In der vorliegenden Bachelorarbeit wird die Zerstörung der mykenischen Palastzentren um 1200 v. Chr. am Beispiel der beiden Paläste von Mykene und Pylos thematisiert werden, da diese beiden mykenischen Palaststaaten bei der langjährigen Erforschung der mykenischen Kultur eine bedeutende Rolle gespielt haben. In diesem Zusammenhang soll am Ende dieser Bachelorarbeit die Frage beantwortet werden, ob die archäologischen Zerstörungshorizonte und die Linear- B Texte der Paläste von Mykene und Pylos überhaupt Hinweise auf die Gründe für den Untergang dieser beiden Palaststaaten und den Zusammenbruch der mykenischen Palastkultur um 1200 v. Chr. enthalten.
Die relativ plötzliche Zerstörung der mykenischen Palastzentren auf dem griechischen Festland um 1200 v. Chr. und der damit einhergehende kollektive Zusammenbruch der mykenischen Palastkultur stellt eines der interessantesten und rätselhaftesten Forschungsprobleme der ägäischen Spätbronzezeit dar, weil die Ursachen für diese Katastrophe trotz verschiedener Erklärungsansätze bislang noch nicht gefunden werden konnten. So wurde in der Forschung im Verlauf den letzten Jahrzehnte eine intensive Diskussion über die möglichen Gründe für den Untergang der mykenischen Palastkultur um 1200 v. Chr. geführt, wobei in der äußerst kontroversen Debatte unter anderem feindliche Angriffe von außen, Erdbebenkatastrophen, militärische Konflikte zwischen der einfachen Bevölkerung und der Palastaristokratie sowie starke und langanhaltende Klimaveränderungen als potenzielle Ursachen debattiert wurden. Die wissenschaftliche Erforschung der verschiedenen mykenischen Paläste anhand der archäologischen Zerstörungshorizonte wird dadurch erschwert, dass uns die dort entdeckten und mit der frühen griechischen Silbenschrift Linear-B beschrifteten Tontafeln größtenteils nur über die bürokratischen Zustände in diesen palatialen Zentren informieren, wobei es in diesen Texten allerdings kaum Hinweise auf die Gründe für diese verheerende Zerstörung der mykenischen Palaststaaten gibt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Forschungsgeschichte
3. Die mykenischen Palastzentren
3.1 Definition, Verbreitungsgebiet und charakteristische Merkmale
3.2 Hierarchie und Ämter in den mykenischen Palaststaaten
3.3 Das mykenische Palastwirtschaftssystem
4. Entwicklungsgeschichte der mykenischen Paläste
4.1 Herausbildung, Entwicklung und Blütezeit der mykenischen Palastkultur
4.2 Der Untergang der mykenischen Paläste um 1200 v. Chr.
5. Untersuchung der Zerstörungshorizonte und der Linear B-Texte der Paläste von Mykene und Pylos
5.1 Der Palast von Mykene
5.1.1 Geographische Lage und architektonischer Aufbau
5.1.2 Der archäologische Zerstörungshorizont des Palastes
5.1.3 Die Linear B-Texte von Mykene
5.2 Der Palast von Pylos
5.2.1 Geographische Lage und architektonischer Aufbau
5.2.2 Der archäologische Zerstörungshorizont des Palastareals
5.2.3 Die Linear B-Texte aus Pylos
6. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht die Ursachen für den Zusammenbruch der mykenischen Kultur um 1200 v. Chr. anhand der Zerstörungshorizonte und Linear B-Texte der beiden Palastzentren Mykene und Pylos, um zu klären, welche Hinweise die archäologischen Befunde auf die konkreten Gründe dieses massiven gesellschaftlichen Wandels liefern.
- Architektonische Analyse der Palastzentren Mykene und Pylos
- Untersuchung der wirtschaftlichen Grundlagen und Verwaltungsstrukturen
- Vergleich der archäologischen Zerstörungshorizonte des 13. und 12. Jahrhunderts
- Interpretation der Linear B-Texte im Kontext von Krisen- und Bedrohungslagen
- Diskussion multikausaler Untergangsthesen (Naturkatastrophen, soziale Unruhen, Klimawandel, Seeleute)
Auszug aus dem Buch
3.3 Das mykenische Palastwirtschaftssystem
Die wirtschaftliche Basis und Nahrungsgrundlage der mykenischen Palaststaaten stellte der Ackerbau dar, wobei neben verschiedenen Getreidesorten, wie z.B. Gerste, Weizen oder Hirse auch diverse Hülsenfrüchte wie Linsen, Erbsen, Kichererbsen, Platterbsen Linsenwicken, Saatwicken und Lupinen angebaut wurden, die dann zu Suppen und Pürees weiterverarbeitet wurden. Zudem war für die mykenische Landwirtschaft insbesondere der Anbau von Olivenbäumen von großer Bedeutung, da Oliven bzw. Olivenöl nicht nur als Lebensmittel, sondern auch bei der Verarbeitung von Tierhäuten, der Behandlung von Textilien, als Brennstoff für Öllampen und zur Körperpflege verwendet wurden. Die Anpflanzung von Olivenbäumen brachte zudem den Vorteil mit sich, dass der Olivenbaum mit seiner immergrünen Krone die Bewirtschaftung des nahezu gesamten Untergrundes erlaubte, weshalb in antiken Olivenhainen üblicherweise größere Mengen an Getreide angebaut wurden. Ein weiteres wichtiges Grundnahrungsmittel der Mykener war die Feige, die im gesamten Mittelmeerraum in großen Mengen verzehrt wurde, was neben ihrem hohen Nährwert auch an der guten Lagerungsfähigkeit in getrocknetem Zustand lag.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problemstellung des Zusammenbruchs der mykenischen Palastkultur ein und erläutert die methodische Vorgehensweise anhand der Vergleichspaläste von Mykene und Pylos.
2. Forschungsgeschichte: Dieses Kapitel skizziert die archäologische Erforschung der mykenischen Paläste durch Pioniere wie Heinrich Schliemann und Carl Blegen sowie die Entschlüsselung der Linear B-Schrift.
3. Die mykenischen Palastzentren: Hier werden die Definition, das Verbreitungsgebiet sowie die soziale Hierarchie und das komplexe Palastwirtschaftssystem der mykenischen Staaten erläutert.
4. Entwicklungsgeschichte der mykenischen Paläste: Dieses Kapitel behandelt die Herausbildung der Palastkultur, den Einfluss kretischer Strukturen sowie die einsetzenden Krisenphänomene im 13. Jahrhundert v. Chr.
5. Untersuchung der Zerstörungshorizonte und der Linear B-Texte der Paläste von Mykene und Pylos: Das Kernkapitel analysiert detailliert die baulichen Strukturen, Zerstörungsebenen und epigraphischen Zeugnisse beider Standorte im Hinblick auf die Untergangsursachen.
6. Zusammenfassung und Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung der archäologischen und epigraphischen Belege zur Krisensituation und zum plötzlichen Ende der mykenischen Palastzentren.
Schlüsselwörter
Mykenische Kultur, Palastzentren, Mykene, Pylos, Zerstörungshorizont, Linear B-Texte, Bronzezeit, Palastwirtschaft, Wanax, Seeleute, Klimawandel, Archäologie, Krisensituation, Palastverwaltung, Redistribution.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Zerstörung des mykenischen Palastsystems um 1200 v. Chr. anhand der archäologischen und schriftlichen Befunde der Standorte Mykene und Pylos.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die Architektur der Paläste, die soziale Hierarchie der dortigen Ämter, das Wirtschaftssystem der Produktion und Redistribution sowie die verschiedenen Hypothesen zum Untergang der mykenischen Welt.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu klären, ob archäologische Zerstörungshorizonte und Linear B-Texte konkrete, valide Hinweise auf die Ursachen des Zusammenbruchs der mykenischen Palastkultur geben können.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer archäologischen und historischen Untersuchung; sie vergleicht Zerstörungsschichten, bauliche Veränderungen und epigraphische Quellen (Linear B) nach einheitlichen Kriterien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert geographische Lage, architektonischen Aufbau, Zerstörungshorizonte und das Archivmaterial von Mykene und Pylos, um daraus ein Bild der Krisensituation des 13. und 12. Jahrhunderts zu zeichnen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie mykenische Kultur, Palastwirtschaft, Zerstörungshorizont, Linear-B und Krisenmanagement charakterisiert.
Welche Rolle spielte der Palast von Pylos im Vergleich zu Mykene?
Pylos dient als unbefestigtes Palastbeispiel in Messenien, das durch sein Archivmaterial und den Bronzemangel kurz vor dem Untergang Einblicke in ökonomische Engpässe und die Auswirkungen der Krise bietet.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich der Ursachen des Untergangs?
Der Autor favorisiert einen multikausalen Erklärungsansatz, bei dem externe Faktoren wie Rohstoffmangel und feindliche Bedrohungen mit internen Spannungen und Erdbeben kombiniert werden.
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- Tristan Heuer (Author), 2023, Die Zerstörung der mykenischen Palastzentren um 1200 v. Chr. Die beiden Paläste von Mykene und Pylos, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1430909