Die Heldenfigur Captain James T. Kirk in der Fernsehserie „STAR TREK – Raumschiff Enterprise“


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004
26 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Entwicklungsgeschichte der Serie

I. Theorie
1. Charaktere im Genre Science Fiction
2. Murray Smith’ Theorie über Charaktere im Film

II. Charakteranalyse von James T. Kirk
1. Die wichtigsten biographische Daten
2. Die Unvollkommenheit im Charakter
3. Der Soldat und Kämpfer
4. Der Imperialist
4.1. Die „Erste Direktive“
4.2. Grundlage seiner Figur
5. Der Liebhaber
5.1. Sein Charme als Waffe
6. Kirks Beziehung zu den beiden anderen Protagonisten
6.1. Festigung dieser Beziehung am Beispiel der Folge „ The Empath “
7. Die Auswirkungen des Schauspielers William Shatner auf seine Figur
7.1. Schwierigkeiten bei der Charakterentwicklung

Fazit

Literaturverzeichnis

Zitierte Folgen der Serie

Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit beschäftige ich mich mit der Heldenfigur des Captain James T. Kirk der Fernsehserie „ Raumschiff Enterprise “, im Original STAR TREK. Mittlerweile gibt es etliche Auskopplungen dieser Originalserie (The Next Generation, Deep Space Nine, Voyager, Enterprise), außerdem zehn Filme, von denen sich sechs noch mit der Originalcrew der Enterprise befassen. Ich beschränke mich bei meiner Analyse auf die 78 Folgen der Originalserie, ohne auf Bücher oder Kinofilme einzugehen, da die Serie die Basis der Popularität von STAR TREK ist. Trotzdem möchte ich anmerken, dass Kirk auch in den ersten sieben STAR TREK - Filmen noch eine große Rolle spielt, und auch Gastauftritte in den Spin-Off Serien hatte, wobei sich sein Charakter weiterhin entwickelt hat. Ich beschäftige mich mit STAR TREK, da die Popularität, Langlebigkeit und Kreativität der Serie und ihrer Fans in der Fernsehgeschichte unvergleichlich ist.1 Ich möchte versuchen herauszustellen, warum Kirk, obwohl oder gerade weil er nicht perfekt ist, und trotz seiner unübersehbaren Fehler, zu einer Heldenfigur wurde, die bis heute noch verehrt wird. Welche Rolle spielt hierbei der Schauspieler der Figur, William Shatner, und inwieweit projiziert sich das damalige amerikanische Bild der Politik und der Gesellschaft auf diese Heldenfigur?

1. Entwicklungsgeschichte der Serie

Das Konzept einer positiv in die Zukunft blickenden Science-Fiction Serie wie Raumschiff Enterprise war man bisher nicht gewohnt. Das Network NBC willigte trotzdem ein, die Produktion des ersten Pilotfilms „ The Cage “ zu finanzieren. Nach der Fertigstellung im Februar 1965 lehnten sie ihn allerdings ab, da es nicht dem entsprach, was sie erwarteten. Gene Roddenberry, der Erfinder von STAR TREK, wich vom damaligen Klischee des Science Fiction zu sehr ab. Bei STAR TREK gab es keine menschenfressenden Monster und außerirdische Invasoren. Das Konzept war eine optimistische Zukunft, in der Menschen den Kontakt mit fremden Intelligenzen suchen und fast ausschließlich friedlich gesinnt sind. Die „Bösen“ in der Serie handelten aus nachvollziehbaren Motiven und waren nicht von Grund auf einfach nur böse.

Die Geschichte von „ The Cage “ war zu abgehoben und anspruchsvoll, und außerdem war die Produktion wesentlich teurer geworden als geplant. Erst nach einer gründlichen Überarbeitung der Serie bekam Roddenberry eine zweite Chance mit dem zweiten Pilotfilm „ Where no man has gone before “. Die meisten Charaktere wurden ausgetauscht, das Schiff überarbeitet und auch der vorher zu philosophische Aspekt der Serie rückte zunächst eher in den Hintergrund. In diesem Pilotfilm, der im Fernsehen allerdings erst als dritte Folge ausgestrahlt wurde, traten zum ersten Mal die Figuren Captain Kirk und der Schiffsarzt McCoy auf, sowie die anderen Charaktere, wie wir sie heute kennen. Der Erste Offizier Spock war bereits im ersten Pilotfilm zu sehen und wurde lediglich überarbeitet. Da die Serie nun kostengünstiger produziert wurde und auch lockerer inszeniert, gab das Network NBC Roddenberry nundie Zustimmung für die erste Staffel von „ Raumschiff Enterprise “, die mit der Folge „ The Man Trap “ am 8. September 1966 auf Sendung ging. Aus der ersten Staffel entwickelten sich zwei weitere Staffeln, bis die Serie im Juni 1969 abgesetzt wurde.

Mit STAR TREK fand Roddenberry einen Weg, um über politische und soziale Themen seiner Zeit zu diskutieren, ohne Gefahr zu laufen, zensiert zu werden, da er sie räumlich und zeitlich in die Ferne und somit ins Reich der Fiktion rückte. Vermutlich wäre die Serie nach ihrer Absetzung in Vergessenheit geraten, wenn nicht kurz nach der Ausstrahlung der letzten Folge der erste Mensch auf dem Mond gelandet wäre und in Amerika eine Weltraum-Euphorie auslöste. Aus diesem Anlass wurde die Serie wiederholt und löste erst mit ihrem Wiederholungen den STAR TREK - Boom aus.2

I. Theorie

1. Charaktere im Genre Science Fiction

Die Charaktere des Science Fiction sind laut James Gunn selten umfassend verwirklichte Personen, sondern eher darstellend für bestimmte Haltungen, eine bestimmte Rasse, eine bestimmte Gesellschaft, eine bestimmte Lebensart oder einen bestimmten Glauben.3 Im Fall von Captain Kirk zeigt sich, dass auch er stellvertretend für eine bestimmten Gesellschaft und eine bestimmte Lebensart steht (vgl. Kapitel 4).

Des Weiteren müssen die Charaktere im Science Fiction besonders realistisch sein, da sich die Abenteuer, die die Science Fiction - Helden erleben, stark von gewöhnlichen Alltagserfahrungen des Rezipienten unterscheiden. Realistische Charaktere sollen helfen, die Geschichten, die erzählt werden, vom Zweifel des Rezipienten zu befreien und die Situation „annehmbar“ zu gestalten - allerdings nur in dem Umfang, dass die Charaktere wie Personen aussehen, handeln und kommunizieren, wie Personen in solchen Situationen es würden. Gleichzeitig müssen sie in der Lage sein, entsprechend der Situation, die mal mehr und mal weniger vom „Normalen“ abweicht, zu handeln. Im Science Fiction geht es meist mehr um die ungewöhnlichen Umstände als um die Charaktere selbst. Die Kunst ist es, beide Aspekte so zu verbinden, dass beim Rezipienten sowohl ein Interesse für die Umstände als auch für die Charaktere entsteht. Denn das, was die Faszination von Science Fiction ausmacht, sind diese ungewöhnlichen Umstände. Die Charaktere existieren in dieser Science Fiction - Welt, um auf diese Umstände zu reagieren. Sie zeigen, wie diese geänderten Umstände auf sie wirken und wie sie dazu gebracht werden, das Unmögliche möglich zu machen oder z.B. die Menschheit verändern.

Die Charaktere sollten typische Charaktere sein, damit der Rezipient sich von ihnen adäquat repräsentiert fühlt (falls es sich um Menschen handelt) oder die Gruppe, die der Charakter repräsentiert, als adäquat repräsentiert empfindet (falls es sich um Außerirdische handelt).4

Das Ziel ist es also, die Charaktere so umfassend wie möglich zu gestalten, ohne dass sie von den Taten, die sie vollbringen, ablenken.

Inwieweit dies bei der Konstruktion der Figur Kirk gelungen ist, möchte ich in den folgenden Kapiteln herausarbeiten.

Gene Roddenberry sieht STAR TREK als Serie über Charaktere und nicht über Technik. Stark wissenschaftliche Theorien und Fantasien fernab jeglicher Grundlage sollten vermieden werden. Roddenberry bestand darauf, dass in der Serie immer nach wissenschaftlichen Verfahren und Prinzipien, die eine Grundlage in der Realität besitzen, gehandelt werden. Beamen (Materie wird in Energie umgewandelt, transportiert und dann wieder zurückgewandelt) wird wohl immer eine Utopie bleiben, aber es wird bereits an den Möglichkeiten eines Warpkerns geforscht, der beim Antrieb der Enterprise eine wichtige Rolle spielt. STAR TREK sollte mit einer multi-nationalen und multi-kulturellen Enterprise - Besatzung eine soziale Utopie darstellen. Die Charaktere der Serie befinden sich immer im Prozess der Weiterentwicklung und stellen keine perfekten Wesen dar. Egoismus, Aggressivität, Vorurteile und Irrationalität im (nicht-) menschlichen Verhalten sind immer wieder präsent in den verschiedenen Folgen.5

Dass es sich bei den Charakteren von STAR TREK um keine perfekten Wesen handelt, wird auch am Beispiel von Kirk deutlich.

2. Murray Smith’ Theorie über Charaktere im Film

Murray Smith beschäftigt sich in seinem Aufsatz „Altered States: Character and Emotional Response in Cinema“ von 1994 näher mit der Darstellung von Charakteren im Film und der Art und Weise, wie der Rezipient mit ihnen interagiert. Es handelt sich hierbei um eine kognitive Herangehensweise, in der drei Phasen unterschieden werden, die der Rezipient durchläuft, um sich ein Bild zu machen, wer der Charakter ist, wie er selbst zu ihm steht, was er ihm und seinen Handlungen gegenüber fühlt, usw. Die Analyse stützt sich auf bewusste und spontane Entscheidungen, die der Rezipient im Hinblick auf die Charaktere und deren Handlungen im Film trifft. Die Erzählung bzw. Geschichte (engl.: narrative) ist hier für die Bildung einer emotionellen Reaktion von großer Bedeutung. Die Verbindung mit den Charakteren erfolgt in den drei Phasen Erkennen, Ausrichten/Anpassen und Loyalität/Bindung (engl.: recognition, alignment, and allegiance). Obwohl sich dieser Ansatz eher auf Filme oder, wie in diesem Fall, Serien, die eine einzelne Hauptfigur haben, anwenden lässt, lässt sich doch das Grundprinzip auf die Figur des Captain Kirk übertragen, obwohl er nicht die einzige Hauptfigur bei „ Raumschiff Enterprise “ ist. Hat der Film/die Serie mehrere Hauptcharaktere, werden diese drei Abschnitte dadurch beeinträchtigt, da sich z.B. das Ausrichten nicht nur auf einen Charakter bezieht, sondern auf mehrere.

Die Hauptfiguren der Serie sind neben Captain Kirk noch der Erste Offizier Spock und der Schiffsarzt McCoy. Weitere Charaktere stehen eher im Hintergrund, helfen aber den Protagonisten ihre „heldenhaften Taten“ zu begehen.

Murrays drei Phasen beziehen sich also auch auf alle drei Protagonisten. Eine Ausrichtung mit Spock kann z.B. beeinträchtigt werden durch eine neue Folge, in der die Handlung vor allem auf McCoy oder Kirk ausgerichtet ist. Sicher kann man die drei Phasen auch nur auf eine Person anwenden, in diesem Fall Kirk. Man sollte allerdings nicht unbeachtet lassen, dass Teile seiner Handlungen und Entscheidungen von McCoy und Spock motiviert sind.

Die erste Phase, das Erkennen, führt den Rezipienten an die Figur heran. Verschiedene Charakterzüge werden wahrgenommen und seitens des Rezipienten so arrangiert, dass sich eine einheitliche Persönlichkeit bildet - eigentlich ähnlich wie im wirklichen Leben. Man lernt eine Person nach und nach kennen und bildet sich dann ein Urteil über die gesamte Persönlichkeit.

Um die Verbindung mit dem Charakter zu vertiefen, erfolgt in der nächsten Phase die Ausrichtung/Anpassung. Meist ist dies dadurch gekennzeichnet, wie viel Zeit der Rezipient in der Erzählung mit der jeweiligen Figur verbringt, dem Grad der narrativen Einschränkung und der Häufigkeit, mit der der Rezipient Einblick in die Gedanken und das Gefühlsleben der Figur erhält. Hier zeigt sich wieder das Problem bei „ Raumschiff Enterprise “: Da es sich um mehrere Folgen handelt, in denen immer eine der drei Hauptfiguren, aber nicht immer dieselbe, oder auch zwei oder alle drei Hauptfiguren im Vordergrund stehen, lässt sich schwer ein Charakter hervorheben, der grundsätzlich am häufigsten auf dem Bildschirm zu sehen ist oder der grundsätzlich die Handlung dominiert. Deshalb ist es auch schwer, Kirk zu charakterisieren, ohne auch auf Spock und McCoy einzugehen (vgl. Kapitel 6).

Die Loyalität/Bindung, die dritte Phase, wird dann erzeugt, wenn der Rezipient all das, was er über den Charakter erfahren hat, zusammen mit dessen Handlungen, in Betracht zieht und sich dann ein moralisches und ideologisches Urteil über diese Figur bildet. Smith (1994, 39) nennt dies die „Struktur der Sympathie“ (engl.: structure of sympathy).

Die beiden letzten Phasen werden oft miteinander kombiniert, doch dürfen sie nicht miteinander vermischt werden. Während sich die Ausrichtung/Anpassung mit dem Charakter so darstellt, dass der Fokus des Rezipienten auf den Charakter gerichtet wird, dem Charakter folgt und das sieht, was er sieht, bedeutet Loyalität/Bindung zum Charakter, dass der Rezipient die Handlungen des Charakters gutheißt und sich moralisch auf seine Seite begibt. Laut Smith ist diese letzte Phase - die moralische Loyalität - das, was die Identifikation mit dem Charakter erzeugt. Dadurch, dass er die Figur auf ihrem Weg begleitet und Zeuge ihrer Handlungen, Gefühle und Gedankengänge wird, wird es dem Rezipienten erleichtert, auch die Werte und Moralvorstellungen der Figur zu teilen.6 Kirks Figur erzeugt einerseits eine Kombination dieser beiden letzten Phasen, andererseits manchmal auch eine Teilung (vgl. Kapitel 4).

II. Charakteranalyse von James T. Kirk

1. Die wichtigsten biographischen Daten

James Tiberius Kirk wurde am 22. März 2233 in Riverside/Iowa auf der Erde geboren. Er bekleidet den Rang eines Captains, nachdem er seine vierjährige Ausbildung an der Sternenflotten - Akademie im Jahr 2254 abgeschlossen hat. Er ist ledig, hat aber einen Sohn, David Marcus (2261-2286).

Kirks Ruhm ist zunächst durch die Tatsache entstanden, dass er als jüngster Captain gilt, der je in der Sternenflotte gedient hat. Er beginnt seinen Dienst als Captain des Raumschiffs U.S.S. Enterprise mit seiner 430-Mann starken Besatzung mit 34 Jahren. Er gilt als erster Captain, der sein Raumschiff nach einer fünfjährigen Mission nahezu unversehrt zurückbringt.

Als Abkömmling früher amerikanischer Pioniere liegt ihm das Führungsgeschick schon im Blut.7

2. Die Unvollkommenheit im Charakter

Kirks Figur in der Serie ist nicht perfekt.

Aber es sind gerade die kleinen Fehler in Kirks Charakter, die ihn als Menschen glaubwürdig machen und ihn nicht als eine abgehobene Person darstellen, die zwar heldenhaft handelt, aber im realen Leben nie existieren würde. Kirk hat sowohl gute als auch schlechte Seiten. Diese Tatsache ist einerseits bei der Charakterisierung seiner Person wichtig, andererseits erstreckt sie sich auch auf das komplette STAR TREK - Universum.

[...]


1 Porter, Jennifer E. (1999) (Hg.) Star Trek and sacred ground: exploration of Star Trek, religion, and American culture. New York, S. 2 (im Folgenden zitiert als: Porter)

2 Gremmel, Marco (1996) STAR TREK - Live long and Prosper: 30 Jahre Enterprise. In: PowerPlay, 8/96, S. 58-62, S. 58-60

3 Gunn, James (1976) Heroes, Heroines, Villains: The Characters in Science Fiction. In: The Craft of Science

Fiction. Hg. v. Reginald Bretner. London /New York/San Francisco, S.161-177, S. 161 (im Folgenden zitiert als: Gunn)

4 Gunn, S. 164-165

5 Jenkins, Henry/Tulloch, John (1995) Science Fiction Audiences - Watching Dr. Who and Star Trek. London/New York, S. 182 (im Folgenden zitiert als: Jenkins/Tulloch)

6 Smith, Murry (1994) Altered States: Character and Emotional Response in Cinema. In: Cinema Journal 33, 4, S. 34-56, S. 39-42

7 Maxwell, Thomas (1994) Das Grosse Trek-Lexiko n. Schindellegi/Schweiz, S. 66 (im Folgenden zitiert als: Maxwell)

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Die Heldenfigur Captain James T. Kirk in der Fernsehserie „STAR TREK – Raumschiff Enterprise“
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Medienwissenschaften)
Veranstaltung
Helden
Note
2
Autor
Jahr
2004
Seiten
26
Katalognummer
V143296
ISBN (eBook)
9783640515967
ISBN (Buch)
9783640515899
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Helden, Captain Kirk, Raumschiff Enterprise, Star Trek, Heldenfigur, Murray Smith, William Shatner, Odysseus, Science Fiction, Fernsehserie
Arbeit zitieren
Anna Zafiris (Autor), 2004, Die Heldenfigur Captain James T. Kirk in der Fernsehserie „STAR TREK – Raumschiff Enterprise“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143296

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