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Vom Idioten zum Menschen mit besonderem Förderbedarf - Reflexionen zum Begriff der geistigen Behinderung

Title: Vom Idioten zum Menschen mit besonderem Förderbedarf - Reflexionen zum Begriff der geistigen Behinderung

Examination Thesis , 2001 , 77 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Martin Rödiger (Author)

Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education
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Summary Excerpt Details

Vom „Idioten“ zum „Menschen mit besonderem Förderbedarf“ –
Reflexionen zum Begriff der geistigen Behinderung

Diese Arbeit geht angesichts des verwirrenden Begriffsinventars der Heilpädagogik von der Hypothese aus, dass ›geistige Behinderung‹ ein unbrauchbarer, aber notwendiger Begriff ist (1). Zunächst werden einige grundsätzliche Aspekte von Sprache beleuchtet (2). Auf dieser Grundlage werden die Wörter ›Geist‹, ›Behinderung‹ und ihre Kombination untersucht (3.1). Danach wird in einem kurzen historischen Überblick die Etablierung des Begriffs der ›(geistigen) Behinderung‹ in Alltags- und Fachsprache nachgezeichnet (3.2). Schließlich wird der unterschiedliche Gebrauch des Behinderungsbegriffs in den verschiedenen Wissenschaften nachgewiesen (3.3). Durch die Bestätigung der Hypothese (3.4) besteht die Notwendigkeit, nach alternativen Begriffen zu suchen (4). Da diese Suche erfolglos bleibt und ich trotz der gezeigten Mängel am Begriff der ›geistigen Behinderung‹ festhalten muss, spreche ich mich für eine Terminologie des Vorbehalts aus (5).

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. GEISTIGE BEHINDERUNG ALS KONSTITUTIVER BEGRIFF EINER HEILPÄDAGOGISCHEN FACHRICHTUNG

1.1 Die große Sprachverwirrung

1.2 Sorgenkind und/oder Mensch? – Aktuelle Diskussion in der Geistigbehindertenpädagogik

1.3 „Sprachprobleme der Pädagogik“ – Anstöße zur Fragestellung

1.4 Hypothese und Aufbau der Arbeit

2. WESEN, FUNKTION UND MACHT DER SPRACHE

3. ASPEKTE ZU WURZELN UND GEBRAUCH DES BEGRIFFS DER GEISTIGEN BEHINDERUNG

3.1 Sprachwissenschaftliche Aspekte

3.1.1 Geist

3.1.2 Behinderung

3.1.3 Geistige Behinderung

3.2 Historische Aspekte

3.2.1 Vorläuferbegriffe

3.2.2 Etablierung des Begriffs der (geistigen) Behinderung

3.3 Interdisziplinäre Aspekte

3.3.1 Behinderung aus der Sicht der WHO

3.3.2 Behinderung als individuelle Kategorie

3.3.3 Behinderung als soziale Kategorie

3.3.4 Behinderung als rechtliche Kategorie

3.4 Auswertung

4. „GEISTIGBEHINDERTE GIBT ES NICHT!“ – AUF DER SUCHE NACH ALTERNATIVEN BEGRIFFEN

4.1 Anforderungen an einen möglichen Alternativbegriff

4.2 „Kognitives Anderssein“ oder „besonderer Förderbedarf“?

5. UMGANG MIT DEM DILEMMA – EINE TERMINOLOGIE DES VORBEHALTS

5.1 „Der Sprache Zucht auferlegen“ – Konsequenzen für den eigenen Sprachgebrauch

5.2 Zusammenfassung und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht kritisch den Begriff der „geistigen Behinderung“ im Kontext der Heilpädagogik, um dessen Tauglichkeit als wissenschaftlicher Leitbegriff angesichts seiner sprachlichen Mehrdeutigkeit und stigmatisierenden Wirkung zu hinterfragen. Ziel ist es, den „Konstruktionscharakter“ dieses Begriffs offenzulegen und eine verantwortungsbewusste Terminologie zu entwickeln, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt.

  • Reflexion des „Wesens, der Funktion und Macht der Sprache“.
  • Etymologische und historische Analyse des Begriffs „geistige Behinderung“.
  • Interdisziplinäre Betrachtung (WHO, Medizin, Soziologie, Recht) von Behinderung.
  • Kritische Prüfung von Alternativbegriffen wie „besonderer Förderbedarf“.
  • Entwicklung einer „Terminologie des Vorbehalts“ für den heilpädagogischen Sprachgebrauch.

Auszug aus dem Buch

3.1.2 Behinderung

LINDMEIER (1993) legt eine umfangreiche Etymologie des Behinderungsbegriffes und der zugehörigen Wortfamilie vor, was er „im Gegensatz zu der in der Heilpäda-gogik üblichen Auffassung“ (104), für eine lohnenswerte, aber weitgehend unbeachtete Aufgabe hält. Wesentlich erscheint mir seine Erkenntnis, dass die Begriffe ›Förderung/Forderung‹ den semantischen Gegensatz zu ›Behinderung‹ bilden. (Im Hinblick auf ›Behinderung‹ als soziale Kategorie und den Begriff des ›Förderbedarfs‹ wird darauf zurückzukommen sein.)

In Übereinstimmung mit KLUGE (1999) führt er als Ursprung der Wortfamilien ›Behinderung‹/›Förderung‹ das mittelhochdeutsche Wortpaar ›vordern – hindern‹ an, das wiederum auf die Präpositionen ›vorder – hinter‹ zurückgeht. Zunächst handelt es sich bei den beiden Präpositionen um Mittel zur räumlichen Bestimmung eines Gegenstandes wie sie von dem heute gebrauchten Paar ›vor – hinter‹ bekannt ist. „Worte wie ›Hindernis‹, ›Behinderung‹ bezeichnen Situationen in der (physischen) Gegenstandswelt, in denen bestimmte Bewegungen oder Prozesse aufgehalten und in ihrem üblichen oder vorhergesehenen Verlauf gehemmt werden.“ (KOBI, 1988a, 61). Diese Bedeutungsebene ist vor allem in Hinblick auf Mobilität geläufig, z.B wenn im Verkehrsfunk von „Staus und Behinderungen ab fünf Kilometern“ die Rede ist. Es könnte hier aber ebensogut von Hindernissen die Rede sein.

Zusammenfassung der Kapitel

1. GEISTIGE BEHINDERUNG ALS KONSTITUTIVER BEGRIFF EINER HEILPÄDAGOGISCHEN FACHRICHTUNG: Die Einleitung beleuchtet die sprachliche Unsicherheit in der Heilpädagogik und führt in die Thematik der babylonischen Sprachverwirrung ein.

2. WESEN, FUNKTION UND MACHT DER SPRACHE: Dieses Kapitel erläutert linguistische Grundlagen und verdeutlicht die Ambivalenz sowie die Macht der Sprache als Instrument der Konstruktion von Wirklichkeit.

3. ASPEKTE ZU WURZELN UND GEBRAUCH DES BEGRIFFS DER GEISTIGEN BEHINDERUNG: Es erfolgt eine tiefgehende etymologische und interdisziplinäre Analyse der Einzelbegriffe „Geist“ und „Behinderung“ sowie deren historischer Etablierung.

4. „GEISTIGBEHINDERTE GIBT ES NICHT!“ – AUF DER SUCHE NACH ALTERNATIVEN BEGRIFFEN: Hier werden verschiedene Alternativvorschläge auf ihre Tauglichkeit geprüft und kritisch bewertet.

5. UMGANG MIT DEM DILEMMA – EINE TERMINOLOGIE DES VORBEHALTS: Der Autor schlägt eine verantwortungsvolle, situative Sprachregelung vor, um trotz der Mängel der Terminologie handlungsfähig zu bleiben.

Schlüsselwörter

Geistige Behinderung, Heilpädagogik, Sprachverwirrung, Sprachanalyse, Etymologie, Interdisziplinarität, Stigmatisierung, Menschenbild, Sonderpädagogischer Förderbedarf, People-first-Sprache, Terminology des Vorbehalts, Konstruktivismus, Ontologisierung, Etikettierungs-Ressourcen-Dilemma.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Problematik des Begriffs der „geistigen Behinderung“ innerhalb der Heilpädagogik und analysiert, wie Sprache unsere Wahrnehmung und Behandlung behinderter Menschen beeinflusst.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind die Funktionen von Sprache, die historische Herkunft von Behinderungsbegriffen, die rechtliche und medizinische Dimension des Begriffs sowie die Suche nach nicht-diskriminierender Sprache.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, dass der Begriff der „geistigen Behinderung“ wissenschaftlich unbrauchbar, aber sozial und rechtlich notwendig ist, und daraus eine verantwortbare Sprachpraxis abzuleiten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt eine sprachwissenschaftliche und historische Analyse sowie eine Auseinandersetzung mit konstruktivistischen Theorien, um die Begrifflichkeiten und deren Wirkung auf die Praxis zu hinterfragen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Etymologie, der historischen Entwicklung des Begriffs, der interdisziplinären Sichtweise (WHO, Recht) und der kritischen Prüfung verschiedener Alternativbegriffe.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Schlüsselwörter sind Geistige Behinderung, Heilpädagogik, Stigmatisierung, Sprachkritik, Etikettierung und Menschenbild.

Warum hält der Autor den Begriff „geistige Behinderung“ für unbrauchbar?

Weil der Begriff linguistisch unscharf ist, den Menschen auf sein Defizit reduziert (Ontologisierung) und komplexe soziale Interaktionen in eine einseitige, statische Kategorie zwängt.

Was bedeutet die vom Autor geforderte „Terminologie des Vorbehalts“?

Sie bedeutet, den Begriff „geistige Behinderung“ nicht unreflektiert zu verwenden, sondern ihn durch Zusätze wie „so genannt“ zu kommentieren, um den Zuschreibungsprozess und den Konstruktionscharakter des Begriffs stets bewusst zu machen.

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Details

Title
Vom Idioten zum Menschen mit besonderem Förderbedarf - Reflexionen zum Begriff der geistigen Behinderung
College
University of Cologne  (Seminar für Geistigbehindertenpädagogik)
Grade
1,0
Author
Martin Rödiger (Author)
Publication Year
2001
Pages
77
Catalog Number
V14350
ISBN (eBook)
9783638197755
ISBN (Book)
9783640860104
Language
German
Tags
Idioten Menschen Förderbedarf Reflexionen Begriff Behinderung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Martin Rödiger (Author), 2001, Vom Idioten zum Menschen mit besonderem Förderbedarf - Reflexionen zum Begriff der geistigen Behinderung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14350
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