Die Hausarbeit analysiert, warum die Verhandlungen auf der 25. COP in Madrid im Art. 6.4 des Pariser Klimaschutzvertrages vorgesehenen Mechanismus zum Handel von Emissionsminderungszertifikaten nicht erfolgreich waren.
"Tiempo De Actuar" – Zeit zu handeln, so lautete das offizielle Motto der 25. UN-Klimakonferenz in Madrid (COP25). Tatsächlich aber konnten sich die 179 Teilnehmerstaaten in vielen wichtigen Punkten nur auf einen Minimalkonsens oder eine Vertagung auf die nächste Klimakonferenz einigen. Viele Beobachter kritisierten daher die Verhandlungsergebnisse und monierten, dass bei dem zentralen Aspekt, der detaillierten Ausgestaltung des Pariser Klimaschutzvertrages, erneut keine nennenswerten Fortschritte erzielt worden seien.
So war es eines der zentralen Ziele, die genaue Ausgestaltung des in Art. 6.4 des Pariser Klimaschutzvertrages vorgesehenen Mechanismus zum Handel von Emissionsminderungszertifikaten festzulegen. Hier konnten sich die Teilnehmer am Ende der Konferenz aber nur darauf einigen, die Verhandlungen auf der nächsten UN-Klimakonferenz fortzuführen. Der Verhandlungsverlauf und die Frage, warum sich die Teilnehmer nicht auf eine Ausgestaltung einigen konnten, wird in dieser Arbeit untersucht, wobei der Fokus auf den nationalstaatlichen Verhandlungsdelegationen und weniger auf den weiteren Akteuren, die ebenfalls auf den UN-Klimakonferenzen vertreten sind, liegt. Eine Untersuchung dieser Frage ist von besonderer Relevanz, da es sich bei dem Art. 6.4 um einen zentralen Aspekt des Pariser Klimaschutzabkommens handelt, dessen genaue Ausgestaltung bis heute nicht abschließend festgelegt werden konnte.
Zur Beantwortung der Forschungsfrage, wird die von Mayntz und Scharpf entwickelte Forschungsheuristik des Akteurzentrierten Institutionalismus herangezogen. Dazu werden im ersten Teil die zentralen Untersuchungselemente, der institutionelle Kontext, die Akteur*innen und die Akteurskonstellation beschrieben, sowie auf die Analyse von Verhandlungen eingegangen. Anschließend werden diese Elemente bei der COP25 untersucht und der Verhandlungsverlauf sowie die Ergebnisse nachgezeichnet. Der Fokus liegt dabei auf der Akteurskonstellation und den eigentlichen Verhandlungen über den Art 6.4 sowie der Rolle der brasilianischen Delegation. Abschließend werden Lösungsvorschläge für den Konflikt aufgezeigt und es erfolgt ein Fazit sowie ein Ausblick auf die weiteren Entwicklungen.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Enttäuschung von Madrid
2. Der Weg zur COP25
3. Der Akteurzentrierte Institutionalismus
3.1. Der institutionelle Kontext
3.2. Die Akteur*innen
3.3. Die Akteurskonstellationen
3.4. Die Analyse von Verhandlungen
4. Analyse der COP25
4.1. Institutioneller Kontext der internationalen Klimaverhandlungen
4.2. Zentrale Akteur*innen auf der COP25
4.3. Die Akteurskonstellation auf der COP25
4.4. Die Verhandlungen über Art. 6.4
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, warum die Teilnehmerstaaten der 25. UN-Klimakonferenz (COP25) keine Einigung bei der Ausgestaltung des in Art. 6.4 des Pariser Klimaschutzvertrages vorgesehenen Mechanismus erzielen konnten. Dabei liegt der Fokus primär auf den nationalstaatlichen Verhandlungsdelegationen und ihrer Akteurskonstellation.
- Anwendung der Forschungsheuristik des Akteurzentrierten Institutionalismus (AZI).
- Analyse der nationalen Delegationen als korporative Akteur*innen.
- Untersuchung von Verhandlungsdynamiken und Konfliktlinien bei der COP25.
- Anwendung spieltheoretischer Modelle wie des Gefangenendilemmas auf Klimaverhandlungen.
- Evaluation des Einflusses der brasilianischen Delegation auf den Diskussionsverlauf.
Auszug aus dem Buch
3.2. Die Akteur*innen
Nach dem institutionellen Kontext werden nun die darin handelnden Akteur*innen untersucht, wobei sich der AZI nicht auf die rein politischen beschränkt, sondern alle gesellschaftlich relevanten Akteur*innen miteinbezieht (vgl. Mayntz/Scharpf 1995: 44). Der Fokus liegt dabei vor allem auf den komplexen Akteur*innen. Also Personengruppen, die als einheitlich handelnde Akteur*innen betrachtet werden können und deren Fähigkeiten zum kollektiven Handeln primär von deren institutionellen Aufbau und den Zielvorstellungen ihrer Mitglieder abhängen (vgl. Treib 2015: 280). Diese handeln intentional und erwarten durch ihr koordiniertes Handeln entweder ein gemeinsames Ziel oder Produkt zu verwirklichen (vgl. Scharpf 2000: 101). Im AZI werden die individuellen Vorgänge auf der Mikroebene zur Komplexitätsreduktion allerdings so lange vernachlässigt, wie die institutionellen Faktoren und der situative Kontext zur Erklärung ausreichend sind (vgl. Mayntz/Scharpf 1995: 50).
Zum besseren Verständnis werden die komplexe Akteur*innen allerdings in kollektive und korporative Akteur*innen unterschieden. Während die kollektiven von den Präferenzen ihrer Mitglieder abhängig sind, verfügen korporative Akteur*innen über ein höheres Maß an Unabhängigkeit, da ihre Tätigkeiten von zur Neutralität verpflichteten Angestellten ausgeführt werden. Kollektive Akteur*innen können in der Form von Koalitionen, soziale Bewegungen, Clubs oder Verbänden auftreten. In der Praxis sind aber oft Mischformen, auch zwischen kollektiven und korporativen Akteur*innen, zu beobachten. Koalitionen sind dabei dauerhafte Arrangements, deren Mitglieder eigene Handlungsressourcen einsetzen, um getrennte, aber kompatible Ziele verfolgen. Für eine erfolgreiche Koalition ist die Einigung auf gemeinsame Strategie zentral, da die Mitglieder nicht zur Teilnahme gezwungen werden können. Auch Soziale Bewegungen beruhen auf freiwilliger Kooperation, aufgrund ihrer breiten Mitgliedschaft ist ihnen eine Koordination durch Abstimmungen aber kaum möglich und es werden meist nur einfache Strategien verfolgt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Enttäuschung von Madrid: Der Einstieg beschreibt das Scheitern bei der COP25 in Madrid, eine Einigung zur Ausgestaltung des Art. 6.4 des Pariser Klimaschutzvertrages zu erzielen.
2. Der Weg zur COP25: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Entwicklung internationaler Klimaschutzabkommen vom Kyoto-Protokoll bis zum Pariser Klimaschutzvertrag und erläutert die Bedeutung von marktbezogenen Mechanismen.
3. Der Akteurzentrierte Institutionalismus: Hier wird der theoretische Rahmen des Akteurzentrierten Institutionalismus (AZI) als Forschungsheuristik eingeführt, um politische Entscheidungsprozesse, Akteurskonstellationen und Verhandlungsformen zu erklären.
4. Analyse der COP25: Auf Basis des AZI werden die Verhandlungen zur COP25 detailliert untersucht, wobei insbesondere der Kontext, die Rolle der nationalen Delegationen und die spezifischen Konfliktlinien um Art. 6.4 analysiert werden.
5. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und bewertet die Chancen für zukünftige internationale Klimaverhandlungen.
Schlüsselwörter
COP25, UN-Klimakonferenz, Pariser Klimaschutzvertrag, Akteurzentrierter Institutionalismus, Art. 6.4, Emissionsminderungszertifikate, Corresponding Adjustment, Klimaverhandlungen, Verhandlungsdelegationen, Gefangenendilemma, Akteurskonstellationen, Klimapolitik, Distributives Bargaining, CER, Korporative Akteur*innen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Verhandlungsergebnisse der COP25 in Madrid, speziell den ausbleibenden Konsens bei der Ausgestaltung der Emissionsmechanismen nach Art. 6.4 des Pariser Klimaschutzvertrages.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Forschung?
Zentrale Themen sind die internationale Klimapolitik, die Funktionsweise von UN-Klimakonferenzen und die spezifischen Verteilungs- und Regelungskonflikte beim Handel mit Emissionsminderungszertifikaten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Ursachen für das Scheitern der Einigung auf technischer und politischer Ebene mittels einer strukturierten Analyse der involvierten Akteure und Interessenkonstellationen zu erklären.
Welche wissenschaftliche Methode wird genutzt?
Es wird die Forschungsheuristik des Akteurzentrierten Institutionalismus (AZI) verwendet, um komplexe politische Entscheidungsprozesse und Verhandlungsdynamiken methodisch aufzuarbeiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des AZI sowie die anschließende empirische Anwendung auf die COP25, inklusive der Analyse institutioneller Rahmenbedingungen und Akteurskonstellationen.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Akteurzentrierter Institutionalismus, Corresponding Adjustment, Distributives Bargaining, Gefangenendilemma und Korporative Akteur*innen.
Welche Rolle spielt die brasilianische Delegation in der Analyse?
Die brasilianische Delegation wird als zentraler korporativer Akteur identifiziert, dessen spezifische nationale Interessen (u.a. die Einbringung alter CERs) maßgeblich zur Blockade der Verhandlungen beitrugen.
Was versteht man in der Arbeit unter einer Multiakteurkonstellation?
Dies ist eine methodische Zusammenfassung zahlreicher Delegationen in zwei konfliktierende Gruppen (z.B. Befürworter vs. Kritiker der doppelten Anrechnung), um die Komplexität der Verhandlungen überschaubar zu machen.
Wie werden die Verhandlungen zur COP25 typisiert?
Die Autor*innen klassifizieren die Verhandlungen als "distributives Bargaining", bei dem es vor allem um die Verteilung von Kosten und Nutzen eines an sich nicht infrage gestellten Projekts geht.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2021, Die Verhandlungen zum Artikel 6.4 des Pariser Klimaschutzvertrages auf der COP25. Gründe für das Scheitern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1430936