[...] Leider wird es mir innerhalb einer veranstaltungsbegleitenden Hausarbeit nicht möglich sein
auch nur einen Bruchteil jener Metaebene zu erörtern, die Marquis des Sade über seinem
lust‐und unheilvollem Werk schweben lässt. Mit meinen Ausführungen möchte ich aufzeigen, dass sich das Werk des Sades ins
Unfassbare entrückt und auch den Rezipienten zwingt eigene Grenzen im Geiste zu
überschreiten, ihn zwingt sich der eigenen Natur zu stellen und diese zu hinterfragen. De
Sade war nicht wilde Bestie und hat auch keinesfalls all die provakanten Sexualpraktiken
ausgelebt, von denen in seinen Texten berichtet wird. Zeitlebens hat er Skandale provoziert und auch im heutigen Zeitalter, der Generation von „YouPorn“ wird noch über ihn
diskutiert. Der Marquis de Sade ist noch immer medienwirksam, und trauriger Weise neben
Büchern wie; „Feuchtgebiete“ und „Die Päpstin“, erhältlich.
Mit Simone de Beauvoir kam die provokative Frage nach Verbrennen oder Nicht‐Verbrennen
von De Sades Werken erneut auf. De Beauvoir beweist mit ihren drei Essays zur Moral des
Existenzialismus, dass De Sade weitaus mehr beinhaltet als ein Beispiel für sexuelle
Pervertiertheit des französischen Adels im achtzehnten Jahrhundert. Im Zentrum ihrer
Ausführungen steht ebenfalls das Problem der menschlichen Freiheit, in denen Simone de
Beauvoir für eine Moral der „Doppelsinnigkeit“ plädiert.
Auch de Sade braucht Moral und Religion um an eben diesen Grenzen, die Knechtschaft des
Menschen aufzuzeigen, derer er sich freiwillig übergibt, nur um sich der eigenen Natur nicht
stellen zu müssen.
Mit meinen nun folgenden Erörterungen möchte ich nicht die (oftmals vorgefasste) Meinung
des Rezipienten zu De Sade in Frage stellen. Ich möchte lediglich beweisen, dass sein Werk
mehr ist und war als bloße Pornografie.
De Sade war Philosoph!
Ein Philosoph, der bis zuletzt hoffte menschliches Dunkel zu erhellen, doch um Dunkel zu
erhellen muss man sich zunächst hinein begeben, denn die Sehnsucht nach dem Paradies
führt durch die Hölle.
Inhaltsverzeichnis
Prolog
1. Die Lust am Bösen: Von der Kreatürlichkeit des Menschen
2. Faszinosum des moralischen Verbotes: Trangression de la loi
3. Marquis De Sade: Philosoph oder Porno(Graf)
Epilog
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die philosophischen Dimensionen im Werk des Marquis de Sade. Ziel ist es aufzuzeigen, dass sein literarisches Schaffen weit über eine bloße Darstellung von Pornografie und Gewalt hinausgeht und stattdessen eine radikale Auseinandersetzung mit Aufklärung, Freiheit und der menschlichen Natur darstellt.
- Die literarische Ästhetisierung des Bösen bei Marquis de Sade.
- Die Rolle der Grenzüberschreitung (Transgression) als philosophisches Prinzip.
- Die Kritik an Moral, Religion und gesellschaftlichen Konventionen.
- Die Abgrenzung zwischen pornografischer Darstellung und philosophischer Reflexion.
- Die radikale Freiheit und der menschliche Egoismus als zentrale Motive.
Auszug aus dem Buch
3. Marquis De Sade: Philosoph oder Porno(Graf)
Pornografie stellt die Welt so dar, wie sie in Wirklichkeit nicht ist. Hier befindet sich meines Erachtens auch eine Anknüpfstelle an das Werk de Sades. Auch er imaginiert eine fantasmatische Welt des Grauens, der zügellosen Gewalt und Perversion. Eine Welt wie sie Wirklichkeit sicherlich nicht ist und dennoch sind die Parallelen nicht zu übersehen. Der pornografische Film zeigt eine ständige Abfolge sexueller Handlungen. Dies trifft auch auf einige Werke de Sades zu, jedoch entbehren diese keinesfalls des intellektuellen Hintergrundes und der philosophischen Aspekte.
Gödtel geht davon aus, dass das pornografische Produkt eine Zurschaustellung von Wunden sei, die daraus resultiere, dass unsere beschädigte Sexualität Teil unseres beschädigten Ichs sein muss. Die Sade´sche Sexualität soll keine beschädigte sein (obwohl sie so manch einer als solche empfinden wird), sondern eine vernichtende, befreiende, die das Selbst offenbart. De Sade entlarvt eine Scheinmoral, denn nicht nur die Hexenverfolgung beweist, dass Moral oftmals legitimiert genau das zu praktizieren, was augenscheinlich bekämpft werden soll. De Sade war keinesfalls Pornograf, auch wenn Anknüpfpunkte durchaus vorhanden sein mögen. Son war er in erster Linie Aufklärer. Er ist einer der großen Problematiker der die Erkenntnis um jeden Preis und mit allen Mitteln unumstößlich in die vor Scheinmoral geifernde Menschenköpfe treiben wollte, ohne Rücksicht auf Verluste. De Sade ist konsequent! Und es ist Fakt, dass er erstmalig wagte Sexualität zu systematisieren.
Zusammenfassung der Kapitel
Prolog: Einführung in die Faszination und den Einfluss von Marquis de Sade auf Literatur und Philosophie, wobei das Werk als radikale Hinterfragung der menschlichen Natur durch den Einsatz von Pornografie und Gewalt definiert wird.
1. Die Lust am Bösen: Von der Kreatürlichkeit des Menschen: Analyse des Bösen als ästhetisches Moment und notwendige Konsequenz eines radikalen Freiheitsbegriffs, der den Menschen als Teil der Natur begreift.
2. Faszinosum des moralischen Verbotes: Trangression de la loi: Untersuchung der Bedeutung der Grenzüberschreitung im Werk, wobei Moral und Religion als einschränkende Faktoren kritisiert und durch das Prinzip der Transgression durchbrochen werden.
3. Marquis De Sade: Philosoph oder Porno(Graf): Kritische Auseinandersetzung mit der Einordnung de Sades; das Werk wird als philosophische Aufklärung verteidigt, die sexuelle Handlungen als Mittel zum Zweck der Selbsterkenntnis und Befreiung nutzt.
Epilog: Abschließende Betrachtung, die de Sades Werk als notwendigen, wenn auch erschreckenden Spiegel der menschlichen Gattung und Natur legitimiert.
Schlüsselwörter
Marquis de Sade, Aufklärung, Philosophie, Pornografie, Gewalt, Grenzüberschreitung, Transgression, Freiheit, Egoismus, Natur, Moral, Ethik, Existenzialismus, Libertinage, Literaturwissenschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser literaturwissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem literarischen und philosophischen Werk des Marquis de Sade und hinterfragt dessen oft reduktionistische Einstufung als reine Pornografie.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Konzepte der Freiheit, der menschlichen Natur, der Rolle des Bösen sowie die Kritik an gesellschaftlicher Moral und Religion im 18. Jahrhundert.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit möchte beweisen, dass Sades Werk eine tiefgehende philosophische Dimension besitzt und durch das "Böse" lediglich den menschlichen Geist und dessen Freiheit erforscht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die primär auf der Interpretation von Primärtexten de Sades und deren Einbettung in philosophische Kontexte (u.a. Aufklärung, Existenzialismus) basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei Kapitel, die das "Böse" als kreatürliches Moment, die Transgression als Regelbruch und die philosophische Systematisierung der Sexualität bei de Sade detailliert untersuchen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Transgression, Libertinage, philosophischer Pessimismus, radikale Freiheit und die Unterscheidung von Pornografie und Philosophie charakterisiert.
Wie unterscheidet die Verfasserin de Sade von einem Pornografen?
Sie argumentiert, dass de Sade seine Texte mit Kalkül plant, um den Geist des Rezipienten zu provozieren, während Pornografie lediglich auf sexuelle Reize abzielt, ohne eine intellektuelle Ebene zu eröffnen.
Welche Rolle spielt der Begriff der "Transgression" im Werk?
Die Transgression dient als notwendiger Akt, um die als einengend empfundene Moral und Religion zu überwinden und eine vermeintlich "wahre", ununterdrückte Natur des Menschen freizulegen.
Warum spielt der Egoismus eine so große Rolle in der Argumentation?
De Sade sieht den radikalen Egoismus als logische Konsequenz eines atheistischen Weltbildes, in dem der Mensch nur seinen Trieben folgt, um sich von künstlichen sozialen Fesseln zu befreien.
Welche Bedeutung hat das Zitat im Epilog?
Es unterstreicht das Fazit der Arbeit, dass de Sades Romane zwar verstörend sind, aber lediglich die furchtbaren Seiten der menschlichen Natur selbst widerspiegeln.
- Arbeit zitieren
- Julia Kulewatz (Autor:in), 2009, Marquis de Sade: , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143208