Vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Analyse zweier Alltagsgespräche aus dem Ostfränkischen Sprachraum. Die Untersuchung beider Gesprächsausschnitte erfolgt unter der Intention, die Variation von Sprachvarietäten hinsichtlich sozialer Symbolik, sprich der Kennzeichnung von sozialer Identität, festzustellen.
Gliederung
1 Einleitung
1.1 Quelle der Gespräche
1.2 Verwendete Begriffe
1.2.1 Code- Switch
1.2.2 Soziale Symbolik
1.2.3 Stilwechsel
1.2.4 Code- Shifting
2 Gesprächsanalyse
2.1 Gespräch Nr. 1: „Und davon soll man jetzt satt werden?“
2.1.1 Dialektale Besonderheiten der Sprecherin
2.1.2 Gesprächssituation und Gespräch
2.1.3 Analyse und Interpretation
2.1.4 Fazit
2.2 Gespräch Nr. 2: „Opa, hör auf zu heuln“
2.2.1 Dialektale Besonderheiten der Sprecherinnen
2.2.2 Gesprächssituation und Gespräch
2.2.3 Analyse und Interpretation
2.2.4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand von zwei Alltagsgesprächen im ostfränkischen Sprachraum, wie die Variation von Sprachvarietäten dazu dient, soziale Identität und Zugehörigkeit symbolisch auszudrücken. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wie Sprecher durch gezielten Code-Switching und Stilwechsel ihre eigene soziale Positionierung festlegen und andere Personen oder Gruppen bewerten.
- Analyse von Sprachvariationen in Alltagsgesprächen
- Untersuchung von Code-Switching und dessen sozialer Symbolik
- Verwendung von Prosodie und Lexik zur sozialen Distanzierung
- Darstellung von Identitätskonstruktionen im Arbeitskontext
- Vergleich von Dialekt- und Standardgebrauch zur Fremdbewertung
Auszug aus dem Buch
2.1.3 Analyse und Interpretation
Formal tritt im Gespräch Schwester Hildegard als alleinige aktive Sprecherin auf, womit das Gespräch zu einem Monolog wird. Insofern kommt es zu keinen Unterbrechungen, der Gesprächsinhalt wird in einem Zeitintervall, ohne längere Pausen, in ca. 30 Sekunden geäußert. Das Gespräch gliedert sich in zwei Sprecherhandlungen: zum einen die Eigenwiedergabe der eigenen, persönlichen Rede, zum anderen in die Fremdwiedergabe, die Zitierung der Rede des Herrn Grall. Bei der Eigen- und Fremdwiedergabe sind verstärkt Unterschiede in der Verwendung von Dialekt und Standardsprache, sprich in der Lexik, sowie in der Anwendung prosodischer Merkmale aufzuzeigen.
Das Gespräch beginnt ohne jegliche Erzähleinleitung direkt mit der Beschwerde Hildegards, der Patient Herr Grall würde sich bei jeder Gelegenheit per Glocke bei ihr melden. Zur Verdeutlichung des Dialektes die standarddeutsche Sprechweise darunter:
Un wechn JEDn GEDÖNS hadd=a wIE:da geklinglt (01)
[ n `ve:çn `je:dn ge:`dønts `hada `v :da: ge:`kl ŋlt] dialektaler Substandard
[ nt `ve:gən `je:dən ge:`dønts hat e:r `v :d ge:`kl ŋəlt] Standard
Bin ich halt wIEda nei (02)
[b n ç halt `v :da: na ] dialektaler Substandard
[b n ç halt `v :d ra n] Standard
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Zielsetzung der Analyse von Alltagsgesprächen im ostfränkischen Sprachraum ein und definiert zentrale Begriffe wie Code-Switching und soziale Symbolik.
1.1 Quelle der Gespräche: Dieser Abschnitt beschreibt den Entstehungskontext der Aufnahmen in einer neurologischen Rehaklinik und erläutert die Anonymisierung der Beteiligten.
1.2 Verwendete Begriffe: Hier werden die theoretischen Grundlagen wie Code-Switch, soziale Symbolik, Stilwechsel und Code-Shifting ausführlich dargelegt.
2 Gesprächsanalyse: Der Praxisteil widmet sich der detaillierten Untersuchung der aufgezeichneten Alltagsgespräche.
2.1 Gespräch Nr. 1: „Und davon soll man jetzt satt werden?“: Dieses Kapitel analysiert einen monologischen Beschwerdevorgang über einen Patienten, wobei der Fokus auf den dialektalen Besonderheiten und dem Code-Switching liegt.
2.2 Gespräch Nr. 2: „Opa, hör auf zu heuln“: Hier wird ein Dialog zwischen zwei Krankenschwestern über ihre Ehemänner analysiert, wobei besonders die soziale Abgrenzung durch Sprachvariation hervorgehoben wird.
Schlüsselwörter
Gesprächsanalyse, Sprachvariation, Soziale Symbolik, Code-Switching, Code-Shifting, Stilwechsel, Ostfränkisch, Identitätskonstruktion, Prosodie, Dialekt, Standardsprache, Fremdwiedergabe, Eigenwiedergabe, Soziale Distanzierung, Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen Analyse von zwei Alltagsgesprächen, die in einem professionellen Umfeld (einer Rehabilitationsklinik) aufgezeichnet wurden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Variation von Sprache innerhalb von Interaktionen, die soziale Identitätsbildung sowie die Verwendung von Dialekt und Standarddeutsch als Mittel der sozialen Distanzierung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es festzustellen, wie Sprecher durch den bewussten Wechsel zwischen Sprachvarietäten (Code-Switching) soziale Symbolik erzeugen und ihre Identität gegenüber Gesprächspartnern oder Dritten abgrenzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der Gesprächsanalyse, kombiniert mit einer Untersuchung prosodischer Merkmale, der Lexik sowie einem Vergleich von dialektalen Substandardformen und der Standardsprache.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zwei spezifische Gesprächsausschnitte detailliert transkribiert und analysiert, um die sprecherspezifischen Strategien der sozialen Abwertung oder Solidarisierung anhand von Sprachwechseln aufzuzeigen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Code-Switching, soziale Symbolik, Dialekt, Identität, Gesprächsanalyse und Distanzierungsfunktion charakterisiert.
Warum verwendet die Krankenschwester Hildegard im ersten Gespräch unterschiedliche Sprachcodes?
Hildegard wechselt den Code, um sich als einfache Dialektsprecherin von dem „vornehmen“ Patienten abzugrenzen und durch die Imitation seiner standardsprachlichen Ausdrucksweise in einem negativen Kontext ihre Kolleginnen zu solidarisieren.
Welche soziale Funktion hat die Imitation von Patienten im Gespräch?
Die Imitation dient als Mittel der Ironisierung und sozialen Distanzierung; die Sprecherinnen nutzen dabei oft eine höhere Stimmlage oder einen „kindlichen“ Tonfall, um das Verhalten der Patienten als wehleidig oder störend zu bewerten.
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- Katharina Marr (Author), 2008, Gesprächsanalyse - Sprachvariation mit sozialer Symbolik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143099