Ernst Däumig ist neben Richard Müller vor allem als Räte-Theoretiker bekannt. Die meisten Darstellungen über ihn konzentrieren sich auf diesen Teil seines Lebens. Auf den folgenden Seiten wird versucht, das Bild von Däumig zusätzlich zu seinen Räte-Überlegungen und -Aktivitäten – soweit dies quellenmäßig möglich ist – zu ergänzen und schärfen: Andere Phasen – vom Fremdenlegionär, Mitglied der revolutionären Obleute und als Sekretär im USPD-Vorstand (ab Sommer 1918), Mitglied des Berliner Vollzugsrates während der Novemberrevolution, Vorsitzender der USPD (1919/1920) und der VKPD (1920/1921), mit Levi u.a. in der Kommunistischen Arbeitsgemeinschaft (1921/22), wieder in der USPD (1922) - sind weniger bekannt, während er als Theoretiker der deutschen Rätebewegung seit den siebziger Jahren ausführlicher behandelt worden ist.
In der Dokumentation werden seine Reden und von ihm veröffentlichten Aufsätze zusammengetragen - insgesamt über 100 Texte.
Inhaltsverzeichnis
Teil I: Sein Leben
I.1. Jugend und Ausbildung
I.2. In der französischen Fremdenlegion und in Deutschland
I.3. Redakteur für verschiedene sozialdemokratische Blätter
Exkurs: Der „Vorwärts-Raub 1916“ – die Entlassung Däumigs.
I.4. 1914: Kriegsgegner der ersten Stunde
I.5. Mai 1918: Mitglied der revolutionären Obleute und als Sekretär in die USPD-Parteileitung berufen.
I.6. Novemberrevolution – Rätekongresse - Vollzugsrat 1918/19
I.7. Anschluss an die neu gegründeten KPD(S) Dezember 1918?
I.8. Parteitag der USPD März 1919
I.9. Der Rätetheoretiker und verantwortliche Redakteur des Arbeiter-Rates
I.10. Neben Crispien zum Vorsitzender der USPD gewählt – Dezember 1919
I.11. Zur Kommunistischen Internationale und zur KPD
I.12. Kritiker der Märzaktion der VKPD, Austritt aus der VKPD, Mitgründer der KAG
I.13. 1922: Rückkehr zur USPD; Däumig starb im Juli 1922
I.14. Würdigung
Teil II: Seine Reden – Seine Artikel
II.1. (1899/1900) Reiseerinnerung eines Fremdenlegionärs
II.2. 20.6.1900 Schlachtopfer und Militarismus
II.3. (15.8.1900) Eine deutsche Kolonialarmee
II.4. (14.11.1900) Die dreijährige Dienstzeit der berittenen Truppen
II.5. 1901/1902 Nemesis
II.6. 22.8.1911 Generalversammlung: Marokkokrise
II.7. 7.1.1912 Wahlrede zu den Reichstagswahlen
II.8. 4.8.1914(21) Vorwärtsbrief an den Parteivorstand zum 4. August 1914
II.9. 9.8.1912 Die neue Armee
II.10. 21.10.1912 Für Freiheit und Frieden Der Zug der Viertelmillionen
II.11. 28.8.1914 Kriegsberichterstattung
II.12. 2.10.1914 Krieg und Presse
II.13. 27.6.1916 Generalversammlung Groß-Berlin: Zum Vorwärts-Konflikt
II.14. 5.4.1917 Für Demokratie und Sozialismus
II.15. 15.11.1918 An die Partei. Aufruf des Parteivorstandes
II.16. 16.11.1918 Leitsätze über die Stellung der Arbeiter- und Soldatenräte
II.17. 19.11.1918 Vollversammlung der Groß-Berliner Arbeiter-Räte im Zirkus Busch
II.18. 23.11.1918/ 9.12.1918 Kompetenzverteilung zwischen Rat der Volksbeauftragen und Vollzugsrat der Berliner A.- u. S.-Räte
1. Reichsrätekongress
II.19a Ledebour zum Revolutionsbeginn in Berlin
II.19b Die Forderung der Truppe
II.19c Nationalversammlung oder Rätesystem: Korreferat Däumig
II.19d Abgelehnter Antrag Däumig zur Nationalversammlung
II.20. 29.12.1918 Generalversammlung Groß-Berlin
II.21. 2.01.1919 Reichskonferenz Spartakus
II.22. 3.1. 1919 Die Schicksalsstunde der Arbeiter- und Soldatenräte
II.23. 27.1.1919 Der 2. Reichskongress – seine Gegner, seine Aufgaben
II.24. 1.2.1919 Vollversammlung der Groß-Berliner Arbeiter und Soldatenräte
II.25. 9.02.1919 Kapitulieren oder kämpfen
II.26. 17.02.1919 Der Entscheidung entgegen
II.27. 24.02.1919 Blutige Etappen
II.28. 27.02.1919 Verstockt und verblendet!
Parteitag der USPD in Berlin
II.29a Korreferat: Die Aufgaben der Partei
II.29b Spezialdebatte zum Programm
II.29c Schlusswort Aufgaben der Partei
II.29d Wahl des Vorsitzenden
II.30. 8.3.1919 Rede auf der Vollversammlung Groß-Berliner A.- u. S.-Räte
II.31. 17.3.1919 Der 2. Rätekongress
II.32. 24.3. 1919 Kipper und Wipper
Verhaftung Däumigs
II.33a 31.3.1919 Ernst Däumig verhaftet
II.33b 31.3.1919 Die Verhaftung Däumigs
II.33c 1.4.1919 Des Justizministers letzter Streich: Die Befreiung des Genossen Däumig
II.34. 6.4.1919 Was will das werden
2. Rätekongress:
II.35a Der Aufbau Deutschlands Rätesystem: Schlusswort
II.35b Schlusswort
II.36. (21.4.1919) Stationen
II.37. (28.4.1919) Pharisäer
II.38. 5.5.1919 Kinderspielzeug oder Zukunftsbau
II.39. 4.6.1919 Zu neuen Ufern
II.40. 8.6.1919 Rote Pfingsten
II.41. 16.6.1919 Irrungen und Wirrungen I und II
II.42. 19.6.1919 Geiselmord
II.43. 29.6.1919 Friede
II.44. 6.7.1919 Totengräber des Rätesystems!
II.45. 20.07.1919 Vollversammlung der Arbeiterräte Berlins
II.46. 21.7. 1919 Ein Wendepunkt
II.47. 28.7.1919 Auf ans Werk!
II.48. 4.8.1919 Schwarz-Rot-Gold
II.49. 11.8.1919 Worauf es ankommt
II.50. 13.08.1919 Vollversammlung der kommunalen Arbeiterräte
II.51. 18.8.1919 Kesseltreiben
II-53. 1.9.1919 Ein verunglückter Brückenbau
II.54. 02.09.1919 Die Arbeiterräte und Betriebsfunktionäre der USPD
II.55. 04.09.1919 Vollversammlung der Groß-Berliner Arbeiterräte
II.56. 8.9.1919 Die geistigen Waffen des Rätefeinde
II.57. 08.09.1919 Die nächsten Aufgaben der Partei
II.58. 11.09.1919 Reichskonferenz der USPD
II.59. 30.09.1919 Gewerkschaft oder Betriebsorganisation
II.60. 08.10.1919 Die Groß-Berliner Arbeiterräte zur Gewerkschaftsfrage
II.61. 12.10.1919 Der Wechselbalg
II.62. 18.10.1919 Ein kläglicher Abgang
II.63. 24.10.1919 Partei und Rätesystem
II.64. 9.11.1919 Eine Station auf dem Passionswege der Revolution
II.65. 12.11.1919 Die Rechtsmoral des starken Mannes
II.66. 16.11.1919 Abstieg und Aufstieg
II.67. 18.11.1919 Rätegedanken und Gewerkschaftstaktik I, II
II.68. 25.11.1919 Ein soziales Weihnachtsgeschenk
II.69. 27.11.1919 Falsche Voraussetzungen 1, 2
Parteitag der USPD in Leipzig 1919
II.70a Programm und Taktik
II.70b Persönliche Bemerkung Däumig
II.70c Däumig zu Ledebours Antrag auf Verlängerung der Redezeit
II.70d Debatte zur Frage des Beitritts zur 3. Internationale
II.71. 17.12.1919 Der verankerte Kapitalschutz
II.72. 20.12.1919 Um Leipzig
II.73. 21.12.1919 Von Jena bis Gotha – Von Gotha bis Leipzig
II.74. 22.12.1919 Generalversammlung des Bezirks Groß-Berlin
II.75. 6.1.1920 Ein Anfang
II.76. 18.1.1920 Ernst Däumig verhaftet
II.77. 9.3.1920 Gebt die Schutzhaftgefangenen frei
II.78. 24.3.1920 Rede Däumigs: Delegiertenversammlung der revolutionäre. Betriebsräte Groß-Berlins
II.79. 28.3.1920 Generalversammlung Groß-Berlins am 26. März 1920
II.80. 3.4.1920 Generalstreik und sozialistische Regierung: Generalversammlung des Bezirksverbandes Berlin-Brandenburg
II.81. 3.5.1920 Generalversammlung des Bezirksverbandes-Brandenburg
II.82. 6.5.1920 Gewerkschaftliches Fälschungsmanöver
II.83. 9.5.1920 Wesen und Aufgabe der Betriebsräte
II.84. 10.5.1920 Massenkundgebung der Betriebsräte Groß-Berlins
II.85. 12.5.1920 Räteorganisation oder Gewerkschaftsfiliale
II.86. 25.5.1920 Allerlei Räte
2. Kongress der Kommunistischen Internationale 1920
II.87a Rede Däumigs
II.87b Bedingungen der Aufnahme in die KI
II.87c Exkurs: Leitsätze und Bedingungen zur Aufnahme in die kommunistische Internationale
II.88. 26.8.1920 Die USPD und die Dritte Internationale
Reichskonferenz der USPD
II.88a Bericht des Rückkehrers
II.89b Schlusswort
II.90. 5.-10.9.1920 Berlin und die 3. Internationale: Funktionär-Versammlung der USP
II.90a 5./6.9.1920 Korreferat Däumig Teil 1
II.90b 5./6.9.1920 Korreferat Däumig Teil 2
II.90c 10.9.1920 Schlusswort Däumig
II.91. (7.9.1920) Vor dem Rätekongress
II.92. 11.9.1920 [Crispien und] Däumig vor den Leipzig Parteigenossen
II.93. 13.9.1920 Die sächsischen Parteigenossen zum Moskauer Diktat
II.94. (21.9.1920) Deutsche Rätekongresse
II.95. Oktober 20 Gewerkschaftliche Zeit- und Streitfragen
Parteitag der USPD in Halle
II.96a Kommunistische Internationale und Aufnahmebedingung
II.96b[ Linke] Däumig nach der Spaltung als USPD[Linke]: Erklärung d. Parteivorstands
II.96c [Linke] Schlusswort
II.97. (1.10.1920) Ein Abschied und Geleitwort
II.98. 7.10.1920 Der Moskauer Kongress
II.99. 14.10.1920 Der Parteitag in Halle
II.100. 27.10.20 Trotz alledem!
II.101. 1.11.1920 Neue Wege!
II.102. 1.11.1920 Däumig zu Gast auf dem 5. Parteitag der KPD
II.103. 28.11.1920 Engels als Militärpolitiker
II.104. 30.10.1920 Im Reichstag zum: Haushaltplan 1920 (Däumigs ‚Jungfernrede‘)
Vereinigungsparteitag USPD(Linke) und KPD(S)
II.105a Parteitag der USPD(Linke): Vorkonferenz zum Vereinigungsparteitag
II.105b Däumig zum Aktionsprogramm (ohne Schlusswort)
II.106. 6.12.1920 Zusammenschluss
II.107. 7.12.1920 [E.D.] Der Auftakt der Gegenrevolution
II.108. 27.12.1920 Brief Däumig und Levi zur Zulassung der KAPD
II.109. 31.12.1920 Theoretisieren oder Handeln?
II.110. 28.1.1921 RT-Rede: Reichshaushaltsplan Reichswehrministerium
II.111. 11.3.1921 Reichstag Anfrage
II.112. 18.3.1921 Reichstag Anfrage
II.113. 18.3.1921- RT-Rede Haushaltplan 1921: Wehrgesetz
II.114. 28.3.1921 Brief an die Zentrale der VKPD
II.115. 5.5.1921 Erklärung auf dem Zentralausschuss
II.116. 1.10.1921 Erklärung (Nr. 1 des Mitteilungsblattes der KAG)
II.117. 2.12.1921 Erklärung zur Märzaktion
II.118. 24.3.1922 Erklärung Übertritt KAG zur USPD (Freiheit)
Zum Tode Ernst Däumigs
II.119a Reichstagspräsident am 13.6.1922
II.119b Ernst Däumig gestorben
II.119c Erklärung des Reichstagspräsidenten 5.7.1922
II.119d Ernst Däumigs letzter Weg
II.119e Zum Andenken an Ernst Däumig
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit rekonstruiert das Leben und Wirken von Ernst Däumig, einem der zentralen Räte-Theoretiker und Parteivorsitzenden der USPD und später der VKPD während und nach der Novemberrevolution. Ziel ist es, ein umfassendes biografisches Bild Däumigs zu zeichnen, das seine verschiedenen Phasen — vom Fremdenlegionär über den Redakteur revolutionärer Blätter bis hin zum führenden Räte-Theoretiker — beleuchtet und in den Kontext der komplexen politischen Debatten der frühen Weimarer Republik einbettet.
- Biografische Aufarbeitung des Lebensweges von Ernst Däumig
- Analyse seiner theoretischen Arbeit zur Rätebewegung und Räteorganisation
- Dokumentation seiner politischen Auseinandersetzungen in USPD, VKPD und der KAG
- Betrachtung der internen parteipolitischen Konflikte und der Spaltungsprozesse
- Zusammenstellung wichtiger Reden und Zeitungsartikel als historisches Quellenmaterial
Auszug aus dem Buch
I.1. Jugend und Ausbildung
Ernst Friedrich Däumig wurde am 25. November 1866 in Merseburg als Sohn eines Unteroffiziers (Küsters [?]) geboren. Die Schule muss ihm leichtgefallen sein. Über seine Jugendzeit sind Einzelheiten nicht bekannt; es finden sich auch in seinen veröffentlichten Broschüren keine weiteren Informationen.
Er wechselte nach der Bürgerschule auf das Gymnasium in Halle. Nach dem Gymnasium begann Däumig zunächst ein Theologiestudium in Halle, das er allerdings nicht abschloss. Was seine Gründe für ein Theologiestudium waren und warum er vor dem Examen die Universität verließ, ist ebenfalls nicht bekannt. Mit 21 Jahren „schmiss“ er sein Studium. Ob diese Entscheidung mit seiner fünfjährigen Verpflichtung in der Fremdenlegion zusammenhängt, konnte bisher nicht geklärt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
Teil I: Sein Leben: Diese biografische Skizze zeichnet Däumigs Lebensstationen nach, von seiner Jugend über den Militärdienst und seine Arbeit als Redakteur bis zu seiner zentralen Rolle in der Rätebewegung und seine Parteivorsitze.
Teil II: Seine Reden – Seine Artikel: Dieser Teil versammelt eine umfassende Dokumentation von Däumigs journalistischer Arbeit und seinen Reden, die seine theoretische Entwicklung und sein politisches Handeln verdeutlichen.
Zum Tode Ernst Däumigs: Dieser Abschnitt umfasst Dokumente rund um Däumigs plötzlichen Tod im Jahr 1922, nachrufe und Erklärungen zu seinem letzten Lebensabschnitt.
Schlüsselwörter
Ernst Däumig, USPD, Novemberrevolution, Rätebewegung, Arbeiterräte, Rätesystem, Kommunistische Partei, KPD, Spartakusbund, Sozialismus, Diktatur des Proletariats, Gewerkschaften, Sozialisierung, Arbeiterbildung, Klassenkampf.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Dokument grundsätzlich?
Das Dokument befasst sich mit dem Lebenslauf und dem politischen Wirken von Ernst Däumig, einem bedeutenden Akteur der deutschen Arbeiterbewegung während der Novemberrevolution und in der Weimarer Republik.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der USPD, die Entwicklung der Räteideologie in Deutschland, journalistische Tätigkeiten als Redakteur sowie militärpolitische Debatten.
Was ist das primäre Ziel der Veröffentlichung?
Das primäre Ziel ist es, das Bild von Ernst Däumig über seine bekannte Rolle als Räte-Theoretiker hinaus zu ergänzen und eine biografische Skizze sowie ein Quellenverzeichnis seiner Reden und Artikel bereitzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor stützt sich auf eine detaillierte Quellenanalyse, insbesondere auf Archivmaterial, Protokolle, zeitgenössische Presseberichte und die biografische Aufarbeitung durch ergänzende Dokumentationen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen biografischen Teil (Teil I) und einen umfangreichen dokumentarischen Teil (Teil II), der chronologisch Däumigs Reden und Artikel enthält.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Ernst Däumig, USPD, Rätesystem, Novemberrevolution, Sozialisierung, Klassenkampf.
Gab es ein Nachlass Däumigs, der ausgewertet werden konnte?
Nein, ein privater Nachlass von Ernst Däumig konnte bisher nicht gefunden werden, was die Recherche erschwerte. Der Autor stützte sich daher maßgeblich auf zeitgenössische Presse und zentrale Archive.
Welchen Einfluss hatte die Novemberrevolution auf Däumigs Arbeit?
Die Novemberrevolution rückte die Rätetheorie in den Mittelpunkt von Däumigs Schaffen und Arbeit. Er sah darin das ordnungsbildende Element für eine sozialistische Gesellschaft.
Wie stand Däumig zum parlamentarischen System?
Däumig war ein prinzipieller Gegner des bürgerlichen Parlamentarismus und sah in dem Rätewesen die einzig geeignete Organisationsform für die proletarische Revolution.
- Arbeit zitieren
- Dr. Hartfrid Krause (Autor:in), 2023, Ernst Däumig (1866-1922). Vom Fremdenlegionär zum KPD-Parteivorsitzenden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1431409