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Von der handbeschriebenen Rolle zum gedruckten Buch - Zusammenhänge zwischen historischer Entwicklung des Christentums und technischer Entwicklung des Buches

Title: Von der handbeschriebenen Rolle zum gedruckten Buch - Zusammenhänge zwischen historischer Entwicklung des Christentums und technischer Entwicklung des Buches

Term Paper (Advanced seminar) , 1999 , 18 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Martin Rödiger (Author)

Theology - Historic Theology, Ecclesiastical History
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Summary Excerpt Details

Viele Religionen kennen das Phänomen eines heiligen Buches, in dem göttlicher Wille, religiöse
Gesetze oder Erfahrungen der Menschen mit ihrer Gottheit festgehalten sind. Als klassische
Buchreligionen könnte man die drei großen monotheistischen Religionen bezeichnen.
Der Koran als heiliges Buch der Muslime und die Bibel (in ihrer jeweiligen Form) als Heilige
Schrift der Juden und Christen stehen für eine Grundannahme dieser Religionen: Gott offenbart
sich den Menschen durch Worte, die von bevollmächtigten bzw. inspirierten Personen
aufgeschrieben worden sind. Ein Beispiel hierfür ist der oben zitierte göttliche Auftrag, der an
Jeremia ergeht.
Die zentrale Bedeutung eines Buches in einer Religionsgemeinschaft findet sich erstmals im
Judentum. In Zeiten des babylonischen Exils diente die jüdische Bibel dem versklavten Volk
Israel als identitätsstiftende Stütze ihres Glaubens. Eine Funktion eines heiligen Buches ist es
demnach, die jeweilige Religion zu stabilisieren bzw. zu sichern. Doch bevor es diese Aufgabe
erfüllen kann, muß eine Kanonbildung vollzogen werden, d.h. die endgültige Gestalt muß
verbindlich festgelegt werden. Die Schwierigkeiten, die ein solcher Prozeß zeitigt, lassen sich
allein daraus ersehen, daß es nicht die eine verbindliche christliche Bibel gibt, da nämlich die
katholische Kirche die sog. deuterokanonischen Bücher (z.B. Jesus Sirach) in ihren Kanon
aufgenommen hat, während die Protestanten sie nicht anerkennen.
Die reformatorische Bewegung mit ihrem Leitspruch „sola scriptura“ weist auf eine weitere
Eigenart der Buchreligionen hin. Die Hinwendung zum verbindlichen Text des heiligen Buches
läßt zu jedem Zeitpunkt Rückgriffe auf die Ursprünge der Religion zu. Das Buch ist also
Quelle, gleichzeitig aber auch Maßstab einer Erneuerung. Auf der anderen Seite – auch dies
eine Eigenheit der Buchreligionen – läßt ein Text immer verschiedene Interpretationen zu, so
daß ein Buch nicht nur Basis einer gemeinsamen Identität, sondern aufgrund unterschiedlicher
Auslegung auch Ausgangspunkt von Spaltungen sein kann. Hier spielt sicherlich auch die
verschiedene Gewichtung von Schrift einerseits und Tradition andererseits eine Rolle.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Das Phänomen Buchreligion

2. Die technische Entwicklung des Buches in Material, Form und Beschriftung

2.1 Vom Papyrus über das Pergament zum Papier

2.2 Von der Rolle zum Codex

2.3 Von der Handschrift zum Druck

3. Entwicklung des Buches und Entwicklung des Christentums – eine Wechselwirkung?

3.1 Die Buchkultur der Klöster als Bindeglied zwischen Antike und Mittelalter

3.2 Die frühen Christen als treibende Kraft bei der Verbreitung der Codexform

3.3 Die Reformation im Zeichen des Massenmediums Buch

4. Ausblick – E-Book und www.vatican.va

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht die Wechselwirkungen zwischen der historischen Entwicklung des Christentums und der technischen Evolution des Mediums Buch – von der antiken Schriftrolle bis zum digitalen Zeitalter. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie theologische Anforderungen die Buchherstellung beeinflussten und umgekehrt technische Neuerungen die Verbreitung religiöser Inhalte ermöglichten.

  • Technische Grundlagen der Buchproduktion (Material, Form, Beschriftung)
  • Die Rolle der Klöster bei der Textüberlieferung
  • Der Einfluss des Christentums auf die Verbreitung der Codexform
  • Die Bedeutung des Buchdrucks für die Reformation
  • Der Übergang zu neuen Medien am Beispiel des Internets

Auszug aus dem Buch

3.2 Die frühen Christen als treibende Kraft bei der Verbreitung der Codexform

Die Standardform des antiken Buches war wie oben beschrieben die Rolle. Daher verwundert es, daß die ersten Christengemeinden fast ausschließlich und lange vor ihren Zeitgenossen (wahrscheinlich schon im frühen 2. Jh.) die Codexform favorisierten. Dieser Umstand hat zu einer Vielzahl von Begründungsversuchen geführt, darunter der des amerikanischen Forschers Harry Gamble. Einige von ihnen sind sehr schnell zu widerlegen, während es um andere Thesen heftige Diskussionen gibt.

Es wurde unter anderem darauf verwiesen, daß ein Codex die Möglichkeit biete, bei der Schriftauslegung schnell und präzise einzelne Passagen und Sätze nachzuschlagen. Hieran wird auch die relativ frühe Nutzung für Gesetzestexte (3. Jh.) festgemacht. Bei genauer Betrachtung der Beschriftung läßt sich dieses Argument jedoch leicht entkräften, da zu dieser Zeit üblicherweise eine scriptio continua verwendet wurde, d.h. die Wörter wurden nicht durch Leerzeichen getrennt; ebensowenig gab es Satzzeichen oder Absätze. Einzelne Schriftstellen waren also genauso einfach bzw. mühsam zu finden wie in einer Buchrolle.

Eine weitere These bezieht sich auf den Status der Christen als verfolgter Minderheit. Codices seien verwendet worden, da sie leicht zu verstecken seien. Eine Rolle allerdings läßt sich bei Durchsuchungen ebenso gut vor Feinden verbergen.

Ebenfalls nicht zu halten scheint die Vermutung, Codices seien aufgrund des wesentlich niedrigeren Preises gewissermaßen das „Buch der kleinen Leute“ gewesen. Gamble dagegen rechnet zum einen mit einem Preis, der nicht mehr als 25 % unter dem für Buchrollen lag, zum anderen sieht er die mehrheitliche Einordnung der Christen in die unteren Klassen der antiken Gesellschaft nicht mehr als ausreichend begründet an.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Das Phänomen Buchreligion: Dieses Kapitel definiert Buchreligionen und erläutert die Bedeutung heiliger Schriften für die Kanonbildung und religiöse Identität.

2. Die technische Entwicklung des Buches in Material, Form und Beschriftung: Hier werden die materiellen Grundlagen und der Wandel von der Papyrusrolle zum Codex und schließlich zum Buchdruck technisch beleuchtet.

3. Entwicklung des Buches und Entwicklung des Christentums – eine Wechselwirkung?: Dieses Kapitel analysiert die historische Wechselbeziehung zwischen dem christlichen Glauben und der Medientechnik, von klösterlicher Bewahrung bis hin zur Reformation.

4. Ausblick – E-Book und www.vatican.va: Der abschließende Teil reflektiert die Rolle digitaler Medien wie E-Books und des Internets im Kontext traditioneller religiöser Vermittlung.

Schlüsselwörter

Buchreligion, Codex, Buchdruck, Papyrus, Pergament, Christentum, Reformation, Klöster, Medienwandel, Internet, Bibel, Schriftlichkeit, Buchkultur, Johannes Gutenberg, Massenmedium

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die enge Verbindung zwischen der historischen Ausprägung des Christentums und der technischen Evolution des Mediums Buch.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der materiellen Buchgeschichte, der Rolle des Christentums als kultureller Vermittler und der Auswirkung des Buchdrucks auf religiöse Umbrüche.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist aufzuzeigen, wie theologische Bedürfnisse und technologische Fortschritte in der Buchherstellung untrennbar miteinander verwoben sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historisch-theologische Analyse, die buchgeschichtliche Fakten mit religiöser Praxis und mediengeschichtlichen Entwicklungen verknüpft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die technische Entwicklung des Buches (Material/Form) sowie die Analyse der Wechselwirkung zwischen christlicher Religionsgeschichte und Buchproduktion.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Buchreligion, Codex, Buchdruck, Reformation, Schriftkultur und Medienwandel.

Warum bevorzugten die frühen Christen den Codex gegenüber der Rolle?

Die Autorität frühchristlicher Schriften, insbesondere einer frühen Edition der Paulusbriefe, erforderte eine Form, die den Charakter eines zusammenhängenden Buches unterstrich.

Welche Rolle spielte der Buchdruck für die Reformation?

Der Buchdruck war entscheidend für die Verbreitung reformatorischer Schriften und Luthers Bibelübersetzung, ohne die eine solche Breitenwirkung nicht möglich gewesen wäre.

Wie beurteilt der Autor das Internet als Medium für die Kirche?

Der Autor sieht das Internet als sinnvolle Ergänzung und Präsenzmittel, das jedoch das klassische Buch nicht als Medium zur intensiven Lektüre ersetzen kann.

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Details

Title
Von der handbeschriebenen Rolle zum gedruckten Buch - Zusammenhänge zwischen historischer Entwicklung des Christentums und technischer Entwicklung des Buches
College
University of Cologne  (Seminar für katholische Theologie)
Course
Seminar: Das Christentum - eine Buchreligion.
Grade
1,0
Author
Martin Rödiger (Author)
Publication Year
1999
Pages
18
Catalog Number
V14351
ISBN (eBook)
9783638197762
Language
German
Tags
Rolle Buch Zusammenhänge Entwicklung Christentums Entwicklung Buches Seminar Christentum Buchreligion
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Martin Rödiger (Author), 1999, Von der handbeschriebenen Rolle zum gedruckten Buch - Zusammenhänge zwischen historischer Entwicklung des Christentums und technischer Entwicklung des Buches, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14351
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