungsfrage der Arbeit.
2. Entstehung der Zwischenstadt: Hier werden die historischen Ursachen der Suburbanisierung in West- und Ostdeutschland sowie der Wandel von Wohn-, Arbeits- und Handelsfunktionen im Umland detailliert beleuchtet.
2.1. Der Begriff Zwischenstadt: Dieses Kapitel erläutert die theoretische Perspektive von Thomas Sieverts und die Notwendigkeit, die Peripherie als eigenständige Lebens- und Gestaltungsform zu begreifen.
2.2. Zwischenland: Der Fokus liegt hier auf der kritischen Betrachtung des „Dorfes“ als Wohnstandort und dem Entstehen von „Zwischendörfern“ unter dem Einfluss von Suburbanisierung und Mobilität.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Begriffe zwar eine notwendige Einordnungshilfe darstellen, aber noch keine abschließende wissenschaftliche Definition liefern.
Schlüsselwörter
Zwischenstadt, Zwischenland, Suburbanisierung, Peripherie, Stadtentwicklung, Raumplanung, Umland, Siedlungstyp, Wohnsuburbanisierung, Gewerbesuburbanisierung, Thomas Sieverts, Stadt-Land-Verhältnis, Funktionsverlust, Bevölkerungsverteilung, Deutschland.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Veränderung der Siedlungsstrukturen in Deutschland und dem Phänomen der „Zwischenstadt“, das durch die Suburbanisierung der vergangenen Jahrzehnte entstanden ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Wohnsuburbanisierung, der Verlagerung von Gewerbe- und Einzelhandelsfunktionen ins Umland sowie der theoretischen Begriffsfindung für urbane Randzonen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Es soll geklärt werden, ob „Zwischenstadt“ und „Zwischenland“ nur alternative Bezeichnungen für bekannte Suburbanisierungsvorgänge sind oder ob sie eine neuartige städtebauliche Qualität beschreiben.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Auseinandersetzung mit dem theoretischen Konzept von Thomas Sieverts sowie raumplanerischen Studien wie der des Lagenburger Kollegs.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehungsgeschichte der Zwischenstadt, den Suburbanisierungsprozess in den alten und neuen Bundesländern sowie die spezifische Rolle des „Zwischenlandes“ im ländlichen Raum.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wesentliche Begriffe sind Suburbanisierung, Zwischenstadt, Peripherie, Stadtregion, Siedlungsstruktur und Flächennutzung.
Was unterscheidet das „Zwischenland“ von der „Zwischenstadt“ laut Text?
Während sich der Begriff der Zwischenstadt primär auf die Verflechtungen zwischen Kernstadt und Peripherie konzentriert, bezieht sich „Zwischenland“ spezifisch auf die Transformation des ländlichen Raums und das „Dorf“ als bewussten Wohnstandort.
Welche Rolle spielt die Mobilität für das Leben in der „Zwischenstadt“?
Die Arbeit identifiziert eine hohe Abhängigkeit vom Automobil, da eine Versorgung in den peripheren, suburbanen Strukturen ohne individuelle Mobilität kaum möglich ist.
- Citar trabajo
- Daniel Hamann (Autor), 2007, Zwischen Stadt und Land, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143034