Während des Seminars „Fremdsprachendidaktik“, das im Wintersemester
2008/2009 stattfand, wurden viele Fragen bezüglich des Lehrens und Lernens
einer Fremdsprache aufgeworfen und beantwortet. Die Kursteilnehmer haben
sich beispielsweise mit dem Gehirn und dessen Aufbau, mit der Sprachenpolitik,
mit Lehr- und Lernmethoden und mit dem Faktorenkomplex, der das Lernen
und Lehren beeinflusst, beschäftigt.
Mir ist dabei aufgefallen, dass das „Grundgerüst“ zum Erlernen einer
Fremdsprache immer noch die Muttersprache darstellt und es daher wichtig
wäre, auch ihr Beachtung zu schenken. Schon Wilhelm von Humboldt sagte,
dass der Mensch nur durch Sprache Mensch wird1. Ich gehe davon aus, dass
Humboldt damit wohl in erster Linie die Muttersprache meinte. Aus diesem
Grund möchte ich im Laufe dieser Seminararbeit neben einem kurzen geschichtlichen
Überblick auf die Vorraussetzungen für den Spracherwerb und vor
allem auf die Phasen eingehen, die ein Kind durchlaufen muss, um seine Muttersprache
zu erlernen. Abschließend werde ich auf die verschieden Erklärungsansätze
von Skinner, Chomsky und Piaget eingehen, die alle versucht
haben, der Frage nachzugehen, warum und wie ein Mensch überhaupt Sprache
erlernt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1. Geschichtlicher Überblick
2.2. Vorraussetzungen für den Spracherwerb
2.2.1. Biologische Voraussetzungen
2.2.2. Kognitive Voraussetzungen
2.2.3. Soziale Voraussetzungen
2.3. Phasen der kindlichen Sprachentwicklung
2.4. Verschiedene Erklärungsansätze
2.4.1. Die Behavioristische Theorie
2.4.2. Die Nativistische Theorie
2.4.3. Die Kognitivistische Theorie
3. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Prozess des kindlichen Erstspracherwerbs, um zu verstehen, wie und warum Menschen ihre Muttersprache erlernen. Dabei wird der Frage nachgegangen, welche biologischen, kognitiven und sozialen Voraussetzungen für diesen komplexen Entwicklungsschritt notwendig sind und welche theoretischen Erklärungsmodelle die Wissenschaft hierfür bereithält.
- Historische Entwicklung der Spracherwerbsforschung
- Biologische, kognitive und soziale Voraussetzungen für das Sprechenlernen
- Phasen der kindlichen Sprachentwicklung vom Neugeborenen bis zum Kleinkind
- Vergleichende Analyse der behavioristischen, nativistischen und kognitivistischen Theorie
- Diskussion über das Zusammenspiel von Anlage und Umwelt beim Spracherwerb
Auszug aus dem Buch
2.4.1. Die Behavioristische Theorie
Der Begriff Behaviorismus wurde im Jahr 1913 von dem Psychologen John B. Watson geprägt, wobei der Begriff Behaviorismus vom englischen Wort behavior abgeleitet wird, was „Verhalten“ bedeutet. Burrhus Frederic Skinner (1904 – 1990) wird als Hauptvertreter der behavioristischen Theorie angesehen. Seine Theorien, die er mit Hilfe von verhaltensanalytischen Erklärungsansätzen gewann, legte er in dem 1957 erschienenen Buch Verbal Behavior dar.
Sprache wird im Behaviorismus als spezifische Form menschlichen Verhaltens angesehen und durch Bekräftigung, wie etwa Belohnung, Lob oder Tadel verstärkt. Merkt das Kind zum Beispiel, dass es mit einer bestimmten Äußerung, und sei es nur einem lauten Lachen oder einem bestimmten Wort, seine Eltern dazu bringt, ihm eine Belohnung zu geben, wird es dies in Zukunft immer dann tun, wenn es eine Belohnung haben möchte. Die Behavioristen gehen davon aus, dass nichts außer einem universellen Lernmechanismus ererbt ist, und dass das Kind als Tabula rasa auf die Welt kommt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz der Muttersprache als Grundlage für den Fremdsprachenerwerb und umreißt das Ziel, den Prozess des Erstspracherwerbs durch geschichtliche, entwicklungsbiologische und theoretische Perspektiven zu beleuchten.
2. Hauptteil: Der Hauptteil bietet eine fundierte Analyse der Voraussetzungen (biologisch, kognitiv, sozial) und der Etappen der Sprachentwicklung sowie eine Gegenüberstellung der wichtigsten Spracherwerbstheorien.
3. Schluss: Das Fazit zieht den Schluss, dass keine einzelne Theorie den Spracherwerb isoliert erklären kann, sondern ein integratives Verständnis aus verschiedenen Ansätzen notwendig ist.
Schlüsselwörter
Spracherwerb, Erstspracherwerb, Muttersprache, Kindersprache, Sprachentwicklung, Psycholinguistik, Behaviorismus, Nativismus, Kognitivismus, Universalgrammatik, LAD, Sprachproduktion, Sprachverständnis, Biologische Voraussetzungen, Sozialisation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den grundlegenden Mechanismen und Voraussetzungen, die es Kindern ermöglichen, ihre Muttersprache zu erlernen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Themenfelder umfassen die biologischen, kognitiven und sozialen Voraussetzungen, die Entwicklungsphasen im Kindesalter sowie die drei Hauptströmungen der Spracherwerbstheorie.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den Prozess des kindlichen Spracherwerbs zu verstehen und zu klären, warum und wie ein Mensch überhaupt Sprache lernt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die verschiedene psycholinguistische und sprachwissenschaftliche Erkenntnisse sowie Theorien von Skinner, Chomsky und Piaget vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen historischen Überblick, eine Analyse der Voraussetzungen (biologisch, kognitiv, sozial), eine Darstellung der Sprachentwicklungsphasen und eine detaillierte Diskussion der Theorien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Spracherwerb, Erstspracherwerb, Universalgrammatik, behavioristische Theorie, Nativismus und kognitive Entwicklung.
Warum spielt die biologische Beschaffenheit, wie der Kehlkopf, eine Rolle für das Sprechen?
Die physiologische Position des Kehlkopfes beim Menschen ermöglicht erst die Bildung komplexer Laute; diese senkt sich im Laufe des ersten Lebensjahres, was das Sprechen ermöglicht, aber auch Risiken birgt.
Was ist unter dem "Vokabelspurt" zu verstehen?
Dies bezeichnet eine Phase ab einem Alter von etwa achtzehn Monaten, in der Kinder mit hoher Geschwindigkeit – bis zu sechs neue Wörter pro Tag – ihren Wortschatz erweitern.
Welche Bedeutung hat das "Prinzip der Mehrdarbietung" nach Wilhelm Stern?
Das Prinzip besagt, dass Eltern ihre Sprache nicht vereinfachen oder sich an kindliche "Babywörter" anpassen sollten, um dem Kind ein korrektes sprachliches Vorbild zur Orientierung zu bieten.
Warum lehnt der Autor eine einseitige Sichtweise (z.B. nur behavioristisch) ab?
Der Autor argumentiert, dass keine Theorie allein die Komplexität des Spracherwerbs erfassen kann und ein Zusammenspiel aus verschiedenen Erklärungsansätzen der Realität näherkommt.
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- Natalie Hauer (Author), 2008, Vom Gebrabbel zum Genitiv - Wie Kinder sprechen lernen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143159