Rezeption von Fußballfilmen durch Fußballfans und Nicht-Fußballfans anhand der Beispiele „Das Wunder von Bern“ und „FC Venus“


Magisterarbeit, 2007

274 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Problemstellung

2. Theoretische Grundlage: Rezeptionsforschung
2.1. Einordnung der Rezeptionsforschung in die Medienwirkungsforschung
2.2. Die Entstehung und Entwicklung der Rezeptionsforschung
2.3. DerUses-and-Gratifications-Ansatz
2.3.1. Entstehung und Entwicklung des Uses-and-Gratifications-Ansatzes
2.3.2. Kritik
2.4. Rezipienten
2.4.1. Relevanz von Persönlichkeitsmerkmalen für die Medienrezeption
2.4.2. Rezeptionsprozess
2.4.3. Fußballfankultur
2.5. Zusammenfassung und Ziele

3. Untersuchungsgegenstand: F ußball, Film und Rezipient
3.1. Fußball
3.1.1. Das Großereignis Fußballweltmeisterschaft 1954
3.2. Fußballfilme
3.2.1. Genredefinition
3.2.2. Überblick
3.3. „Das Wunder von Bern“
3.3.1. Inhaltsangabe
3.3.2. Themenschwerpunkte
3.3.3. Hintergrundinformationen
3.3.4. Einordnung des Films
3.4. „FC Venus“
3.3.5. Inhaltsangabe
3.3.6. Themenschwerpunkte
3.3.7. Hintergrundinformationen
3.3.8. Einordnung des Films
3.3.9. Exkurs: Frauenfußball
3.5. Die Rezipienten der Fußballfilme: Fußballfans und Nicht-Fußballfans

4. Untersuchungstheorie
4.1. Exploration am Untersuchungsgegenstand
4.1.1. Überprüfung des Genres Fußballfilm
4.1.2. Ergebnis
4.1.3. Zusammenfassung
4.2. Untersuchungsdesign
4.2.1. Methodi sches Vorgehen
4.2.2. Zeitliche Datierung der Untersuchung vor und nach der Fußballweltmeisterschaft 2006
4.3. Kategorienbildung
4.3.1. UntersuchungsgegenstandRezipient
4.3.2. Untersuchungsgegenstand Filme
4.4. Erhebungsinstrumente
4.4.1. Internetforen
4.4.2. Blitzumfrage
4.4.3. Gruppendiskussion
4.4.4. Internetfragebogen

5. Forschungsfragen

6. Praktische Umsetzung der Untersuchung und Analyse
6.1. Internetforen
6.1.1. Ablaufmodell der Analyse
6.1.2. Ergebnisorientierte Kategorienbildung
6.2. Blitzumfrage
6.2.1. Ablaufmodell der Analyse
6.2.2. Ergebnisorientierte Kategorienbildung
6.2.2.1. Rezipiententypen
6.2.2.2. Filmkategorien
6.2.3. Zusammenfassung
6.3. Gruppendiskussion
6.3.1. Ablaufmodell der Analyse nach Mayring
6.3.2. Ergebnisorientierte Kategorienbildung
6.3.2.1. KOFußballfilme
6.3.2.2. K1 Historischer Hintergrund
6.3.2.3. K2 Authentizität der Fußballszenen 9O
6.3.2.4. K3 Frauen und Fußball
6.3.2.5. K4 Parallelgeschichte vs. Fußballgeschichte
6.3.2.6. K5 Ruhrgebiets-Aspekt in „Das Wunder von Bern“
6.3.3. Zusammenfassung
6.4. Internetfragebogen
6.4.1. Aufbaudes Fragebogens 1OO
6.4.2. Ablaufmodell der Analyse 1O
6.4.3. Ergebnisorientierte Kategorienbildung 1O
6.4.3.1. Rezipiententypen 1O
6.4.4. Überprüfung der Ergebnisse aus qualitativer Methode anhand quantitativer Methode 1O
6.4.4.1. KOFußballfilme 1O
6.4.4.2. K1 Historischer Hintergrund
6.4.4.3. K2 Authentizität der Fußballszenen
6.4.4.4. K3 Frauen und Fußball
6.4.4.5. K4 Parallelgeschichte vs. Fußballgeschichte
6.4.4.6. K5 Ruhrgebiets-Aspekt in „Das Wunder von Bern“.. 13O
6.4.5. Zusammenfassung

7. Auswertung
7.1. Fußballinteresse der Rezipienten
7.2. KOFußballfilme
7.3. K1 Historischer Hintergrund
7.4. K2 Authentizität der Fußballszenen
7.5. K3 Frauen und Fußball
7.6. K4 Parallelgeschichte vs. Fußballgeschichte
7.7. K5 Ruhrgebiets-Aspekt in „Das Wunder von Bern“

8. Beantwortungder Forschungsfragen

9. F azit

10. Quellen-und Literaturverzeichnis

11. Anhang
11.1. Szenenprotokolle
11.2. Ergebnisübersicht Blitzumfrage
11.3. Transkript Gruppendiskussion
11.4. Internetfragebogen
11.4.1. Ableitung der Fragestellung
11.4.2. Ergebnisübersicht
11.5. Kurzinterview mit Ute Wieland
11.6. Verleihbezirke für Kinofilme in Deutschland

1. Einleitung und Problemstellung

„Deutschland im Endspiel der Fußballweltmeisterschaft.

Das ist eine Riesensensation - das ist ein echtes Fußball-Wunder!“ (Herbert Zimmermann, Radiokommentar Fußballweltmeisterschaft 1954 in der Schweiz)

Auch wenn es die deutsche Nationalelf im Jahr 2006 bei der Fußballweltmeisterschaft im eigenen Land nicht bis ins Endspiel geschafft hat, ist das Großereignis Fußballweltmeisterschaft ein Anlass, das Thema Fußball in einer Rezeptionsstudie aufzugreifen. Im Vorfeld der Weltmeisterschaft und gerade durch das groß angelegte Public Viewing in ganz Deutschland, wurden sowohl Fußballfans als auch Nicht-Fußballfans gleichermaßen vom Fußballfieber angesteckt. Ausgehend davon beschäftigt sich die vorliegende Arbeit mit der Frage, wie Fußballfans und Nicht-Fußballfans Filme mit dem Thema „Fußball“ rezipieren.

In der vorliegenden Arbeit wird die Rezeption von Fußballfilmen durch Fußballfans und Nicht-Fußballfans anhand der Beispiele „Das Wunder von Bern“ (2003) und „FC Venus“ (2006) untersucht.

Der Schwerpunkt dieser Untersuchung liegt in der Fragestellung, inwieweit Fußballfilme durch die beiden genannten Zuschauergruppen rezipiert werden. Variieren die Prozesse der Rezeption bei den unterschiedlichen Gruppen?

Denn, „welche Bedeutung der massenmedialen Aussage im Einzelfall entnommen wird, hängt nicht nur vom Vorwissen und der intellektuellen Kompetenz des Rezipienten ab, sondern auch von seiner emotionalen Verfassung und Motivationslage, der sozialen Situation der Mediennutzung sowie von der Gestaltungsform der Aussage und ihrem symbolischem Umfeld.“[1]

Der Spielraum, den der Rezipient besitzt, um einen Film zu interpretieren, ist nicht beliebig groß. Zum einen ist er werkimmanent limitiert durch die Struktur des Films. Zum anderen ist die unterschiedliche Sichtweise, mit denen die Rezipienten einen Film interpretieren und wahrnehmen, ein Einflussfaktor. Gerade im Bezug auf die Forschungsfrage spielen unterschiedliche Vorkenntnisse von Fans und Nicht-Fans eine Rolle, die den Interpretationsspielraum nochmals eingrenzen. Fans verfügen zum Beispiel über größere Kenntnis der Spielabläufe beim Fußball als Nicht-Fans, da diese sich nicht für den Sport interessieren.

Das Vorwissen des Rezipienten über den Fußballsport wie Regeln, Akteure, Ereignisse etc. hat also Auswirkung auf den Rezeptionsprozess. Der Verstehensprozess eines Films ist demnach abhängig von kulturellen Kenntnissen und dem Realitätsverständnis des Rezipienten.[2]

Folgende übergeordnete Forschungsfrage, die sich aus den vorangestellten Überlegungen ergibt, steht im Zentrum der Untersuchung:

Rezipieren Fußballfans und Nicht-Fußballfans Fußballfilme wie „Das Wunder von Bern“ und „FC Venus“ auf eine unterschiedliche Weise?

Diese wird auf der Basis der Uses-and-Gratification-Theorie der Rezeptionsforschung bearbeitet.

Eine zweistufige Vorgehensweise wird für die Untersuchung ausgewählt: Es wird zwar keine Filmanalyse bezüglich Montage, Ton oder Schnitt durchgeführt, die ausgewählten Filme werden aber bezüglich verschiedener Faktoren untersucht. Zunächst werden die Themenschwerpunkte wie zum Beispiel Authentizität der Fußballszenen, Darstellung der Frauen oder den Ruhrgebiets-Aspekt in „Das Wunder von Bern“ ermittelt. Außerdem werden Zusatzinformationen wie Interviews mit den Regisseuren hinsichtlich ihrer Motivation, die Filme zu realisieren und hinsichtlich der Umsetzung der Filmproduktion ausgewertet.

Diese Informationen sind wegweisend für die zweite Stufe, die Untersuchung der Rezeption der beiden Fußballfilme.[3] Um die Ergebnisse der Untersuchung der Rezipienten auswerten zu können, ist die Analyse der Aspekte der untersuchten Fußballfilme unabdingbar. Nur dann können die Angaben der Rezipienten eingeordnet und gegebenenfalls interpretiert werden.[4]

Die Untersuchung der Rezeption der Fußballfilme wird anhand eines Methodenmix’ von qualitativen und quantitativen Messmethoden vorgenommen.

Die Rezeption wird anhand von Kategorien untersucht. Hierbei werden einzelne Forschungsfragen formuliert, wie zum Beispiel „Ist die Authentizität der Fußballszenen Fußballfans wichtiger?“, die anhand der Ergebnisse überprüft werden.

Die Untersuchung des Rezeptionsprozesses bei Fußballfilmen wird exemplarisch an den beiden deutschen Fußballfilmen „Das Wunder von Bern“ und „FC Venus“ vorzunehmen. Hierbei war vor allem bedeutend, dass es sich bei dem einen Film um einen nicht-fiktionalen Film[5] mit historischem Hintergrund und bei dem anderen Film um eine fiktionale Komödie handelt. Somit wird ein möglichst breites Themenspektrum abgedeckt. Die Auswahlkriterien der beiden Fußballfilme werden im Untersuchungsabschnitt der Arbeit konkretisiert.

Ein Anspruch auf Allgemeingültigkeit - hierauf soll an dieser Stelle schon hingewiesen werden - besitzen die durch die Untersuchung erzielten Forschungsergebnisse nicht. Vielmehr soll beispielhaft gezeigt werden, welche Rezeptionsarten bei den in der Untersuchung befragten Fußballfans und Nicht­Fußballfans vorherrschen.

Des Weiteren werden die verschiedenen Rezeptionsarten nicht nur ausgewertet, sondern es wird auch versucht, einen Interpretationsansatz der Ergebnisse zu geben.

Das der Arbeit zugrunde liegenden Thema ist Bisher durch keinen Studien erforscht worden. Der theoretische Teil der Untersuchung basiert hauptsächlich auf den wissenschaftlichen Arbeiten von Lamnek[6], Mayring[7], Noelle- Neumann[8], Schenk[9] und Bommert et al.[10]

2. Theoretische Grundlage Rezeptionsforschung

Die vorliegende Untersuchung lässt sich, wie die Mehrheit der Untersuchungen im Bereich der Rezeptionsforschung[11], der Nutzerperspektive zuordnen, die dann wiederum eine Fokussierung auf den Uses-and-Gratifications-Ansatz vornimmt.

Die akademische Rezeptionsforschung gesteht dem Rezipienten eine aktive Interpretation von Medieninhalten zu. Sie beschäftigt sich mit den einzelnen Akteuren - also den Rezipienten - im Umfeld der Massenkommunikation.[12]

Hierbei beschäftigt sie sich nicht nur mit dem Rezipienten selbst, sondern auch „mit den inhaltlichen und formalen Eigenschaften der Texte, sofern sie für die Rezipienten relevant sind (...).“[13]

2.1. Einordnung der Rezeptionsforschung in die

Medienwirkungsforschung

Bezüglich der Begriffsbestimmung der Rezeptionsforschung und Medienwirkungsforschung ist sich die Wissenschaft uneinig:

Charlton ordnet die Rezeptionsforschung als Weiterentwicklung der Medienwirkungsforschung ein. Bei dieser Weiterentwicklung entsteht ein Perspektivwechsel von der Fokussierung auf die Untersuchung der

Rezeptionsfolgen zu der Fokussierung auf die Rezeptionsgründe und Selektion der Medieninhalte.[14]

Jäckel ordnet die rezipientenzentrierten Wirkungsvorstellungen als Wirkungsmodell in die Medienwirkungsforschung ein und interpretiert sie somit nicht als Weiterentwicklung der Medienwirkungsforschung, sondern als Unterpunkt dieser. Hierbei schließt er folglich auch die Uses-and- Gratifications-Theorie ein, die somit also für ihn eine Theorie der Medienwirkungsforschung darstellt.[15]

Auch Schenk ordnet die Rezeptionsforschung als Unterpunkt in die Medienwirkungsforschung ein.

Gehrau wiederum ordnet die Medienwirkungsforschung als Teilaspekt in die Rezeptionsforschung ein und vertritt somit eine entgegengesetzte Meinung zu Charlton. Gehrau teilt die Rezeptionsforschung in beschreibende und erklärende Ansätze auf. Der erklärende Ansatz ist in die drei Teilbereiche Medienwirkungsforschung, Nutzungsperspektive und Verbindungen gegliedert.[16]

Ungeachtet der unterschiedlichen begrifflichen Einordnung der Rezeptionsforschung durch die Autoren, sind sie sich einig darüber, dass der Uses-and-Gratifications-Ansatz eine Theorie der Rezeptionsforschung darstellt.

Diese Arbeit fokussiert sich auf den Uses-and-Gratifications-Ansatz als Teilbereich der Rezeptionsforschung nach der Einordnung Schenks. Schenk benennt folgende Schlüsselkonzepte der Medienwirkungsforschung: Selektivität, Interpersonale Kommunikation und Social Networks sowie das Involvement der Empfänger/innen. Er bestimmt die Selektivität als Wurzel für den Nutzen- und Belohnungsansatz.[17]

Da Schenk die Rezeptionsforschung als Unterpunkt in die Medienwirkungsforschung einordnet, wird im Folgenden die Entwicklung der Medienwirkungsforschung erläutert.

2.2. Die Entstehung und Entwicklung der Rezeptionsforschung bzw. der Medienwirkungsforschung

Die Rezeptionsforschung hat im Laufe der Zeit einen graduellen Wandel erfahren und ist wesentlich komplexer geworden als noch zu Anfangszeiten der Medienwirkungsforschung in den 1920er und 1930er Jahren.

Eine der wichtigsten Ursachen ist die Expansion des Medienangebots, so Goertz.[18] Durch diese Expansion müssen sich die Medienanbieter einem immer größer werdenden Wettbewerb auf dem Rezipientenmarkt stellen.

Ein weiterer wichtiger Faktor, der die Komplexität der Rezeptionsforschung verstärkt, ist die Heterogenität und Vielfalt des Publikums, das als Rezipient der unterschiedlichsten Medienangebote agiert: Soziodemographische Variablen zur Beschreibung dieses Publikums sind heute nicht mehr ausreichend. Dies hat mehrere Ursachen: Durch eine zunehmende Individualisierung, durch Wertewandel begründet, und durch eine größere Beliebigkeit der Lebensentwürfe und -stile sowie des alltäglichen Verhaltens der Rezipienten müssen soziodemographische Variabein mit Milieu- und/oder Lebensstilkonzepten ergänzt werden.[19]

Der aktuelle Forschungsstand der rezipienten-orientierten Perspektive der Medienwirkungsforschung betrachtet den Rezipienten als aktiv und auf den Medienprozess Einfluss nehmend.

Dass dies nicht immer so war, erläutern Bommert et al.[20] Folgende zwei Hauptphasen lassen sich bei der Entwicklung der Medienwirkungsforschung in der Vergangenheit unterscheiden:

1. Die stimulus-orientierte Phase

2. Die rezipienten-orientierte Phase

Diese unterscheiden sich in zwei grundlegenden Aspekten und Richtungen, die die Forschungjeweils einschlägt oder eingeschlagen hat:

Die stimulus-orientierte Phase schreibt den Medien besonders starke Effekte auf den Rezipienten zu. Die rezipienten-orientierte Phase schreibt im Gegensatz dazu dem Rezipienten die aktive Rolle zu, während die Medien eher schwache Einflüsse nehmen.

Die stimulus-orientierte Perspektive der frühen Medienwirkungsforschung schreibt den Medien starke und kollektiv-massenhafte Effekte zu, das heißt auf jeden Rezipienten, der als vollkommen passives Wesen aufgefasst wird, haben die Massenmedien (insofern die Stimuli auf korrekte Weise gestaltet sind) in gleicher Weise Effekt. Diese klassische Forschungsperspektive beschäftigte sich also mit der Frage „Was machen die Medien mit den Menschen?“[21] Sie brachte das Stimulus-Response-Modell[22] hervor. Die Stimuli, die über die Massenmedien gesendet werden, lösen bei jedem Individuum die gleichen Reaktionen aus.[23]

Wichtigster Faktor hier ist die ausschließlich medienzentrierte Orientierung der Forschung.23[24]

Erweitert wurde dieses Konzept durch zwei weitere Einflussfaktoren: die interpersonale Kommunikation und die defensive Selektivität.[25] Beide Faktoren spielen zusätzlich eine Rolle, wenn die Auswirkung der Medien auf die Einstellungen und das (Wahl-)Verhalten der Rezipienten gemessen wird. Die interpersonale Kommunikation, die alltäglich zwischen Meinungsführern und dem „kleinen Mann“ stattfindet, beeinflusst bereits die Wahl der Medieninhalte, welche die unter dem Einfluss des jeweiligen Meinungsführers stehenden Rezipienten wählen. Dieser Prozess, der schon vorher durch Meinungen und Einstellungen vorbereiteten Entscheidung (sei es, ob man Anhänger einer bestimmten Partei ist oder - wie in diesem Fall - Fußballfan), wurde als defensive Selektivität bezeichnet.[26] Die Schwäche dieser Perspektive war, dass es den einzelnen Rezipienten aus der Forschung ausklammerte und nicht danach fragte, wie massenmediale Inhalte rezipiert werden und was sie für das Individuum bedeuten.

Die Kultivierungsperspektive wählt das Fernsehen als zentrales Medium. Sie befasst sich mit dem Muster der Programmstruktur sowie den Folgen des Eebens mit dem TV. Settings, personelle Besetzung, Typisierung und Handlungen werden im Cultural-Indicators-Projekt beobachtet, kodiert und aufgezeichnet. Die daraus resultierenden Ergebnisse - wie das „gefährliche Welt“-Syndrom oder der Mean-World-Index - haben für die vorliegende Untersuchungen keine Relevanz.[27]

Die Frage „Wer bestimmt die Tagesordnung der Medien?“ steht im Mittelpunkt der Agenda-Setting-Theorie. Diese wird in zwei Ebenen unterteilt:

Auf der ersten Ebene folgert sie, dass die Nachrichtenberichterstattung die Relevanz von Themen auf die öffentliche Agenda beeinträchtigen kann. Auf einer zweiten Ebene werden die Mediennutzer durch die Beschreibungen und Ausführungen der Medien beeinflusst und gelenkt.[28] Es wird also nicht nur ausgewählt, was auf die Agenda kommt und somit ein Themenschwerpunkt ist, sondern auch, wie der Mediennutzer darüber denken soll. Da dieser Ansatz oft in Zusammenhang mit Nachrichtenformaten und hier häufig in Verbindung mit Wahlen und der Beeinflussung des Wählers durch die Medien steht, hat die Agenda-Setting-Theorie für die vorliegende Untersuchung keine Relevanz.

Ein Paradigmenwechsel vom passiven zum aktiven Rezipienten fand mit der rezipienten-orientierten Perspektive der Medienwirkungsforschung statt. Die Forschungsfrage wurde umgekehrt und der Rezipient war Forschungsgegenstand: „Was machen die Menschen mit den Medien?“[29] Der auf der Annahme des bewusst agierenden Rezipienten basierende Uses- and-Gratifications-Ansatz, der die unterschiedliche Bedeutung der einzelnen Medien für den Menschen untersucht, wurde entwickelt. Dieser stellt eine direkte Abkehr von den stimulus-orientierten Ansätzen der Medienwirkungsforschung dar. Der Rezipient entscheidet bewusst über seinen rationalen und zielorientierten Umgang mit den Kommunikationsangeboten. Der Uses-and-Gratifications-Ansatz erfuhr einen tief greifenden Perspektivwechsel durch die Weiterführung im von Renckstorf und Teichert begründeten Nutzenansatz[30], der auf dem theoretischen Konzept des Symbolischen Interaktionismus fußt und den Rezipienten als wirkungsbestimmende Kraft sieht, der das Medienangebot selektiv wählt und nutzt.[31]

Die Mediennutzung ist im Kontext des Alltags des Rezipienten eingebettet. Es besteht eine Wechselwirkung zwischen den persönlichen und sozialen Bedürfnissen des Rezipienten, sowie gesellschaftlichen Vorgaben und der Mediennutzung.[32]

In diese Nutzerperspektive lässt sich auch die Sozial-Kognitive-Theorie einordnen. Sie untersucht die psychologische Komponente der Massenkommunikation. Sie widmet sich den sozialen Ursprüngen des Denkens und der Denkmechanismen. Nach dieser Auffassung nehmen soziale Faktoren Einfluss auf das kognitive Funktionieren. Auch die Fähigkeit zur Selbstreflexion wird in der Sozial-Kognitiven-Theorie analysiert.[33] Das im Mittelpunkt der Theorie stehende Modelllernen, das sogenannte Beobachtungslernen, unterteilt sich in vier Subfunktionen, die für vorliegende Untersuchung allerdings nicht genutzt werden.

2.3. Der Uses-and-Gratifications-Ansatz

Die vorliegende Untersuchung gründet auf dem Uses-and-Gratifications- Ansatz.

Dieser basiert auf keiner einheitlichen Theorie, sondern umfasst verschiedene Ansätze und Studien. Eine Grundannahme ist den Ansätzenjedoch gemeinsam: Der Rezipient hat eine aktive Rolle im Kommunikationsprozess und nutzt Medien bewusst zur Bedürfnisbefriedigung.[34]

Aufgrund des Umfangs kann an dieser Stelle keine vollständige Darstellung des Uses-and-Gratifications-Ansatzes gegeben werden. Im Folgenden wird ein Überblick über die Entwicklung des Nutzen- und Belohnungsansatzes und dessen Kritikpunkte gegeben.

Während beim ersten Theorieansatz der Medienwirkungsforschung, dem Stimulus-Response-Modell, den Rezipienten eine passive Rolle zugeschrieben wurde, stellt der Nutzen- und Belohnungsansatz dagegen die Auswirkungen des Nutzens der Medien für die Rezipienten und die Bedürfnisse (Gratifikationen) dieser in den Mittelpunkt. „Was machen die Menschen mit den Medien?“ lautet die Frage. Im Gegensatz zu den anderen Theorien der

Medienwirkungsforschung geht der Uses-and-Gratifications-Ansatz von einem aktiven Publikum aus, das die Massenmedien selektiv nutzt. Die Rezipienten wählen die Medien mit einer bestimmten Absicht aus[35]. Die häufigste Methode zur Messung der Gratifikationen ist der Selbstbericht („self-report“) in Form einer Befragung. Hierbei werden die Motive der Rezipienten untersucht, bestimmte Medieninhalte auszuwählen.[36]

2.3.1. Entstehung und Entwicklung des Uses-and-Gratifications-Ansatzes

Die Anfänge der gratifikationsorientierten Studien stammen aus den 1940er Jahren. Herzog[37] untersuchte in ihrer Studie „What do we really know about daytime serial listeners?“ Motive und Bedürfnisse bei der Nutzung von Radiosendungen. 100 Hausfrauen wurden interviewt, warum sie sich Soap Operas anhören. Die Ergebnisse waren zum einen emotionale Belastung, zum anderen stellvertretende Erfüllung von Wunschvorstellungen und schließlich noch Rat und Hilfe beim Umgang mit Alltagsproblemen.

Während eines Zeitungsstreiks in New York untersuchte Berelson[38] 1949, warum Menschen Zeitung lesen. Information über öffentliche Affären und deren Bewertung, Hilfe im Alltag, Flucht vor persönlichen Problemen, soziales Prestige und das Gefühl der Verbundenheit mit wichtigen Persönlichkeiten waren die fünf Gründe, die er bei seiner Analyse herausfand.[39] Mit der Gratifikation, welche die Zuschauer beim Fernsehen erlangen wollen, setzten sich McQuail, Blumler und Brown[40] im Jahr 1972 auseinander. Ablenkung, persönliche Beziehungen, persönliche Identität und Beobachtung heißen die vier Grundmotive, die sie herausgearbeitet haben.

Im Jahr 1959 formulierte Katz den Uses-and-Gratifications-Ansatz, der sich der Nutzen- und Belohnungsperspektive zuwandte und nach dem „Warum“ fragte. Somit wurde Motivforschung betrieben. Diese publikumszentrierte Theorie stellt die individuelle Mediennutzung und -selektion in den Mittelpunkt.[41] Folgende zentrale Annahmen des Uses-and-Gratifications- Ansatzes sind für die vorliegende Untersuchung entscheidend:

1. Auswahl und Nutzung der Medien erfolgen zielorientiert, absichtsvoll und motiviert.
2. Um Bedürfnisse und Wünsche zu befriedigen, wählen die Rezipienten die Medieninhalte aktiv aus.
3. Soziale und psychologische Faktoren wie das persönliche Umfeld und Interaktionen beeinflussen das Kommunikationsverhalten.
4. Neben den Medien gibt es andere Formen der Kommunikation.
5. Die individuelle Initiative ist entscheidend für den Einfluss, die Nutzung und das Ergebnis der Medien.[42]

Im Laufe der Zeit wurden immer mehr Motivkataloge für die Mediennutzung erstellt. Alle streifen die anfänglich aufgestellte Eskapismusthese. Diese sagt aus, „dass Menschen wenigstens vorübergehend aus der Realität fliehen (escape) wollen - sei es, um den Alltag zu vergessen oder um sich von der Familie und den Haushaltspflichten abzulenken“[43]. Meyen ist der Meinung, dass es fast kein Bedürfnis gebe, das nicht zur Klärung der Frage, warum Menschen Medien nutzen, herangezogen worden sei. Das Escape-Konzept bestimmt den Ansatz bis in die 1960er Jahre.

Den Durchbruch hatte der Uses-and-Gratifications-Ansatz in den 1970er Jahren. Das Publikum wurde nicht mehr als undifferenzierte Masse definiert, sondern als Individuum. In den folgenden Jahrzehnten änderte sich die Annahme, dass die Medien als neutrale Botschaftenvermittler agieren. Vielmehr beeinflussen sie die Rezipienten. Die klassische Wirkungsforschung mit dem Stimulus-Response-Modell war in eine Sackgasse geraten.

Unterschiede in den anfänglichen Untersuchungen und den Forschungen der 1970er Jahre zeigen sich vor allem darin, dass später Mediennutzung mit Gratifikation für Bedürfnisse in Verbindung gesetzt wurde. Katz, Blumler und Gurevitch legen folgendes verbessertes Modell des Gratifikationsprozesses vor:

Der Nutzenansatz beschäftigt sich mit

1. den sozialen und psychologischen Ursprüngen von 2. Bedürfnissen, die 3. Erwartungen erzeugen an 4. die Medien oder andere {nicht­mediale) Quellen. Die Erwartungen führen dann zu 5. verschiedenen Mustern der Medienexposition (oder zu andern Aktivitäten), woraus 6. Bedürfnisbefriedigung und 7. andere Konsequenzen (meist unbeabsichtigte) resultieren.[44]

Die Forschung in den 1970er Jahren zielt verstärkt auf eine Kategorisierung der möglichen Bedürfnisse in vier Kategorien: Diese werden in „Diversion“, „Personal Relationships“, „Personal identity“, und „Surveillance“ unterteilt[45] Rosengren legte ein ähnliches, aber erweitertes Modell mit elf Elementen vor. Er unterscheidet zwischen Bedürfnissen, Problemen und Motiven und bezieht funktionale Alternativen mit ein. Mediennutzung und Gratifikation stehen in einer Rückkopplung zur Gesellschaft und Merkmalen des Rezipienten.[46] Eine spezifischere Ausführung des Approaches ist das Transaktionale Nutzen- und Belohnungsmodell von McLeod und Becker. Hierbei wird von den Wirkungen und Effekten auf künftiges Verhalten geschlossen.[47] Eine weitere Etappe in der Gratifikationsforschung ist das Erwartungs- und Bewertungsmodell gesuchter und erhaltener Gratifikationen nach Palmgreen im Jahr 1984.[48]

2.3.2. Kritik

Der Nutzenansatz der empirischen Medienforschung geriet Ende der 1960er Jahre unter Legitimationsdruck. Besonders die Fixierung auf das Individuum wurde kritisiert. „Die Forschung orientiert sich zu stark am System Individuum, während die übergeordneten Systeme weitgehend ausgeklammert bleiben.“[49]

Die Grundannahme von einem aktiven Publikum sei nicht haltbar, da es auch Phasen gebe, in denen man weniger aktiv sei und nicht immer bewusst handele. Außerdem stützten sich die Studien auf Selbsteinschätzungen und Aussagen der Rezipienten. Das bedeute, dass sich der Nutzer über seine Bedürfnisse bewusst sei und diese auch einschätzen könne. Diese Annahme entspreche nicht der Realität. Man könne auch unbewusst und ohne Bedürfnisse Medien nutzen.[50]

Um die vielen Motivkataloge zu einer Gesamtheit zu verbinden, schlägt Kliment vor, den Nutzenansatz mit Lebenswelt- und Milieutheorien zu verbinden, um dadurch dem Vorwurf an den Ansatz, „den sozialen und psychologischen Ursprüngen der Rezipientengratifikationen keine Beachtung zu schenken, zu entgehen“[51].

Elliott versucht eine Integration in soziologische Theorien und kritisiert unter anderem, dass die Bedürfnisse nur als zentrale Variable des Ansatzes vorgegeben seien. Außerdem sei die Annahme eines aktiven Publikums nicht bewiesen, sondern nehme eine Gegenposition zum Stimulus-Response-Modell ein. Er fragt, welche Gruppen welche Interessen vertreten und welche Konsequenzen Mediennutzung auf das gesamte soziale System hat.[52] Hauptproblematik des Uses-and-Gratifications-Ansatz ist also das Fehlen einer ausformulierten Theorie.[53]

Trotz Modifikationen ist der Approach immer noch in der Entwicklung. Vor allem durch das Internet und interaktive Mediennutzungsmöglichkeiten gibt es größere Auswahlmöglichkeiten und somit auch eine Erweiterung der Gratifikationsquellen.

2.4. Rezipienten

2.4.1. Relevanz von Persönlichkeitsmerkmalen für die Medienrezeption

Bommert et al. haben in ihrer Studie Persönlichkeitsmerkmale zu unterschiedlichen Dimensionen der Einschätzung von Fernsehakteuren in Beziehung gesetzt. Sie bewerten die Relevanz von Persönlichkeitsmerkmalen für die Medienrezeption sehr hoch. Sie stellten fest, dass ein Zusammenhang zwischen den Persönlichkeitsmerkmalen der Rezipienten und der Wahrnehmungsmuster der Fernsehakteure besteht. Verschiedene Persönlichkeitstypen bewerten Fernsehakteure unterschiedlich und schätzen sie unterschiedlich ein.[54] Als Grund benennen die Forscher die Verwendung von ähnlichen oder gleichen Persönlichkeitskonstrukten bei der Fremdeinschätzung und bei der Selbstwahrnehmung.[55]

Mediale Inhalte werden von unterschiedlichen Rezipienten nicht einheitlich wahrgenommen und bewertet, sondern sind von individuellen Variablen des jeweiligen Rezipienten abhängig. Rezipienten nehmen mediale Inhalte also nicht nur abhängig vom medialen Reiz, sondern auch von ihren eigenen individuellen Persönlichkeitsmerkmalen wahr.[56]

Individuelle Erfahrungshintergründe - wie zum Beispiel Sozi al verhalten, kognitive Schemata, Wissen oder Wahlverhalten - sind für den Rezeptionsprozess bedeutsam.[57]

Hier setzt diese Untersuchung an und bearbeitet die Frage, inwieweit das Fußballfan-Dasein die Rezeption von Fußballfilmen beeinflusst und inwieweit unterschiedliche Wahrnehmungsmuster bei Fans und Nicht-Fans festzustellen sind.

Dass man das Fan-Dasein als Persönlichkeitsmerkmal auffassen kann, wird deutlich, wenn man die Fankultur des Fußballs näher betrachtet.

2.4.2. Rezeptionsprozess

„Unter Medienrezeption soll die aktive Auseinandersetzung von (...) Zuschauern mit Filmen, usw. verstanden werden.“[58]

Charlton unterteilt den Vorgang der Rezeption in drei Phasen:

1. Die Zuwendungsphase/Selektionsphase
2. Die Interaktionsphase/die eigentliche Rezeption
3. die Aneignungsphase

Der Rezeptionsprozess beginnt mit der Zuwendung zum Medium, eventuell nach einem vorangegangen Wahlvorgang. Im Mittelpunkt steht die Leser­Text-Interaktion (resp. Zuschauer-Film-Interaktion). Die Interaktion mit dem Text kann von sozialer Kommunikation begleitet sein. Rezeptionspausen oder -abbrüche sind üblich. An die eigentliche Rezeption kann sich unmittelbar oder in größerem zeitlichen Abstand eine Aneignungsphase anschließen, in welcher die Medienerfahrung und die eigene Lebenswelt zueinander in Beziehung gesetzt werden.[59]

In der Zuwendungsphase findet die Selektion des Medienangebotes statt. Die Motivation des Rezipienten, ein Medienangebot zu nutzen, ist hier Untersuchungsgegenstand. An diesem Punkt setzt die vorliegende Untersuchung an. Gemäß der Uses-and-Gratifications-Theorie stellt sie unter anderem die Frage, warum Rezipienten in bestimmten Situationen auf bestimmte Medienangebote zurückgreifen.[60]

Die Interaktionsphase ist die Phase, die nicht mehr auf die Nutzer-Angebot­Interaktion „vorbereitet“, sondern in der es zu einer direkten Interaktion kommt. Das Verhalten des Rezipienten während der Nutzung des Medienangebotes wird zum Beispiel durch Beobachtung untersucht. Die Aspekte Motivation, Emotion und Kognition des Rezipienten sind hier von größter Bedeutung.[61] Da die Rezipienten nicht bei der Rezeption der Fußballfilme beobachtet wurden, wird dieser Punkt in der vorliegenden Untersuchung nicht behandelt.

In der Aneignungsphase, die nach der direkten Nutzer-Angebot-Interaktion, anzusiedeln ist, beschäftigt die Forschung die kurzfristige (z. T. auch langfristige) Medienwirkung auf den Rezipienten. Diese direkte Reaktion auf die Mediennutzung wird beim Uses-and-Gratifications-Ansatz als Gratifikation bezeichnet[62]. In der vorliegenden Analyse wurde auch der Aspekt der Motiverfüllung untersucht.[63]

Im Rezeptionsprozess spielen weitere verschiedene Elemente eine Rolle: So zum Beispiel Spezialeffekte, Stars, der Schauplatz, das Thema des Films und die Story sowie die Realitätsnähe der Fußballszenen. Alle diese Aspekte zusammen verschmelzen zum spezifisch strukturierten Erlebnis der Rezeption. Die Art des Erlebnisses entscheidet vorrangig darüber, welche soziodemografische Struktur die Rezipienten haben.[64]

Gerade Stars, wie zum Beispiel Peter Lohmeyer („Das Wunder von Bern“) oder Nora Tschirner und Christian Ulmen („FC Venus“) sind oft ein ausschlaggebender Faktor bei der Wahl eines Filmes. So genannte Publikumsmagneten können die Rezeption und die Auswahl eines Filmes extrem beeinflussen. Doch der Film an sich bleibt ein Gesamterlebnis, das heißt einen grundsätzlich wirkungslosen Film kann selbst der größte Star nicht retten“[65], so Blothner.

2.4.3. Fußballfankultur

„Echte Fans stehen in unerschütterlicher Treue zu ihrem Club - in guten wie in schlechten Zeiten. Sie reisen ihrer Mannschaft nach, wenn es sein muss bis ans Ende der Welt. Das Allerwichtigste jedoch: Sie hören niemals auf zu hoffen...“[66]

Die Einführung der Bundesliga 1963 brachte auch die ersten Fußballfans mit sich, die mit Schal, Aufnähern, Mützen und Fahnen Sympathie für ihren Verein zeigten. Ende der 1960er Jahre wurden dann die ersten Fanclubs gegründet, in denen sich die Anhänger organisierten. „Die Liebhaber bilden eine Gemeinschaft.“[67] Hier konnten sie sich mit Gleichgesinnten zusammenschließen, austauschen und Fanaktionen wie etwa Auswärtsfahrten planen. Rituale wie Lieder und Choreografien tragen zum Mythos einer Mannschaft bei. Eine Fankultur war entstanden, die sich in der Folgezeit immer weiter entwickelte.

Im Laufe der Jahre hat sich der Fußballzuschauer in den Stadien gewandelt. Nach der Modernisierung der Spielstätten in den 1980er Jahren schauen sich auch viele Zuschauer aus höheren Schichten und Frauen die Spiele live an, aber nur ein „echter Fan steht bei jeder Witterung im Stadion und unterstützt seinen Verein“.[68] Obwohl das Fußballerlebnis im Stadion zunehmend exklusiver geworden ist (VIP-Räume, Sitzplätze mit Catering, etc.), dominieren heute trotz allem weiterhin die Fans aus der Mittelschicht die Stadien.[69]

In den 1980er Jahren gab es allerdings parallel zum Wandel der Zuschauerstruktur auch einen Rückgang der Zuschauerzahlen. Der Grund war die aufkommende Hooliganszene und die damit verbundene gestiegene Gewaltbereitschaft. Noch heute sind Hooligans beim Fußballsport ein ernstes Diskussionsthema, das immer wieder von neuen Ereignissen genährt wird.

Als Fan wird eine Person bezeichnet, die, wie Hills es beschreibt, „obsessed is with a peticular star, celebrity“[70] oder die einem bestimmten Verein, wie einem Fußballteam anhängt.

Der Fan wird auf zwei Arten charakterisiert: Einerseits als besessener Einzelgänger, der isoliert lebt, und andererseits als „wahnsinniges“ Gruppenmitglied, das an einer ansteckenden Krankheit leidet. Fans sind „irrational, out of control and prey to a number of external forces“.[71] Von Menschen außerhalb der Fangemeinde werden Fans oft als „sie“ und ganze Gruppe bezeichnet. Auch Menschen innerhalb der Fangemeinde betonen immer wieder das Wir-Gefühl. Ihr Fantum bezeichnet Jenson als „social dysfunction“[72]. Fußballfans zählen zu der eben genannten Gruppe. Prof. Dr. Franz R. Stuke, der sich bei seinem Forschungsthema „Profi-Fußball als Gegenstand gesellschaftlicher Kommunikation“ unter anderem mit der Fankultur in den Stadien auseinandergesetzt hat, bewertet den Fußball im Leben eines Fans einerseits als eine Fluchtmöglichkeit, andererseits aber auch als Lebenserfüllung.[73] Beide Aspekte spielen bei dem Wir-Gefühl der Fußballfans eine Rolle.

In der Masse der Zuschauer versinkt jeder einzelne Fan und hat somit die Möglichkeit, „die Lasten der Individuation und der Singleexistenz“ gegen das „Wir“ einzutauschen.[74] Das Gemeinschaftsgefühl und der dadurch entstehende gegenseitige Sog der positiven und negativen Emotionen ist ein wichtiger Aspekt der Fußballfankultur. Die Suche nach dem gemeinsamen Erlebnis und der Solidarisierung mit anderen treibt den Fußballfan an.[75] Durch Vereinsfarben und -trikots zeigen sich die Fans denjeweiligen Subgruppen des

Fußballs zugehörig. Das Gemeinschaftsgefühl innerhalb dieser Subgruppe wird durch das gleichartige Aussehen noch gestärkt.[76]

Die Eigenschaften „wahnsinnig“, „hysterisch“ und „schreiend“ werden vor allem mit Musik und Sport in Verbindung gebracht. Jenson stellt Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Fans fest: Bei Frauen erwecken Gefühlsausbrüche wie Weinen, Schreien oder gar Ohnmächtig werden eine unkontrollierte erotische Energie, die dadurch entsteht, dass sie ihren Stars nahe kommen oder diese sogar kennen lernen dürfen.

Männliche Anhänger fallen dagegen durch eine Zerstörungswut, oft ausgelöst durch Alkohol, auf, die sich wiederum durch unkontrollierbare Leidenschaft bemerkbar macht. Diese steht beim Sport im direkten Zusammenhang mit Sieg oder Niederlage.[77]

Sowohl männliche als auch weibliche Fans idealisieren die Fußballer zu Stars und machen ihn zu Pop-Protagonisten des Sports. Hier ähnelt der Fußballfan zum Beispiel dem Boygroup-Fan, der seinen Star als Idol ansieht, Informationen über das Privatleben des Stars sammelt, ihm hinterher reist und ihn gleich einem Götzenbild auf Postern anbetet. Die massenmediale Verbreitung unterstützt den Fußballer als Popstar und nährt die Fankultur.[78]

Der Schriftsteller Nick Hornby, selbst begeisterter Fußballfan, beschreibt in seinem Roman mit autobiografischen Zügen[79] das Leben eines Fans sehr ausführlich. Als eine Art Erklärbuch für Frauen gedacht, erläutert es dem Leser das Seelenleben eines Stadionbesuchers und erzählt nachvollziehbar, wie das Fan-Dasein zur Sucht werden kann. Hornby charakterisiert Fußball als eine Ersatzreligion, die eine Fankultur vergleichbar mit fanatischen Religionsanhängern mit sich bringt. Fußball ist für ihn mehr als eine Leidenschaft.

Den Vergleich mit einer Religion teilen auch Becker:

Alles, was die Spieler berühren oder die Mannschaft mit einem Zeichen versieht, wird zu einem geweihten Gegenstand, der die Tugenden und die Kraft des Berührenden auf magische Weise in sich aufgenommen hat. Gelangen die Fans in den Besitz dieser Gegenstände, dann wird auch ihnen diese Kraft zuteil.[80]

und Schneider:

Hat er erst einmal das Fußballstadion erreicht, dann umfängt den Fan ein mythischer Ort. Was für das antike Griechenland Olympia war, heißt für die deutschen Moderne Betzenberg, Millerntor, Bökelberg oder Parkstadion. So verläuft die Reise zu den großen Fußballarenen am Wochenende als Wallfahrt. Doch das wahre Ziel vieler Fans ist das erhabene Erlebnis des Krieges, der im glücklichen Falle von diesen heiligen Stätten seinen Ausgang nimmt.[81]

Das Stadion als Kriegsschauplatz und der Fußballfan als Freund oder Feind ist ein in der Literatur weit verbreiteter Vergleich des Fußballsports mit dem Krieg. Martialische Fangesänge wie „Packt se, packt se, packt se und zerhackt se!“[82] unterstreichen diese Kriegsmetapher. Bei dem Hooligan nimmt der Fußballverein heute die Stelle ein, die früher das Vaterland innehatte. Für seinen Verein lebt und kämpft er. Welchem Verein die Fans anhängen, wird oft durch den Geburtsort und eine jahrzehntelange Familientradition entschieden. Ein Beispiel für eine bittere Feindschaft, die oft in gewalttätigen Auseinandersetzungen eskaliert, ist die zwischen Schalke und Dortmund. Die Fangesänge, die friedliche Fans hier gegeneinander singen, reichen den Hooligans nicht aus. Sie setzten ihre Fäuste ein, um den Krieg vom Fußballfeld in die Fankurven zu übertragen.

Heitmeyer#5 teilt Fußballfans in drei Kategorien ein:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Fußballfan ist also kein homogener Typus, sondern wird von unterschiedliche Motiven angetrieben. Das bereits erwähnte Wir-Gefühl besteht nur bei den fußballzentrierten und erlebnisorientierten Fans. In der Untersuchung spielen die konsumorientierten Fans keine Rolle, da für sie der Fußball als Sport austauschbar ist und nicht, wie für die fußballzentrierten Fans, der ausschlaggebende Faktor für das Fansein. Der erlebnisorientierte Fan war gerade während der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland vorherrschend. Das Wir-Gefühl ist für ihn wichtiger als der Sport. Die Entwicklung vom erlebnisorientierten Fan zum fußballzentrierten Fan ist immer möglich. Gerade durch die Weltmeisterschaft 2006 erfuhr die Fankultur in Deutschland einen Aufschwung.

Wichtig für diese Untersuchung ist, dass gerade der Status als Fan das Vorwissen über das Thema Fußball die Rezeption beeinflusst. Fußballfans rezipieren Fußballfilme immer im Kontext ihrer Erfahrungen aus dem Stadion, aus den Fangruppen und aus ihrem Wissen über den Sport. Hieraus entsteht jene Zuschaueraktivität, die relevant für die Filmrezeption ist.[83]

2.5. Zusammenfassung und Ziele

Trotz vielfacher Kritik und eingeschränkter Gültigkeit besitzt die Rezeptionsforschung erklärende und richtungsweisende Merkmale. Es zeigt sich aber, dass dieser Ansatz immer wieder neu auf die jeweilige Fragestellung ausgerichtet werden muss. Dies lässt sich bei der vorliegenden Untersuchung schon daran erkennen, dass viele Studien das Fernsehen und TV-Programme in den Mittelpunkt stellen. Dieser Arbeit liegen hingegen zwei Filme als Untersuchungsgegenstand zugrunde.

Grundlage der vorangegangenen Planungen und Überlegungen ist der Uses- and-Gratifications-Ansatz, der als Grundlage der vorliegenden Rezeptionsstudie dient. In den vorangegangenen Ausführungen wird deutlich, dass die beschriebene Entwicklung und die Forschungsansätze kein Gesamtbild des Ansatzes liefern können. Auch lassen sich nicht alle Forschungsansätze und Probleme auf diese Arbeit anwenden.

Hier setzt diese Untersuchung an, da es möglich ist, die Theorie durch Modifikation der Fragestellung anzupassen. Basierend auf dem Wissenshintergrund Fußball wird die Rezeption durch Fußballfans und Nicht­Fußballfans untersucht.

Die Untersuchung setzt also an der Kritik Kliments und an den Ausführungen Bommerts et al. an, den Nutzenansatz mit Lebenswelt- und Milieutheorien zu verbinden, um den sozialen Hintergrund der Rezipienten stärker in den Mittelpunkt der Untersuchung zu setzen. Das Interesse am Fußball wird als Persönlichkeitsmerkmal eingestuft.

Der Ansatz kann nicht die Motivation erklären, warum jemand Fan geworden ist. Auch die Einflüsse, die durch die Fußballfans gesteuert werden, ob sie z. B. durch familiäre Traditionen Fan geworden sind, werden nicht beachtet und auch in dieser Arbeit nicht berücksichtigt.

Im Sinne des Uses-and-Gratifications-Ansatzes haben die Rezipienten sowohl beim Selektionsprozess der Medienangebote als auch bei den kognitiven Interpretationsprozessen eine aktive Rolle inne - Medien werden bewusst genutzt. In der vorliegenden Arbeit entscheidet sich der Nutzer also zum Schauen eines Fußballfilmes.

Im Rahmen der vorliegenden Untersuchung wird das Medienangebot zwar für die Rezipienten vorselektiert und damit auf die beiden Filme „Das Wunder von Bern“ und „FC Venus“ beschränkt. Der Aspekt der Motivation und des Selektionsprozesses der Rezipienten, die bereits in der Vergangenheit diese beiden Filme gesehen haben, wird trotzdem berücksichtigt.

Bezüglich der Motivation und Gratifikation der Rezipienten ist es nun von Interesse, inwieweit eine Motiverfüllung bei der Rezeption von Fußballfilmen vorliegt, sowohl bei Fußballfans als auch bei Nicht-Fußballfans.

Die bereits angesprochene Kritik an der Rezeptionsforschung im Bezug auf die Fixierung auf das Individuum ist für diese Arbeit zu vernachlässigen, da es bei dieser Untersuchung entscheidend ist, von einem Individuum auszugehen.

3. Untersuchungsgegenstand: Fußball, Film und Rezipient

3.1. Fußball

Das Phänomen Fußball hatte früher eine andere Bedeutung als heute. Als die deutsche Fußballnationalmannschaft am 4. Juli 1954 in Bern im Endspiel gegen Ungarn stand, verfolgte zwar die ganze Nation das Ereignis. Politiker wie Bundeskanzler und Bundespräsident waren aber nicht vor Ort. Denn das Image des populären Ballsports war ein anderes als heute. Fußball galt als verpönt und die obere Schicht, politische und gesellschaftliche Eliten, interessierte sich nur hinter vorgehaltener Hand für den Sport. Trotzdem war Fußball auch schon in den 1920er Jahren äußerst populär und begeisterte viele zehntausende Fans und Anhänger. Auch der DFB zählte zu dieser Zeit schon fast eine Million Mitglieder.[84] Dennoch gab es keinen Medienrummel und Fußball fand auch keine Aufmerksamkeit in Feuilletons, Diskussionsrunden und Büchern - oder, wie bei dieser Arbeit, in Filmen.

Die Anfänge des modernen Fußballs liegen in England. Nach Deutschland gelangte die Sportart um 1870. Zunächst breitete sich der Ballsport in den besseren Klassen aus, wurde an Universitäten und in Schulen ausgeübt, bevor sich das „Kicken“ auch in der Arbeiterschaft verbreitete. Ein Beispiel dafür ist der FC Schalke 04, der 1904 in Gelsenkirchen von den Bergleuten gegründet wurde und somit weit von universitären Hochburgen entfernt angesiedelt war. Für den Fußball sprach im Gegensatz zum verbreiteten Rugby die Spannung während eines Spiels.[85] In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts entwickelte sich der Fußball dann zum Volksport und der Berufsfußball entstand.

Die Euphorie 1954 nach dem ersten Gewinn der Weltmeisterschaft währte zunächst nur kurz. Die repräsentative Funktion des Fußballs wurde erst in den 1970er Jahren anerkannt. Die Triumphe 1972 bei der Europameisterschaft und 1974 bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land gaben Deutschland „das neue Gesicht“[86] und Fußball fand Anhänger in allen sozialen Gruppen. Auch Intellektuelle und Künstler bekannten sich zu dem Ballsport. In den nächsten Jahrzehnten erlitt der Fußball immer wieder Rückschläge. Mit den steigenden Einkommen der Profis ging die Spielkultur immer mehr zurück. Ein Angriff in einem Europapokal-Endspiel reichte beispielsweise zum Sieg. Der Fußball hat sich verändert. Das Ziel der Profis ist „nicht mehr Bezauberung [...], sondern die langfristige Verdienstmöglichkeiten im doppelten Millionenbereich“.[87]

3.1.1. Das Großereignis Fußballweltmeisterschaft 1954

Sönke Wortmann, der Regisseur von „Das Wunder von Bern“ über die Fußballweltmeisterschaft 1954:

Es gibt in der deutschen Nachkriegsgeschichte zwei Ereignisse, bei denen die Zeitgenossen heute noch genau wissen, wo sie an diesem Tag waren: Der Fall der Mauer 1989 und der überraschende Gewinn der Fußballweltmeisterschaft am 4. Juli 1954, besser bekannt als: „Das Wunder von Bern“[88]

Der Gewinn der Fußballweltmeisterschaft 1954 bedeutete nicht nur den Triumph über Ungarn und einen Pokal, der das Erreichte dokumentierte. Der Sieg schaffte unter den Menschen in Deutschland ein „Wir-Gefühl“, das es nach dem Zweiten Weltkrieg noch nicht gegeben hatte. Das Endspiel verfolgten „fast alle Bewohner der Bundesrepublik“[89]. Da es zu der Zeit erst wenige TV-Geräte gab, verfolgten viele Menschen die Übertragung im Radio. Bei der Rückkehr wurde die Mannschaft bejubelt. In den Medien fanden Weltmeisterschaft und Titelgewinn weniger Beachtung als heute. Dies hatte unter anderem den Grund, dass „der Fußball damals einen bedeutend geringeren Stellenwert besaß als heute“[90]

Im Jahr 2006 hingegen wurde die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland zum „größten Sport- und Medienereignis aller Zeiten“[91] erklärt. Im Vorfeld wurden Rechte verkauft, jahrelang bereiteten sich ARD und ZDF auf das Großereignis vor. Aber genau wie bei der Fußballweltmeisterschaft1954 wurde - neben vielen anderen Parallelen - die Nationalelf zum Repräsentanten einer kollektiven und nationalen Identität.

Nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft 1954 erfuhr der Fußballsport einen Aufschwung. Die Fans gehörten nicht nur der Arbeiterschicht an, auch in anderen sozialen Gruppen waren immer mehr Anhänger zu finden. Dennoch waren Fußballer nicht wie in der heutigen Zeit Personen, die in der Öffentlichkeit stehen und deren Namen bekannt sind. Auch das Gehalt entsprach nicht annähernd den Millionengagen der heutigen Zeit. Fritz Walter und seine Teamkollegen erhielten 2500 Mark und eine Polstergarnitur.[92] Die Euphorie während der Fußballweltmeisterschaft in der Schweiz steigerte sich von Spiel zu Spiel. Zu Beginn, vor allem nach der ersten Niederlage gegen Ungarn, war das Interesse in der Öffentlichkeit gering. Durch die Außenseiterrolle der deutschen Mannschaft stieg auch die Begeisterung für das Team. Das „Fußballwunder“ von Bern sorgte aber laut Brüggemeier nur kurzzeitig für ein neues Nationalgefühl. Die Lücke zwischen Hoch- und Alltagskultur war zu groß. Die bürgerlichen Intellektuellen und Eliten konnten mit den einfachen Spielern nicht viel anfangen. Eine neue Identität ist somit nicht entstanden. Allerdings gibt es in der historischen Forschung auch viele Stimmen, die den Erfolg als Wendepunkt, als eine „nationale Katharsis, eine Art emotionale Selbstanerkennung der Bundesrepublik“,[93] sehen. „Der Sieg im WM-Finale war die wahre Geburtsstunde der Bonner Republik“.[94] Auch Sönke Wortmann misst der Fußballweltmeisterschaft 1954 eine hohe Bedeutung für das Nationalgefühl bei:

„Das Kennzeichen dieser historischen Stunde war keineswegs nur der Sieg einer Fußballmannschaft, sondern eine Art kollektiver Glückszustand, ein ermutigendes Gegenbild zum Nazi-Reich.“[95]

Nach dem verlorenen Krieg wird der Sieg bei der Fußballweltmeisterschaft 1954 und das „dadurch gewonnene ,Wir sind wieder wer’-Gefühl zu einer der Gründungsmythen der deutschen Wirtschaftswundergesellschaft“[96] eingestuft.

Boyle und Hanes ergänzen den Aspekt des Miterlebens eines Großereignisses wie die Fußballweltmeisterschaft 1954 um den Aspekt des medial vermittelten Sports. Dieser reproduziere, verstärke oder normalisiere auf die Art und Weise der medialen Vermittlung Einstellungen und Werte, die eigentlich dem kulturellen und politischem Leben zuzuordnen wären.[97]

Sportsoziologen scheinen sich einig darüber zu sein, dass die meisten Menschen über das Medium Fernsehen in das Thema Sport involviert sind.[98] Es existiert eine hoch kommerzialisierte und massenkommunizierte Sportkultur, die - ob Fan oder nicht - jeden Zuschauer bis zu einem bestimmten Grad beeinflusst. Die über die Massenmedien vermittelte Sportkultur ist Teil der Gesellschaft geworden und unausweichliche Realität.[99]

Eine genauere Untersuchung der Auswirkungen der Weltmeisterschaft 1954 und der Vermittlung dieser Art von Großereignissen sprengt an dieser Stelle jedoch den Umfang dieser Arbeit.

3.2. Fußballfilme

3.2.1. Genredefinition

„Das Genre bestimmt (...) einen historisch-pragmatischen

Zusammenhang, in dem sich sowohl Produzenten als auch Rezipienten befinden. Es signalisiert eine bestimmte Erzählung und Erzählweise, stimuliert damit Erwartungen. Genres lassen sich als narrative Grundmuster beschreiben, auf die sich die einzelnen in den Filmen (...) konkretisierten Geschichten beziehen lassen.“[100]

Der Fußballfilms ist eine Mischform aus verschiedenen Gattungen. Er kombiniert meist verschiedene Genres wie zum Beispiel Dokumentarfilm, Familienfilm, Animationsfilm, Komödie, Actionfilm oder andere Genres. Der gemeinsame Nenner, den alle diese Filme besitzen, ist die Thematik Fußball und die Einordnung dieser Filme als Sportfilme.

Das Genre des Fußballfilms ist vergleichbar mit dem Genre des Schulfilms. Hier ist der gemeinsame Nenner das Thema Schule und Schüler. Auch dieses Thema wird auf oft unterschiedliche Weise dargestellt. So wird das Genre des Schulfilms auch oft mit dem Genre der Komödie[101], des Trickfilms[102], oder des Drama-Genres[103] kombiniert.

Das Problem der Definition des Fußballfilms liegt gerade in der Mischform des Genres begründet. Von Berg bezieht sich auf John Ford, der dieses Muster auch beim Western sieht und feststellt, „dass es in jedem Western Pferde und Revolver gibt, aber längst nicht jeder Film, in dem Pferde und Revolver zu sehen sind, auch ein Western sei“.[104]

Fußballfilme sind eine filmische Beschäftigung des Phänomens Fußball im weiteren Sinne.

Das Stadion bzw. Spielfeld ist meist zentraler Handlungsort der Geschichte. Genau hier setzt die Kritik an: Oft gelingt es Fußballfilmen nicht, die Atmosphäre, die live im Stadion herrscht, und die Faszination des Sports auf die Leinwand zu übertragen.

3.2.2. Überblick

„Das Wunder von Bern“ und „FC Venus“ sind nur zwei von vielen Fußballfilmen, die in den Jahren die Leinwand erobert haben. Fußballfilme stammen nicht nur aus Deutschland. Auch in England, Hongkong oder Indien beschäftigen sich Filmemacher mit der Thematik um das runde Leder. Neben „Das Wunder von Bern“, der u.a. in Essen spielt, spielen auch „Nordkurve“ (2001) und „Fußball ist unser Leben“ (2000) im Ruhrgebiet. Neben Fußballgeschichten, Frust, Jubel und Spielen steht der Lokalkolorit im Vordergrund.[105] Auch private Tragödien werden behandelt. Den Sprung auf die große Leinwand schafften in den vergangenen Jahren Filme wie „Fever Pitch“ (1997) nach der Roman- und Drehbuchvorlage von Nick Hornby und „Goal“ (2005), der die Geschichte eines talentierten Latinos erzählt, der seine Heimat USAverlässt, um in der englischen Premier League sein Glück zu suchen. Das Besondere an „Goal“ ist das Staraufgebot der Fußballer, die mitwirken: David Beckham, Alan Shearer, Patrick Kluivert, Zinedine Zidane und andere.[106] Mit dem Duell Gut gegen Böse auf fernöstlichen Fußballfeldern befasst sich „Shaolin Kickers“ (2001) von Stephen Chow.

Die Fankultur selbst wird in Filmen wie „Ultra“ (1990) aus Italien oder „Undercover (I.D.)“ (1994) thematisiert.

Ein weiteres beliebtes Sujet ist die Beziehung von Frauen zu Fußball. Nicht nur in „FC Venus“, auch im britischen Film „Kick it like Beckham“ (2002) spielen Frauen die Hauptrollen und treten zum Geschlechterkampf an. Hinzu kommt in diesem Film noch die Komponente des Aufeinandertreffens europäischer und indischer Kultur.

Jugendliche stellen in der Filmreihe „Die Wilden Kerle“ (2003-2007) die Zielgruppe dar. Von der erfolgreichen Kinderfußballsaga gibt es inzwischen vier Teile.

Sönke Wortmanns „Deutschland. Ein Sommermärchen“ (2006), eine Dokumentation über die Fußballweltmeisterschaft in Deutschland im Sommer 2006, war mit 3,992 Millionen Kinobesucher[107] der erfolgreichste deutsche Film der letzten Jahre.

Fußballfilme wurden aber auch schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gedreht. „Die elf Teufel“ aus dem Jahr 1927 ist ein Stummfilm. „Das große Spiel“ (1942) zeigt neben Schauspielern wie René Deltgen und Gustav Knuth auch dokumentarische Aufnahmen aus dem Berliner Olympiastadion mit Stars wie Fritz Walter und Sepp Herberger.[108]

3.3. „Das Wunder von Bern“

„Aus! Aus! Aus! Das Spiel ist aus! Deutschland ist Weltmeister.“[109]

3.3.1. Inhaltsangabe

Die letzten Wochen vor der Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz.

Dem Ereignis fiebert auch Matthias Lubanski entgegen. Er lebt mit seiner Familie im Ruhrgebiet in Essen. Der Vater ist in Kriegsgefangenschaft, seine Mutter Christa hat nach dem Zweiten Weltkrieg eine Gaststätte eröffnet. Der Elfjährige hilft dort ebenso wie seine älteren Geschwister Ingrid und Bruno. Seine große Leidenschaft ist Fußball, besonders der Fußballclub Rot-Weiß Essen. Dort spielt auch sein großes Idol, Helmut Rahn. Für den Nationalspieler, der den Spitznamen „Boss“ trägt, darf Matthias die Tasche tragen. Er sei sein Glücksbringer und nur mit ihm gewinne er, versichert ihm Helmut Rahn immer wieder.

In ihm sieht Matthias eine Vaterfigur, denn seinen leiblichen Vater Richard hat er noch nie gesehen.

Gemeinsam mit seinen Freunden und seiner Freundin Carola spielt der Junge auf dem Hinterhof in Essen-Katernberg selbst Fußball, ist dabei aber nicht so talentiert wie der „Boss“. Sogar Carola wird von den anderen bei der Mannschaftsauswahl bevorzugt.

Matthias’ Leben erfährt einen Bruch, als sein Vater aus der Kriegsgefangenschaft entlassen wird.

Doch das Familienleben mit dem Heimkehrer ist nicht einfach: Die jahrelange Abwesenheit und die extremen Erfahrungen in Sibirien haben ihre Spuren hinterlassen. Richard akzeptiert die Kneipe nicht, hat Probleme mit seinen Kindern, schlägt sie und kommt mit dem neuen Leben nicht zurecht. Im Bergwerk erleidet er einen Zusammenbruch. Annäherungsversuche durch ein gemeinsames Essen und kleine Aufmerksamkeiten für seine Familie scheitern. Richard hat für den Festschmaus die beiden geliebten Kaninchen von Matthias geschlachtet. Bruno, der Älteste, hält die Situation zu Hause nicht mehr aus und zieht nach Ost-Berlin - der Jungkommunist und Musiker versucht sein Glück in der DDR. Auch Ingrid gerät mit ihrem Vater aneinander, da er nicht akzeptiert, dass sie abends tanzen geht und sich zurecht macht. Matthias wünscht sich, dass sein Vater nie wiedergekommen wäre.

Seinen „Boss“ verabschiedet er am Bahnhof auf dem Weg zum Trainingslager für die bevorstehende Weltmeisterschaft. Sein Vater kann die Verehrung nicht verstehen und verbietet seinem Sohn den „Glauben“ an einen Fußballspieler. Der Kleine wagt einen Ausreißversuch, wird aber am Bahnhof von seinem Vater aufgegriffen und später bestraft.

Die Weltmeisterschaft in der Schweiz beschert der Gaststätte von Christa zu den Spielen ein volles Haus. Die Nachbarn schauen das Turnier gemeinsam, doch Matthias, der sich sehr auf die Fußballweltmeisterschaft gefreut hat, bekommt von Richard Stubenarrest und darf die Spiele nicht schauen.

Auch seinem Idol Rahn ergeht es nicht besser, denn bisher hat Nationaltrainer Sepp Herberger auf Einsätze des „Boss“ verzichtet. Dieser spült seinen Frust mit Alkohol in der Hotelbar hinunter und riskiert somit einen Rauswurf aus der Nationalelf. Sein Zimmernachbar und Teamkollege Fritz Walter versucht zu vermitteln. Ebenfalls im Mannschaftshotel untergebracht ist das gut situierte Münchener Ehepaar Ackermann. Paul ist Sportjournalist und berichtet für die Süddeutsche von der Fußballweltmeisterschaft. Seine Frau Annette hat sich spontan entschlossen, ihren frisch gebackenen Ehemann zu begleiten, da wegen der Weltmeisterschaft die Hochzeitsreise ausfallen musste. Bisher hat sich Annette nicht für den Beruf ihres Mannes begeistern können, doch in der Schweiz besucht sie mit ihm die Pressekonferenzen, lernt Regeln und Spieler kennen und feuert die Mannschaft bei den Spielen im Stadion an. Die deutsche Mannschaft gilt bei dem Turnier als Außenseiter und nach dem 3:8-Ergebnis im Gruppenspiel gegen Ungarn scheint alles vorbei. Doch dann schafft es die Elf sogar bis ins Endspiel.

Diesen Tag wird auch Matthias nicht vergessen. Sein Vater Richard wagt eine weitere Annäherung und fährt mit seinem Sohn in einem geliehenen Auto nach Bern. Der kleine Fußballfan kann sein Glück kaum fassen. Vor allem, als er in der zweiten Halbzeit das Stadion betritt. Vor dem entscheidenden Tor treffen sich die Blicke von Matthias und Helmut Rahn, der im Endspiel spielen darf und präsentiert sich in Höchstform. Er erzielt das 3:2 gegen Ungarn und sichert so den Weltmeistertitel für die deutsche Mannschaft. Die Rückkehr nach Deutschland gerät zu einem Triumphzug. Matthias und Richard mogeln sich in den Zug, wo Matthias den „Boss“ wiedertrifft und Versöhnung mit seinem Vater feiert. Der Film endet mit der Einblendung „Ein Jahr später kehrten die letzten Kriegsheimkehrer nach Hause zurück. Zur gleichen Zeit begann das deutsche Wirtschaftswunder. Die Elf von Bern spielten nie wieder zusammen.“

3.3.2. Themenschwerpunkte

Mittels der Geschichte eines elfjährigen Jungen, Matthias Lubanski[110], wird die Fußballweltmeisterschaft 1954 thematisiert. Die verschiedenen Handlungsstränge werden im Finale zusammengeführt.

Bereits der Titel des Films gibt Aufschluss über dessen Themenschwerpunkt: Die Fußballweltmeisterschaft 1954 in der Schweiz, die die deutsche Mannschaft als Überraschungssieger gewinnt - ein Sieg von historischer Bedeutung. Gezeigt werden die Vorbereitungen auf die Fußballweltmeisterschaft inklusive der Methoden des Trainers Sepp Herberger,

[...]


[1] Hunziker, Peter (1988) Medien, Kommunikation und Gesellschaft. Einführung in die Soziologie der Massenkommunikation. Darmstadt, S. 51

[2] vgl. Hickethier, Knut (2001) Film- und Fernsehanalyse, 3. überarbeitete Aufl. Stuttgart/ Weimar, S. 6

[3] Diese Informationen sind auch ausschlaggebend für die Vorbereitung der verschiedenen Messmethoden und für die Vorbereitung und Durchführung der Gruppendiskussion, der Erstellung des Fragebogens und der Formulierung von Kategorien, anhand derer die Rezeption untersucht wird.

[4] Vgl. auch Kelle, Udo/Kluge, Susanne (1999) Vom Einzelfall zum Typus : Fallvergleich und Fallkontrastierung in der qualitativen Sozialforschung. Opladen, S. 25

[5] Ein nicht-fiktionaler Film muss den Anspruch auf glaubwürdige Echtheit erfüllen, auch wenn schon durch den Filmentstehungsprozess eine gewollte oder ungewollte Manipulation stattfindet. Der nicht-fiktionale Charakter eines Films wird durch Authentifizierungsstrategien unterstützt. So werden zugunsten einer höheren Glaubwürdigkeit z.B. Zeit und Ort der jeweiligen Handlung eingeblendet. Hierbei gilt zu beachten, dass „ ,authentisch’ (...) die objektive ,Echtheit’ eines der filmischen Abbildungen zugrunde liegenden Ereignisses [bezeichnet]. Mit dem Verbürgen eines Vorfalls als authentisch wird impliziert, dass eine Sache sich so ereignet hat, ohne dass die filmische Aufnahme den Prozess beeinflusst hätte. Die Authentizität liegt in der Quelle begründet.“ (Hattendorf, Manfred (1994) Dokumentarfilm und Authentizität: Ästhetik und Pragmatik einer Gattung. Konstanz, S. 67) Dies ist bei „Das Wunder von Bern“ der Fall.

[6] Lamnek, Siegfried (2005a) Gruppendiskussion, 2. Aufl. Weinheim/Basel und Lamnek, Siegfried (2005b) Qualitative Sozialforschung, 4. Aufl. Weinheim/Basel

[7] Mayring, Philipp (2003) Qualitative Inhaltsanalyse, 8. Aufl. Weinheim/Basel

[8] Noelle-Neumann, Elisabeth (1963) Umfragen in der Massengesellschaft - Einführung in die Methoden der Demoskopie. Reinbek bei Hamburg

[9] Schenk, Michael (1987) Medienwirkungsforschung. Tübingen und Schenk, Michael (2000) Schlüsselkonzepte der Medienwirkungsforschung. In: Schorr, S. 71-84 und Schenk, Michael (2002) Medienwirkungsforschung. 2. Aufl. Tübingen

[10] Bommert, Hanko/ Weich, Karl W./ Dirksmeier, Christel (1995) Rezipientenpersönlichkeit und Medienwirkung. Der persönlichkeits-orientierte Ansatz der Medienwirkungsforschung. Münster/ Hamburg und Bommert, Hanko/Dirksmeier, Christel/Kleyböcker, Ralf (2000) Differentielle Medienrezeption. Münster

[11] Gehrau, Volker (2002) Eine Skizze der Rezeptionsforschung in Deutschland. In: Empirische Perspektiven der Rezeptionsforschung. Hg. v Patrick Rössler, Susanne Kubisch und Volker Gehrau. München, S. 19

[12] Ebd., S. 10

[13] Charlton, Michael (1997) Rezeptionsforschung als Aufgabe einer interdisziplinären Medienwissenschaft. In: Rezeptionsforschung. Hg. v Michael Charlton und Silvia Schneider. Opladen, S. 16

[14] Ebd., 16f.

[15] Jäckel, Michael (2005) Medienwirkungen, 3. überarbeitete und erweiterte Aufl. Wiesbaden, S. 70f.

[16] Gehrau 2002, S. 11ff.

[17] Schenk 2000, S. 73

[18] Goertz, Lutz (1997): Perspektiven der Rezeptionsforschung. In: Scherer/Brosius, S. 22

[19] Goertz 1997, S. 7

[20] Bommert et al. 1995, S. 9 und Bommert et al. 2000, S. 1

[21] Katz, Elihu (1959) Mass Communication Research and the Study of Culture. In: Studies in Public Communication 2, S.2

[22] Das Stimulus-Response-Modell gilt als erster systematischer Ansatz zur Erfassung von Medienwirkungen und wird der Frühzeit der Medienwirkungsforschung von 1900 bis 1940 zugeschrieben. „Die grundlegende Charakteristik des Modells besteht zum einen in der engen Korrespondenz zwischen Merkmalen des einzelnen Stimulus und Merkmalen der Reaktion darauf. Der Inhalt der Kommunikation und die Richtung des Effekts werden gleichgesetzt.“ (Esser Frank/Brosius, Hans-Bernd (2000) Auf der Suche nach dem Stimulus-Response-Modell. Ein kritischer Beitrag zur Geschichtsschreibung der Medienwirkungsforschung. In: Schorr, S. 55)

[23] Bommert et al. 1995, S. 9 und Bommert et al. 2000, S. 1

[24] Kleyböcker, Ralf (1999) Multimodale Rezipienten-Typen und Differentielle Medienwirkung. Münster, S. 5

[25] Katz und Eazarsfeld haben sich mit diesem Forschungsfeld befasst. (Katz, E./Eazarsfeld,

P.F. (1955) Personal influence. The part played by people in the flow of mass communication, Glencoe.)

[26] Neumann-Braun, Klaus (2000) Publikumsforschung - im Spannungsfeld von Quotenmessung und handlungstheoretisch orientierter Rezeptionsforschung. In: Medien- und Kommunikationssoziologie. Eine Einführung in zentrale Begriffe und Theorien. Hg. v Klaus Neumann-Braun und Stefan Müller-Doohm. Weinheim und München, S. 192

[27] Gerbner, George (2000) Die Kultivierungsperspektive: Medienwirkungen im Zeitalter von Monopolisierung und Globalisierung. In: Schorr, S. 105

[28] McCombs, Maxwell (2000) Agenda-Setting: Zusammenhänge zwischen Massenmedien und Weltbild. In: Schorr, S. 126

[29] Katz 1959, S. 2

[30] Renckstorf, Klaus (1992) Neue Perspektiven in der Massenkommunikationsforschung. Beiträge zur Begründung eines alternativen Forschungsansatzes. In: Wirkungen der Massenkommunikation. Theoretische Ansätze und empirische Ergebnisse. Hg. v Roland Burkart. Wien, S. 40-56

[31] Bommert et al. 2000, S. 3

[32] Gehrau 2002, S. 22

[33] Bandura, Albert (2000) Die Sozial-Kognitive Theorie der Massenkommunikation. In: Publikums- und Wirkungsforschung: ein Reader. Hg. v Angela Schorr. Wiesbaden, S.156

[34] Goertz 1997, S. 10

[35] Schenk 2002, S. 630

[36] Häufig untersuchte Motive sind z.B. Entspannung, Ablenkung, Phantasieanregung, Realitätsflucht, Spannung, Information, Beratung, Problemlösung, etc. (Bommert et al. 1995, S. 21f.)

[37] Vgl. Herzog, Herta (1944) What do we really know about daytime serial listeners? In: Radio Research 1942-43. Hg. v Paul Lazarsfeld und Frank Stanton. New York, S. 3-33

[38] Vgl. Berelson, Bernard (1949) What „Missing the Newspaper” Means. In: Communication Research 1948-49. Hg. v Paul Lazarsfeld und Frank Stanton. New York, S. 111-129

[39] Schenk 2000, S. 139

[40] Vgl. McQuail, Denis/Blumer, Jay G./Brown, J.R. (1972) The Television Audience: A Revised Perspective. In: Sociology of Mass Communication. Hg. v Denis McQuail. Harmondworth, S. 135-165

[41] Schenk 2002, S. 630

[42] Rubin, Alan M. (2000) Die Uses-And-Gratifications-Perspektive der Medienwirkung. In:

Schorr, S. 138f.

[43]

Meyen, Michael (2001) Mediennutzung. Mediaforschung, Medienfunktionen, Nutzungsmuster. Konstanz, S. 16

[44] Zitiert nach Schenk 2002, S. 631f. (kursiv im Original)

[45] Ebd., S. 394ff.

[46] Ebd., S. 632ff.

[47] Dieses Modell besagt, dass eine differentielle Mediennutzung zu unterschiedlichen Effekten führen kann. Der Nutzer greift auch auf bereits gemachte Erfahrungen zurück. Gesteuert durch seine Motive und Erwartungen sucht der Rezipient Gratifikationen. Man spricht von einer „Zufriedenheits-Wahrscheinlichkeit“. Die erlangte Zufriedenheit wird mit den Gratifikationen erfasst, die dann wieder auf die Erwartungen wirken. (Schenk 2002, S. 633f.)

[48] Palmgreen unterscheidet zwischen gesuchten („Gratifications Sought“, GS) und erhaltenen Gratifikationen („Gratifications Obtained“, GO). Hierbei werden Erwartungen und Bewertungen gleichermaßen beeinflusst. Die gesuchten Gratifikationen setzen sich aus Vorstellungen und Erwartungen zusammen. Durch die Nutzung der Medien werden die erhaltenen Gratifikationen wahrgenommen. Durch einen Rückkoppelungsprozess steuert die Wahrnehmung dann wieder die Erwartungen hinsichtlich der Medien. (Schenk 2002, 673f.)

[49] Schenk 1987, S. 387

[50] Kunczik, Michael/ Zipfel, Astrid (2001) Publizistik. Ein Studienhandbuch. Köln, S. 350f.

[51] Kliment, Tibor (1997) Mediennutzung im Dickicht der Lebenswelt. Zum Verhältnis von Rezeptionsmustern und Publikumstypen. In: Scherer/Brosius, S. 210

[52] Elliot, Philip (1974) Uses and Gratifications Research: A critique and a sociological alternative. In: The Uses of Mass Communications. Current Perspektives in Gratifications Research. Hg. v Jay G. Blumler und Elihu Katz. Beverly Hills, S. 262

[53] Kunczik/Zipfel 2001, S. 350

[54] Bommert 2000, S. 5 und Bommert 1995, S. 187

[55] Bommert 2000, S. 6

[56] Hier beziehen sich Bommert et al, so wie die vorliegende Untersuchung auch, auf den Uses- and-Gratifications-Ansatz der Medienwirkungsforschung. (Bommert 2000, S. 133)

[57] Bommert, 1995, S. 18ff.

[58] Charlton 1997, S. 16

[59] Ebd., S. 16

[60] Vgl. Gehrau 2002, S. 34

[61] Gehrau 2002, S. 36f.

[62] Ebd., S. 38f.

[63] Dies ist zum Beispiel anhand der Motive, „Das Wunder von Bern“ und der Aspekte, die den Rezipienten am besten an dem Film gefallen haben, zu sehen.

[64] Blothner, Dirk (2001) Filminhalte und Zielgruppen 2. Berlin, S. 7f.

[65] Ebd., S. 21

[66] Stiftung Lesen (2003) Das Wunder von Bern. Ideen für den Unterricht. Themenorientierte Leseförderung im Medienverbund. Mainz, S. 11

[67] Gebauer, Gunter (2001) Die Bundesliga. In: Etienne Francois, Hagen Schulze (Hg.) Deutsche Erinnerungsorte. Hg. v Etienne Francois und Hagen Schulze. 2. Band. München, S. 454

[68] Brüggemeier, Franz-Josef (2006e) Zuschauer, Fans und Hooligans. In: Fußball - mehr als ein Spiel, Informationen zur politischen Bildung. Bonn, S. 43

[69] Gebauer, Gunter (2003) Nationale Repräsentation durch Fußball. In: Adelmann, S. 43

[70] Hills, Matt (2002) Fan cultures. London (u.a.), S. IX

[71] Jenson, Joli (1992) Fandom as Pathology: The Consequences of Characterization. In: The adoring audience: fan culture and popular media. Hg. v Lisa A. Lewis. London (u.a.), S. 9

[72] Ebd., S. 9

[73] Finkbeiner, Frank (2006) Interview mit Professor Dr. Franz R. Stuke „Event-Fans aus der Mittelschicht“

[74] Schneider, Manfred (1998) Leben und Sterben für den Verein - Krieg der Fußballfans. In: Der Deutschunterricht, Heft 2 - Fußball-Medien-Kultur, S. 40

[75] Heitmeyer, Wilhelm (1988) Jugendliche Fußballfans: soziale und politische Orientierungen, Gesellungsformen, Gewalt. München, S. 30

[76] Becker, Peter (1988b) Fankultur als verrückte Ordnung. In: Becker/Pilz, S. 34

[77] Jenson, 1992, S. 5

[78] Lamers, Frank (1998) Abschalten können Siejederzeit. Fußball im Fernsehen. In: Der Deutschunterricht, Heft 2 - Fußball-Medien-Kultur, S. 28

[79] Hornby, Nick (1996) „Ballfieber. Die Geschichte eines Fans“, Hamburg

[80] Becker, Peter (1988a) Der Umzug der Götter ins Stadion. In: Die Welt der Fans. Aspekte einer Jugendkultur. Hg. v Peter Becker und Gunter A. Pilz. München, S. 74

[81] Schneider 1998, S. 41

[82] Ebd., S. 42

[83] Darstellung übernommen aus Heitmeyer 1988, S. 32

[84] Brüggemeier, Franz-Josef (2006a) Vom Randphänomen zum Massensport. In: Fußball - mehr als ein Spiel, Informationen zur politischen Bildung. Bonn, S. 5

[85] Brüggemeier, Franz-Josef (2006b) Anfänge des modernen Fußballs. In: Fußball - mehr als ein Spiel, Informationen zur politischen Bildung. Bonn, S. 9

[86] Gebauer 2003, S. 21

[87] Ebd., S. 23

[88] Stiftung Lesen 2003, S. 5

[89] Brüggemeier, Franz-Josef (2006c) Das „Fußballwunder“ von 1954. In: Fußball - mehr als ein Spiel, Informationen zur politischen Bildung. Bonn, S. 27

[90] Ebd., S. 29

[91] Martens, René (2006) Geballter Einsatz. In: Journalist 5/2006, S. 11

[92] o. V. (2003) Wunder von Bern: Ein 3:2 für die Ewigkeit, http://www.stern.de/sport- motor/fussball/index.html?eid=513816&nv=ex_rt (02.03.2007)

[93] Stiftung Lesen 2003, S. 14

[94] o.V. (2003) Interview „Sönke Wortmann über Heldenepen, Ironie und den versöhnlichen Blick auf die fünfziger Jahre“, http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/detail.php/525945 (02.03.2007)

[95] Ebd., S. 8

[96] Adelmann, Ralf/ Parr, Rolf/ Schwarz, Thomas (2003) Fußball, kulturwissenschaftlich! Zur Einführung. In: Querpässe : Beiträge zur Literatur-, Kultur- und Mediengeschichte des Fußballs. Hg. v Ralf Adelmann. Heidelberg, S. 7

[97] Boyle, Raymond/Haynes, Richard (2000) Power Play: Sports, the Media and Popular Culture. Harlow, S. 153

[98] Wenner, Lawrence A. (1989) Media, Sports, and Society: The Research Agenda. In: Media, Sports, and Society. Hg. von Lawrence A. Wenner. Newbury Park/London/New Delhi, S. 15

[99] Ebd., S. 16

[100] Hickethier 2001, S. 213 (kursiv im Original)

[101] Zum Beispiel „American Pie“ (1999) oder „High School High“ (1996)

[102] Zum Beispiel„Southpark“ (1997)

[103] Zum Beispiel „Club der toten Dichter“ (1989) oder „Freedom Writers“ (2007)

[104] Berg, Ulrich von (2002) Kino-Kicks. Ein Streifzug durch die Welt des Fußballfilms. In: Fußball als Kulturphänomen. Kunst-Kultur-Kommerz, S. 199

[105] Biedebach, Sonja (2006) Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. In: WA9 Freizeit vom 9. Juni 2006, S. 2

[106] Koberger, Peter (2005) Goal!. In: Treffpunkt Kino von Oktober 2005, S. 28f.

[107] Nielsen EDI Kinoservice, http://www.nielsenedi.de/ (10.04.2007)

[108] von Berg 2002, S. 201ff.

[109] „Das Wunder von Bern“ DVD Weltmeister Edition mit Fahne: Universal Pictures, 2006.

[110] Die Geschichte von Matthias und seiner Familie ist typisch für die 1950er Jahre: Ein Leben zwischen Identitätsfindung, Existenzgründungen und Wiederaufbau und die oft überraschende Heimkehr der im Krieg gefangen genommenen Väter.

Ende der Leseprobe aus 274 Seiten

Details

Titel
Rezeption von Fußballfilmen durch Fußballfans und Nicht-Fußballfans anhand der Beispiele „Das Wunder von Bern“ und „FC Venus“
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Medienwissenschaften)
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
274
Katalognummer
V143311
ISBN (eBook)
9783640532216
ISBN (Buch)
9783640532483
Dateigröße
2185 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rezeption, Das Wunder von Bern, FC Venus, Fußballfilme, Rezeptionsforschung, Uses-and-Gratifications, Fußball, Fußballweltmeisterschaft 2006, Fußballweltmeisterschaft 1954, Fußball im Ruhrgebiet, Analyse nach Mayring, Qualitative Untersuchung, Quantitative Untersuchung, Gruppendiskussion, Messmethoden, Umfrage, Medienwirkungsforschung, Rezipiententypen
Arbeit zitieren
Anna Zafiris (Autor:in), 2007, Rezeption von Fußballfilmen durch Fußballfans und Nicht-Fußballfans anhand der Beispiele „Das Wunder von Bern“ und „FC Venus“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143311

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