Auf der Suche nach Gesellschafts- sowie Wirtschaftssystemen haben sich bisher immer zwei besonders heraus kristallisiert. Auf der einen Seite der Kapitalismus mit einer freien Marktwirtschaft sowie auf der anderen der Sozialismus mit einer staatlichen Planwirtschaft. Allerdings gab es im Laufe der Geschichte auch Alternativen, welche auch teilweise als der „Dritte Weg“ bezeichnet wurden. Es sollte ein Kompromiss zu mehr sozialer Gerechtigkeit, aber trotzdem an einer freien Marktwirtschaft festhaltend, sein. Gewiss gab es mehrerer solcher „Dritten Wege“ im vergangenen Jahrhundert. Beispiele dafür sind Großbritannien unter Tony Blair sowie Deutschland unter Gerhard Schröder am Ende der neunziger Jahre.
Jedoch soll sich diese Hausarbeit mit dieser Thematik im Bezug auf das „Schwedische Modell“ expliziter auseinandersetzen, da Schweden als eines der ersten Länder diesen Mittelweg zwischen Kapitalismus und Sozialismus bereits am Anfang des zweiten Drittels des letzten Jahrhunderts gehen wollte. Demzufolge ist es wichtig, einen genaueren Blick auf die Rolle des schwedischen Staates in der dortigen Wirtschaft ab 1930 zu werfen, um zu erklären, wie die Forderungen nach Vollbeschäftigung, Wohlfahrtsstaat und einer starken Gesellschaft umgesetzt werden konnten und welchen Einfluss die enge Zusammenarbeit von Gewerkschaften, Arbeitgeberverbänden und Politik auf die vorerst positive Entwicklung in Schweden nahm. Weiterhin ist das finanzielle Fundament eines solchen Sozialstaates zu durchleuchten: Wer trägt welche Kosten? Auch der Niedergang dieses Modells ab Ende der achtziger Jahre wird ein Gegenstand in dieser Hausarbeit sein, da es hauptsächlich nicht mehr finanziell umsetzbar war. Hinzukommend wird noch auf den Weg aus der Krise, die sich nach dem Niedergang entwickelte, und auf die heutige Situation in Schweden einzugehen sein.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Zentrale Frage: Was ist der „Dritte Weg“
2. Erläuterung der konkurrierenden Systeme
2.1. Sozialismus
2.2. Kapitalismus
2.3. „Dritter Weg“
2.3.1. Welche bedeutenden „Dritten Wege“ gab es?
2.3.2. Was zeichnete diese aus?
3. Der „Dritte Weg“ in Bezug auf Schweden
3.1. „Der Dritte Weg“ oder „Das Schwedische Modell“: Historie & Theorie
3.2. Das „Schwedische Modell“ in der Praxis
3.3. Probleme und Hinterlassenschaften der Wohlfahrtspolitik
4. Zusammenfassung / Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle des schwedischen Staates in der Wirtschaft unter besonderer Berücksichtigung des „Schwedischen Modells“ als spezifische Ausprägung eines „Dritten Weges“ zwischen Kapitalismus und Sozialismus. Dabei werden die historische Entwicklung, die praktische Umsetzung wohlfahrtsstaatlicher Maßnahmen sowie die Ursachen für den späteren ökonomischen Wandel analysiert.
- Theoretische Grundlagen von Kapitalismus, Sozialismus und dem Konzept des „Dritten Weges“.
- Entwicklung und Funktionsweise des „Schwedischen Modells“ ab 1930.
- Die Bedeutung von Sozialpartnerschaft, Korporatismus und solidarischer Lohnpolitik.
- Finanzierung des Wohlfahrtsstaates und die Rolle der Arbeitnehmerfonds.
- Ursachen für den Niedergang des Modells sowie die wirtschaftliche Neuausrichtung ab den 1990er Jahren.
Auszug aus dem Buch
2.1. Sozialismus
Der Begriff Sozialismus (lat. socialis – gemeinsam, teilnehmend, gesellig) gibt es seit über 130 Jahren, wobei es bis heute keine einheitliche Definition für diesen gibt.
Er beschreibt sowohl eine philosophische und ethnische Lehre, als auch eine politische Bewegung, deren Ziel es ist, diese Lehre durchzusetzen. Weiterhin geht es um eine sozialistische Gesellschaftsform, oder im Extremfall um eine nach dem Marxistisch-Leninistischen Modell weltgeschichtliche Gesellschaftsform, die aus dem Kapitalismus hervorgehen und anschließend in den Kommunismus übergehen wird.
Allgemeingültig jedoch im antikapitalistischen Sinne sind die Abschaffung des Privateigentums und der Übergang in das Staatseigentum. Daraus resultiert die Gleichstellung der Menschheit in der Gesellschaft: Die Menschen sollen von der Ausbeutung anderer Menschen befreit werden. In diesem Zusammenhang stehen jene drei Schlüsselbegriffe, welche ihren Ursprung in der französischen Revolution (1789 - 1799) haben: „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.“ Eingegangen in die Geschichte ist diese prägnante Phase als frühsozialistische Bewegung, wobei die genannten Schlüsselbegriffe die Ziele dieser Bewegung andeuten.
Die theoretische Entstehung des Sozialismus als Gesellschaftsform wird in zwei Entwicklungsstufen eingeteilt:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Wirtschaftssysteme und Darlegung der zentralen Forschungsfrage zum „Schwedischen Modell“.
2. Erläuterung der konkurrierenden Systeme: Theoretische Abgrenzung der Konzepte Kapitalismus und Sozialismus sowie Erläuterung des Begriffs „Dritter Weg“.
3. Der „Dritte Weg“ in Bezug auf Schweden: Detaillierte Untersuchung des schwedischen Modells, seiner praktischen Anwendung und der damit verbundenen wohlfahrtsstaatlichen Probleme.
4. Zusammenfassung / Ausblick: Resümee über das Scheitern des Modells in seiner ursprünglichen Form und Darstellung der heutigen wirtschaftlichen Situation Schwedens.
Schlüsselwörter
Schweden, Schwedisches Modell, Dritter Weg, Wohlfahrtsstaat, Kapitalismus, Sozialismus, Arbeitsmarktpolitik, Solidarische Lohnpolitik, Arbeitnehmerfonds, Sozialpartnerschaft, Wirtschaftssysteme, Korporatismus, Vollbeschäftigung, Strukturwandel, Fiskalpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Rolle des schwedischen Staates in der Wirtschaft und beleuchtet das „Schwedische Modell“ als eine spezifische Variante des „Dritten Weges“ zwischen marktwirtschaftlichen und sozialistischen Elementen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Definition wirtschaftlicher Grundsysteme, die historische Entwicklung des schwedischen Wohlfahrtsstaates, die Rolle der Gewerkschaften und die ökonomischen Herausforderungen des späten 20. Jahrhunderts.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu erklären, wie Schweden die Ziele von Vollbeschäftigung und Wohlfahrt umsetzen konnte, welche Rolle die enge Zusammenarbeit von Akteuren spielte und warum dieses Modell schließlich in eine Krise geriet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, die geschichtliche Zusammenhänge mit wirtschaftspolitischen Leitbildern und empirischen Daten zur wirtschaftlichen Entwicklung in Schweden verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen konkurrierender Wirtschaftssysteme, die Entwicklung und Praxis des schwedischen Modells (inklusive Lohnpolitik und Arbeitnehmerfonds) sowie die Ursachen für dessen Niedergang.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „Schwedisches Modell“, „Wohlfahrtsstaat“, „Dritter Weg“, „solidarische Lohnpolitik“ und „Strukturwandel“ definiert.
Was besagt die „solidarische Lohnpolitik“?
Sie zielte darauf ab, Lohnunterschiede zwischen Branchen und Firmen zu verringern, indem nicht die Wettbewerbsfähigkeit einzelner Unternehmen, sondern die strategische Stärkung der Arbeitnehmergruppe insgesamt in den Vordergrund gestellt wurde.
Warum wurden die Arbeitnehmerfonds eingeführt und wieder aufgelöst?
Sie dienten der Gewinnbeteiligung und Kapitalbildung der Arbeitnehmer, um die Machtkonzentration in Großunternehmen zu brechen. Die Auflösung 1993 erfolgte aufgrund steigender Kosten und anhaltender Auseinandersetzungen.
Welche Rolle spielte die EU für die wirtschaftliche Neuausrichtung?
Der EU-Beitritt zwang Schweden zu einer Abkehr von der alleinigen Priorität der Vollbeschäftigung hin zur Preisstabilität, um den europäischen Richtlinien und Anforderungen der EZB zu entsprechen.
- Quote paper
- Björn Freimuth (Author), 2008, Die Rolle des Staates in der Wirtschaft am Beispiel Schwedens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143151