Schlüsselkompetenz Beratung

Beratungskompetenz


Essay, 2009

4 Seiten, Note: 3,0


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Die pädagogische Beratung kennzeichnet folgende Bestandteile: Der Beratungsgegenstand (z. B. Drogenabhängigkeit, Erziehungsberatung) bestimmt den Inhalt des Beratungsgesprächs. Eine evtl. Weiterleitung an andere Institutionen kann nach Maßgabe des Beraters erfolgen. Die Zielgruppe bestimmt darüber hinaus, wer überhaupt für eine Beratung in Frage kommt (z. B. alle weibl. Prostituierten, alle Eltern, alle Schüler etc.). Hier wird geklärt, für wen die Beratung ausgelegt ist, sprich, wem sie nutzt. Das Beratungsziel wäre bei dem Oberthema Drogen einen „cleanen“ Zustand anzustreben, oder zumindest mit Einschränkung. Hier muss vor allem geklärt werden, was der/die BeraterIn bieten kann, und überhaupt, wer festlegt, was die Beratung erreichen soll. Beratung steht vor allem immer unter einem gesetzlichen Rahmen. Es gilt, die Schweigepflicht zu wahren. Man muss wissen, wer über die Einhaltung der Gesetze wacht, und dass Jugendhilfe überhaupt einen gesetzlichen Auftrag hat. Organisatorisch-strukturelle Rahmenbedingungen beinhalten die Bezahlung, und führt den Träger auf (städtisch, kirchlich, frei, staatlich). Welcher Auftrag seitens des Trägers liegt zugrunde? Beratung unterliegt räumlichen Bedingungen. Der Raum sollte schallfrei sein und ein entspannendes/ruhiges Ambiente aufweisen. Die Raumgestaltung sollte mit der Intention der Beratung korrespondieren. Auch sollte geklärt werden, wer den Raum wie erreichen kann. Eine berufliche Qualifikation ist natürlich Voraussetzung (üblich ist ein akademischer Grad). Durch Zusatzqualifikationen sollte die Qualität des Beratungsgegenstandes gewährleistet bleiben. Die Beratungsform kann je nach Bedarf variieren, es gibt den face-to-face-Kontakt, Telefon- oder Onlinekontakt. Als Einzelkontakt, oder doch in einer Großgruppe? Offen oder geschlossen? Die Beratungsmethode beruft sich auf Modelle und zirkuläres Fragen. Hier gilt es zu entscheiden was wann angebracht erscheint. Welche Methode könnte den Ratsuchenden am besten erreichen? Garantiert Methodenkenntnis eine gelingende Beratung? Wird sie vom Ratsuchenden akzeptiert? Eine Beratung setzt immer Beratungsgegenstandsbezogene Kenntnisse, z. B. Drogen und ihre Wirkung (Infektionsabläufe) voraus. Ebenso sind Fach- und Sachkenntnisse psychischer und sozialer Herkunft unabdingbar. Woher meint die Fachkraft eigentlich, Beratung leisten zu können? Gibt es biographische Überschneidungen mit dem Beratungsthema? Welche Weltanschauung habe ich als Fachkraft und wie sehe ich mich selbst, und was macht meine Persönlichkeit aus? Wenn ich dies nicht weiß, dann kann ich keine professionelle Beratung leisten. Wir müssen uns selbst kennen, und dürfen dem Klienten nichts ungefiltert weitergeben. In einer Lehrtherapie kann sich der Berater selbst besser kennenlernen.

Beratung ist ein professionelles Hilfeangebot auf zwischenmenschlicher Basis, das Hilfe zur Selbstorganisation bieten soll. Wenn man Beratung beschreiben will, so möchte ich hier einige Statements dazu geben: Beratung sei unter Erziehung subsumiert; „Beratung ist fruchtbarer Moment im Erziehungsprozeß“ (Mollenhauer 1965, 35). Beratung sei „verdünnte Psychotherapie“; Bommert und Plessen gingen hier von einer Synonymität der Begriffe Psychotherapie und Beratung aus. Oft wird Beratern nachgesagt, sie seien weniger qualifiziert, und von daher weniger professionell (Cohen 1990). Auch werden sie als Mittelcharakter umzeichnet, sich befindend zwischen Erziehung und Therapie (Dietrich 1983). Im Mittelpunkt von Beratung steht immer die psychische Entwicklung von Menschen, deren Förderung und Unterstützung bei Problemen. Berater vertrauen auf die Selbsthilfekräfte der Individuen, Gruppen und Institutionen. Sie begleiten sie bei ihrer Selbsterziehung und Selbstheilung, Selbstbestimmung und -steuerung. Beratung ist multidimensional und interdisziplinär, sie ist in vielen Lebensbereichen angesiedelt, und greift kontextbezogene gesellschaftliche und institutionelle Veränderungen auf. Viele Klienten sind verunsichert, denn die Gesellschaft wird zunehmens unübersichtlicher. Beratung zielt auf die Formung einer Biographie und die Erarbeitung von Lebensplänen. Für Probleme bei Scheidung, in Konfliktsituationen zur Krisenintervention, im Bereich der Prävention und der Gesundheitsförderung findet man eine große Breite an Beratungsangeboten. Beratung versucht „einen auf kognitiv-emotionale Einsicht fundierten aktiven Lernprozeß in Gang zu bringen, in dessen Verlauf eine Selbsthilfebereitschaft, seine Selbststeuerungsfähigkeit und seine Handlungskompetenz verbessert werden können.“ (Dietrich 1983, S. 2) Beratung darf auf keinen Fall dem Klienten eine bestimmte Meinung oder Entscheidung aufdrücken, bzw. durch seine Machtposition der Berater sie dafür benutzen. Die Probleme des Ratsuchenden bilden den Mittelpunkt.1 Da Beratung immer intrapersonell determiniert ist, so gilt dieser Beruf als besonders belastend für Berater, was sich oft in beruflicher Destruktion bemerkbar macht, nämlich dann, wenn der Berater damit anfängt, seine Ehefrau bei Problemen zu beraten und er praktisch zu Hause sein gesamtes päd. Repertoire auspackt und es selbst gar nicht bemerkt, wie unreflektiert und systematisch er handelt. Deshalb wird Beratern empfohlen, ca. alle 10 Jahre die Beratungsklientel zu wechseln, damit ein hoher Grad an Beratungsqualität und damit -effektivität geleistet werden kann. Zudem empfiehlt es sich nach jedem Arbeitstag Psychohygiene zu betreiben, das bedeutet, dass man die erlebten Geschichten an seinem Arbeitsplatz lässt und innerlich einfach die Mappe zuschlägt und mit einem freien Kopf nach Hause geht. Dies ist deshalb von Bedeutung, weil wir im Gehirn sogenannte Spiegelneurone besitzen, die mich die Geschichte eines Klienten in meinem Innern Wirklichkeit werden lässt, indem diese Neurone die Gefühle meines Gegenübers spiegeln, ich sie praktisch genauso nachempfinde/fühle, wie er. Deshalb ist es auch ratsam, pro Tag nicht mehr als 5-6 Beratungen zu veranschlagen, da alles darüber hinaus nicht mir, und auch nicht dem Patienten dienlich ist. Eine Pause zwischen den einzelnen Beratungen ist ebenfalls anzuraten. Aber die Zahl der Beratungen muss jeder für sich selbst veranschlagen, denn jeder ist unterschiedlich belastbar. Freiwilligkeit bildet die oberste Maxime von Beratung, denn man kann z. B. einen Patienten, der lediglich an einer Beratung teilnehmen muss (evtl. behördlich angeordnet), und der auch keinen Zugang zu sich zulässt, nicht beraten wenn er dies nicht wünscht. Da kann man einfach nur noch die Unterschrift geben und den Patienten hinaus bitten. Lernberatung hat die Aufgabe beim Klienten Sicherheit und Vertrauen zu schaffen. Sie hat die Selbstwertstärkung im Auge und beachtet dabei den Sinn- und Lebensbezug. Man schafft Ausnahmen und lässt Neues zu. Dabei wird die Kommunikation dem Entwicklungsniveau der Lernenden angepasst. Ein wichtiges Ziel päd. Beratung besteht in der Aktivierung von Ressourcen, und diese stetig weiterzuentwickeln. Man kann auch sagen, Beratung zielt auf eine Veränderung der Person, wie auch der Veränderung seiner sozialen Umwelt, und ist daher auch kontextuell eingebunden. Durch Beratung werden Umweltressourcen aufgedeckt, begehbar und gefördert. Dies verlangt dem Berater Kenntnisse ab, die weit über die des Hilfs-Therapeuten hinausgehen, die da wären: systemische Kenntnisse/Ausbildung. Der Berater muss dahingehend Kompetenzen für die Leitung von Gruppen, Moderation, Organisation und Teamentwicklung besitzen. Darüber hinaus muss er für die Ausübung seines Berufes Kenntnisse des sozialen Kontextes und typischer Problemsituationen bestimmter sozialer Gruppen, Kooperationsbereitschaft und Fähigkeiten zur interdisziplinären Zusammenarbeit inne haben. Welche Anlässe von Beratung lassen sich ausmachen? Nun, zum einen besteht Beratungsbedarf beim Übergang von Schule in die Berufswelt (Informationsbedarf), wodurch Entscheidungen erleichtert werden. Beratung dient auch der psychischen Stabilisierung, der Hilfe zur Selbsthilfe. Sie dient auch der Prävention zur Verbindung von antizipierten Problemen. Dabei werden Voraussetzungen dafür geschaffen, dass Probleme gar nicht erst eintreten, sprich es werden Kompetenzen gebildet, um mit Alltagsstress, Schulstress usw. umgehen zu können. Um das Oberziel Hilfe zur Selbsthilfe beim Klienten zu erreichen, so sorgt hierfür der Berater durch entsprechendes Anleiten. Um die notwendigen Lernprozesse in Gang zu setzen, so bedarf es der Fähigkeiten: das eigene Problem zu bestimmen, erreichbare Ziele zu definieren, reflektierte Entscheidungen zu treffen, Handlungspläne zu entwerfen, Ressourcen zu entdecken und zu nutzen, eigene Handlungen auf Effektivität hin zu überprüfen. Sogesehen kommt Beratung mehr die Rolle zur Handlungsanleitung zu. Sie gibt neue Sichtweisen und Handlungsimpulse.2 Nach dem Psychotherapeutengesetz von 1998 wurde eine strikte Unterscheidung zwischen Beratung und Psychotherapie vorgenommen. Psychotherapie wird demnach nur bei vorliegender psychischer Krankheit angewendet (Heilbehandlung). Beratung nicht. Dennoch gibt es Überschneidungen der beiden Berufsfelder weil hier ein Netz vieler Berufe aufeinandertrifft (Pfleger, Krankenschwester, Ärzte (etc.). Die Aufgaben- und Rollenverteilung lässt sich nicht immer exakt ausmachen. Für den Bereich der Suchtkranken wurde die Tätigkeitsrolle von Sozialarbeitern durch die Kostenträger festgesteckt, und in den Vereinbarungen EVARS 1995 und „Abhängigkeitserkrankungen 2001“ festgehalten.3

[...]


1 Vgl. Krause/Fittkau/Fuhr/Thiel: Pädagogische Beratung, Paderborn 2003, 15-23.

2 Vgl. Krause/Fittkau/Fuhr/Thiel: Pädagogische Beratung, Paderborn 2003, 23-31.

3 Vgl. Vogt, Irmgard, Beratung von süchtigen Frauen und Männern. Grundlagen und Praxis, Beltz 2004 155-156.

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Details

Titel
Schlüsselkompetenz Beratung
Untertitel
Beratungskompetenz
Hochschule
Universität Osnabrück  (Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
BA Seminar: Beratung am Beispiel ausgewählter pädagogischer Arbeitsfelder.
Note
3,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
4
Katalognummer
V143324
Dateigröße
405 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schlüsselkompetenz, Beratung, Beratungskompetenz
Arbeit zitieren
Manuel Berg (Autor), 2009, Schlüsselkompetenz Beratung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143324

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