St. Ursula and the Eleven Thousand Virgins


Essay, 2003

20 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

1. Einleitung

Das Thema dieser Hausarbeit für das Seminar „Sagen und Legenden“ entstand daraus, dass meine Mutter Ursula heißt. Deswegen begab ich mich auf die Suche nach der Legende von St.Ursula und den 11000 Jungfrauen.

Meine Wege führten mich nicht nur in die Bibliothek und ins Internet, sondern unter anderem auch in die St. Ursula Gemeinde in Köln, wo die Grabkammer der heiligen Ursula ist. Leider konnte ich diese nicht besichtigen, da sie momentan wegen Renovierungsarbeiten geschlossen ist. Aber ganz umsonst war die Fahrt nach Köln nicht, da ich im Pfarramt der St. Ursula Gemeinde eine Broschüre über Rheinische Kunststätten erhalten habe.

Ein weiterer Weg führte mich in das Zisterzienser Kloster in Bochum-Stiepel, da ich gelesen hatte, dass die Zisterzienser einen Ursula-Kult betreiben würden. Dort durfte ich für meine Recherche sogar in die Bibliothek des Klosters.

Ich hätte im Vorfeld dieser Hausarbeit nicht gedacht, dass es so interessant sei, nach einer Legende zu forschen, doch ich wurde eines Besseren belehrt. Jedes mal, wenn ich vor hatte, diese Hausarbeit zu schreiben, entdeckte ich neue Geschichten und Fakten rund um die Legende von St.Ursula und den 11000 Jungfrauen.

Ich hoffe, dass das Lesen dieser Arbeit genauso viel Spaß macht, wie es mir die Suche nach der Legende bereitet hat.

2. Definition der Gattung Legende

Das Wort „Legende“ kommt von dem lateinischen Wort „legenda“. „legenda“ bedeutet „das zu Lesende“. Ursprünglich bedeutet Legende „eine Lesung ausgewählter Texte eines Heiligen an seinem Festtag“[1] bei einem Gottesdienst oder einer Klostermahlzeit zu halten. Der Begriff wurde auf religiöse volkstümliche Geschichten in Vers- oder Prosaform über das Leben und Erleben eines Heiligen übertragen. Legenden können aber auch von einzelnen Wundern und Geschehnissen „glaubensstarker Menschen mit der‚ Umwelt, Erleuchtung irdischen Geschehens durch himmlische Mächte“[2] handeln.

Es gibt zwei Formen von Legenden:

1) Legenden über Heilige, die unter theologischen und moralischen Aspekten zur Erbauung und Belehrung dienen sollen.
2) Sogenannte Volks-Legenden, die sich nicht auf den christlichen Glauben beschränken, sondern lediglich zur Unterhaltung dienen sollen.

Da Legenden sich nicht auf Faktentreue berufen, sondern sinn - und stimmungsgebend sein sollten, wurden sie schon früh als literarische Vorlagen benutzt.

„Die Legende bietet uns das Heiligenleben ohne Rücksicht auf die historische Wahrheit; sie entfaltet sich um einen Kern des Wirklichen und umgibt ihn mit dem Glanz des Wunderbaren. Aber die Legende ist wertvoll, und wir möchten sie auch heute nicht missen. Sie trägt dazu bei, religiöses Gedankengut fruchtbar werden zu lassen. Unaufdringlich formt sie am inneren Menschen, was einem trockenen Stoff meist nicht gelänge.“[3]

3. Die Legende

Die heilige Ursula war die einzige Tochter des britischen Königspaares Vionetus und Darina. Da ihre Eltern lange auf ihre Geburt gewartet hatten, wurde sie von ihren Eltern sehr verwöhnt. Doch Ursula interessierte sich nicht für Spielzeug und Schmuck, sondern einzig und allein für die Heilige Schrift. Sie dachte über alles was sie in der Heiligen Schrift las lange nach, und erstaunte alle mit ihren Gedanken und Erkenntnissen, weswegen sie von allen als Gotteskind gepriesen wurde. Dadurch, dass sie sehr still und nachdenklich war, wurde sie mit einer weißen Rosenknospe verglichen. „so ruhe sie in ihrem eigenen Wesen, das junge Herz von zahllosen Blütenblättern eng umhüllt.“[4]

Als Ursula zur Jungfrau herangewachsen war, verbreitete sich die Kunde von ihrer Schönheit in alle Länder der Welt. Barden in allen Ländern der Welt preisten ihre unbeschreibliche Schönheit, wodurch viele junge Männer nach England reisten und um sie warben. Doch Ursula entschied sich mit einem Gelübde dem Heiland auf ewig zu verbinden. Vionetus achtete ihren Entschluss, obwohl er sie lieber als Braut an der Seite eines Königs gesehen hätte. Zu dieser Zeit erfuhr auch der Sohn eines Heidenkönigs aus dem hohen Norden mit dem Namen Conanus von Ursulas Schönheit. Er sandte Geschenke an sie und ihre Eltern und reiste anschließend nach England. Beim Anblick von Ursula verliebte er sich sofort in sie, doch er wagte es nicht ihr seine Liebe zu gestehen. Doch gerade seine Schüchternheit weckte Ursulas Interesse und so saßen sie oft zusammen im Garten, wo er ihr von seiner Heimat erzählen musste. Doch trotz der Vertrautheit machte Ursula ihm keine Hoffnung auf eine Liebesbeziehung, so dass er fürchtete sie würden für immer wie Geschwister bleiben. Betrübt reiste er unter einem Vorwand in seine Heimat zurück. Wieder in seiner Heimat gestand er seinem Vater, dass er es nicht gewagt hatte um Ursula zu werben. Sein Vater lachte ihn aus, schickte aber, nachdem Conanus sich immer mehr verschloss, ein paar Boten nach England die in seinem Namen um Ursula warben. Die Boten erhielten auch den Auftrag mit einem Angriff und der Übernahme des Landes zu drohen, falls dem Werben nicht nachgegeben würde. Diese Botschaft betrübte König Vionetus. Ursula wollte ihrem Vater gerne helfen, zumal sie sich auch in Conanus verliebt hatte, aber sie wollte nicht ihr Gelöbnis dem Heiland gegenüber brechen. Eines Nachts aber erschien ihr ein Engel und sprach: „Nicht länger sollst du ratlos sein. Gott will, daß du dich dem Conanus verlobst. Im eigen Ratschluß liegt es verborgen, daß Großes aus deiner Brautschau für die Christenheit geschehen soll. Drum laß jeden Zweifel und tu, wie es dir befohlen!“[5]

Ursula eilte zu ihrem Vater um ihm mitzuteilen, dass sie Conanus ehelichen würde. Aber es wurde ihr auch noch etwas anderes von dem Engel eingegeben, was ihr Vater am nächsten Tag verkündete. „ Meldet Eurem Herrn, ... , daß ich meine Tochter dem Conanus geben will, doch nur, wenn er zuvor ein Christ geworden ist! Und auch dies soll noch ausbedungen sein, daß Ursula drei Jahre verbleiben, um sich auf die Hochzeit vorzubereiten. Derweil will sie auf eine weite Pilgerschaft gehen. Zahlreiche Jungfrauen aus edelstem Geblüt sollen sie dabei begleiten. – Ich habe, ... , fünf Vasallen in meinem Reich. Fünf Vasallen hat auch euer Herr. Ein jeder davon soll eine seiner Töchter der meinen zum Geleit geben. Und jeglicher dieser Fürstentöchter sollen tausend ehrbare Mägde beigesellt sein. So mögen sie dann auf die fromme Wallfahrt gehen, ihre Jungfrauenschaft an heiligen Stätten zu weihen und Gottes Segen auf sich selbst wie auf das Brautpaar herabzuflehen.“[6] Als der Heidenkönig dies vernahm, war er wütend darüber, da er an seine eigenen Götter glaubte. Doch Conanus war sofort mit den Bedingungen einverstanden. Florentina, eine Schwester des Conanus, unterstützte ihn dabei und schloss sich Ursula als Gefährtin an. Da gab auch der Vater nach und stellte auf den Wunsch seiner Tochter eine große Flotte zur Verfügung mit allem was benötigt wurde.

Nach dem aus allen Teilen des Landes 11000 Jungfrauen zusammen waren, begeben sie sich auf die große Pilgerfahrt.

Die Jungfrauen fuhren den Rhein hinauf um nach Köln zu gelangen. Entlang des Rheines standen Menschen am Ufer die ihnen zujubelten. In Köln wurden sie mit wehenden Fahnen begrüßt. Die Obersten der Stadt, die Geistlichen und das Volk erwarteten die Jungfrauen schon freudig am Strand. Ursula ging mit ihren Gefährtinnen Blandula und Florentina an Land um zu beten. Doch in der Nacht erschien ihr wieder ein Engel, der sie mahnte nach Rom weiterzuziehen. Plötzlich glaubte Ursula nicht mehr in ihrer Kammer, sondern in einem Garten zu sein. Nachtigallen sangen und der Himmel öffnete sich über ihr. Ein unbeschreiblicher Glanz schien aus dem Himmel herauszubrechen und der erstaunten Ursula erschienen sämtliche Heilige, während sie den Gesang der neun himmlischen Chöre vernahm. Sie erblickte sich und ihre Gefährtinnen in der Herrlichkeit Gottes, geschmückt mit den Kronen und Palmen des Märtyrertums. Sogleich weckte sie Cordula, doch nahm diese nichts wahr, außer der Dunkelheit der Kammer.

Am nächsten Tag eilten die Jungfrauen zu ihren Schiffen und erzählten den übrigen Gefährtinnen von dieser Erscheinung. Ursula stellten ihnen frei nach hause zurückzukehren, doch eine jede wollte bei Ursula bleiben. So fuhren sie wieder rheinaufwärts nach Rom. In Basel verließen sie allerdings die Schiffe und gingen zu Fuß weiter. Es war ein beschwerlicher Weg und sie fürchteten sich oft des Nachts. Doch als sie endlich in Rom angekommen waren, kam ihnen eine herrliche Prozession entgegen, die von Papst Cyriacus[7] angeführt wurde. Ihm hatte ein Traumgesicht vorausgesagt, dass er die Jungfrauen empfangen würde und mit ihnen in einer Stadt am Rhein die Krone des Martyriums zu empfangen. Am nächsten Tag legte er sein Amt wieder und beschloss nur noch den Jungfrauen zu dienen. Er zeigte den Jungfrauen die heiligen Stätten Roms, an denen sie beteten. Dort ließen sich auch die unter ihnen taufen, die noch nicht dem christlichen Glauben angehörten. Eines Tages entschieden sich die Jungfrauen wieder Richtung Köln zu gehen.

Mittlerweile war der Vater von Conanus und Florentina gestorben und Conanus war zum König gekrönt worden. Da er zu ungeduldig war um auf die Rückkehr der Jungfrauen zu warten, segelte er ihnen mit einem schnellen Schiff entgegen. Er folgte ihrer Spur und als er in Speyer war, segelte die Flotte der Jungfrauen ihm entgegen. Als er vor seiner geliebten Ursula stand, fiel er vor ihr auf die Knie und küsste sie. Sie errötete und sagte zu ihm, dass diese Ehre nur Gott gebühre. Da ließ sich Conanus von Papst Cyriacus im alten Dom zu Mainz taufen. Sein neuer Name war Aetherius. Nach der Taufe erzählte ihm Ursula von dem Schicksal was sie erwartete. Obwohl er darüber betrübt war, beschloss er, dass sie sich zusammen diesem Schicksal stellen würden. So gingen sie zurück zu den Schiffen und fuhren weiter. Als sie nach Boppard gelangten, hörten sie laute Zurufe von Menschen, die sie warnen wollten weiter stromabwärts zu ziehen, da die Hunnen, angeführt von dem Hunnenkönig Etzel, im Lande seien. „ Die Jungfrauen aber stimmten bei dieser Kunde ein Preislied zu ehren des heiligen Erzengels Michael an, der den Drachen der Finsternis erschlug und alle gottgläubigen Seelen in die himmlische Herrlichkeit geleitet.“[8] Je mehr sie Richtung Koblenz kamen, wurden sie von Leuten vor Etzel und seinen Mannen gewarnt. Die Menschen erzählten von der ungeheuren Mordlust der Hunnen, und dass sie auch das Kind im Mutterleib nicht verschonen würden. „ Etzel besäße ein furchtbares Schwert, das, einst einem abgöttischen Zauberer gehört und danach lange in der Erde gelegen hätte; es wäre voll teuflischer Kraft, und Etzel schwinge es nun allvernichtend über die ganze Christenheit.“[9] Doch die Jungfrauen entgegneten, dass sie keine Angst davor hätten.

Zwei Tage später waren sie wieder in Köln. Es bot sich ihnen ein Bild des Schreckens, da die Stadt niedergebrannt und niedergemetzelt war. Pfeile surrten ihnen entgegen. Aetherius, der Ursulas Schiff steuerte, verspürte Kampfeslust, da er die Hunnen für all das büßen lassen wollte. Doch Papst Cyriacus hielt ihn mit den folgenden Worten zurück: „ Es ist groß und schön, ... , mit dem Schwerte in der Hand wider jeden Feind anzugehen. Aber Gott hat uns zu höherem Heldentum erkoren: ohne jede Waffe, es sei denn jener des Geistes, den Barbaren entgegenzutreten! Zwar werden sie uns töten; doch wird noch zur selben Stund ein solcher Schrecken in jede Hunnenbrut einfahren, dass es sie fortan wie mit scharfen Geißeln unablässig dahintreibt – bis in ihren schmächlichen Untergang hinein.“[10] Aetherius erwiderte daraufhin, dass er Angst hätte vor Ursula zu sterben und sie dadurch nicht mehr beschützen können. Doch Papst Cyriacus beruhigte ihn damit, dass Ursula unter dem besonderen Schutz Gottes stehe. Plötzlich jedoch griffen die Hunnen an, und die ersten Jungfrauen wurden durch Pfeile getötet. Aetherius starb bei dem Versuch Ursulas Schiff an Land zu ziehen. Genauso wie nach ihm Papst Cyriacus, den Ursula im Sturz noch auffing. Im nächsten Moment wurde sie jedoch schon an den Haaren hochgezogen und blickte in Etzels Gesicht. Er sagte ihr, dass sie es sich aussuchen könne, ob sie in der Nacht mit ihm das Lager teile, oder ob sie den Tod wolle. Ursula ging zu ihren Jungfrauen und sagte ihm, dass er, wenn er sie töten würde, es bitter sühnen müsste. Und er sah, dass Gott aus ihr sprach. Voller Wut befahl er seinen Mannen sie zu töten. „Da wurde St. Ursula von zahlreichen Pfeilen durchbohrt und folgte so im heiligsten Triumph ihrer vorausgegangenen Schar.“[11]

Doch nicht alle ihrer Gefährtinnen waren schon gestorben. Die kleine Cordula[12] hatte sich in einem Schiff versteckt, als aber der Lärm des Kampfes verstummte und sie den Gesang der himmlischen Chöre vernahm, kam sie aus ihrem Versteck hervor. Als sie hervor kam, traf sie der letzte Pfeil und auch sie stieg in den Himmel empor. Als die Hunnen dies sahen, flüchteten sie ängstlich und Köln war vor den Hunnen verschont.

Die Kölner priesen für diese Tat die 11000 Jungfrauen und nahmen sie als Zeichen der Dankbarkeit in ihr Wappen auf.

[...]


[1] siehe: von Wilpert, Gero: Sachwörterbuch der Literatur. Alfred Kröner Verlag. Stuttgart. 1989

[2] siehe: von Wilpert, Gero: Sachwörterbuch der Literatur. Alfred Kröner Verlag. Stuttgart. 1989

[3] Norbert Orthen: http://www.altenberger-dom.de/geschich/ursula.htm

[4] siehe: Lenartz, Werner: Strom der Gnade – Legenden und Wunder, die sich das Volk am

Rhein erzählt. Ferdinand Dümmlers Verlag. Bonn. 1946 (S.23)

[5] siehe: Lenartz, Werner: Strom der Gnade – Legenden und Wunder, die sich das Volk am Rhein erzählt. Ferdinand Dümmlers Verlag. Bonn. 1946 (S.25 f)

[6] siehe: Gäth, Goswin Peter: Rheinische Legenden. Greven Verlag. Köln. 1955 (S.28)

[7] auch bekannt unter dem Namen Pantalus oder unter dem Namen Siricius; er betonte mit Nachdruck die Vorrangstellung des römischen vor anderen Bischöfen und führte hierzu ein umfangreiches Erlasswesen ein

[8] siehe: Lenartz, Werner: Strom der Gnade – Legenden und Wunder, die sich das Volk am Rhein erzählt. Ferdinand Dümmlers Verlag. Bonn. 1946 (S.32)

[9] siehe: Lenartz, Werner: Strom der Gnade – Legenden und Wunder, die sich das Volk am Rhein erzählt. Ferdinand Dümmlers Verlag. Bonn. 1946 (S.32)

[10] siehe: Lenartz, Werner: Strom der Gnade – Legenden und Wunder, die sich das Volk am Rhein erzählt. Ferdinand Dümmlers Verlag. Bonn. 1946 (S.33)

[11] siehe: Gäth, Goswin Peter: Rheinische Legenden. Greven Verlag. Köln. 1955 (S.34 f)

[12] Cordulas Gebeine kamen in die Johanniterkirche in Köln, 1278 wurden sie von Albertus Magnus erhoben. Nach der Säkularisation kamen sie nach Königswinter und Rimini.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
St. Ursula and the Eleven Thousand Virgins
Hochschule
Technische Universität Dortmund  (Kulturwissenschaft)
Veranstaltung
Sagen und Legenden
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2003
Seiten
20
Katalognummer
V14352
ISBN (eBook)
9783638197779
Dateigröße
1612 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ursula, Eleven, Thousand, Virgins, Sagen, Legenden
Arbeit zitieren
Jasmin Sell (Autor:in), 2003, St. Ursula and the Eleven Thousand Virgins, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14352

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