Die Studie befasst sich mit dem Leben und Wirken des Südtiroler Schriftstellers Josef Wenter, wobei sein Menschenbild und seine Bildungskonzeption hervorgehoben werden. Mit Hilfe ausgewählter Publikationen und Medienberichten wird untersucht, wie Josef Wenter von der Öffentlichkeit dargestellt wird. Es soll Antwort auf die Frage gegeben werden, ob man anhand der öffentlichen Darstellung von einer Aufarbeitung der Vergangenheit sprechen kann.
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
I. TEIL
1. DAS KOLLEKTIVE GEDÄCHTNIS NACH MAURICE HALBWACHS
1.1 Das kollektive und das individuelle Gedächtnis
1.2 Vergessen und Erinnern
1.3 Erinnerungsbilder - Erinnerungsfiguren
1.4 Das kollektive und das historische Gedächtnis
1.5 Zusammenfassung
2. DER MECHANISMUS DER KOLLEKTIVEN VERDRÄNGUNG
2.1 Kommunikatives und kulturelles Gedächtnis
2.2 Kollektive Identität
2.3 Kollektive Verdrängung und ihre Folgen
3. VERGANGENHEITSBEWÄLTIGUNG - ERINNERUNGSARBEIT
3.1 Der Begriff der Trauerarbeit
3.2 Ausgewählte Beispiele von Erinnerungsarbeit in Südtirol
3.2.1 Der Filmclub Bozen
3.2.2 Das Stadtarchiv der Gemeinde Bozen
3.2.3 Der Südtiroler Künstlerbund
3.2.4 Die Arbeitsgruppe Regionalgeschichte Bozen
II. TEIL
4. JOSEF WENTER UND SEINE ZEIT
4.1 Biographie im geschichtlichen Kontext
4.1.1 Die Kindheit
4.1.2 Die Zeit von der Jahrhundertwende bis 1919
4.1.3 Die Zwischenkriegszeit und der 2. Weltkrieg
4.1.4 Das Ende des Krieges und der Tod des Dichters
4.2 Wenters bedeutendste Werke
4.2.1 Der Begriff des „Tragischen“ in Wenters Dramen
4.2.2 Josef Wenters Tierdichtungen
4.2.3 Josef Wenters Reiseberichte
4.3 Josef Wenters Welt- und Menschenbild und seine Bildungskonzeption
III. TEIL
5. DIE ÖFFENTLICHE DARSTELLUNG JOSEF WENTERS
5.1 Ausgewählte Biographien über Josef Wenter
5.1.1 Beiträge über Josef Wenter in Dissertationen und Diplomarbeiten
5.1.2 Weitere Beiträge über Josef Wenter
5.2 Josef Wenter „Spiel um den Staat“
5.2.1 Inhalt und Form des Romans
5.2.2 Eigene Stellungnahme zum Roman „Spiel um den Staat“
5.2.3 Ausgewählte Stellungnahmen zum Roman „Spiel um den Staat“
5.3 Die Mittelschule „Josef Wenter“ in Meran
5.3.1 Geschichtlicher Hintergrund zur Namensgebung
5.3.1.1 Gesetzliche Bestimmungen
5.3.1.2 Der Ablauf der Namensgebung
5.3.2 Öffentliche Diskussionen über die Schulnamensgebung
5.3.2.1 Die Umbenennung des Realgymnasiums „Raimund von Klebelsberg“ in Bozen
5.3.2.2 Die Reaktion der Mittelschule „Josef Wenter“ auf die öffentliche Diskussion
5.3.3 Aktuelle Situation
6. SCHLUSSWORT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die öffentliche Darstellung des Südtiroler Schriftstellers Josef Wenter unter dem Aspekt der Vergangenheitsbewältigung. Dabei wird analysiert, wie Wenter von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, welche nationalsozialistischen Aspekte in seinem Werk und seiner Biographie auftreten und wie der Umgang mit seinem Namen an einer Südtiroler Mittelschule den gesellschaftlichen Diskurs widerspiegelt.
- Kollektives Gedächtnis nach Maurice Halbwachs
- Mechanismen kollektiver Verdrängung und Erinnerungsarbeit
- Biographie und literarisches Schaffen von Josef Wenter
- Analyse des Romans „Spiel um den Staat“
- Kritische Aufarbeitung der Namensgebung der Mittelschule „Josef Wenter“
Auszug aus dem Buch
1. DAS KOLLEKTIVE GEDÄCHTNIS NACH MAURICE HALBWACHS
Mit dem oben angeführten Zitat von Benjamin Korn möchte ich auf die Existenz des kollektiven Gedächtnisses und auf die drohende Gefahr der kollektiven Verdrängung aufmerksam machen. Beide Begriffe werden in diesem ersten Teil ausführlich behandelt. Beginnen möchte ich mit der „mémoire collective“, dem kollektiven Gedächtnis.
Der Begriff der „mémoire collective“ wurde in den 20er Jahren vom französischen Philosophen und Soziologen Maurice Halbwachs geprägt. Dieses Thema hat er in drei Büchern ausführlich behandelt („Les cadres sociaux de la memoire“; „La topographie légendaire des évangiles en terre sainte. Étude de mémoire collective“ und „La mémoire collective“). Als Schüler Henri Bergsons, der dem Thema Gedächtnis in seinen Philosophien einen zentralen Platz einräumte, hat Halbwachs versucht, den Bergsonschen Subjektivismus zu überwinden, indem er das Gedächtnis als soziales Phänomen dargestellt hat. Die Grundlage für diese Sichtweise lieferte ihm der Begriff des Kollektivbewusstseins von Emile Durkheim, bei dem Halbwachs studierte. Der Kulturwissenschaftler Jan Assmann und seine Frau Aleida führen diese Thesis des kollektiven Gedächtnisses weiter, indem sie das kollektive Gedächtnis in ein „kulturelles“ und „kommunikatives“ Gedächtnis unterteilen. Im Kapitel „Der Mechanismus der kollektiven Verdrängung“ werde ich auf diese Unterscheidung näher eingehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. DAS KOLLEKTIVE GEDÄCHTNIS NACH MAURICE HALBWACHS: Diese theoretische Einführung erläutert das Konzept des kollektiven Gedächtnisses und die Bedeutung der sozialen Einbettung von Erinnerungsprozessen.
2. DER MECHANISMUS DER KOLLEKTIVEN VERDRÄNGUNG: Hier wird der Prozess untersucht, wie Gesellschaften Unangenehmes ausblenden und Identitäten durch Abgrenzung und Erinnerungsmanipulation festigen.
3. VERGANGENHEITSBEWÄLTIGUNG - ERINNERUNGSARBEIT: Das Kapitel definiert den Begriff der Erinnerungsarbeit und stellt anhand südtiroler Fallbeispiele dar, wie Institutionen mit der NS-Vergangenheit umgehen.
4. JOSEF WENTER UND SEINE ZEIT: Eine biographische Annäherung an Josef Wenter, die seine Lebensstationen, seine Weltanschauung und seine schriftstellerische Entwicklung in den historischen Kontext einordnet.
5. DIE ÖFFENTLICHE DARSTELLUNG JOSEF WENTERS: Eine Analyse von Rezeptionsdokumenten, literaturwissenschaftlichen Arbeiten und der politischen Kontroverse um die Benennung der Mittelschule „Josef Wenter“.
6. SCHLUSSWORT: Eine zusammenfassende Reflexion über die Ergebnisse der Untersuchung und die Notwendigkeit einer ehrlichen Auseinandersetzung mit der Geschichte.
Schlüsselwörter
Josef Wenter, Kollektives Gedächtnis, Erinnerungsarbeit, Verdrängung, Nationalsozialismus, Südtirol, Identität, Literaturwissenschaft, NS-Vergangenheit, Mittelschule, Trauerarbeit, Maurice Halbwachs, Geschichtsbewusstsein, Spiel um den Staat, Vergangenheitsbewältigung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der öffentlichen Wahrnehmung des Schriftstellers Josef Wenter und untersucht kritisch den Umgang mit seiner nationalsozialistischen Vergangenheit im Kontext der Erinnerungskultur in Südtirol.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören das kollektive Gedächtnis, die Mechanismen der kollektiven Verdrängung, die Biographie Josef Wenters sowie die öffentliche Kontroverse um die Namensgebung einer Mittelschule.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Josef Wenter in der Öffentlichkeit dargestellt wird und ob eine kritische Aufarbeitung seiner Ideologie und seines Verhaltens in der NS-Zeit stattgefunden hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus literaturwissenschaftlicher Analyse von Primärtexten, der Sichtung von Archivmaterialien sowie der Untersuchung von Sekundärliteratur und Zeitzeugengesprächen (Interviews).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl theoretische Grundlagen (Halbwachs, Assmann) als auch eine detaillierte biographische und literarische Analyse Wenters erarbeitet, gefolgt von einer Untersuchung der Rezeptionsgeschichte seines Werkes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind vor allem Josef Wenter, Kollektives Gedächtnis, Verdrängung, Nationalsozialismus und der Prozess der Vergangenheitsbewältigung.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle von Josef Wenter in der NS-Zeit?
Die Arbeit stellt fest, dass Wenter eine positive Haltung zum Nationalsozialismus einnahm, was sich sowohl in seinem Werk (insbesondere „Spiel um den Staat“) als auch in seinen privaten Tagebuchaufzeichnungen widerspiegelt.
Wie geht die Mittelschule „Josef Wenter“ mit dieser Problematik um?
Die Arbeit zeigt, dass die Schule lange Zeit am Namen festhielt, obwohl dies wiederholt zu öffentlicher Kritik und Debatten führte, wobei die Schule teilweise mit organisatorischen Argumenten gegen eine Umbenennung argumentierte.
- Arbeit zitieren
- Christina Linger (Autor:in), 2007, Die öffentliche Darstellung des Südtiroler Schriftstellers Josef Wenter – Eine Studie zum Thema „Vergangenheitsbewältigung“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143361