In dieser Arbeit wird ein regionaler Energieversorger betrachtet, der sich den Anforderungen des liberalisierten Strommarktes stellen muss.
Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht ein retailorientierter regionaler Energieversorger, der in der Bundesrepublik ein mittelgroßes Energieversorgungsunternehmen darstellt und exemplarisch für ein deutsches Stadtwerk angesehen werden kann. Die Energieversorger sehen sich sowohl auf der Absatzseite wie auch auf der Beschaffungsseite seit der Liberalisierung gewachsenen Herausforderungen gegenübergestellt. Der zunehmende Konkurrenzdruck zwischen den Versorgern und die Preissensibilität der Verbraucher führen zu einem steigenden Kostendruck bei der Beschaffung und einer sorgfältigeren Betrachtung des Retailmarktes.
Verschiedene Einflussfaktoren des Wechselverhaltens der Kunden werden in dieser Arbeit als Grundlage für eine volkswirtschaftliche Betrachtung genommen, um daraus eine Preis-Wechsel-Funktion herzuleiten. Aus dieser Funktion kann ein oberer Grenzpreis abgelesen werden. Dieser spiegelt den maximalen Stromendkundenpreis für Haushaltskunden wieder, den ein regionaler Energieversorger am Markt durchsetzen kann. Ausgehend von diesem Grenzpreis wird ein Benchmarkpreis für den Beschaffungspreis ermittelt, den der Energieversorger bei der Strombeschaffung unterschreiten muss, um auf dem Wettbewerbsmarkt wirtschaftlich agieren zu können.
Dazu werden verschieden Beschaffungsstrategien aufgezeigt, und deren Chancen und Risiken erläutert und verglichen. Diese Strategien beinhalten verschiedene Produkte, die sich durch zeitliche Bindung, Kosten und Risiken unterscheiden. Als Grundlage dieser Beschaffungsalternativen wird eine Betrachtung der Strompreisentwicklung in den kommenden Jahren vorgenommen.
Aus den Erkenntnissen des Retailmarktes und der Abwägung der Chancen und Risiken wird eine Handlungsempfehlung für das Referenzunternehmen abgegeben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Vorgehensweise
2 Auswirkungen des liberalisierten Strommarktes auf ein regionales Energieversorgungsunternehmen
2.1 Betrachtung des Absatzmarktes
2.2 Betrachtung des Beschaffungsmarktes
2.3 Notwendigkeit von Risikomanagement
2.3.1 Volatilität
2.3.2 Risiken von Energieversorgern im Endkundenmarkt
2.4 Notwendigkeit von Portfoliomanagement
3 Unternehmensbeschreibung
3.1 Definition retailorientierter regionaler Energieversorger
3.2 Unternehmenskennzahlen
3.3 Kundenstrukturen
3.4 Aufteilung der Absatz- und Beschaffungsportfolien
4 Berücksichtigung des Kundenwechselverhaltens auf der Absatzseite
4.1 Einflussfaktoren auf das Wechselverhalten der Kunden
4.2 Modellierung Wechselverhalten
4.2.1 Analyse der herrschenden Marktform
4.2.2 Preis-Wechsel-Funktion
4.2.2.1 Allgemeine Herleitung der geltenden Preis-Absatz-Funktion
4.2.2.2 Anwendung für den Energiemarkt
4.2.2.3 Überleitung zu der Preis-Wechsel-Funktion
4.3 Quantifizierung der Grenzpreise
4.4 Berechnung des maximalen Beschaffungspreises
5 Beschaffungsstrategien
5.1 Einführung
5.2 Handelstägliche Eindeckung
5.3 Monatliche Trancheneindeckung
5.4 Mittelfristige Strombeschaffungsprodukte
5.5 Langfristige Strombeschaffungsprodukte
6 Prognose der Strompreisentwicklung
6.1 Kurzfristige Entwicklung des Strompreises
6.2 Mittelfristige Entwicklung des Strompreises
6.3 Langfristige Entwicklung des Strompreises
7 Beschaffungsszenarien
7.1 Voraussetzung für die verschiedenen Beschaffungsszenarien
7.2 Szenario 1: Handelstägliche Eindeckung
7.3 Szenario 2: Monatliche Tranchenbeschaffung
7.4 Szenario 3: Mittelfristprodukt und Tranchenbeschaffung
7.5 Szenario 4: Kraftwerksscheibe und Tranchenbeschaffung
8 Detaillierte Analyse der Beschaffungsszenarien
8.1 Auswertung und Interpretation der ermittelten Werte
8.2 Risikobetrachtung der Beschaffungsstrategien
8.3 Ergebnis
8.4 Auswirkungen des Ergebnisses auf den Rohertrag des EVU
9 Konklusion und Ausblick
9.1 Schluss
9.2 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht die Wettbewerbschancen regionaler Energieversorgungsunternehmen (EVU) im liberalisierten Strommarkt, wobei der Fokus auf der Optimierung der Beschaffungsstrategie liegt. Ziel ist es, durch die Analyse des Kundenwechselverhaltens und der Entwicklung der Strompreise eine Eindeckungsstrategie zu identifizieren, die den Rohertrag maximiert, wettbewerbsfähige Preise für Haushaltskunden ermöglicht und gleichzeitig das wirtschaftliche Risiko begrenzt.
- Strukturanalyse regionaler Energieversorger im liberalisierten Wettbewerb
- Modellierung des Kundenwechselverhaltens mittels Preis-Wechsel-Funktionen
- Vergleichende Analyse verschiedener Beschaffungsszenarien (handelstäglich vs. Tranchen vs. langfristige Produkte)
- Prognose der Strompreisentwicklung zur Unterstützung der Eindeckungsentscheidung
- Bewertung von Risiko- und Portfoliomanagementstrategien
Auszug aus dem Buch
4.1 Einflussfaktoren auf das Wechselverhalten der Kunden
Wie erklärt sich das Wechselverhalten der Konsumenten auf dem Strommarkt? Und was sind die Hauptgründe des Wechsels für Tarifkunden? Mit diesen Fragen wird sich das folgende Kapitel befassen.
Etablierte Anbieter sehen sich heute vor der großen Herausforderung der Kundenbindung. Intensive Anstrengungen sind notwendig, um ein Abwandern der Kunden und dadurch bedingte Umsatz- und Gewinneinbußen in einem überschaubaren Rahmen zu halten. Zur Auswahl der richtigen Maßnahmen ist es unverzichtbar, dass der Energieversorger ein profundes Verständnis über das Wechselverhalten der Kunden erlangt.
Tarifkunden, welche die Absicht hegen den Stromanbieter zu wechseln, setzen diese Intention nicht immer in die Tat um. Studien belegen, dass 52,9% der Bevölkerung den Strompreis als zu hoch empfinden, 39,9% sicher oder mit großer Wahrscheinlichkeit wechseln wollen, den Stromanbieter wechseln letztendlich allerdings nur 8,1%. Dies ist ein Anstieg von 35,0% zu 2006 und lässt eine weiterhin steigende Tendenz vermuten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des liberalisierten Strommarktes ein und definiert die Zielsetzung, durch eine Optimierung der Beschaffungsstrategie unter Berücksichtigung des Kundenwechselverhaltens die Wettbewerbsfähigkeit regionaler EVU zu stärken.
2 Auswirkungen des liberalisierten Strommarktes auf ein regionales Energieversorgungsunternehmen: Das Kapitel beleuchtet die veränderten Bedingungen auf Absatz- und Beschaffungsmärkten und begründet die Notwendigkeit eines aktiven Risiko- und Portfoliomanagements für EVU.
3 Unternehmensbeschreibung: Hier werden das betrachtete mittelgroße Energieversorgungsunternehmen, seine Kennzahlen sowie die Struktur seiner unterschiedlichen Kundengruppen (Key Accounts, Geschäftskunden, Privat- und Gewerbekunden) detailliert vorgestellt.
4 Berücksichtigung des Kundenwechselverhaltens auf der Absatzseite: Im Fokus stehen die Einflussfaktoren auf das Wechselverhalten der Kunden sowie die Modellierung einer Preis-Wechsel-Funktion, um eine Preisobergrenze für die wettbewerbsfähige Beschaffung abzuleiten.
5 Beschaffungsstrategien: Das Kapitel stellt verschiedene Strategien zur Beschaffung vor, die von der handelstäglichen Eindeckung bis hin zu komplexen, langfristigen Strombeschaffungsprodukten reichen.
6 Prognose der Strompreisentwicklung: Es werden kurz-, mittel- und langfristige Faktoren analysiert, die die zukünftige Strompreisentwicklung beeinflussen, um eine fundierte Grundlage für Beschaffungsentscheidungen zu schaffen.
7 Beschaffungsszenarien: Hier werden die in Kapitel 5 erläuterten Strategien konkret auf das Beschaffungsjahr 2008 angewandt, um für jedes Szenario einen Durchschnittspreis sowie die Auswirkungen auf das Unternehmen zu ermitteln.
8 Detaillierte Analyse der Beschaffungsszenarien: Dieses Kapitel vergleicht die Ergebnisse der Szenarien hinsichtlich Beschaffungspreis und Risiko, um eine Empfehlung für die Optimierung des Rohertrags auszusprechen.
9 Konklusion und Ausblick: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Bedeutung einer kundenorientierten Beschaffungsstrategie, während der Ausblick den Bedarf an weiteren dynamischen Untersuchungen unterstreicht.
Schlüsselwörter
Strommarkt, Liberalisierung, Beschaffungsstrategie, Energieversorger, Risikomanagement, Portfoliomanagement, Kundenwechselverhalten, Preisobergrenze, Volatilität, Strompreisprognose, Preiselastizität, Beschaffungsszenarien, Handelstägliche Eindeckung, Mittelfristprodukt, Kraftwerksscheibe
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Optimierung der Strombeschaffungsstrategie eines regionalen Energieversorgungsunternehmens unter Berücksichtigung des Kundenwechselverhaltens im liberalisierten Strommarkt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den zentralen Themen gehören das Risikomanagement für Energieversorger, die Analyse von Kundenpräferenzen bei Stromtarifen, die Modellierung von Preissignalen sowie der Vergleich unterschiedlicher Beschaffungs- und Eindeckungsvarianten.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor mit dieser Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, ein Beschaffungsmodell zu finden, das dem Unternehmen erlaubt, wettbewerbsfähige Endkundenpreise anzubieten und gleichzeitig eine optimale Marge unter Berücksichtigung der marktbedingten Risiken zu erwirtschaften.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Der Autor nutzt zur Modellierung des Kundenverhaltens die doppelt geknickte Preis-Absatz-Funktion nach Gutenberg, berechnet Grenzpreise basierend auf Marktstudien und vergleicht verschiedene Beschaffungsszenarien anhand ihrer Kostenstruktur sowie ihrer Varianz und Volatilität.
Was wird im Hauptteil des Buches behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Preis-Wechsel-Funktion, die Vorstellung unterschiedlicher Beschaffungsstrategien wie Trancheneindeckungen oder Kraftwerksbeteiligungen sowie die anschließende quantitative Simulation dieser Szenarien für ein beispielhaftes Lieferjahr.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Liberalisierung, Strombeschaffung, Portfoliomanagement, Preis-Wechsel-Funktion, Volatilität und Risikoanalyse charakterisiert.
Warum spielt das Kundenwechselverhalten eine so entscheidende Rolle für die Beschaffungsstrategie?
Das Wechselverhalten bestimmt die Preisobergrenze, die das Unternehmen verlangen kann. Kennt das Unternehmen die Preissensibilität seiner Kunden, kann es seine Beschaffungskosten gezielter steuern, um sowohl die Abwanderungsrate gering zu halten als auch wirtschaftlich zu agieren.
Welches Beschaffungsszenario empfiehlt der Autor basierend auf seiner Analyse?
Unter Abwägung von Chancen und Risiken empfiehlt der Autor das Szenario 3, da es eine monatliche Trancheneindeckung inklusive eines Mittelfristprodukts beinhaltet und ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Preisvorteil und Risikobegrenzung bietet.
Welchen Einfluss haben Handelshäuser auf die Strategie von regionalen Energieversorgern?
Handelshäuser erhöhen durch ihr spekulatives Agieren die Marktvolatilität, was die Prognose erschwert. Regionale Versorger müssen daher ihr Know-how bündeln und professionelle Beschaffungsstrategien entwickeln, um sich gegen diesen Wettbewerbsdruck zu behaupten.
- Citation du texte
- Christoph Pohlmann (Auteur), 2008, Optimierung der Beschaffungsstrategie eines retailorientierten regionalen Stromanbieters, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143124