In der Wissenschaft, den Medien und der Politik wird Entwicklungspolitik kontrovers diskutiert. Ein Hauptkritikpunkt ist die Ineffizienz, auch aufgrund der Vermischung mit wirtschaftlichen Interessen. Leidet also die Entwicklungspolitik unter dem internationalen Handel? Diese Arbeit widmet sich der Frage, ob und inwiefern Ziele von Entwicklungspolitik und internationalem Handel miteinander vereinbar sind.
Nach einer Erläuterung grundlegender Begriffe und Ziele der Entwicklungspolitik und des internationalen Handels wird deren Vereinbarkeit anhand der Gegenüberstellung zweier praktischer Beispiele, zweier Partnerschaftsabkommen, untersucht. In den beiden Abkommen zwischen EU und den AKP-Staaten einerseits und denen des CARIFORUMs andererseits werden jeweils Ziele der Entwicklungspolitik sowie solche des internationalen Handels definiert. Es wird dargestellt, dass diese im Fall des Abkommens mit den karibischen Staaten besser erreicht werden. Die Gegenüberstellung der Architektur der Abkommen soll Aufschluss über die Gründe hierfür geben. Diese Arbeit will dabei exemplarisch Faktoren aufzeigen, die Einfluss auf die Vereinbarkeit von Zielen der Entwicklungspolitik mit solchen des internationalen Handels haben.
Es wird dargestellt, dass die Ziele grundsätzlich miteinander vereinbar sind, sie einander sogar bestärken können. Es zeigt sich aber auch, dass eine Vielzahl an Faktoren enormen Einfluss darauf hat, ob der internationale Handel die Entwicklungspolitik tatsächlich bestärkt oder ihr entgegenläuft. Die Zielvereinbarkeit ist kein Automatismus. Abschließend beinhaltet diese Arbeit eine Empfehlung, wie diese Faktoren ausgestaltet werden können, um die Ziele besser miteinander in Einklang zu bringen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entwicklungspolitik und Internationaler Handel: Zentrale Begriffe
2.1 Entwicklungspolitik
2.1.1 Grundlegende Begriffe der Entwicklungspolitik
2.1.2 Ziele und Strategien der Entwicklungspolitik
2.2 Internationaler Handel
2.2.1 Grundlegende Begriffe des internationalen Handels
2.2.2 Ziele und Strategien des internationalen Handels
3. Entwicklungspolitik in der Praxis: Zielkonkurrenz mit dem Internationalen Handel?
3.1 Cotonou- und C-EPA im Überblick
3.2 Die Abkommen im Vergleich
3.2.1 Tiefe der Zusammenarbeit und Einbindung der Wirtschaft
3.2.2 Ausrichtung an Bedürfnissen der Entwicklungsländer
3.2.3 Echte Asymmetrie
3.2.4 Förderung regionaler Integration
4. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Hausarbeit untersucht die grundlegende Forschungsfrage, ob und inwiefern die Ziele der Entwicklungspolitik und des internationalen Handels miteinander vereinbar sind oder in einem Spannungsverhältnis zueinanderstehen.
- Analyse der definitorischen Grundlagen von Entwicklungspolitik und internationalem Handel.
- Gegenüberstellung und Vergleich der Handelsabkommen Cotonou und C-EPA (CARIFORUM-EU).
- Untersuchung der Faktoren, die den Zielerreichungsgrad entwicklungspolitischer Maßnahmen beeinflussen.
- Bewertung der Rolle von nationalen Eigeninteressen versus internationalen Entwicklungszielen.
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Tiefe der Zusammenarbeit und Einbindung der Wirtschaft
Cotonou: Die EU ist aus Sicht der afrikanischen Staaten ein bedeutender Handelspartner, während diese für den europäischen Markt eine geringe Rolle spielen. ODA (u.a. von der EU) stellen für die AKP-Länder eine wichtige Einnahmequelle dar, was bereits zu Beginn der Verhandlungen für ungleiche Positionen führte. Die Vergabe von ODA i.R.d. Abkommens wurde als intransparent kritisiert, maßgebliches Kriterium sei nicht Bedürftigkeit, sondern wirtschaftliches Interesse (z.B. ein privilegierter Zugang zu Rohstoffen).
Ein Teil der Hilfsmittel, die i.R.v. Cotonou gewährt wurden, sei an von den Geberländern bestimmte Projekte geknüpft, anstatt dass diese zur eigenverantwortlichen Verwendung überlassen wurden, was die Identifikation mit diesen Projekten hemmte. Verstärkt wurde dieses Problem durch eine mangelnde Einbindung der Zivilbevölkerung in Projekte, was die Akzeptanz für die Umsetzung des Abkommens und somit die Effizienz schwächte.
C-EPA: Bei C-EPA hingegen wurde von Beginn an Wert auf eine enge Zusammenarbeit auf verschiedenen Ebenen gelegt: Zum Erfolg von C-EPA hat sicherlich beigetragen, dass wesentliche Akteure aus Wirtschaft und Gesellschaft frühzeitig in die Verhandlungsphase eingebunden wurden. Dies steigerte die Akzeptanz (auch nach Aussage von Projektteilnehmern) und führte im Ergebnis zu echter Zusammenarbeit für (wirtschaftliche) Entwicklung.
Auch konnten „weiche Handelshemmnisse“ wie mangelnde Erfahrung mit dem fremden Markt (wie administrative Hürden) und damit wesentliche Exporthemmnisse, ausgeräumt werden. I.R.v. C-EPA wurden hierzu enge Kooperation auf gesellschaftlicher Ebene, zwischen Unternehmen und Verbänden, genutzt, die explizit im Abkommen vorgesehen waren. Die EU finanzierte zudem Programme für karibische Unternehmen, um diese in die Position zu versetzen, von der Öffnung i.R.v. C-EPA zu profitieren. Als konkretes Beispiel sei hier die Finanzierung der Teilnahme karibischer Unternehmen an der Kölner Nahrungs- und Genussmittelmesse genannt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Spannungsfeld zwischen Entwicklungspolitik und internationalem Handel ein und umreißt die Fragestellung anhand der beiden Abkommen Cotonou und C-EPA.
2. Entwicklungspolitik und Internationaler Handel: Zentrale Begriffe: Dieses Kapitel definiert die grundlegenden Konzepte, Ziele und Strategien sowohl der Entwicklungspolitik als auch des internationalen Handels.
3. Entwicklungspolitik in der Praxis: Zielkonkurrenz mit dem Internationalen Handel?: Im Hauptteil werden die beiden Abkommen Cotonou und C-EPA im Hinblick auf ihre Architektur, die Einbindung der Wirtschaft, die Ausrichtung an Bedürfnissen, Asymmetrien und regionale Integration analysiert.
4. Fazit: Das Fazit beantwortet die zentrale Forschungsfrage und identifiziert nationale Eigeninteressen als größte Hürde für eine gelungene Zielvereinbarkeit.
Schlüsselwörter
Entwicklungspolitik, Internationaler Handel, Cotonou-Abkommen, C-EPA, Zielvereinbarkeit, Handelshemmnisse, ODA, Wirtschaftspartnerschaftsabkommen, Nachhaltige Entwicklung, SDGs, Regionale Integration, Handelspolitik, Industriestaaten, Entwicklungsländer, Eigeninteressen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von internationalem Handel und Entwicklungspolitik und analysiert, ob diese beiden Bereiche widersprüchliche Ziele verfolgen oder einander sinnvoll ergänzen können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen zählen die Architektur von Handelsabkommen zwischen der EU und Entwicklungsländern, der Abbau von Handelshemmnissen sowie die Wirksamkeit entwicklungspolitischer Strategien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die Vereinbarkeit von Zielen der Entwicklungspolitik und des internationalen Handels zu prüfen und festzustellen, welche Faktoren diesen Prozess maßgeblich beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die methodische Gegenüberstellung (komparative Analyse) zweier konkreter Praxisbeispiele: des Cotonou-Abkommens und des C-EPA mit den CARIFORUM-Staaten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Abkommen anhand der Kriterien Tiefe der Zusammenarbeit, Ausrichtung an den Bedürfnissen der Entwicklungsländer, Asymmetrie der Regelungen und Förderung regionaler Integration verglichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit fokussiert sich maßgeblich auf Begriffe wie Zielvereinbarkeit, Handelshemmnisse, regionale Integration und nationale Eigeninteressen der Industriestaaten.
Warum schneidet das C-EPA in der Analyse besser ab als das Cotonou-Abkommen?
Laut der vorliegenden Arbeit liegt dies an der stärkeren Einbindung lokaler Wirtschaftsakteure, einem effektiveren Monitoring und einer stärkeren Ausrichtung an spezifischen Bedürfnissen der karibischen Partner.
Welche Rolle spielen nationale Eigeninteressen bei diesem Thema?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass nationale Eigeninteressen der Industriestaaten häufig die größte Barriere für die erfolgreiche Umsetzung entwicklungsfördernder Handelskapitel darstellen.
- Arbeit zitieren
- Theresa Lambrich (Autor:in), 2023, Zwischen Konflikt und Kooperation. Die Vereinbarkeit von Entwicklungspolitik und internationalem Handel am Beispiel von EU-Partnerschaftsabkommen mit AKP- und CARIFORUM-Staaten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1432155