Das Ziel dieser Arbeit ist, das Leben und Wirken Emilie Mayers anhand von verschiedenen Quellen darzustellen und ihre gesellschaftliche Einbindung und ihren sozialen Status im historischen Kontext herauszuarbeiten.
Emilie Mayer hatte ein durchaus ungewöhnliches Leben, welches durch ihren Ehrgeiz, ihre Liebe zur Musik und ihren wohl ungewöhnlichen Charakter geprägt war. Doch wie gelang es Emilie Mayer den Beruf der Komponistin zu ergreifen und ihre
Musik in Konzerten zur Aufführung zu bringen?
Emilie Mayer ist eine eher unbekannte Komponistin des 19. Jahrhunderts. Doch unbekannt ist sie völlig zu Unrecht, denn Emilie Mayer hat großartige sinfonische Musik komponiert. Zudem schaffte sie es, viele ihrer Werke in öffentlichen Konzerten zu präsentieren. Trotzdem hatte sie als Komponistin einen schweren Stand. Ihre Faust-Ouvertüre, komponiert gegen Ende ihres Lebens, war eines Ihrer erfolgreichsten Kompositionen. Diese Arbeit beschäftigt sich mit den möglichen Gründen, warum gerade diese Komposition mehr Erfolg hatte als andere.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die bürgerliche Gesellschaft des 19. Jahrhunderts und eine Komponistin?
2.1 Der Geschlechtscharakter als grundlegend ordnendes Gesellschaftsprinzip
2.2 Das Genie – war immer männlich
3 Das Leben Emilie Mayers
3.1 Kindheit und Jugend – die ersten Weichen werden gestellt
3.2 Eine neue Lebenssituation
3.3 Wie wird man Komponistin?
3.4 Ein mit Musik erfülltes Leben
4 Das Oeuvre Emilie Mayers
5 Die Faust-Ouvertüre
5.1 Warum „Faust“-Ouvertüre?
5.1.1 Das Thema „Faust“
5.1.2 Faust und das Bildungsbürgertum
5.1.3 Faust und Gretchen
5.1.4 Faust und die Kunst
5.2 Das Thema „Faust“ in der Faust-Ouvertüre der Emilie Mayer
5.2.1 Eindeutige Hinweise
5.3 Eine Formanalyse der Ouvertüre und nachfolgende Interpretation
5.3.1 Ein Spectrogram erleichtert die Übersicht
5.3.2 Formteile und Themen
5.3.3 Verbindung der Musik mit der literarischen Vorlage Faust
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Leben und Wirken der Komponistin Emilie Mayer im Kontext der bürgerlichen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts und unternimmt einen Deutungsversuch ihrer erfolgreichsten Orchesterkomposition, der „Faust-Ouvertüre“.
- Biographische Analyse unter Berücksichtigung gesellschaftlicher Restriktionen für Frauen.
- Die Rolle der Komponistin im männlich dominierten Musikbetrieb und dem Genie-Diskurs des 19. Jahrhunderts.
- Strukturelle Formanalyse der Faust-Ouvertüre mittels spektrographischer Visualisierung.
- Untersuchung der narrativen und assoziativen Verbindungen zwischen musikalischer Struktur und Goethes literarischer Vorlage.
Auszug aus dem Buch
5.2.1 Eindeutige Hinweise
Es gibt nur zwei, wirklich eindeutige Verbindungspunkte zwischen der Faust-Ouvertüre und dem Faust Thema. Der erste Verbindungspunkt ist, ganz offensichtlich, das Sujet der Ouvertüre, welches auf dem Titelblatt veröffentlicht wurde. Wir müssen daher annehmen das die Musik sich in irgendeiner Art auf das Drama „Faust“ bezieht. Das könnten musikalische Beschreibungen der verschiedenen Charaktere des Dramas sein, oder auch die musikalische Abbildung der Handlungsstränge. Es könnte aber auch eine Mischung aus beidem sein. Eine zweite Verbindung erschließt sich uns beim Lesen der Partitur: Bei Takt 256 ist die einzige programmatische Vorgabe verzeichnet: „Sie ist gerettet“. Diese Stelle steht fast am Ende der Ouvertüre, die insgesamt 273 Takte hat. Diese Anmerkung, die auch in der gedruckten Fassung zu finden ist, bezieht sich natürlicherweise auf Gretchen und gibt uns einen Anhaltspunkt das die Handlung bei der Auflösung des Gretchendramas angelangt ist, wenn man einmal annimmt, dass die Musik als tonmalerische Handlungsbeschreibung aufgefasst werden soll.
Ansonsten gibt es keine Zitate, Anmerkungen oder Hinweise, nicht in der Partitur, und auch nicht in sonstigen Quellen, die das literarische Thema Faust direkt mit der musikalischen Darbietung Mayers Ouvertüre verweben.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung widmet sich der Wiederentdeckung Emilie Mayers und beschreibt das Ziel, ihr Leben und Werk im historischen Kontext darzustellen sowie die Faust-Ouvertüre zu deuten.
2 Die bürgerliche Gesellschaft des 19. Jahrhunderts und eine Komponistin?: Dieses Kapitel beleuchtet das gesellschaftliche Rollenverständnis für Frauen und den männlich geprägten Geniebegriff jener Zeit.
3 Das Leben Emilie Mayers: Ein Überblick über Mayers Biographie, von ihrer Kindheit in Friedland über ihre Ausbildung bis hin zu ihrer Karriere als etablierte Komponistin.
4 Das Oeuvre Emilie Mayers: Eine Darstellung ihres umfangreichen kompositorischen Schaffens trotz der Schwierigkeiten bei der Veröffentlichung und Bewahrung ihrer Werke.
5 Die Faust-Ouvertüre: Detaillierte Analyse der Faust-Ouvertüre unter Einbeziehung von Entstehungsgeschichte, Rezeption, thematischer Einbettung und musikalischer Formanalyse.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert die Vermutung, dass der Titel „Faust-Ouvertüre“ als strategische Maßnahme zur Aufwertung ihrer Komposition diente.
Schlüsselwörter
Emilie Mayer, Komponistin, 19. Jahrhundert, Faust-Ouvertüre, Musikwissenschaft, Frauenforschung, Geniekult, Musikgesellschaft, Formanalyse, Spectrogram, narrative Musik, Bildungsbürgertum, Rezeptionsgeschichte, Orchesterkomposition, Johann Wolfgang von Goethe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Der Fokus liegt auf der Biographie der Komponistin Emilie Mayer und einer analytischen Deutung ihres erfolgreichsten Werkes, der Faust-Ouvertüre.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit verknüpft historische Aspekte der Frauen- und Geschlechterforschung mit einer musiktheoretischen und analytischen Untersuchung eines konkreten Werkes.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es soll geklärt werden, wie Mayer als Frau im 19. Jahrhundert musikalisch erfolgreich sein konnte und welche Beweggründe für die programmatische Bezeichnung ihrer Faust-Ouvertüre vorlagen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Neben einer biographischen Quellenanalyse nutzt die Arbeit eine Formanalyse der Partitur, unterstützt durch die moderne Visualisierung mittels Spectrogram.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in gesellschaftliche Rahmenbedingungen, die Lebensgeschichte der Komponistin, einen Katalog ihres Oeuvres und eine tiefgehende Analyse der Faust-Ouvertüre.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen zählen Emilie Mayer, Faust-Ouvertüre, Geschlechterrolle im 19. Jahrhundert, musikalische Formanalyse und Rezeptionsforschung.
Welche Rolle spielte Carl Loewe für die Karriere von Emilie Mayer?
Loewe war nicht nur ihr Lehrer, sondern auch eine zentrale Figur des Stettiner Musiklebens, die Mayer in die damals einflussreiche Musikszene einführte und etablierte.
Wie unterscheidet sich die Faust-Ouvertüre formal von anderen Werken?
Sie ist eine einsätzige Konzert-Ouvertüre, wobei die Komponistin durch explizite programmatische Hinweise wie „Sie ist gerettet“ eine narrative Lesart nahelegt.
- Arbeit zitieren
- Christiane Fendler (Autor:in), 2023, Emilie Mayer. Versuch einer Deutung der Faust-Overtüre Op.46, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1431410