Der Ostrakismos war ein frühes Verfahren der Demokratie, welches hauptsächlich in Athen Verwendung fand. Es diente dazu, zu mächtig werdende Bürger aus der Stadt zu verbannen. Doch wie hat sich dieses ursprüngliche Motiv über die Jahre entwickelt und wer hat den Ostrakismos eingeführt? Diese Forschungsfragen sollen in der folgenden Hausarbeit beantwortet werden.
Um in das Thema einzusteigen, wird einführend die Quellenlage und der Forschungsstand betrachtet. Hier werden zwei Quellen, welche vom Ostrakismos berichten, betrachtet und deren Glaubwürdigkeit eingeschätzt. Im nächsten Schritt wird das Geschehen zeitlich eingeordnet. Insbesondere wird sich hier mit der Frage der Einführung des Ostrakismos und deren Urheber beschäftigt. Hinzu kommt, dass die Forschungsdebatte derzeit immer noch aktuell ist und viel diskutiert wird. Danach werden das Verfahren des Ostrakismos detailliert erläutert und es wird auch auf die Archäologischen ‚Ostraka‘ eingegangen. In Punkt III.4. werden die unterschiedlichen Motive für den Ostrakismos erläutert. Hier kann man die Entwicklung des Gesetzes erkennen. Im letzten Punkt wird auf den Ostrakismos des Themistokles als Beispiel des Prozesses und der Voraussetzungen eingegangen. Das Fazit fasst die wichtigsten Punkte abschießend zusammen und beantwortet die Forschungsfrage.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Quellenlage und Forschungsstand
III. Ostrakismos
III.1. Die Frage der zeitlichen Einordnung
III.2. Verfahren
III.3. Ostraka
III.4. Motive für den Ostrakismos
IV. Der Ostrakismos des Themistokles
V. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das historische Phänomen des Ostrakismos im antiken Athen. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, durch wen das Verfahren eingeführt wurde, welche ursprünglichen Motive diesem zugrunde lagen und wie sich der Zweck des Scherbengerichts im Laufe der Zeit wandelte.
- Historische Einordnung und Ursprungsdebatte des Ostrakismos
- Ablauf und rechtliche Rahmenbedingungen des Verfahrens
- Bedeutung und Analyse der archäologischen Funde (Ostraka)
- Fallbeispiel: Die politische Verbannung des Themistokles
Auszug aus dem Buch
III.2. Verfahren
Damit ein Ostrakismos stattfinden konnte, wurde in der sechsten Prytanie von den Ratsmitgliedern der Volksversammlung darüber abgestimmt (Arist. AP 43). Nur wenn die Mehrheit sich für einen Ostrakismos entschieden, fand in der achten Prytanie die Abstimmung, auch Ostrakohoría genannt, statt. Dieser Prozess fand vermutlich einmal im Jahr statt, da es keine Belege für zwei Ostrakismen in einem Jahr gibt. Alle Athener, welche das Bürgerrecht besitzen, hatten das Recht an der Ostrakohoría teilzunehmen. Auch Schreibunkundige konnten an den Wahlen, durch das Kaufen von vorgefertigten Ostraka oder das Erbitten von Hilfe, teilnehmen.
Hierzu wird im Punkt III.4 eine Anekdote von Plutarch besprochen. Am Tag des Ostrakismos wurde der Marktplatz (agora) durch Zäune abgesperrt (Plut. Arst. 7). Durch diese Maßnahme wurde sichergestellt, dass es keine Mehrfachen Abstimmung gebe und nicht zugelassene Bürger das Wahlergebnis verfälschen. Durch die zehn Eingänge, welche die zehn Phylen repräsentierten, konnten Bürger auf den Marktplatz gelangen. Die zur Abstimmung benötigte Scherbe bzw. Ostraka trug der Bürger bereits beschriftet bei sich. Damit die Wahlen geheim blieben wurden die Ostraka mit der Schrift nach unten abgelegt. Um sicherzugehen, dass alles nach dem Rechten lief, wurde der Vorgang der Wahl von den Ratsmitgliedern sowohl den Archonten bewacht.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung führt in das Themenfeld des Scherbengerichts ein und definiert die zentralen Forschungsfragen hinsichtlich der historischen Einführung und Entwicklung des Verfahrens.
II. Quellenlage und Forschungsstand: Dieser Abschnitt gibt einen Überblick über die schriftlichen Überlieferungen sowie die archäologische Quellenbasis und skizziert die wissenschaftliche Debatte.
III. Ostrakismos: Dieses Hauptkapitel erläutert die zeitliche Einordnung, den formalen Ablauf, die materiellen Scherbenfunde sowie die Beweggründe hinter der Ausübung des Ostrakismos.
IV. Der Ostrakismos des Themistokles: Das Kapitel analysiert anhand einer konkreten historischen Persönlichkeit, wie das Scherbengericht als politisches Instrument zur Entfernung von Konkurrenten eingesetzt wurde.
V. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zur Urheberschaft und den ursprünglichen Zweck des Ostrakismos zusammen und reflektiert über die anhaltende wissenschaftliche Diskussion.
Schlüsselwörter
Ostrakismos, Scherbengericht, Athen, Kleisthenes, Ostraka, Demokratie, Volksversammlung, Verbannung, Themistokles, Antike, Politische Macht, Tyrannis, Abstimmungsverfahren, Archäologie, Antike Geschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den Ostrakismos, ein frühes politisches und demokratisches Verfahren der vorsokratischen Zeit in Athen, bei dem missliebige Bürger aus der Stadt verbannt werden konnten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Genese des Scherbengerichts, der methodischen Durchführung, der Bedeutung archäologischer Funde und der instrumentellen Nutzung im Zuge politischer Machtkämpfe.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Forschungsdebatte über die Einführung des Gesetzes durch Kleisthenes nachzuvollziehen und zu klären, welche Motive hinter der Etablierung des Ostrakismos steckten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine quellenkritische Analyse antiker Autoren wie Aristoteles und Plutarch in Kombination mit der Auswertung moderner archäologischer Fundberichte zu Ostraka.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden der Ablauf von der Prytanie bis zur Zählung der Scherben sowie die verschiedenen Erklärungsmodelle zur Urheberschaft und die Entwicklung von einem Tyrannen-Schutzmechanismus zum Parteieninstrument dargelegt.
Wie lässt sich die Arbeit wissenschaftlich einordnen?
Die Arbeit ist im Bereich der Alten Geschichte angesiedelt und reflektiert die politische Kultur des antiken Athens im Kontext der athenischen Demokratie.
Welche Rolle spielten Ostraka über ihre Funktion als Stimmzettel hinaus?
Ostraka dienen als wichtige archäologische Zeugnisse, die Aufschluss über die politische Propaganda, die Alphabetisierungsrate und die praktische Durchführung der Abstimmungsprozesse geben.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich Themistokles?
Der Fall des Themistokles dient als Beispiel dafür, wie der Ostrakismos gegen Ende seiner Existenz gezielt genutzt wurde, um politische Konkurrenten zu destabilisieren, bevor Themistokles schlussendlich wegen Hochverrats verurteilt wurde.
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- Lea Wittowski (Autor), 2022, Der Ostrakismos des Themistokles, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1430729