Marquis de Sade:

Alles muss gesagt werden oder vom Streben nach dem größtmöglichen Lustgewinn


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Prolog

1. Die Lust am Bösen: Von der Kreatürlichkeit des Menschen

2. Faszinosum des moralischen Verbotes: Trangression de la loi

3. Marquis De Sade: Philosoph oder Porno(Graf)

Epilog
Bibliografie
Bildnachweis
Internetquellen
Literaturnachweis und weiter führende Literatur

Prolog

„ Aber man darf nicht daran vergessen, dass die vom Joch ihrer Sexualbedürfnisse bedrückte Menschheit bereit ist, alles anzunehmen,

wenn man ihr nur die Ü berwindung der Sexualität als Köder hinhält. “ 1 (Sigmund Freud)

Das Faszinosum Marquis de Sade übt noch heute großen Einfluss auf Literatur, Philosophie und Psychoanalyse aus. Trotz allem bringt man sein Werk aufgrund zahlloser und heikler Sexualpraktiken immer wieder mit Pornografie in Verbindung.

Jedoch darf der philosophische Diskurs der Aufklärung und die Ambivalenz des von de Sade imaginierten Freiheitsbegriffs nicht außer Acht gelassen werden. De Sade war radikaler Atheist und hat den Gedanken von absoluter Freiheit zu Ende gedacht, der Preis für eine solche Freiheit muss demnach, ausgehend von menschlicher Kreatürlichkeit, das Böse sein. Keinesfalls sollte man vergessen, dass es sich bei den Ausschweifungen de Sades um fiktive handelt. Im Vordergrund einer jeden sexuellen Handlung innerhalb des de Sade´schen Werkes steht die Grenzüberschreitung und die Erforschung der wahren, ununterdrückten menschlichen Natur. Das Böse fungiert dabei als Moment der Ästhetisierung, Pornografie und Gewalt sind literarische Technik.

Leider wird es mir innerhalb einer veranstaltungsbegleitenden Hausarbeit nicht möglich sein auch nur einen Bruchteil jener Metaebene zu erörtern, die Marquis des Sade über seinem lust und unheilvollem Werk schweben lässt.

Mit meinen Ausführungen möchte ich aufzeigen, dass sich das Werk des Sades ins Unfassbare entrückt und auch den Rezipienten zwingt eigene Grenzen im Geiste zu überschreiten, ihn zwingt sich der eigenen Natur zu stellen und diese zu hinterfragen. De Sade war nicht wilde Bestie und hat auch keinesfalls all die provakanten Sexualpraktiken ausgelebt, von denen in seinen Texten berichtet wird. Zeitlebens hat er Skandale provoziert und auch im heutigen Zeitalter, der Generation von „YouPorn“2 wird noch über ihn diskutiert. Der Marquis de Sade ist noch immer medienwirksam, und trauriger Weise neben Büchern wie; „Feuchtgebiete“ und „Die Päpstin“, erhältlich.

Mit Simone de Beauvoir kam die provokative Frage nach Verbrennen oder Nicht Verbrennen von De Sades Werken erneut auf. De Beauvoir beweist mit ihren drei Essays zur Moral des Existenzialismus, dass De Sade weitaus mehr beinhaltet als ein Beispiel für sexuelle Pervertiertheit des französischen Adels im achtzehnten Jahrhundert. Im Zentrum ihrer Ausführungen steht ebenfalls das Problem der menschlichen Freiheit, in denen Simone de Beauvoir für eine Moral der „Doppelsinnigkeit“ plädiert.

Auch de Sade braucht Moral und Religion um an eben diesen Grenzen, die Knechtschaft des Menschen aufzuzeigen, derer er sich freiwillig übergibt, nur um sich der eigenen Natur nicht stellen zu müssen.

Mit meinen nun folgenden Erörterungen möchte ich nicht die (oftmals vorgefasste) Meinung des Rezipienten zu De Sade in Frage stellen. Ich möchte lediglich beweisen, dass sein Werk mehr ist und war als bloße Pornografie.

De Sade war Philosoph!

Ein Philosoph, der bis zuletzt hoffte menschliches Dunkel zu erhellen, doch um Dunkel zu erhellen muss man sich zunächst hinein begeben, denn die Sehnsucht nach dem Paradies führt durch die Hölle.

1. Die Lust am Bösen: Von der Kreatürlichkeit des Menschen

„ Wenn gleich der Anblick der Gegenstände selbst leidvoll sein mag, finden wir Vergnügen daran, höchst realistische Darstellungen derselben in der Kunst zu betrachten, zum Beispiel in der Gestalt niederer Tiere und toter Körper. “

(Aristoteles)

Die bewusste Inszenierung des Bösen findet bereits eingehendst und sehr subtil in den von Marquis des Sade imaginierten Landschaften statt, die den Charakter der Hauptpersonen zusätzlich untermauern3 oder parodieren4.

Zeichen eines destruktiven Triebes sind in den Naturdarstellungen de Sades allgegenwärtig und fungieren als Vorboten des kommenden Geschehens. Die von de Sade konstruierte Natur ist eine verbrecherische und verschlingende, die den auf sie folgenden Freveltaten vorausgeht und diese bereits erahnen lässt.

Das Phantasma des Verbrechens muss kreatürlich sein, denn auch die Grenzen, die die Natur dem Menschen auferlegt müssen überschritten werden. Grenzüberschreitung ist an dieser Stelle das Schlüsselwort, auf welches ich im Folgekapitel noch genauer eingehen werde. Der Mensch verspürt von Natur aus Lust am Bösen, Sittlichkeit widerspricht dieser Lust und steht dem Ziel der Libertinage: den größtmöglichen Lustgewinn zu erzielen im Wege. De Sade denkt den Freiheitbegriff radikal und konsequent zu Ende, letzte Konsequenz muss demnach der reine, von der Natur im Menschen angelegte Egoismus sein. Er hält der Gesellschaft und sich selbst den Spiegel vor und blickt ins Angesicht einer im Menschen lauernden Bestie, die es zu befreien gilt.

Das Bild, welches De Sade erschafft ist ein naturgetreues und ist deshalb ein gottloses. Zweifellos ist der Sadist gezwungen sich mit Gott zu konfrontieren. Erst anhand einer gebrochenen Gottesvorstellung kann der Geist von Vernichtung und Übertretung vollkommen frei werden.5 Zu der Religionskritik der Libertinage gehört die völlige Leugnung von Schicksal und Gott.

[...]


1 Freud, S.: „ Zur Geschichte der psychoanalytischen Bewegung. “, 1914

2 Siehe auch dazu: http://www.focus.de/wissen/bildung/biografien/tid 12697/marquis de sade das vermaechtnis des porno grafen_aid_351733.html

3 So wie die Vulkanlandschaften in de Sades: „ Histoire de Juliette , ou les Prospérités du vice.“, die den verkommenen Charakter Juliettes nur stützen.

4 Justine ist in de Sades: "Justine ou les Malheurs de la vertu. “ von verschiedenen, auch noch kirchlichen Phallussymbolen, welche ebenfalls in der Landschaft eingebettet sind, umgeben.

5 Vgl. Stobbe, H.: „ Vom Geist der Ü bertretung und Vernichtung. “, S. 22

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Marquis de Sade:
Untertitel
Alles muss gesagt werden oder vom Streben nach dem größtmöglichen Lustgewinn
Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V143208
ISBN (eBook)
9783640523658
ISBN (Buch)
9783640524266
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Marquis, Sade, Alles, Streben, Lustgewinn
Arbeit zitieren
Julia Kulewatz (Autor), 2009, Marquis de Sade: , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143208

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