Die vorliegende Arbeit soll die Bedeutung des Erdbebens von 1980 für den Wiederaufbau in der italienischen Region Irpinia, die sich, noch Jahrzehnte später, von dieser Katastrophe nicht erholen konnte, analysieren. Die unterschiedlichen Wiederaufbaustrategien, die im Hauptteil der Arbeit erörtert werden, deuten zunächst einmal auf die ernsthafte Auseinandersetzung mit den komplizierten geologischen und seismischen Gegebenheiten des Gebietes. Die Risikofaktoren wurden durch Untersuchungen des Baugrundes und die in einigen Fällen stattgefundene Verlegung von Siedlungen weitgehend minimiert. Gleichzeitig entstand jedoch ein Konflikt um die Bewahrung bzw. Vernachlässigung historischer Strukturen, der Anhand von Beispielen dem Leser näher gebracht werden soll. Die zukünftigen Entwicklungschancen der wirtschaftlich schwachen Region und die von der Politik erhoffte ökonomische Stärkung des Mezzogiorno mit Hilfe der Wiederaufbaugelder, sollen im letzten Teil dieser Arbeit bewertet werden.
Nicht zuletzt soll an dieser Stelle das Problem der Literaturrecherche angesprochen werden. Aufgrund der nicht vorhandenen Kenntnisse italienischer Sprache beschränkte sich meine Materialbeschaffung auf nur wenige englischsprachige Internet- und Bücherquellen. Aus diesem Grund musste ich vorwiegend auf die Diplomarbeit von Helga beim Graben zurückgreifen, die das betroffene Gebiet selbst bereist hat und ihre Schilderungen in ihre Arbeit integriert hat. Da die von mir benutzten Quellen relativ veraltet sind, hoffe ich nach der Exkursion im März diese Arbeit aktualisieren zu können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Geographische Abgrenzung und Charakterisierung von Irpinia
2.1 Geomorphologische Struktur
2.2 Seismische Aktivität
2.3 Historischer Hintergrund Süditaliens
2.4 Wirtschaftliche Entwicklung
2.5 Siedlungsstrukturen und lokale Gebäudetypen
3 Die Erdbebenkatastrophe vom 23.11.1980
3.1 Der Ablauf
3.2 Zerstörungsausmaß in den betroffenen Gebieten
3.3 Hilfsmaßnahmen
4 Wiederaufbaustrategien an vier ausgewählten Beispielgemeinden in Irpinia
4.1 Sant`Angelo dei Lombardi
4.2 Bisaccia
4.3 Conza della Campania
4.4 Calitri
5 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die langfristigen Auswirkungen und Wiederaufbaustrategien nach dem verheerenden Erdbeben von 1980 in der italienischen Region Irpinia, um zu bewerten, inwiefern der Einsatz öffentlicher Gelder zur ökonomischen Stärkung der strukturschwachen Region beitragen konnte.
- Analyse geomorphologischer und seismischer Rahmenbedingungen des betroffenen Gebietes.
- Untersuchung der sozioökonomischen Auswirkungen des Erdbebens und der staatlichen Hilfsmaßnahmen.
- Vergleichende Darstellung unterschiedlicher Wiederaufbaustrategien an ausgewählten Beispielgemeinden.
- Bewertung der Effizienz und der langfristigen ökonomischen Nachhaltigkeit der Wiederaufbaumaßnahmen.
- Diskussion über den Einfluss von Interessenkonflikten und organisatorischen Schwächen bei der Mittelvergabe.
Auszug aus dem Buch
4.1 Sant`Angelo dei Lombardi
Der älteste Siedlungsbereich von Sant`Angelo dei Lombardi geht auf das 12. Jh. zurück. Der elliptische Ortskern mit einem Kirchplatz und zwei Hauptstraßen, von denen sich mehrere Nebenstraßen abzweigen, gehört dem Querrippensiedlungstyp an. Dieser Ort galt auch schon zu früheren Zeiten als erdbebengefährdet und wurde in seiner geschichtlichen Vergangenheit bei den Beben von 1550, 1680, 1694 und 1738 mehrmals (teilweise) zerstört.
Im 18. Jh. machte sich der wirtschaftliche Aufschwung in Form verstärkter Bauaktivität bemerkbar. Der Handel mit agrarwirtschaftlichen Erzeugnissen geriet aber nach der Landreform 1950 in eine tiefe Krise. Die steigenden Auswanderungsquoten zwangen die Gemeindeverwaltung zu einer Umstrukturierung Sant`Angelo`s zu einem Verwaltungs- und Dienstlistungszentrum, was daraufhin zur Attraktivität der Gemeinde beitrug. (vgl. Beim Graben: 50) Die Entwicklung der Bebauung von Sant`Angelo ist in dem Entwurf von Piano di Recupero dargestellt. Häufig vertretene Gebäudetypen waren das Hof-, Block- und Scharrenhaus (vgl. Beim Graben: 49). Die Verteilung dieser Formen ist am Siedlungsgrundriss zu erkennen. So wohnte der Adel der Gemeinde entlang der Mauer bis ins Zentrum hinein, die ärmeren Schichten lebten meist im Kern der Siedlung in den Scharrenhäusern.
Beim Erdbeben von 1980 stellte das Bebauungsalter kein Kriterium für den Zerstörungsgrad auf. Im Gegenteil, die Häuser aus der ältesten Bauepoche stürzten nur partiell ein, dagegen wurden 1/3 der rezenten Bebauung (teilweise aus Stahlbeton) völlig zerstört. Dieses Phänomen ist ein Indiz für die räumliche Nähe zum Epizentrum, aber auch für die mangelhafte seismische Sicherung der Gebäude.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Darstellung der Problemstellung bezüglich der Katastrophenfolgen und der Herausforderungen bei der Literaturrecherche.
2 Geographische Abgrenzung und Charakterisierung von Irpinia: Analyse der naturräumlichen, seismischen und historisch-ökonomischen Gegebenheiten der Region.
3 Die Erdbebenkatastrophe vom 23.11.1980: Beschreibung des Ablaufs der Naturkatastrophe, der Zerstörungsausmaße und der initialen Hilfsmaßnahmen.
4 Wiederaufbaustrategien an vier ausgewählten Beispielgemeinden in Irpinia: Detaillierte Fallstudien zu den Wiederaufbaumaßnahmen in Sant`Angelo dei Lombardi, Bisaccia, Conza della Campania und Calitri.
5 Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Bewertung der Wiederaufbaustrategien hinsichtlich ihrer ökonomischen Ziele und der tatsächlichen Wirksamkeit.
Schlüsselwörter
Irpinia, Erdbeben 1980, Wiederaufbau, Mezzogiorno, Siedlungsstruktur, Geomorphologie, Seismik, Infrastruktur, Krisenbewältigung, Bodenreform, Wirtschaftsförderung, Italien, Katastrophenschutz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Auswirkungen des schweren Erdbebens von 1980 auf die italienische Region Irpinia und untersucht kritisch die darauf folgenden Wiederaufbaustrategien sowie deren ökonomische und soziale Folgen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die geographischen und seismischen Grundlagen der Region, der historische Kontext des Mezzogiorno, die konkrete Zerstörung durch das Erdbeben sowie die verschiedenen planungsrechtlichen und baulichen Ansätze beim Wiederaufbau.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Hauptziel besteht darin zu bewerten, ob die immensen staatlichen Wiederaufbaugelder ihr Ziel, die wirtschaftliche Stärkung der Region zu fördern, erreicht haben oder ob durch Fehlplanungen und organisatorische Defizite Ressourcen verschwendet wurden.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine qualitative Analyse auf Basis von Literaturquellen, Diplomarbeiten und offiziellen Erdbebenberichten, um die Entwicklungen in vier spezifischen Beispielgemeinden vergleichend darzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme der Ausgangslage (geographisch, historisch, wirtschaftlich), die Darstellung der Katastrophe selbst sowie eine vertiefte Analyse der unterschiedlichen Wiederaufbaustrategien anhand von Fallbeispielen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Irpinia, Erdbeben 1980, Wiederaufbau, Mezzogiorno, Krisenbewältigung und wirtschaftliche Regionalentwicklung.
Wie unterscheidet sich der Wiederaufbau in Bisaccia von Sant`Angelo dei Lombardi?
Während in Sant`Angelo dei Lombardi das Prinzip der Konservierung des historischen Erbes dominierte, entschied man sich in Bisaccia für den Bau einer neuen Siedlung (Bisaccia Nuova) räumlich getrennt vom alten Ortskern, was zu einer funktionalen Spaltung der Gemeinde führte.
Welche Rolle spielte die organisatorische Planung bei den Misserfolgen des Wiederaufbaus?
Der Autor führt negative Entwicklungen auf organisatorische Schwächen der Verwaltung, eine unkontrollierte Mittelverteilung, fehlende Eigeninitiative der Bevölkerung sowie die Missachtung lokaler historischer Wurzeln bei den neuen Stadtplanungskonzepten zurück.
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- Paulina Holbreich (Author), 2006, Die Bedeutung des Erdbebens von 1980 für den Wiederaufbau in Irpinia, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143050