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Die Reproduktion von Rassismus in der Sozialen Arbeit mit geflüchteten Menschen in Gemeinschaftsunterkünften

Title: Die Reproduktion von Rassismus in der Sozialen Arbeit mit geflüchteten Menschen in Gemeinschaftsunterkünften

Bachelor Thesis , 2022 , 58 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Kathrin Schacht (Author)

Social Work
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Die Arbeit setzt sich mit der Frage auseinander, inwieweit Rassismus in der Sozialen Arbeit mit geflüchteten Menschen in Gemeinschaftsunterkünften reproduziert wird und welche Handlungsoptionen der Profession Soziale Arbeit gegen die Reproduktion von Rassismus zur Verfügung stehen.

Die restriktive Asylpolitik und die daraus resultierenden Lebensbedingungen Geflüchteter lassen Machtverhältnisse entstehen. Soziale Arbeit erfüllt ein staatliches Lenkungsinteresse. Im Tätigkeitsfeld der Sozialen Arbeit ist die Diskrepanz zwischen den Idealen der Profession und den faktischen Grenzen besonders groß.

Seit der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 und der damit verbundenen Einreise geflüchteter Menschen in die Bundesrepublik Deutschland stehen die Themen der Einwanderung und Flucht im Bewusstsein der Öffentlichkeit. Durch vereinzelte Vorfälle und Delikte, die von geflüchteten Menschen begangen wurden, werden Ängste und Vorurteile in der Aufnahmegesellschaft gegenüber Geflüchteten geschürt.

Aber nicht nur Geflüchtete und deren Unterkünfte sind Ziele rassistischer Gewalt. In den vergangenen Jahren gab es viele Vorfälle, die aus rassistischen Motiven resultierten. Der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) beging zwischen dem Jahr 2000 und 2006 insgesamt neun rassistisch motivierte Morde. Das Terrornetzwerk kooperierte mit staatlichen Mitarbeiter des Verfassungsschutzes und ist bis heute aktiv. Ermittlungen und Bestrafungen blieben bis heute aus. Die Gerichtsurteile für die Morde an Halit Yozgat, Theodoros Boulgarides, Mehmet Turgut, Mehmet Kubaşık, ĺsmail Yaşar, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Enver Şimşek und Abdurrahim Özüdoğru waren eine Enttäuschung.

Rassismus findet aber nicht ausschließlich auf der individuell persönlichen Ebene statt. "Bei Rassismen handelt es sich um von Personen hergestellte, gesellschaftlich veränderbare Machtverhältnisse, Diskurse, Einstellungsmuster, Gefühle und um Handlungen von Gruppen und Einzelpersonen, die eine dominante oder untergeordnete Position innehaben und die Menschen unter Bezug auf ihre zugeschriebene Zugehörigkeit zu "Nationen", "Kulturen", "Ethnien" oder "Rassen" in unterschiedliche Gruppen einteilen, ihnen Eigenschaften, die häufig als unveränderlich angesehen werden, Handlungspraxen und Einstellungen zuweisen und eine Hierarchisierung der Gruppen gemäß dem eigenen Privilegienerhalt oder zur Erlangung von Vorteilen vornehmen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Rassismus

2.1 Der Begriff Rassismus in der Bundesrepublik Deutschland – ein Tabu der Nachkriegszeit

2.2 Kolonialismus

2.3 Schwarze und weiße Menschen

2.4 Rassismustheoretische Ansätze

2.5 Alltagsrassismus

2.6 Antimuslimischer Rassismus

2.7 Struktureller/Institutioneller Rassismus

3. Der Begriff der Flüchtlinge/der Geflüchteten

4. Benachteiligungen geflüchteter Menschen

4.1 Benachteiligung durch die soziale Existenzsicherung – das Asylbewerberleistungsgesetz

4.2 Benachteiligungen in der Gesundheitsversorgung

4.3 Benachteiligungen durch eingeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt

4.4 Benachteiligung durch die Unterbringung in Sammellagern

4.4.1 Gewalt in Gemeinschaftsunterkünften

4.4.2 Covid-19 in Gemeinschaftsunterkünften

5. Auftrag der Sozialen Arbeit

5.1 Flüchtlingspolitik und deren Auswirkungen auf die Soziale Arbeit

5.1.1 Vom Doppel- zum Tripelmandat

5.2 Rahmenbedingungen Sozialer Arbeit in Gemeinschaftsunterkünften

6. Handlungsmöglichkeiten Sozialer Arbeit

6.1 Anforderungen an die Träger von Gemeinschaftsunterkünften

6.2 Anforderungen an die Professionellen der Sozialen Arbeit

6.3 Kritisches „Weißsein“

6.4 Social Justice und diskriminierungskritisches Diversity

6.5 Vom Objekt zum Subjekt

6.5.1 Zum Subjekt durch Empowerment

6.6 Sozialraumorientierte Arbeit in Gemeinschaftsunterkünften

6.7 Unzureichende rassismuskritische Perspektiven in der Sozialen Arbeit

6.7.1 Rassismuskritik statt Antirassismus

6.7.2 Rassismussensibilität im Kontext Beratung

7. Fazit

Zielsetzung & Forschungsschwerpunkte

Die vorliegende Bachelor-Thesis untersucht, inwieweit Rassismus in der Sozialen Arbeit mit geflüchteten Menschen innerhalb von Gemeinschaftsunterkünften reproduziert wird und welche Handlungsoptionen der professionellen Sozialen Arbeit zur Verfügung stehen, um dieser Reproduktion entgegenzuwirken.

  • Analyse theoretischer Grundlagen von Rassismus und struktureller Diskriminierung.
  • Untersuchung der Lebensbedingungen und Benachteiligungen geflüchteter Menschen in Sammelunterkünften.
  • Diskussion des berufsethischen Auftrags der Sozialen Arbeit im Spannungsfeld zwischen Kontrolle und Empowerment.
  • Darstellung von Handlungsmöglichkeiten für Träger und Fachkräfte zur Implementierung rassismuskritischer Ansätze.

Auszug aus dem Buch

2.4 Rassismustheoretische Ansätze

Es gibt vielfältige Begriffsdefinitionen und Erklärungsversuche für Rassismus. Rassismus-Theorien und Rassismus-Definitionen wurden insbesondere durch Robert Miles, Albert Memmi und Étienne Balibar geprägt. Robert Miles beschreibt Rassismus unter biologisch-genetischen Aspekten. Rassismus ist demnach eine Ideologie, in der Menschen in biologische Rassen mit genetisch bedingten Eigenschaften und Charakteristika eingeteilt werden. Die Einteilung der biologischen Rassen stammt aus der Zeit des Kolonialismus und setze sich im nationalsozialistischen Deutschland fort. Demnach werden Menschen bestimmter Bevölkerungsgruppen in unterschiedliche Rassen eingeteilt. Diesen Rassen werden unveränderbare und genetisch bedingte endgültige Eigenschaften zugeschrieben, die wiederum dazu dienten, die Handlungen des Kolonialismus und des Dritten Reiches zu legitimieren. Die Unterteilung und die angebliche Existenz unterschiedlicher Rassen wurde mit der Entstehung der Naturwissenschaften, als in der Wissenschaft bewiesen angesehen. Für diese Rasseunterteilungen existieren aber keinerlei wissenschaftliche Erklärungen.

„Race does not exist, but it does kill people“ (Guillaumin, 1995: S. 107).

Menschen bestimmter Bevölkerungsgruppen wird verminderte Intelligenz, übersteigerter Sexualtrieb oder besondere Aggressivität nachgesagt. Die Einteilung in Rassekonstruktionen lässt Hierarchien und Herrschaftshandlungen entstehen, die Exklusionspraktiken legitimieren (vgl. Scharathow in Blank/Gögercin/Sauer/Schramkowski, 2018: S. 269).

Die Einordnung in unterschiedliche Rassekategorien besteht bis heute, auch wenn der Rasse-Begriff aufgrund des Nationalsozialismus verpönt wird. Étienne Balibar beschrieb erstmals den sogenannten kulturellen Rassismus als Neo-Rassismus. Dabei verschwindet der Rasse-Begriff und wird durch den Kultur-Begriff ersetzt. Die Einteilung und Kategorisierung bestimmter Bevölkerungsgruppen in unterschiedliche Kulturen, und die daraus resultierenden und legitimierten Ausgrenzungsmethoden und Herrschaftshandlungen bestehen weiterhin (vgl. ebd.). „Zudem werden die gewöhnlichen rassistischen Argumentationen nicht mehr auf Diskurse der überlegenen und unterlegenen „Rassen“ bezogen, sie basieren vielmehr auf den unüberwindlichen kulturellen Differenzen zwischen dem „Eigenen“ und dem „Fremden“.“ (Çetin in Prasad, 2018: 84). Durch das Unterscheiden zwischen „Wir“ und die „Anderen“, durch ungleiche Ressourcenzugänge und strukturelle Benachteiligungen entstehen gesellschaftliche Machtverhältnisse.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Thematik ein und beleuchtet aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen sowie Todesfälle durch rechtsextreme Gewalt, die den Handlungsbedarf für die Soziale Arbeit begründen.

2. Rassismus: Dieses Kapitel definiert Rassismus als komplexes, historisch gewachsenes gesellschaftliches Machtverhältnis und erläutert verschiedene theoretische Ansätze sowie Formen wie Kolonialismus und Alltagsrassismus.

3. Der Begriff der Flüchtlinge/der Geflüchteten: Der Abschnitt diskutiert die rechtliche Definition von Schutzsuchenden im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention und reflektiert kritisch die mediale und gesellschaftliche Begriffswahl.

4. Benachteiligungen geflüchteter Menschen: Hier werden strukturelle Barrieren wie das Asylbewerberleistungsgesetz, Einschränkungen in der Gesundheitsversorgung, Arbeitsmarktbeschränkungen und die belastende Unterbringung in Sammellagern detailliert dargelegt.

5. Auftrag der Sozialen Arbeit: Dieses Kapitel untersucht das Spannungsfeld zwischen den Anforderungen staatlicher Institutionen und dem ethischen Menschenrechtsmandat der Sozialen Arbeit.

6. Handlungsmöglichkeiten Sozialer Arbeit: Hier werden konkrete Anforderungen an Trägerschaften und Professionelle formuliert, wobei Ansätze wie Kritisches Weißsein, Empowerment und sozialraumorientiertes Arbeiten im Fokus stehen.

7. Fazit: Die Schlussbetrachtung fasst die Kernerkenntnisse zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit einer reflexiven, rassismuskritischen Haltung in der täglichen Arbeitspraxis.

Schlüsselwörter

Soziale Arbeit, Rassismus, Geflüchtete, Gemeinschaftsunterkünfte, Empowerment, Diskriminierung, Menschenrechte, struktureller Rassismus, Alltagsrassismus, Migrationsgesellschaft, Kritisches Weißsein, institutionelle Diskriminierung, Flüchtlingspolitik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die institutionellen und strukturellen Rahmenbedingungen der Sozialen Arbeit in Gemeinschaftsunterkünften und beleuchtet, inwiefern rassistische Praxen und Diskriminierungen gegenüber geflüchteten Menschen innerhalb dieser Strukturen reproduziert werden.

Was sind die zentralen Themenfelder der Thesis?

Die Arbeit fokussiert sich auf die Themenbereiche Rassismustheorien, die Lebensrealität von Geflüchteten in Sammelunterkünften, staatliche Asylgesetzgebungen, berufsethische Anforderungen an Sozialarbeiter sowie moderne Interventionsansätze gegen Rassismus.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen dem ethischen Anspruch der Sozialen Arbeit als Menschenrechtsprofession und der faktischen repressiven Praxis in Gemeinschaftsunterkünften aufzuzeigen und Handlungsstrategien für eine rassismuskritische Praxis zu entwickeln.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Die Arbeit nutzt die Literaturanalyse und stellt eine theoretische Auseinandersetzung dar, indem sie wissenschaftliche Diskurse und Studien zum Thema Rassismus und Soziale Arbeit in der Migrationsgesellschaft zusammenführt und kritisch bewertet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Neben der Definition verschiedener Rassismusformen behandelt der Hauptteil ausgiebig die vielfältigen Benachteiligungen durch das Asylbewerberleistungsgesetz, die Auswirkungen von Gewalt und Pandemie-Maßnahmen in Unterkünften sowie die professionellen Reflexionsnotwendigkeiten der Fachkräfte.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind neben Rassismus vor allem Empowerment, Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession, die Kritik am „Weißsein“, strukturelle Diskriminierung und der Prozess vom Objekt zum Subjekt unter den Bedingungen der Fluchtmigration.

Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Sozialarbeiter in Einrichtungen?

Die Arbeit kritisiert, dass Sozialarbeiter oft unfreiwillig in die Rolle staatlicher Kontrollinstanzen gedrängt werden und betont die moralische Verpflichtung, sich von mandatswidrigen Aufgaben (wie etwa bei Abschiebungen) zu distanzieren.

Warum ist laut der Autorin der Begriff „Flüchtling“ zu hinterfragen?

Die Autorin hebt hervor, dass der Begriff aufgrund der Endung „-ling“ oft mit Verniedlichung oder Abwertung behaftet ist und bevorzugt daher Bezeichnungen wie „Geflüchtete“, um die Individualität und Würde der Menschen zu unterstreichen.

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Details

Title
Die Reproduktion von Rassismus in der Sozialen Arbeit mit geflüchteten Menschen in Gemeinschaftsunterkünften
College
University of Applied Sciences Fulda
Grade
1,0
Author
Kathrin Schacht (Author)
Publication Year
2022
Pages
58
Catalog Number
V1433314
ISBN (PDF)
9783346984982
ISBN (Book)
9783346984999
Language
German
Tags
Rassismus Hierarchien Macht geflüchtete Menschen Gemeinschaftsunterkünfte Soziale Arbeit struktureller Rassismus Corona Menschenrechte
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Kathrin Schacht (Author), 2022, Die Reproduktion von Rassismus in der Sozialen Arbeit mit geflüchteten Menschen in Gemeinschaftsunterkünften, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1433314
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