Suburbanisierung - Verlauf in Ost- und Westdeutschland (Bsp. Mainz)


Hausarbeit, 2006
11 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Definition Suburbanisierung

2. Verlauf der Suburbanisierung in Ost- und Westdeutschland

3. Der Prozess der Suburbanisierung
3.1. Suburbanisierung von Produktionsstätten
3.2. Verlagerung des Handels
3.3. Suburbanisierung der Bevölkerung

4. Suburbanisierung in Mainz
4.1. Bevölkerungsentwicklung
4.2. Berufspendler nach Mainz
4.3. Siedlungsentwicklungen
4.4. Gewerbe und Wirtschaft
4.5. Steuerung der Stadt-Umland Entwicklung

Fazit

Inwiefern wird durch die Suburbanisierung, die ökonomische, ökologische und demographische Entwicklung einer Region beeinflusst? Mit welchen Folgenproblemen müssen Kernstadt und Umland rechnen?

1. Definition Suburbanisierung

Unter Suburbanisierung ist die „Verlagerung von Nutzungen und Bevölkerung aus der Kernstadt, dem ländlichen Raum oder anderen metropolitanen Gebieten in das städtische Umland bei gleichzeitiger Reorganisation der Verteilung von Nutzungen und Bevölkerung in der gesamten Fläche des metropolitanen Gebietes” (FRIEDRICHS 1995: 99) zu verstehen. Somit handelt es sich bei der Suburbanisierung nicht nur um eine Expansion der Stadt in das Umland, sondern auch um eine Dekonzentration von Bevölkerung, Produktion, Dienstleistung, Verwaltung und Handel. (KNOW LIBRARY 2004)

2. Verlauf der Suburbanisierung in Ost- und Westdeutschland

Die Verstädterung der Randzonen und Vorstädte zu Lasten der Kernstädte, setzt mit zunehmender Massenmotorisierung und dem Drang der Bevölkerung im ländlichen Raum zu leben 1960 ein. (HEINEBERG ²2001: 40) In der alten Bundesrepublik Deutschland schreitet die Bevölkerungssuburbanisierung der tertiären Suburbanisierung voran. Im Rahmen einer nachholenden Suburbanisierung ist dies in den neuen Bundesländern nach der Wende umgekehrt der Fall. (FISCHER 2000: 112) Großunternehmer aus den alten Bundesländern ergreifen in den neuen Ländern die Entwicklungschance. Die städtische Peripherie ist besonders beliebt, mit klaren Eigentumsverhältnissen und riesigen Flächenpotential. (MATTHIESEN, U. 2002: 82)

3. Der Prozess der Suburbanisierung

Für die Standortverlagerung oder direkte Ansiedlung in das Umland von Produktionsstätten (sekundärer Sektor), Handel (tertiärer Sektor) und Bevölkerung (Haushalte) gibt es zahlreiche gemeinsame Gründe. Die Verfügbarkeit größerer zusammenhängender Flächen und niedrigeren Bodenpreisen, sowie die zunehmende Motorisierung. (KNOW LIBRARY 2004) Zumeist parallel mit der Entwicklung von Massenverkehrsmitteln ist ein Prozess der Ausdehnung städtischer Lebens- und Siedlungsweise aus der Kernstadt in das Ergänzungsgebiet. Die Abwanderung aus den Großstädten oder die Zuwanderung in die Ballungsgebiete führt zur Verstädterung ländlicher Gemeinden. (KNOW LIBRARY 2004)

„Verkehrserzeugender aber wirkt der Umstand, dass sogar 65,3 % der Bevölkerung in weniger als 30 Minuten Pkw-Reisezeit zum nächsten Verdichtungsraum fahren und dort die Angebote an Arbeitsplätzen, Versorgung, Kultur und sonstigen Freizeitmöglichkeiten etc. nutzen können“. (FRIEDRICHS 1995: 104-105, zit. nach: WÜRDEMANN 1993: 267) Im suburbanen Raum bilden sich in der Folge zunehmende ökonomische, politische und soziale Beziehungen und Netzwerke, die die kaum noch in Verbindungen mit der Kernstadt steht. (MATTHIESEN, U. 2002: 38)

3.1. Suburbanisierung von Produktionsstätten

Es gibt zahlreiche Gründe für die Abwanderung von Industriebetrieben. Der Innenstadt mangelt es an Flächen, um dem Industriebetrieb eine Expansion zu ermöglichen. Gegen eine Erweiterung innerhalb der Stadt sprechen auch die steigenden Grundstückspreise, die Verkehrsverdichtung und die mangelhafte Verkehrsanbindung. (UNIVERSITÄT KL 2001/2002) Ein weiterer Grund für die Suburbanisierung von Produktionsbetrieben, ist die Einführung neuer Produktionstechnologien. (MY GEO 2005) Bei der Standortwahl muss der sekundäre Sektor einen Kompromiss eingehen. Der neue Standort muss weit genug in den suburbanen Raum verlagert werden, um eine ausreichende Senkung des Bodenpreises und eine angemessene Flächengröße zu erzielen. Zum anderen darf der Standort nicht so weit ausgelagert werden, dass das bisherige Arbeitskräftepotential der Kernstadt verloren geht. Deswegen wird der Betrieb den Standort in einem Rahmen wählen, in dem ein ausreichender Einzugsbereich von Arbeitskräften gewährleistet ist. (FREIDRICHS 1995: 105), (UNIVERSITÄT KL 2001/2002)

3.2. Verlagerung des Handels

Die tertiären Einrichtungen bevorzugen als Standort die City, da die Kontaktmöglichkeiten gut mit den Kommunikationsbedürfnissen der Betriebe übereinstimmen. Weitere Gründe für die Standortwahl innerhalb der Stadt sind in dem innerstädtischen Firmensitz (Prestige) und in der wertbeständigen Kapitalanlage (Gebäude und Grundstücke innerhalb der City) zu sehen. (UNIVERSITÄT KL 2001/2002) Dem Handel unterliegt auch ein Suburbanisierungsprozess. Für den Großhandel gelten ähnliche Gründe wie für die Suburbanisierung der Produktionsstätten. (MY GEO 2005) Ähnlich stehen preiswerte verfügbare Flächen und gute Transportwege im Vordergrund. Für den Einzelhandel zählen diese Faktoren ebenso wichtig, setzen diese Betriebe auch einen Suburbanisierung der Bevölkerung voraus. Die Betriebe des Einzelhandels sind gezwungen, sich den Wanderungsbewegungen der Bevölkerung anzuschließen und sich in den neuen Wohngebieten niederzulassen. Der Weg zu den Verbrauchermärkten wird für die Endverbraucher kürzer. (FREIDRICHS 1995: 105) „Charakteristisches Indiz für die Einzelhandelssuburbanisierung sind die Einkaufszentren im Umfeld großer Städte, die zumeist eine typische Branchenstruktur aufweisen (z.B. die Kombination: Möbelhaus, Supermarkt, Baumarkt).“ (MY GEO 2005)

3.3. Suburbanisierung der Bevölkerung

Die Wanderung der Bevölkerung in das Umland ist eine Folge der Bedingungen auf dem regionalen Wohnungsmarkt. (UNIVERSITÄT KL 2001/2002) Es handelt sich hierbei um keine Stadtflucht, „sondern vielmehr um ein rationales Kalkül.“ (FRIEDRICHS 1995: 105) Denn die Wanderung ist selektiv. Insbesondere junge Haushalte mit Kindern (überdurchschnittliches Einkommen) ziehen in das Umland. Haushalte mit hohen Einkommen sind hingegen noch in der Lage, „ein Haus noch innerhalb der administrativen Grenze der Stadt zu finanzieren.“ (FRIEDRICHS 1995: 105) Die Grundstückspreise und die Mieten sind in zentralen Gebieten übermäßig hoch, während zur Peripherie hin die Bodenpreise immer günstiger werden. Diese Tatsache ist der Grund, warum viele Familien mit Kindern in das Umfeld einer Stadt, mit besserem Umfeld (Garten, Grün, bessere Luftqualität, geringere Lärmbelästigung) ziehen. Die Familie wägt verschiedene Faktoren für die Wahl eines Wohnstandortes ab. Sie gewichten vor allem die Relation zwischen Wohnfläche und Preis/Miete sowie negative Wohnumfeldeindrücke im Stadtbereich hoch und entscheiden sich bevorzugt für ein steuerbegünstigtes Eigenheim im Umland. (MY GEO 2005) Bei solch einer Standortentscheidung werden oft die Nachteile der Haushalte übersehen, denn „ zum einem sind die Fahrtzeiten zum Arbeitsplatz, der meist in der Kernstadt, (…), liegt, länger. Zum anderen entstehen vielfach Kosten, um die Kinder zur Schule, zu anderen Einrichtungen oder zu Freunden zu fahren.“ (FRIEDRICHS 1995: 105)

4. Suburbanisierung in Mainz

Die Stadt-Umland-Region Mainz-Rheinhessen umfasst den gesamt zentralen rheinhessischen Raum. Die definierte Stadt-Umland Region umfasst den Landkreis Mainz-Bingen (ohne den nordwestlichen Teil), den Landkreis Alzey-Worms (ohne den südlichen Teil) und den äußersten östlichen Rand des Landkreises Bad Kreuznach. (STADT MAINZ 2004: 14). Der östliche Teil der Region schließt an das Rhein-Main-Gebiet an und unterliegt einem Wachstumsdruck, während der westliche Teil von Strukturschwäche und deutlich abnehmender Bevölkerung geprägt ist. (FLÄCHE IM KREIS 2005)

4.1. Bevölkerungsentwicklung

In den vergangenen 30 Jahren ist ein kontinuierliches Bevölkerungswachstum im Umland zu beobachten. Der östliche Teil der Region (Rheinhessen) ist durch eine ausgeprägte Suburbanisierung und Stadt-Umland Wanderung in den Landkreisen Mainz-Bingen und Alzey-Worms der Landeshauptstadt Mainz gekennzeichnet. (FLÄCHE IM KREIS 2005) In Mainz stagniert die Bevölkerung, jedoch nicht im rheinhessischen Umland, mit einem Zuwachs von 36.000 Einwohnern von 1992 bis 2002. In den Landkreisen Alzey-Worms und Mainz-Bingen ist das relativ größte Bevölkerungswachstum mit 14 %, bzw. 10% zu beobachten. Zu den größten Wachstumsgemeinden gehören Bodenheim, Nieder-Olm, Ober- Olm und Zornheim, aber mittlerweile auch Wallertheim, Armsheim und Undenheim. Zu erkennen ist eine steigende Stadt-Umland-Wanderung in den rheinhessischen Raum. (BUNDESAMT FÜR BAUWESEN UND RAUMORDNUNG 2005: 18) Die Stadt Mainz weist eine negative Wanderungsbilanz auf. Zwischen 1992 und 2002 sind insgesamt 34.624 Personen in das rheinhessische Umland gezogen, umgekehrt sind 22.364 Personen vom Umland nach Mainz gezogen. Negative Wanderungsbilanzen führen zu sinkenden Einkommenssteuereinnahmen (siehe Abb.). Hohe Wanderungsgewinne erzielen Gemeinden mit guter Verkehrsanbindung. (STADT MAINZ 2004: 8-9)

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Details

Titel
Suburbanisierung - Verlauf in Ost- und Westdeutschland (Bsp. Mainz)
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Geograhisches Institut)
Veranstaltung
Einführung in die Siedlungsgeographie (Übung)
Note
2
Autor
Jahr
2006
Seiten
11
Katalognummer
V143531
ISBN (eBook)
9783640547128
ISBN (Buch)
9783640550616
Dateigröße
544 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Def. Suburbanisierung, Verlauf Ost-WestDtdl., Prozess der Suburbanisierung, Bsp. Mainz (Bevölkerungsentwicklung, Pendlerbewegung, Siedlungsentwicklung, Gwerbe &amp, Wirtschaft, Steuerung Stadt-Umland Funktion)
Schlagworte
Suburbanisierung, Verlauf, Ost-, Westdeutschland, Mainz)
Arbeit zitieren
Benedikt Breitenbach (Autor), 2006, Suburbanisierung - Verlauf in Ost- und Westdeutschland (Bsp. Mainz), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143531

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