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Nation Building und die Bürde des weissen Mannes in Afghanistan und Irak

Title: Nation Building und die  Bürde des weissen Mannes in Afghanistan und Irak

Term Paper (Advanced seminar) , 2009 , 19 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Stefan Reiß (Author)

Geography / Earth Science - Regional Geography
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Die „Postkoloniale Theorie“ ist ein konzeptioneller Ansatz innerhalb der Politischen Geographie. Sie sucht nach persistenten kolonialen Strukturen in heute formal dekolonisierten Gesellschaften. Der Geograph Derek Gregory spricht deshalb von einer „Colonial Present“ seiner Untersuchungsräume. Zu diesen gehören demnach aber nicht nur die ehemals kolonisierten Räume, sondern auch die ehemals kolonisierenden Gesellschaften. Das Kolonialzeitalter hinterließ also seine Spuren nicht nur in den von den europäischen Mächten kontrollierten Räumen. Die Europäer selbst erfuhren ebenfalls aufgrund ihrer selbst auferlegten Rolle als „Kolonialherren“ Prägungen durch die Handlungen und die Umstände in jener Zeit. Rollen nämlich generieren sich nicht nur aus Weltbildern, sie produzieren sie auch neu oder pflegen sie.
Gregory fasst diese Phänomene unter dem Begriff der „imaginative geographies“ zusammen. Es soll untersucht werden, inwieweit die koloniale Vergangenheit von Okkupierten und Okkupanten bis heute Weltbilder erhält, aufgrund derer sich die Beteiligten zu etwaigen Handlungen motivieren lassen. Die Präsenz, oder zumindest die direkte Einflussnahme dieser der USA und Großbritanniens,hat eine lange Tradition im Nahen und Mittleren Osten. Irak und Afghanistan blicken auf eine lange koloniale Vergangenheit zurück. Damals wie heute sind diese Räume einem hohen Maß an Fremdbestimmung von außen ausgesetzt. Daraus ergibt sich Frage, inwieweit hinsichtlich der Motive, der Legitimation und der Ausprägung dieser Fremdbestimmung Parallelen zwischen der damaligen Zeit und der Gegenwart bestehen.
Die Verantwortlichen für das Engagement in Irak und Afghanistan sprechen von „Nation Building“. Demnach sei man vor Ort engagiert, um die Konflikte in den instabilen Räumen zu lösen und selbstständig funktionierende Staatengebilde zu hinterlassen. Zweifellos haben die früheren Kolonialherren viele dieser Konflikte hinterlassen. Die Suche nach Zusammenhängen zwischen den entsprechenden kolonialen und den gegenwärtigen Auffassungen hinsichtlich der kolonialen „white mens burden“ sind Gegenstand dieser Arbeit.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das koloniale Erbe im Irak und in Afghanistan

2.1 Die Bürde des weißen Mannes

2.2 Irak und Afghanistan im Zeitalter des Kolonialismus

2.3 Hinterlassene Konflikte

3. Imaginative Geographien

4. Nation Building

4.1 „Liberaler Imperialismus“ und Nation Building

4.2 Das Konzept des Nation Building

4.3 Nation Building Eine Auswertung von Fallstudien

4.3.1 Afghanistan

4.3.2 Irak

5. Fazit: Die postkoloniale Prägung des Nation Building

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die postkolonialen Strukturen und die historischen Kontinuitäten, die das heutige internationale "Nation Building"-Engagement im Irak und in Afghanistan prägen, und hinterfragt die Legitimation dieser Interventionen vor dem Hintergrund einer kritischen politisch-geographischen Perspektive.

  • Postkoloniale Theorie und ihre Relevanz für moderne Interventionsräume
  • Historische Herleitung kolonialer Konfliktlinien in Afghanistan und Irak
  • Konstruktion "imaginativer Geographien" und deren Einfluss auf westliche Außenpolitik
  • Kritische Analyse des "Nation Building"-Konzepts unter dem Deckmantel des "liberalen Imperialismus"
  • Auswertung der Diskrepanz zwischen Interventionszielen und lokaler Realität

Auszug aus dem Buch

Die „Bürde des weißen Mannes“

„The white mens burden“ ist der Titel eines Gedichtes von Rudyard Kippling aus dem Jahr 1899. Es handelt davon, dass der „weiße Mann“ die Aufgabe habe, sich den „unzivilisierten“, nicht staatlich organisierten „Völkern“ anzunehmen. Es stellt den Kolonialismus dieser Zeit nicht vordergründig als profitables Geschäft und Ausübung von Weltmacht im Wettlauf mit Konkurrenten dar, sondern vielmehr als eine Aufgabe, eben als Bürde. Man sei demnach verpflichtet, den Menschen in den Kolonien zu helfen, indem man ihnen als Vorbild voransteht, ihnen den eigenen Stolz vorlebt und sie in die zivilisierte Welt führt. Man müsse sie vor grausamen Kriegen schützen und sie ernähren. Bemerkenswert ist, dass in diesem Gedicht auch die Rede von der Abschirmung einer Terrorbedrohung ist (EASTERLY 2006: 3).

Für die Kolonialherren galt das aus ihrer Sicht unzivilisierte, allerdings „bereits seit Jahrtausenden bewohnte eroberte Land als […] leer und auch jungfräulich, […] hier gleichbedeutend mit verfügbar, menschenleer, geschichtslos und mithin ausbeutbar“ (VALERA et. al. 2005: 312).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die postkoloniale Theorie ein und skizziert die Fragestellung nach der kolonialen Vergangenheit des Irak und Afghanistans als maßgeblichen Faktor für aktuelle Konflikte.

2. Das koloniale Erbe im Irak und in Afghanistan: Dieses Kapitel arbeitet die koloniale Geschichte beider Länder auf und verdeutlicht, wie durch fremdbestimmte Grenzziehungen und die Instrumentalisierung ethnischer Gruppen langfristige Konfliktpotenziale geschaffen wurden.

3. Imaginative Geographien: Hier wird untersucht, wie westliche Weltbilder – unter Rückgriff auf Edward Saids Konzept – konstruiert wurden, um Interventionen im Nahen und Mittleren Osten ideologisch zu legitimieren.

4. Nation Building: Das Kapitel analysiert das Konzept des Nation Building kritisch und stellt den Widerspruch zwischen dem Anspruch eines "liberalen Imperialismus" und der tatsächlichen Praxis in den untersuchten Fallstudien dar.

5. Fazit: Die postkoloniale Prägung des Nation Building: Das Fazit fasst zusammen, dass die Wiederholung kolonialer Fehler im Rahmen des modernen Nation Building die Interventionen eher destabilisiert als stabilisiert.

Schlüsselwörter

Postkoloniale Theorie, Nation Building, Liberaler Imperialismus, Imaginative Geographien, Afghanistan, Irak, Kolonialismus, Fremdbestimmung, Geopolitik, Intervention, Identitätsbildung, Konfliktforschung, White Mans Burden, Staatszerfall, Historische Kontinuität

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die historische und ideologische Verbindung zwischen dem klassischen Kolonialismus und modernen Nation-Building-Interventionen der westlichen Welt, insbesondere im Irak und in Afghanistan.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Die zentralen Themen umfassen postkoloniale Theorie, die Kritik am Konzept des "liberalen Imperialismus", die Rolle imaginativer Geographien in der Außenpolitik sowie die Analyse politischer Stabilität und Staatsbildungsprozesse.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie tiefgreifend koloniale Denk- und Handlungsmuster die heutige Außenpolitik und deren "Nation Building"-Projekte prägen und warum diese Ansätze häufig an der komplexen Realität vor Ort scheitern.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?

Die Arbeit basiert auf einer diskursanalytischen und historisch-geographischen Auswertung von Literatur und Fallstudien, um die Konstruktion von Weltbildern und deren Auswirkungen auf politisches Handeln kritisch zu hinterfragen.

Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die historische Aufarbeitung der kolonialen Geschichte Afghanistans und des Iraks, die theoretische Auseinandersetzung mit "imaginativen Geographien" und eine detaillierte Auswertung aktueller Nation-Building-Fallstudien in diesen Regionen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?

Wichtige Schlagworte sind Postkoloniale Theorie, Nation Building, Liberaler Imperialismus, Imaginative Geographien, Afghanistan, Irak und Geopolitik.

Inwiefern beeinflussen "imaginative Geographien" die US-Außenpolitik laut der Arbeit?

Laut der Studie nutzen politische Eliten diese konstruierten, vereinfachten Weltbilder, um eine "Architektur der Feindschaft" zu erzeugen, welche Interventionen vor der eigenen Bevölkerung legitimierbar macht, indem eine perspektivische Gleichbehandlung komplexer Räume erzwungen wird.

Welche Rolle spielen Warlords im afghanischen Nation-Building-Prozess?

Die Arbeit zeigt auf, dass der entgegengesetzte Ansatz der USA – einerseits die Übergangsregierung zu stärken, andererseits aber auf die Macht der Warlords zur Terrorbekämpfung zu setzen – den Aufbau einer stabilen, auf nationaler Identität beruhenden Staatsstruktur massiv konterkariert.

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Details

Title
Nation Building und die Bürde des weissen Mannes in Afghanistan und Irak
College
Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg  (Institut für Geographie)
Course
Geopolitische Konflikte im Nahen und Mittleren Osten
Grade
1,3
Author
Stefan Reiß (Author)
Publication Year
2009
Pages
19
Catalog Number
V143407
ISBN (eBook)
9783640527052
ISBN (Book)
9783640527182
Language
German
Tags
Nation Building Bürde Mannes Afghanistan Irak
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stefan Reiß (Author), 2009, Nation Building und die Bürde des weissen Mannes in Afghanistan und Irak, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143407
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